Nebengeräusche

The Salton Sea (CA) 🇺🇸

Die nachfolgende Erzählung entstammt keiner Episode aus „X-Factor: Das Unfassbare“ – sondern basiert auf akribischer Recherche – und erweist sich zugleich beispiellos bedrückend und atmosphärisch bedrohlich schön. Wir befinden uns im südlichen Kalifornien – um einen Schauplatz zu erkunden, dessen Schicksal totgeschwiegen wird.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts stiegen die Wassermassen des mächtigen Colorado Rivers bedrohlich an. Ein gebrochener Damm und mangelhafte Planung der Kanäle führten dazu, dass sich das Wasser durch eine Senke in die nahegelegene Wüste ergoss. Das Leck konnte schließlich erst nach zwei Jahren repariert werden – wodurch dem ausströmenden Wasser genug Zeit blieb, einen neuen See zu bilden. Mit einer Fläche von 1.000 km² erblickte der Salton Sea das Licht der Welt – und eine chaotische Geschichte nahm ihren Lauf.

Entgegen aller Erwartungen verdunstete das Wasser nicht – was den unmittelbaren Beginn umfassender Baumaßnahmen zur Folge hatte. Die Wasserqualität war exzellent – das Einzugsgebiet ausgezeichnet (San Diego und Los Angeles sind nur drei Fahrstunden entfernt) – und innerhalb weniger Monate wurde ein amerikanischer Traum erschaffen. Freizeitanlagen, Ferienhäuser, Restaurants und moderne Hotels schossen in kürzester Zeit aus dem Boden.

 

Selbst die Zugvögel erkannten dieses neu entstandene Paradies als ihren Lebensraum. Um eine dauerhafte Bindung der Vögel herzustellen, wurde auch die Fischzucht gestartet. Bis in die späten 1950er-Jahre war der Salton Sea eine Ferienhochburg – sozusagen der Wörthersee Kaliforniens. Da das Gewässer über keine natürlichen Zu- und Abflüsse verfügt – führten die seltenen, aber starken Regenfälle zu ständigen Überschwemmungen und Zerstörungen.

Die Warnungen wurden ignoriert – die Wiederaufbauarbeiten starteten erneut – und der Tourismus erreichte seinen Höhepunkt.

Doch ein kleines – aber entscheidendes – Detail hatte sich inzwischen verändert. Die Anwesenheit des Sees hatte zu einer deutlichen Veränderung des Klimas geführt. Der Regen blieb gänzlich fern – was zu einer Unterbrechung des natürlichen Wasserkreislaufs und einem raschen Rückgang des Wasserspiegels führte – und schließlich eine ökologische Katastrophe auslöste. Die zunehmende Versalzung hatte ein massives Fischsterben zur Folge – woraufhin auch die Vögel fernblieben. Das führte zur Bildung von toxischem Schwefelwasserstoff – der sogar das Leben der Besucher erheblich gefährdete.

MY MOBIL HOME BY THE SALTON SEA

Nach meiner Ankunft am See wurde ich von einem starken Schwefelgeruch empfangen – und konnte das Salz in der Luft schmecken. Diese bedrohliche Einsamkeit, die kaum erträgliche Hitze und die ununterbrochene Totenstille jagten mir Angst ein.

In einer derart trostlosen Umgebung entdecke ich stets einen Hauch von Magie und Zauber – doch am Ufer des Salton Sea wurde das von einer unbekannten Form der Furcht und Panik übertroffen.

Know Before You Go: 

Der See befindet sich ca. 120 Meilen (ca. 193 Kilometer) von San Diego entfernt – und ist nur mit einem Mietwagen zu erreichen. Ich besuchte unter anderem die verlassenen Gebiete der Ostküste – Bombay Beach – die über mehr oder weniger befestigte Straßen erreichbar sind.

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