Kapitel 37 – 🇭🇰 Hong Kong
Tripel-Feature im Pazifik, Teil 1: Von chinesischen Micky-Mäusen 🐁 über skurrile Weihnachtstänze 🎄 bis hin zu Wasserwerfern und Schlagstöcken … Hongkong 🇭🇰 zeigt mir alle seine Facetten. Obwohl ich zehntausende Kilometer entfernt bin, fühle ich mich, als würde ich durch die schönsten Städte Europas spazieren … Macao 🇲🇴 – ein heimeliger Ort mitten in Asien. Warum hier jeder zum Millionär 💰 werden kann – und warum bestimmte Fahrzeuge singen … dieses völlig bekloppte, aber liebenswerte Taiwan 🇹🇼.
Der Legende nach sollte Weihnachten ja die schönste Zeit des Jahres sein – aber wir alle verfluchen bestimmt einmal das heilige Fest. Die stressige Vorweihnachtszeit, die blutrünstige Jagd nach den passenden Geschenken … der Vorausblick auf die Tage, die man im Reich der geliebten und gleichzeitig verteufelten Familie verbringt. Man verfällt in einen Putzrausch, weil man befürchtet, das Gesundheitsamt schaut am Heiligabend vorbei. Es gibt viele verschiedene Traditionen, die Feiertage zu verbringen: mit der großen chaotischen Familienbande, in ruhiger, gelassener Zweisamkeit oder mit einem „The Walking Dead“-Serienmarathon … einige von uns müssen ihren beruflichen Verpflichtungen nachgehen – und wieder andere kämpfen Jahr für Jahr gegen das Alleinsein.
All diese Optionen hatte ich bereits mehrmals hinter mir – deswegen beschloss ich, dieses Jahr einen etwas untypischen Weg einzuschlagen: das Disneyland in Hongkong 😅! Bevor wir uns den Helden unserer Kinderträume widmen, kommen wir einmal gemütlich in der Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China an – so lautet die offizielle Bezeichnung. Trotz meiner medialen Abwesenheit wusste ich um den Zustand und die politische Lage der Millionenstadt – und war auf eine unruhige Weihnachtszeit vorbereitet.
Ist Hongkong ein souveräner Staat, eine unendlich große Stadt, der Vorposten des chinesischen Reiches, ein Sklave des Kommunismus? Nicht einmal nach einer Woche kann ich euch diese Frage beantworten. Aus einem unbekannten Grund trifft alles ein wenig zu.
Wenn man vom verträumten und magischen Bali 🇮🇩 in die gigantische asiatische Megacity reist, glaubt man im ersten Moment, man wäre Teil eines mittelmäßigen, bombastischen Science-Fiction-Films. Alles, was die Erdbevölkerung jemals erfunden hat, wurde in Automaten verfrachtet – die sich sogar mithilfe einer deutschen Sprachführung bedienen lassen. Ich schwöre bei meinem heiligen Schweden: Es gibt nichts, was man sich nicht für ein paar Hongkong-Dollar ausdrucken kann.
Das Verrückte an der ganzen Angelegenheit: Ich garantiere euch – die deutsche Stimme muss die Herzblatt-💓-Susi sein. Unsere Susi erklärte mir, wie ich meine SIM-Karte erwerben kann – oder wie ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln umzugehen habe. Der Boden erinnert mich an das Kinderspiel mit den Zahlen. (Ihr wisst schon – wo man auf einem Bein herumhüpft.) Dutzende farbige Markierungen und Zeichen sollen dir den Weg durch den Dschungel erklären. Als ich endlich den Bus erreicht hatte, war ich mir nicht sicher, ob das Hightech-Gefährt die Straße entlangfahren – oder vielleicht doch auf der Stelle abheben würde … meine Susi 🥰:
„Lieber Mario, wenn du eine SIM-Karte mit 4 Gigabyte Daten für 8 Tage haben willst, die dich durch Hongkong und Macao begleitet, wähle die Eins. Willst du echtes Abenteuer erleben und mit nur 1 Gigabyte auskommen, dann nimm die Zwei. Suchst du aber Sicherheit und benötigst ein unlimitiertes Datenvolumen für 30 Tage – und hast einen Esel zu Hause, der Geld sch**ßt – dann wähle die Drei.“
Okay, der Teil mit dem Esel war erlogen – aber so in diesem Dreh könnt ihr euch den Empfang in der fortschrittlichsten Stadt der Welt vorstellen. Wer bereits mit den Stadtbusplänen von Klagenfurt überfordert ist und Asien nur aus dem Atlas kennt, ist in Hongkong ausgezeichnet aufgehoben. Das Metrosystem könnte nicht einfacher und klarer kommuniziert werden. Anstelle komplizierter Haltestellennamen und Linienbezeichnungen ist alles in wunderbaren Farben und Zahlen gehalten. (Das ist alles nicht ironisch gemeint – es ist wirklich idiotensicher.) Die zwei magischen Wörter für euren Überlebenskampf heißen Octopus Card. Mit ein wenig Guthaben kann dieses kleine Stück Plastik zaubern. Es öffnet euch die Türen zu allen Verkehrsmitteln und dient ebenfalls als Zahlungsmittel für die kreativen Automaten. Mehr als umgerechnet 20 US-Dollar kann man gar nicht aufladen – aber glaubt mir, das reicht für einige Zeit. Eine Fahrt mit der Fähre kostet gerade einmal zwanzig Cent.
Weniger bekannt dürfte sein, dass Hongkong ein wahres Naturparadies ist. Eine traumhafte Bergkulisse umgibt die Metropole. Die Wanderwege entlang der Küsten gehören zu den schönsten der Welt. Bedauerlicherweise wird es von Jahr zu Jahr schwerer, die klaren Seen, die grünen Wälder oder die imposanten Gipfel zu genießen – denn Hongkong versinkt im Smog. Die tägliche Kombination aus Luftverunreinigung und Morgennebel sorgt dafür, dass man nicht einmal die Affen in den Baumkronen beobachten kann.
Das Naturjuwel Lantau Island ist eine feenhafte grüne Insel mit der gigantischen Tian-Tan-Buddha-Statue. Das angrenzende Po-Lin-Kloster zählt zu den schönsten Bauwerken der Stadt und war mein bevorzugtes Ziel dieser Reise. Die Statue erreicht man entweder über die Ngong Ping 360 Seilbahn – mit einer 35-minütigen Fahrzeit gehört sie zu den spektakulärsten Seilbahnen der Welt – oder über den Lantau Trail. Da sich auf Bali alle meine Kräfte wieder vereint hatten und ich mich wie ein neugeborenes Reh fühlte, entschloss ich mich, einen kleinen Teil dieses 70 (!!!) Kilometer langen Wanderwegs zu gehen. Die Wetterfee versprach Tag für Tag 14 Stunden Sonnenschein mit angenehmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel. Die Aussicht, die Atmosphäre, das Erlebnis dieses Trails sollten sagenhaft sein … ja, leider sprechen wir im Konjunktiv 😥. Die hohe Luftverschmutzung, der hartnäckige Smog, dieser hässliche Tiefnebel legten sich wie eine Schutzhülle über das Eiland und vernichteten jegliches Wohlbefinden … und das bedauerlicherweise jeden einzelnen Tag.
Die Buddhastatue gehört zu den imposantesten ihrer Art – aber selbst als ich am Fuße der Skulptur angekommen war, konnte ich sie kaum erkennen. Das sagenhafte Kloster war durch einen Schleier verhüllt, sodass man kaum die Konturen ausmachen konnte. Ich kann mich an diesen enttäuschenden Moment gut erinnern. Ich wollte diese Niederlage einfach nicht akzeptieren und verbrachte den kompletten Tag auf der Insel – in der Hoffnung, dass sich das Blatt wendet … aber das Lächeln des Buddhas blieb mir verborgen, und ich musste letztlich deprimiert weiterziehen.
Neuer Tag, neues Glück! Der Lions Rock bietet den besten Ausblick über Hongkong. Am Lions Rock gibt es keine Seilbahn, keine Busse oder Taxis – es besteht nur eine Option, den Gipfel zu erreichen: Schwitzen, Schnaufen und Fluchen! Hunderte Stufen in der subtropischen Klimazone hinaufzurennen fordert den Körper heraus 😡. Flashback oder Déjà-vu? Nur mit viel Fantasie und gutem Willen kann man von der Aussichtsplattform die Umrisse der Skyline erkennen. Erneut wartete ich ab, vertrieb mir die Zeit mit der Beobachtung der durchgeknallten Affen – aber ich wurde wieder besiegt und musste geschlagen von dannen ziehen.
Eine schlaue Redewendung behauptet, dass alle guten Dinge drei sind (warum auch immer 🤔) – aber gilt das auch für asiatische Metropolen? Am Victoria Peak gibt es die nächste Chance, den erhofften Ausblick über die Wolkenkratzer zu ergattern. Diesmal ist die Schwierigkeitsstufe deutlich geringer: Entweder man legt eine 60-minütige Wanderung zurück – oder man nimmt die Peak Tram. Ich wählte diesmal den einfacheren Weg, nachdem ich erfahren hatte, dass die Seilbahn zu den steilsten der Welt gehört (48 Prozent Gefälle). Unser Fazit: Mittelalterliche Redewendungen funktionieren auch in asiatischen Großstädten … heute wurde ich vom Glück gesegnet.
Kurzer Exkurs – es lässt mich einfach nicht in Ruhe 🙈. Ursprünglich hieß die Redewendung „Aller guten Thinge sind drei“. Nein – kein obligater Rechtschreibfehler meinerseits: Der Begriff „Thinge“ stammt aus dem Mittelalter. Dort fand genau dreimal im Jahr eine Ratsversammlung statt – und als Angeklagter hatte man somit drei Möglichkeiten, sich vor den Richtern zu präsentieren. Erschien man jedoch auch zur dritten Versammlung nicht, wurde man vom Richter verurteilt. (Wieder was gelernt 😉.)
Zurück zum Glück. Die Aussichtsplattform am Victoria Peak erinnerte mich an den Schockmoment am Glacier Point im Yosemite-Nationalpark, Kalifornien 🇺🇸 – meine treuesten Leser können mir folgen. Schwingende Selfiesticks, eine unruhige Menschenmasse, fettiger Fast-Food-Geruch, überteuerte Souvenirläden – und mittendrin mein schweißgebadeter Körper 🤢. Du erwartest einen kargen Felsen inmitten einer grünen Landschaft mit Idylle und Atmosphäre – und bekommst einen Starbucks– und Burger-King-Beigeschmack präsentiert. Aber wisst ihr was? Es war mir egal. Endlich hatte sich der Smog verzogen – und ich wurde mit einem traumhaften Blick über die Stadt belohnt. Zur Feier des Tages ließ ich alle Besucher an meinem Triumph teilhaben und mischte mich unters Volk, um meinen wohlduftenden Körpergeruch zu verbreiten 😅.
Hongkongs Disneyland hat mit der US-amerikanischen oder europäischen Version wenig gemein. Das Grundprinzip ist dasselbe: Micky Maus, Achterbahnfahren, Wohlfühlen und Kind sein … aber die Umsetzung ist für Besucher aus der westlichen Welt eine kuriose Ansammlung skurriler Höhepunkte. Ein paar kleine Anekdoten, damit ihr euch ein Bild machen könnt:
✔ Seit Jahren wird erweitert und gebaut. Die Hälfte des Areals wird durch Baustellen versperrt – aber die Achterbahnen ziehen trotzdem gemütlich vorbei.
✔ Die befürchteten Menschenmassen existieren in Hongkong nur bei den „Meet the Characters“. Für ein Foto mit Elsa und Anna steht man gut und gerne zwei Stunden an. Bei den Fahrgeschäften wird man praktisch durchgewinkt.
✔ Minnie Maus, Alice aus dem Wunderland und Goofy bekommen Zuwachs. Pokémons und Hello Kitty dominieren die Landschaft – warum zur Hölle 🙈?
✔ Die bekannte Disneyparade – jetzt wird es spooky. Donald, Micky und ein paar äußerst dubiose Figuren nehmen auf der Bühne vor dem Schloss Aufstellung. (Das übrigens komplett durch Baukräne zugepflastert ist.) … „Let the show begin.“
Ich befinde mich in den Fängen von hunderten asiatischen Familien, die vollkommen ausrasten, als Micky und seine Genossen die Weihnachtsklassiker anstimmen: 🎶 „I just want you for my own. More than you could ever know. Make my wish come true. All I want for Christmas is you, yeah“ … auf Kantonesisch, Mandarin oder was weiß der Teufel … 🙈🙈🙈. Als die Show ihren Höhepunkt erreicht, werden die Schneekanonen in Stellung gebracht – und der Kunstschnee erhebt sich über der tanzenden Menge. Früher gab es einmal eine Brieflos-Show im SF1, wo sich Freiwillige in eine durchsichtige Telefonzelle einsperren und versuchen mussten, so viele Geldscheine wie nur möglich mitzunehmen … das perfekte Beispiel für Weihnachten im Disneyland Hongkong! Großvati, es hat geschneit 🤣. Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung von Hongkong selten in den Genuss kommt, Naturschnee zu sehen. Sollte das nicht so sein, mache ich mir ernsthafte Sorgen um die menschliche Intelligenz! Das waren schon äußerst seltsame Momente, die ich hier erleben durfte.
Anfangs erwähnte ich, dass die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ein Kinderspiel ist. Das ultimative Gegenteil ist die tägliche Suche nach Nahrung. Etwas wie Hofer, Lidl, Billa oder SPAR gibt es in der alten Innenstadt von Hongkong nicht. (Übrigens: Wusstet ihr, dass SPAR nichts mit „sparen“ zu tun hat? SPAR ist ein niederländisches Unternehmen – die Buchstaben sind die Abkürzung eines Mottos, das ins Deutsche übersetzt „Tannenbaum“ bedeutet! Aha! Genau deswegen die Tanne im Logo. Ja – vereinzelt habe ich etwas zu viel Zeit 😅.)
Immer diese Abschweifungen. Zurück zur Nahrungsmittelsuche – es gibt nur eine Möglichkeit, dem drohenden Hungertod zu entgehen: unzählige kleine asiatische Restaurants. Das Problem: Sie sind rund um die Uhr brechend voll. Die Herausforderung: kein Wörtchen Englisch, die Speisekarten hatten keine Bilder – und die Schriftzeichen konnte ich nicht übersetzen oder interpretieren. Die Lösung: die Komfortzone verlassen und ohne Rücksicht auf Verluste rein ins Vergnügen. Das Risiko: dass man einen Eidechseneintopf, eine Schlangensuppe oder gebratene Fledermäuse verschlingt. Ich habe all diese Delikatessen mehr oder weniger versehentlich probiert – und ich kann euch nur eines darüber sagen: 2 von 3 schmecken so, wie man es sich vorstellt. Aber eine Mahlzeit war richtig lecker. Für welches Menü würdet ihr euch heute entscheiden?
Die ultimative Challenge, der legendärste Endgegner – sozusagen der Bowser aus Super Mario 64 – sind die Stäbchen! Hat schon jemand versucht, eine Reissuppe mit Stäbchen zu essen? So viel Zeit mit Mikado spielen kann man in der Kindheit gar nicht verschwendet haben, um das unfallfrei hinzubekommen. Die Technik ist gar nicht so das Problem – sondern dieser Druck! Dieser unerträgliche Druck!
Sting brachte es in den 80er-Jahren auf den Punkt: 🎶 „Oh, I’m an alien, I’m a legal alien. I’m an Englishman in New York“ … meine Version: „I’m a Carinthian man with Styrian roots in Hongkong.“ Du stehst in jeder einzelnen Sekunde unter unfassbarem Druck – die Augen jedes einheimischen Restaurantbesuchers sind auf dich gerichtet. Jeder Asiat möchte verfolgen, wie sich der Europäer im Kampf Stäbchen vs. Reissuppe schlägt. Dagegen wirkt das familiäre Fondue- oder Raclette-Essen wie ein Schnellimbiss.
Genau – Sightseeing in Hongkong, da war ja noch was. Bevor man das Zeitliche segnet, sollte man laut Lonely Planet einmal in seinem Leben mit der Hongkong Star Ferry gefahren sein. Die berühmt-berüchtigte Staten Island Ferry in New York 🇺🇸 wirkt wie eine Wish-Version im Vergleich zur Star Ferry. Egal wann, wohin, mit wem oder zu welcher Uhrzeit – die Aussicht auf die Skyline ist sagenhaft. Der Spaziergang entlang des Tsim Sha Tsui Star Ferry Pier gehört zu den genialsten und lebhaftesten Flaniermeilen, die ich jemals erlebt habe. Entlang der Küste wurde die asiatische Antwort auf den Hollywood Walk of Fame gebaut. In der Avenue of Stars könnt ihr die Fuß- und Handabdrücke der prominentesten Asiaten bewundern. Zu meinem bedauerlichen Entsetzen musste ich feststellen, dass ich außer Jackie Chan und Bruce Lee niemanden erkannt habe. Im lebendigsten Stadtteil Kowloons werdet ihr das zauberhafte Chi-Lin-Nonnenkloster besichtigen oder durch den wunderschönen Nan-Lian-Garten spazieren.
Wer sich nach etwas Skurrilität sehnt, sollte das Monster Building in der Quarry Bay besichtigen. Ein einziges Wohngebäude hat über 2.200 Wohneinheiten – in denen knapp 11.000 Menschen leben! Ganz Knittelfeld lebt in einem einzigen Haus 😱. Und wer Lust und ein wenig zu viel Zeit hat, sollte eine Fahrt mit dem Central-Mid-Levels Escalator unternehmen. Die längste Rolltreppe der Welt verläuft einspurig durch Hongkong und überbrückt 135 Höhenmeter. Eine einfache Fahrt dauert ca. 20 Minuten – aber gebt Acht: Vormittags läuft die Rolltreppe bergauf, nachmittags nur bergab.
Der Hongkong-Reisebericht wurde bewusst ein klein wenig humorvoll und überspitzt geschrieben – denn der Heilige Abend steht nun vor der Tür. Dieses Land, diese Stadt, die Sonderverwaltungszone – oder wie auch immer ihr Hongkong bezeichnen wollt – stand bis zum Jahr 1997 unter britischer Herrschaft. Keine Sorge, es folgt keine geschichtliche Aufklärung – dieser Fakt soll euch nur verdeutlichen, dass Weihnachten in Hongkong eine ganz große Nummer ist. Relativ ähnlich zu unseren Feierlichkeiten – nur ein klein wenig kitschiger und schriller … aber nur ein klein wenig 😅. Den Heiligen Abend verbrachte ich am Pier, um die wunderbare nächtliche Aussicht auf die Skyline zu genießen. Die anwesenden Touristen und Einheimischen wurden mit – sagen wir – äußerst kreativen und talentierten Showacts unterhalten. Ein kleines Best-of des X-Mas-Entertainment-Programms 🇭🇰 für euch:
Ich weile entspannt am Pier und beobachte die schrillen Wolkenkratzer, die sich in der Dunkelheit im Wasser spiegeln. Die Reihen lichten sich schön langsam, die talentierten Künstler spielen bereits die Zugabe – und der Abend nimmt sein Ende. Ein letzter Blick Richtung Ozean – und wie aus dem Nichts tauchen plötzlich dutzende Schnellboote am Pier auf. Anlegestationen gibt es hier zwar keine – aber das hinderte die Besatzung nicht daran, an Land zu gehen. Hunderte Menschen strömen im Sekundentakt aus den Schiffen. Einige hatten Warnwesten an, andere nicht näher definierbare Kostüme – und der restliche Teil war als Santa Claus verkleidet. In diesen Augenblicken wurde mir innerlich heiß – denn ich glaubte zu wissen, was nun passieren würde.
Die Demonstranten formierten sich zu Gruppen, präsentierten ihre Schilder, Plakate und Lautsprecher – und begannen sich mit politischen Parolen lautstark in Szene zu setzen. Maximal fünf Minuten später rückte die Kavallerie bereits mit Schutzschilden und Schlagwaffen an – und der Panikfaktor stieg ins Unermessliche. Die wenigen Einheimischen und die Urlauber – inklusive meiner Wenigkeit – liefen kreuz und quer, um festzustellen, dass es hier keinen richtigen Ausweg gab.
Soll ich nach rechts gehen oder nach links? Vielleicht ist es besser, nicht zu laufen und langsam zu spazieren? Oder einfach durch die Menge hindurch – oder doch still und ruhig stehenbleiben, in der Hoffnung, dass sich die Situation beruhigt? Wir kannten diese Bilder aus den Nachrichten – aber aus heiterem Himmel mittendrin zu geraten war eine andere Liga. Mir war bewusst, dass es seit Monaten zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und der Polizei kommt – aber bis zum Heiligen Abend war davon nicht im Ansatz etwas zu sehen oder zu spüren gewesen.
Interessant sind die Beobachtungen der teilnahmslosen Menschen. In der ersten Sekunde erkenne ich sofort, welche Leute hier wohnhaft sind – und wer zu Besuch ist. Den Touristen und Urlaubern ist die Angst ins Gesicht geschrieben – und die Ansässigen spazieren mit einer Ruhe und Gelassenheit an den Straßenblockaden und Polizeikräften vorbei, als grüßte täglich das Murmeltier. Ich erspare euch jetzt die Details meines weiteren Heiligen Abends und versorge euch nicht mit Hintergrundinformationen über die Unruhen – sondern schildere euch einige Erkenntnisse, die ihr wohl weniger in den Medien lesen werdet.
✔ Sowohl die Demonstranten als auch die Polizisten sind noch Kinder. Ein unbeschreiblich düsteres Gefühl, solche blutjungen Menschen aufeinander losgehen zu sehen.
✔ Es erinnert mich an den Roman „Die Welle“. Die maskierten Protestler laufen in kleinen Gruppen durch die Straßen, verkünden ihre Parolen – und von Minute zu Minute wird die Gruppe größer, denn heimische Passanten schließen sich an.
✔ Verfluchter innerer Schweinehund. Es könnte gefährlich werden – aber trotzdem bleibt man immer wieder stehen, geht sogar einige Meter zurück, um das aggressive Treiben zu beobachten. Mein Verhalten ist moralisch äußerst verwerflich.
✔ Die Presseleute: Zwischen den verfeindeten Truppen mischen sich massenhaft Presseleute und Kamerateams – als ob sie einen Unsterblichkeitstrank eingenommen hätten.
✔ Wenn aus Sicherheitsgründen jegliche Verkehrsmittel – inklusive Metro – gestoppt werden, wird der Weg zur Unterkunft zum Geduldsspiel. Zwischen den Wolkenkratzern ist die Navigation schwierig, die Straßenbeschilderung gleicht einer Lotterie – und ständig sind Gassen und Wege versperrt, sodass man laufend Umleitungen einplanen muss.
✔ „Business as usual“: Am Morgen des darauffolgenden Tages sind die Straßen wieder aufgeräumt – und die Bewohner gehen ihrem täglichen Ablauf nach. Die Spuren sind beseitigt – als wäre es nur ein Traum gewesen.
Ich hoffe, ihr hattet etwas erholsamere Feiertage als ich. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in meiner Science-Fiction-Kapsel am sichersten fühlen würde. Das bekannte Jugendherbergen-Leben mit den klassischen Stockbetten existiert in Asien nicht. Für das kleine Budget wurden die hochmodernen Kapselhotels erfunden – eine wundersame Erfahrung, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Meine kleine Weltraumkapsel hatte ungefähr zwanzig Knöpfe – wovon ich bei der Hälfte noch immer nicht weiß, welchen tieferen Sinn sie verfolgen.
Nummer 1 steuerte die Farbe des Lichts, Nummer 2 regelte die Temperatur – und Nummer 3 sorgte für die Durchlüftung. Ein eingebautes Radio, Stromadapter, USB-Ports, ein Safe, ein Zahlenschloss … alles war innerhalb von zwei bis drei Quadratmetern vorhanden. In der zweiten Nacht entdeckte ich einen Tisch und einen fernsehähnlichen Bildschirm. Leider stellte mich die kantonesische Beschriftung vor gewisse Herausforderungen. Knopf Nummer 8 oder 9 verursachte leicht dubiose Geräusche – deswegen wollte ich mein Glück nicht herausfordern. Wer weiß – vielleicht hebt dieses Ding sogar ins All ab? Zusammengefasst: die beste und einzige Möglichkeit, in den asiatischen Metropolen preiswert zu übernachten. Befremdlich, ziemlich eng – aber vollkommen schallisoliert und gemütlich. Sollten jetzt frisch verliebte Pärchen Lust und Laune auf Hongkong bekommen haben: Es gibt so gut wie in jedem Kapselhotel auch Pärchen-Unterkünfte – sozusagen die Honeymoon-Suite der Zukunft. Und ich wette, dass diese Teile eine hundertprozentige Schallisolierung haben 😅.
Mein Fazit: Hongkong ist eine hochmoderne Stadt, die mit Skurrilität und Natur punktet – der perfekte Start, um in die asiatische Kultur einzutauchen. Eine Woche reicht nicht aus, um all die schönen Plätze dieses Staates – oder Landes – oder ihr wisst schon – zu besuchen.
Sicherheit: Abgesehen von den politischen Schwierigkeiten gehört dieser Teil der Welt zu den sichersten. Die Menschen sind hilfsbereit, zivilisiert und respektvoll. Der Verkehr hält sich in Grenzen – und das Leitungswasser kann überall bedenkenlos getrunken werden. Vorab würde ich die aktuelle Lage überprüfen und einen Blick auf die Ein- und Ausreisemöglichkeiten werfen. Die angrenzende Volksrepublik China 🇨🇳 ist über den Land- respektive Wasserweg nicht ohne Weiteres passierbar.
Kosten: Die Kosten der Grundbedürfnisse sind in Hongkong leicht unter unserem Niveau angesiedelt. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder der Genuss der Eidechsensuppe sind erfreulich kostengünstig.
… eine 45-minütige Bootsfahrt bringt mich nach Macao 🇲🇴 – das Las Vegas des Ostens …
Hier geht’s zu Kapitel 38 Macao 🇲🇴















































