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Die Millionenmetropole Seattle im US-Bundesstaat Washington ist Heimat einiger der einflussreichsten globalen Unternehmen – darunter Amazon, Starbucks, Boeing und Nordstrom. Microsoft residiert im nahe gelegenen Redmond, gehört aber untrennbar zur DNA dieser Region. Doch diese Geschichte führt zu einem weniger bekannten, für Geocacher jedoch nahezu heiligen Schauplatz: zum Headquarter von Groundspeak. Wer noch nie davon gehört hat, sollte sich auf einiges gefasst machen – dieses Kapitel kann das eigene Leben verändern. Zumindest hat es meines nachhaltig geprägt.
Für Archäologen ist es die Akropolis, für Bergsteiger der Mount Everest, für Fußball-Fans das Wembley-Stadion. Und für mich? Um das zu erklären, muss etwas ausgeholt werden. Bevor die tiefste Leidenschaft geteilt wird, sei all jenen eine Entschuldigung vorausgeschickt, die nach dem Lesen womöglich irritiert den Kopf schütteln und sich fragen: „Geht’s ihm gut?“
Vor 15 Jahren gab ein kleiner, ahnungsloser Junge – aus welchen Gründen auch immer – die Begriffe „Klagenfurt“ und „Sverige“ in eine Suchmaschine ein. Diese merkwürdige Eingabe führte ihn zu einem kleinen Teich in der Nähe des malerischen Wörthersees. Dort, versteckt zwischen dornigen Sträuchern, entdeckte er eine unscheinbare Plastikdose. Was er damals noch nicht ahnte: Genau in diesem Moment begann eine Lawine, die sein Leben bis heute prägt. Anfangs waren es einfache Funde: einer auf einem Baum, einer unter einem Stein, einer in der Hecke, einer an einem Stoppschild. Doch schon bald wurde geklettert, geschwommen, gekrochen und gerobbt.
Zecken wurden entfernt, Wunden versorgt, Brennnesseln verflucht. Es wurde gerätselt, gezeichnet, recherchiert und gerechnet. Der Alltag führte durch dunkle Höhlen, verlassene Gebäude und tiefe Sümpfe. Kompass, wasserfestes Schreibzeug, Verbandskasten, gelbe Gummistiefel, Magnet und Leiter – ohne diese lebenswichtigen Utensilien wurde das Zuhause nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Die Fundzahlen stiegen von zehn auf hundert, von hundert auf tausend – und irgendwann wurde sogar die magische Zehntausendergrenze überschritten. Ein Ende? Nicht in Sicht. Alte Freunde mussten leiden, neue Wegbegleiter kamen hinzu – der Rest ist Geschichte.
Und nun ist es so weit: Im dritten Stock eines modernen Bürogebäudes befindet sich der Hauptsitz der Firma Groundspeak, verantwortlich für die schönste Nebensache der Welt: GEOCACHING.
Seit der Sekunde des Betretens dieser Büroräume war klar, wie sich der Himmel anfühlen muss. Die herzliche Art aller Mitarbeitenden nahm sofort jede Nervosität. Eine Angestellte führte exklusiv durch das gesamte Headquarter – eine Tour, die weniger als drei Minuten dauerte, da es objektiv betrachtet wenig bis nichts zu sehen gibt. Für normale Menschen zumindest. Hier hingegen waren es die zwei bedeutendsten Büroräume, die je betreten wurden. Die persönliche Akropolis. Der eigene Mount Everest. Das eigene Wembley-Stadion.
AUFGEREGT IM GEOCACHE HEADQUARTER
Warnung: Dieser Absatz enthält ausschließlich nerdige Begriffe!
Hunderte von Travelbugs mit außergewöhnlichen Geschichten inklusive ihrer Tracking-Nummer lagen zum Discovern bereit. Zwei von ihnen wurden sogar in den Weltraum befördert. Die ersten Geocoins wurden präsentiert, während weitere SWAGs in einer Schatztruhe aufbewahrt werden. Das kreativste Logbuch aller Zeiten durfte geloggt werden, denn ein DNF ist an dieser Location ausgeschlossen. Auf einer großen Leinwand werden die aktuellen Founds in Echtzeit dargestellt. Die Letterbox mit den meisten Fav. Points wird gehoben, da sie hier nicht gemuggelt werden kann. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, den FTF zu erlangen, äußerst gering war, stellt sich unendliche Freude ein. Die Koords für die nahegelegenen Mystery- und Multi-Caches diverser DT-Wertungen wurden dechiffriert – D5/T5 inklusive, damit die Matrix weiter aufpoliert und der Jasmer-Progress nicht länger auf Eis liegt. Für alle, die keine Ahnung haben, wovon hier die Rede ist: Vermutlich ist das sogar besser so. Denn wer einmal dem Geocaching verfallen ist, kommt nicht mehr zurück. Wiederholte Verletzungen, Schulden, riskierte Beziehungen und verlorene Jobs sind da keine Seltenheit!
Nein, ganz so dramatisch ist es natürlich nicht – aber etwas könnte sich durchaus verändern. Wer diese Welt voller Abenteuer, Herausforderungen, Schätze und Schürfwunden betritt, wird nicht mehr derselbe sein.
Definition: Geocaching ist eine aktive Schnitzeljagd. Anhand von vorgegebenen oder errechneten Koordinaten sucht ihr einen bestimmten Ort auf – um dort einen Schatz zu finden. Wohin es einen führt, weiß man meistens erst, wenn man dort ist.
Schatz? Was für ein Schatz? Diese Frage wurde mir oft gestellt. Das Schönste an meiner – zugegeben etwas übertriebenen – Leidenschaft: Man weiß es nicht. Es existieren unzählige verschiedene Möglichkeiten, die einen erwarten können. Ein paar Beispiele habe ich für euch aufgelistet.
Wer einmal Lust auf eine Schnitzeljagd hat: Ich stehe jederzeit zur Verfügung – und mit jederzeit meine ich jederzeit: Tag und Nacht, rund um die Uhr, bei Regen, Schnee und Hitze. Und NEIN – Geocaching ist nicht Pokémon Go!
Übrigens: Die aufgelisteten Koordinaten führen euch zu einem historischen Platz.
Know Before You Go:
Das Geocaching Headquarter befindet sich nördlich der Innenstadt von Seattle im Stadtteil Fremont. Das Besucherzentrum kann kostenlos von Montag bis Freitag besichtigt werden. Aufgrund begrenzter Öffnungszeiten und hoher Nachfrage sollte man im Voraus reservieren. (https://www.geocaching.com)
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