Nebengeräusche

Barbie – Plastik, Power, Popkultur 🇨🇦

Im Herzen der Innenstadt von Montreal befindet sich ein unscheinbares Einkaufszentrum, dessen Fassade keinerlei Hinweise darauf liefert, was sich im zweiten Stock verbirgt. Doch sobald man die Rolltreppe hinauffährt, eröffnet sich eine Welt, die irgendwo zwischen Popkultur, Nostalgie und absolutem Wahnsinn liegt. „Life in plastic, it’s fantastic!“ Willkommen in der Barbie-Expo – ein grenzenloses Meer aus Barbiepuppen.

Die Entstehungsgeschichte des berühmtesten Spielzeugs des 20. Jahrhunderts ist so absurd, dass sie erzählt werden muss. Hamburg, Sommer 1952: Der Karikaturist Reinhard Beuthien erhält den Auftrag, eine leere Spalte in der allerersten Ausgabe einer damals noch unbedeutenden Boulevardzeitung zu füllen.

Die Zeitung war die BILD, in jenem Jahr gerade erst gegründet – und seine Kreation hieß: Lilli. Blond, üppig ausgestattet, politisch hochgradig unkorrekt und spätestens aus heutiger Sicht eine feministische Vollkatastrophe. Lilli wurde zur deutschen Fantasie der „modernen Frau“. Die Popularität stieg, und sie schaffte es aus den Zeitungsseiten heraus in die reale Welt: als Puppe „zum Mitnehmen“.

BLICK ÜBER MONTREAL IM INDIEN SUMMER

Die Firma O. & M. Hausser brachte über 100.000 Lilli-Puppen auf den Markt. Dass dieselbe Firma wenige Jahre zuvor noch kleine Adolf-Hitler-Figuren produziert hatte, war bekannt – und wurde, mit der für diese Ära typischen Gründlichkeit, aber ignoriert. Lilli war revolutionär: kein kindliches Spielzeug, sondern eindeutig eine erwachsene Frau, mit wechselbarer Kleidung und dehnbaren Beinen – letzteres war in den 50er-Jahren eine technische Sensation. Die Pornoindustrie wurde übrigens auch aufmerksam – aber das ist ein Kapitel für einen anderen Band.

Dann kam das Jahr 1956 – und alles änderte sich. Ruth Handler, Mitgründerin des amerikanischen Spielzeugriesen Mattel, schlenderte mit ihren Kindern Barbara und Kenneth durch Luzern, sah die Lilli-Puppe im Schaufenster – und nahm sie mit über den großen Teich. Der Rest ist globale Popkulturgeschichte. Barbie erschien in den Läden.

Kurz danach folgte Ken. Mattel verdiente Millionen, später Milliarden. Hausser dagegen? Wurde hollywoodreif über den Tisch gezogen. Mattel kaufte alle Rechte für ungefähr 50.000 D-Mark – Barbies heutiger Jahresumsatz beträgt rund 2 Milliarden Dollar. Da haben die Deutschen wohl das Geschäft ihres Lebens verpasst.

Wie es kommen musste, ging O. & M. Hausser etwas später pleite – und das Phänomen wurde zur Weltmarke. Übrigens: Barbie heißt eigentlich Barbara Millicent Roberts – benannt nach Ruth Handlers Tochter Barbara. Ken nach ihrem Sohn Kenneth. Im Puppenuniversum sind die beiden ein Liebespaar, im echten Leben Geschwister. Aus diesem Grund sind die Puppen in einigen Ländern verboten.

Der Besuch des Einkaufszentrums folgt mit gemischten Erwartungen – halb amüsiert, halb skeptisch, ohne kindliche Barbie-Prägung im Gepäck. Und dennoch: Was folgte, überraschte. Vitrine für Vitrine zeigen sich herrlich bizarre Modelle – manche großartig, andere katastrophal, viele unfreiwillig komisch, einige fragwürdig, ein paar schlichtweg unerklärlich.

Besonders faszinierend waren die Variationen aus aller Welt. Von Argentinien bis Kanada, von Kambodscha bis Australien, von Kenia bis Finnland – jede Nation war vertreten. Natürlich trug die österreichische Barbie ein Dirndl, komplett mit Klischee deluxe. Die Promi-Barbies waren ein eigenes Kapitel: Tina Turner – grenzwertig. Cher – mutig interpretiert. Dana Scully und Fox Mulder – absolut irritierend. Und wer trägt eigentlich die Verantwortung für die „Sound of Music“-Barbie? Bei dieser Konzeptbesprechung wäre man zu gerne Mäuschen gewesen.

Der geplante kurze Blick wurde zu deutlich mehr als zwei Stunden. Irgendetwas zwischen all den Vitrinen und Puppenaugen hatte sich festgesetzt. Was sich verändert hatte, blieb schwer zu sagen. Nur eines ist sicher: Lilli aus Hamburg hätte einen besseren Agenten verdient. Hausser einen besseren Vertrag.

Na dann – zeigt mir mal eure Barbie-Kenntnisse! Ich präsentiere euch das erste, einzige und wahre Barbie-Quiz dieses Planeten: Ich wette, ihr schafft nicht einmal 10 von 16 Fragen.

(Eigentlich denke ich das schon – aber ich habe gelernt, dass diese fiese Andeutung Menschen zusätzlich anstachelt, das Quiz zu spielen 😅.)

22

Barbie-Quiz

1 / 16

Meine Nationalität?

2 / 16

Ich bin aus Südamerika, genau aus ... ?

3 / 16

Ihr werdet mich wohl erkennen oder?

4 / 16

Geboren in Asien, aber wo ... ?

5 / 16

Von weit Weg, da komme ich her ... ?

6 / 16

I am From Austria!

7 / 16

Wir suchen die Königin aus Nigeria?

8 / 16

Wir suchen die heißblütige Portugiesin ... ?

 

9 / 16

Der Schwierigkeitslevel steigt. Aus welche Serie sind wir? (dt. Titel 2 Wörter)

10 / 16

Im Jahre 2008 startete unsere Fimreihe ... ? (1 Wort)

11 / 16

Film? (dt. 3 Wörter)

12 / 16

60er Jahren Film? (2 Wörter)

13 / 16

Legenden Fragen: Film? (1 Wort)

14 / 16

Film 2001? (dt., 2 Wörter)

15 / 16

Schwierigkeitsgrad 10/10! Film? (dt. 4 Wörter)

16 / 16

Unlösbar! Film? (engl. 4 Wörter)

Dein Ergebnis ist

Die durchschnittliche Punktzahl beträgt 56%

0%

Know Before You Go:

Die Barbie-Expo befindet sich im zweiten Stock eines Einkaufszentrums im Zentrum Montreals. Eintritt? Kostenlos. Öffnungszeiten? Jene des Einkaufszentrums. Inzwischen stehen über 1.000 Exemplare dort – der perfekte Zufluchtsort für verregnete Nachmittage. (https://www.expobarbie.ca)

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