Kapitel 30 – 🇨🇦 Kanada (Québec)

Halloween in Nordamerika! Kommerzieller Wahnsinn oder Kult? Wieso ich einen halben Tag in einem Einkaufszentrum verbracht habe und warum wir unsere englischen Sprach-Skills über Bord werfen können …- … der „Indian Summer“ steht vor der Tür und wir sind mitten drinnen …- … Bienvenue à Montreal.

Die Flugzeit von Vancouver nach Montréal beträgt mehr als fünf Stunden. Wir überqueren drei Zeitzonen und legen 4.500 Kilometer zurück – dieselbe Distanz wie von Lissabon 🇵🇹 nach Sankt Petersburg 🇷🇺. Erst dadurch konnte ich wirklich begreifen, wie gigantisch groß Kanada ist. In Montréal musste ich meine Französischkenntnisse auspacken, um mich zu orientieren. Englisch wird als lästige Zweitsprache betrachtet und im Alltag kaum verwendet. Zu blöd, dass sich mein Französisch auf wenige Sätze beschränkt – die ich hier allerdings nicht verraten möchte 😅. Die zweitgrößte kanadische Stadt war für mich französischer als alles, was ich je in Frankreich 🇫🇷 gesehen habe. Seltsame Formulierung 🤔 – aber ich hoffe, ihr wisst, was ich meine. Klischee hin oder her: Das klassische Baguette unter dem Arm gehört hier zur Grundausstattung.

Voller Vorfreude quartierte ich mich bei einer netten Gastfamilie ein – um festzustellen, dass sie kein einziges Wort Englisch sprechen. Also mussten wieder einmal Hände und Füße als Kommunikationsmittel herhalten.

Halloween 🎃 in Kanada! Unser Kalender beschert uns jährlich viele Feiertage und Festlichkeiten. Keiner davon interessiert mich wirklich – aber es gibt drei, die ich abgrundtief hasse: Fasching – wie sehr hasse ich diese Zeit 🙈 –, Valentinstag – mal ehrlich: Wer braucht diesen kommerziellen Tag, um das 💖 seines Liebsten zu beglücken? – und Halloween. Ich verabscheue Halloween!

Für meine „Buu-huu“-Phobie sind die Iren 🇮🇪 verantwortlich. Irische Einwanderer brachten dieses Fest in die Vereinigten Staaten, die es wiederum nach Kanada exportierten. Buu-huu? Was will er mir damit sagen? Nein – Buu-huu ist kein neuer Michael-„Bully“-Herbig-Film, sondern ein Begriff, der die Angst vor Halloween beschreibt. Grundsätzlich liebe ich alles, was mit Horror, Grusel und viel Spannung zu tun hat – aber dieses Fest kann mir gestohlen bleiben … ja, bis ich Montréal kennenlernen durfte.

Reisen bildet und verändert – das wissen wir bereits. Aber dass es auch meine Abneigung gegen Halloween auf den Kopf stellt, hätte ich nicht gedacht. Die kleinen Vororte Montréals sind architektonisch nicht gerade das Aufregendste – aber wenn die Dunkelheit einbricht 🥰 … Gänsehaut! Ich spaziere abends durch die Gassen und bewundere diese Schönheit. Die Häuser sind liebevoll mit Halloween-Dekorationen geschmückt. Auf jeder Veranda stehen ausgehöhlte Kürbisse, die durch flackerndes Kerzenlicht beleuchtet werden. Die Kerzen spiegeln Gesichter auf den Straßen und Hauswänden. An den Dächern hängen Spinnweben, Gespenster und Skelette. Ich musste durchgehend an den Knochenmaxi denken – kennt ihr den noch? Da kommen Volksschulerinnerungen hoch. Diese Atmosphäre lässt sich nicht mit künstlicher Weihnachtsbeleuchtung vergleichen. Kein Strom, keine Energie – nur das Kerzenlicht flackert, und der zarte Wind, der durch die Gassen streicht, lässt Gespenster und Skelette tanzen. Das ist nicht beängstigend – sondern schlicht unwiderstehlich.

Die beiden Kinder meiner Gastfamilie führten mir ihre Kostüme vor und erklärten mir ihre taktischen Pläne und Routen, um möglichst viele Süßigkeiten zu ergattern. Die Kleinen stammelten etwas auf Französisch – ich antwortete auf Englisch – und wir verstanden uns trotzdem … Kinder eben 😉. Das siebenjährige Mädchen hatte sich übrigens als Zombie-Minion verkleidet – herrlich 🤣🤣. Den Kindern bedeutet Halloween mehr als Weihnachten – und durch ihre Begeisterung, ihre Aufregung und das strahlende Leuchten in ihren Augen kann ich diesen ganzen Wirbel langsam nachvollziehen.

Heute Abend hallt „Süßes oder Saures“ durch die Vororte Montréals – und ich bin zum ersten Mal dabei. In Kanada sagt man „Trick or Treat“ – was eigentlich „Süßes, oder es gibt Saures“ bedeutet –, und das lässt die deutsche Übersetzung ein wenig sinnlos erscheinen. Was ich an Halloween in Kanada außerdem schätze: Der Winter steht vor der Tür, bald beginnt der November – und weit und breit keine Lebkuchen, keine Christbäume, keine Weihnachtssachen. Solange Halloween nicht vorbei ist, wird Weihnachten vollkommen ignoriert … und die Kanadier haben damit so recht.

Ein kleines Rätsel: Wo bin ich? Ich stehe inmitten leicht bekleideter Frauen, die ich anstarre – aber nicht anfassen kann 🤔. Die ganze Welt ist vertreten: Eine Dame kommt aus Island 🇮🇸, die zweite aus Äthiopien 🇪🇹, die dritte aus Mexiko 🇲🇽. Sogar ein österreichisches Mädchen hat sich hierher verirrt. Auch ein paar Promis aus Film, Sport und Politik sind dabei – und der letzte Hinweis: Bei einem Zwinkerwettbewerb hätte niemand von uns eine realistische Chance. Na, was denkt ihr? Grübelt ruhig – die Auflösung folgt.

Das Herzstück Montréals ist die Basilika Notre-Dame de Montréal. Sie trägt nicht nur den Namen der berühmten französischen Kirche – sie ist mindestens genauso schön. Und im Gegensatz zur Pariser Version steht sie noch 😥. Auf meiner inoffiziellen Kathedralen-Top-10-Liste rangiert sie weit oben. Unglaublich schönes Innenleben: die goldene Orgel, der glänzende Altar, die violett-blauen Fenster … zu Recht gilt sie als schönste Kirche des nordamerikanischen Kontinents.

Montréal ist definitiv keine große Sightseeing-Stadt. Sowohl die Zahl internationaler Touristen als auch die Liste der Must-see-Places lässt sich an einer Hand abzählen. Eigentlich wollte ich die sehenswerte Stadt Ottawa und die Provinz Québec erkunden – aber der stark verregnete Herbst ließ keine dieser Unternehmungen zu. Regenprogramm stand auf der Tagesordnung. Das Musée des beaux-arts de Montréal, das Oratoire Saint-Joseph und die Christ Church Cathedral verkürzten mir die Tage. Für euch wäre es aber genauso langweilig, darüber zu lesen, wie für mich, darüber zu schreiben – also überspringen wir dieses Kapitel.

Kanadier drehen vollkommen durch, Teil II: Das Bell Centre ist ein hochmoderner Sportkomplex und die Heimat der Montréal Canadiens. Ja – wir sprechen wieder einmal über Eishockey, und das nicht zum letzten Mal. An dieser nationalen Religion führt kein Weg vorbei. Dasselbe Schauspiel wie in Vancouver: 21.000 frenetische Fans erheben sich zur Hymne und rasten bei jeder Chance völlig aus. Jeder Bodycheck wird bejubelt, jede Fehlentscheidung mit Pfiffen quittiert. Heute war es eine klare Angelegenheit – die Canadiens fegten ein amerikanisches Team mit 4:0 vom Eis und feierten euphorisch. What a Goal!!! – Video

In jeder fremden Stadt sollte man den traditionellen Markt besuchen. In Montréal bedeutet das, beim legendären Jean-Talon Market vorbeizuschauen. Obwohl der Markt etwas außerhalb des Zentrums liegt, ist er mit der U-Bahn bequem erreichbar. War es das bunte Treiben und der lebendige Handel? Die aromatischen Düfte? Oder die für kanadische Verhältnisse fairen Preise, die mich täglich herkommen ließen? Euch kann ich es ja verraten: Im Prinzip waren es die unzähligen Möglichkeiten, sich durch die kanadische Küche zu testen 😉. Aber eines passierte mir am Jean-Talon Market täglich – ich nenne es den IKEA-Effekt: Ach, ich brauch‘ eigentlich nichts … ich will nur kurz schauen … „Brauchen wir das wirklich, Schatz?“ … 🤣🤣.

Wie ihr bereits wisst, war die Halloween-Saison auf dem Höhepunkt – was gleichzeitig bedeutet: Kürbisse, Kürbisse und nochmals Kürbisse. Alles, was man mit Kürbissen anstellen kann, wurde am Jean-Talon Market in die Realität umgesetzt. Kürbismarmelade, Kürbisschnitten – beides in Ordnung –, Kürbissaft – würg –, Kürbiskekse – ziemlich lecker – und so weiter. Millionen und aber Millionen Kürbisse – vielleicht eine leichte Übertreibung – wurden hier verkauft und in allen erdenklichen Variationen angeboten … aber glaubt ihr, die haben hier ein Kürbiskernöl? Natürlich nicht! Die haben noch nie etwas von Kernöl gehört 😱. Ich war so nah dran, voller Hoffnung, meinen Entzug zu beenden und mein Leid zu lindern – aber nein! Fürs Protokoll: Kuchen, Kekse, Säfte, Soßen und was weiß ich noch alles – aber kein Kernöl!

Ihr kennt dieses Bild: Ein Gefangener sitzt im Kerker und malt mit einem Stein eine Strichliste an die Wand, um seine Tage zu zählen. Der Vergleich hinkt vielleicht ein wenig – aber ja … Mario ohne Kernöl … so sieht es in meiner Seele aus.

Montréal liegt an den Ufern des Sankt-Lorenz-Stroms – und das verleiht dieser Millionenstadt eine ganz besondere Atmosphäre. Erst wenn man eine der vielen Brücken überquert, erkennt man den Unterschied zwischen einem Fluss und einem Strom. Die Drau, die Mur – ja sogar die Donau – wirken dagegen wie kleine Bergbäche. Umso beeindruckender ist die Tatsache, dass sich im Gewässer künstlich angelegte Inseln befinden. Die Île Notre-Dame ist eine davon – und bietet eine ganz besondere Möglichkeit. Man leiht sich ein Fahrrad, schnallt Inlineskates an oder zieht Laufschuhe an. Und schon hat man die Chance, eine legendäre Formel-1-Grand-Prix-Strecke kennenzulernen. Der Circuit Gilles Villeneuve steht jederzeit kostenlos zur Verfügung – abgesehen von den Rennwochenenden, nehme ich an 🤔. Die Strecke lässt sich sogar mit dem Auto abfahren – bitte aber die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h beachten. Richtiges Rennfeeling wird wohl kaum aufkommen – aber hey: Wie oft hat man schon die Möglichkeit, Lewis Hamilton nachzueifern?

Der schönste Ort in ganz Montréal ist zweifellos der Mont Royal. Dieser bewaldete, 250 Meter hohe Stadthügel liegt direkt im Zentrum und bietet eine atemberaubende Aussicht. Nach vier Tagen Dauerregen konnte ich endlich den Indian Summer genießen und die Faszination dieses Naturphänomens verstehen. Die Blätter färben sich in alle erdenklichen Farbkombinationen, das lang ersehnte kanadische Herbstgefühl ist endlich angekommen. Frei laufende Hunde wälzen sich im Laub, der Geruch von gegrilltem Fleisch zieht durch die Luft – und Familien bevölkern die grünen Wiesen zwischen den bunten Bäumen. Endlich war ich in Kanada wirklich angekommen und verstehe, was dieses gigantische Land so zauberhaft und magisch macht.

Ich hoffe, ihr habt euch nicht zu sehr den Kopf über die geheimnisvollen Damen zerbrochen … schreiten wir zur Auflösung. Wahrscheinlich habt ihr es ohnehin schon wieder vergessen 😅.

Im Zentrum von Downtown Montréal befindet sich ein unscheinbares Einkaufszentrum. Auf den ersten Blick nicht wirklich aufregend – bis man im zweiten Stock ankommt. Willkommen bei der dauerhaften und völlig kostenlosen Barbie Expo. Jawohl – unsere Welt hat danach gelechzt, und nun haben wir sie: unzählige Barbies!

Aber bevor wir unsere kleine Barbie-Exkursion starten, präsentiere ich euch das erste, einzige und wahre Barbie-Quiz dieses Planeten. Ich wette, ihr schafft nicht einmal 10 von 17 Fragen. Eigentlich denke ich schon, dass ihr es schafft – aber ich habe gelernt, dass diese fiese Andeutung die Menschen zusätzlich anspornt, das Quiz zu spielen.

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Barbie-Quiz

1 / 16

Meine Nationalität?

2 / 16

Ich bin aus Südamerika, genau aus ... ?

3 / 16

Ihr werdet mich wohl erkennen oder?

4 / 16

Geboren in Asien, aber wo ... ?

5 / 16

Von weit Weg, da komme ich her ... ?

6 / 16

I am From Austria!

7 / 16

Wir suchen die Königin aus Nigeria?

8 / 16

Wir suchen die heißblütige Portugiesin ... ?

 

9 / 16

Der Schwierigkeitslevel steigt. Aus welche Serie sind wir? (dt. Titel 2 Wörter)

10 / 16

Im Jahre 2008 startete unsere Fimreihe ... ? (1 Wort)

11 / 16

Film? (dt. 3 Wörter)

12 / 16

60er Jahren Film? (2 Wörter)

13 / 16

Legenden Fragen: Film? (1 Wort)

14 / 16

Film 2001? (dt., 2 Wörter)

15 / 16

Schwierigkeitsgrad 10/10! Film? (dt. 4 Wörter)

16 / 16

Unlösbar! Film? (engl. 4 Wörter)

Dein Ergebnis ist

Die durchschnittliche Punktzahl beträgt 56%

0%

Mit richtigem Namen heißt die Puppe Barbara Millicent Roberts. Die Schöpfer der Barbie benannten das Spielzeug nach ihrer Tochter Barbara. Das zweite Kind dieser Familie heißt übrigens Ken. Im realen Leben sind Barbie und Ken also Geschwister – in der Spielzeugwelt von Mattel hingegen ein Liebespaar. Dieser Umstand war – und ist noch immer – der Grund, warum die Puppen in einigen Ländern der Welt verboten sind. Inzucht im Land der Spielzeuge? Aber das ist eine andere Geschichte.

Als ich mir die Oktoberfest-Barbie und die Sound-of-Music-Barbie 🙈 ansah, überkam mich ein seltsamer Gedanke. Man stelle sich vor, die Kinder der Schöpferfamilie würden Wilhelmine und Stanislav heißen 🤔. Ob die Puppen dann genauso erfolgreich geworden wären? Dieses Weihnachten schenkten wir unserer Kleinen die Domina Wilhelmine – und dazu noch die Cowboy-Wilhelmine. Und wenn ihr ganz artig seid, bringt der Osterhase noch den Stanislav Zahnarzt und den Dreamtopia-Stanislav-Meermann 😅. Manchmal bereiten mir meine eigenen Gedankengänge etwas Sorgen 😅.

Eine kleine Randnotiz: Barbie und Ken führen eine sogenannte On-off-Beziehung – aber jetzt zurück zur Expo. In zahllosen Schaukästen sind unzählige Barbies und Kens positioniert. Es macht einen Heidenspaß, durch die Hallen des Einkaufszentrums zu schlendern und all diese kreativen – und manchmal vollkommen missratenen – Barbies zu bewundern. Wer Schutz vor dem täglichen Regen sucht und seinen Gedanken einen freien Nachmittag schenken möchte, ist bei der Barbie Expo perfekt aufgehoben.


Mein Fazit: Kanadische Großstädte Teil II: Montreal ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Die besondere Lage am Sankt-Lorenz-Strom und das französische Flair sorgen für eine gute Stimmung. Diese Stadt ist ebenfalls relativ jung und bietet daher kaum Überraschungen. Und so schön auch der Indian Summer ist, würde ich euch einen Besuch in den Sommermonaten eher empfehlen …- … Regen sei Dank!

Sicherheit: Nichts Neues aus Kanada: Super sicher in jeder Ecke und zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Kosten: Der Unterschied zwischen Montreal und Vancouver ist eklatant. Während Vancouver zu den teuersten Städten der Welt zählt, ist Montreal deutlich unter unserem Preisniveau angesiedelt. Schön langsam kann man wieder richtig zum Leben anfangen.

… um das Kanada-Triple erfolgreich abzuschließen, nehmen wir Toronto noch unter die Lupe …

 

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