Kapitel 27 – 🇺🇸 USA (Hawaii)

Traumstrände, Hula tanzende Menschen, Surfer … so stellen wir uns Hawaii vor – oder besser gesagt: so wird uns Hawaii verkauft. Die Gefahr, dass dieser Reisebericht euch diese Illusionen stiehlt, ist durchaus gegeben. Aus Pearl Harbor wurde ich unsanft entfernt, der Waikiki Beach ist eine echte Enttäuschung – und alles andere? Na ja. Es hat einiges an Aufwand und Zeit gebraucht, um Hawaii zumindest stellenweise als Trauminsel durchgehen zu lassen – aber seht selbst.

Als folgender Satz durch die Kabine donnerte: „Crew, prepare for landing!“ – sprang mein Herz vor lauter Vorfreude aus dem Takt. Nur noch wenige Augenblicke, und ich durfte dieses heilige Inselparadies betreten. Ich hatte noch nicht einmal mein Gepäck abgeholt, da erwarteten mich bereits die ersten leicht bekleideten Hula-Mädchen. Sie lächelten mich herzlich an und hängten mir eine bunte Blumenkette um den Hals. Ich verließ die Flughalle, strahlte mit der Sonne um die Wette und spazierte direkt zum Strand. Klares, blaues Wasser, der Klang der Wellen, den Blick Richtung Palmen gerichtet … einsame, zauberhafte, saubere Strände … Willkommen im Paradies! – Und dann ERWACHTE ich!

Der Flug war eine Zumutung – Turbulenzen ohne Ende. Und wie sehr hasse ich Turbulenzen 😡. Kennt ihr das? Wenn man innerhalb einer Sekunde gefühlte hundert Meter Richtung Erde fällt? Da klammere ich mich völlig verängstigt an meinem Sitz fest 😱. Aber geschenkt – wegen der Thermik sind das normale Begleiterscheinungen bei einem Flug über den Pazifik. Das Einzige, was mich am internationalen Flughafen in Honolulu erwartete, waren furchteinflößende Zollbeamte und aufdringliche Taxifahrer, die mich für Wucherpreise zum berühmten Waikiki Beach bringen wollten. „It’s raining cats and dogs“, würde der Amerikaner sagen. Dazu stürmte ein starker Wind, der die Regentropfen von allen Seiten auf mich einprasseln ließ. Nein, das war kein Pech – das ist ein normales Wetterszenario auf Hawaii, denn der Bundesstaat gehört zu den regenreichsten Gebieten der Erde … das hat euer Reiseführer bestimmt nicht erwähnt, oder?

Obwohl der Flughafen nur 15 Kilometer vom Waikiki Beach entfernt liegt, dauerte die Fahrt mit dem überfüllten Linienbus eineinhalb Stunden – bei 46 Haltestellen. Die hawaiianischen Blumenketten – auch Lei genannt – kann man sich übrigens aus gekühlten Automaten ziehen. Sehr romantisch, oder? Der weltberühmte Waikiki-Strand ist nur wenige Meter breit – und man bekommt sofort das Sardinendosen-Gefühl. Verlässt man den Strand, stolpert man über zahlreiche Obdachlose und Drogenabhängige, die einen auf ihre ganz eigene Art ansprechen und anbetteln. Hawaii hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl die höchste Obdachlosenrate der USA. Der Grund: Die US-Regierung schickt jährlich Tausende Obdachlose per One-Way-Ticket nach Hawaii – dort müssen sie weder harte Winter noch Trockenzeiten überstehen, und ihre Überlebenschancen sind deutlich höher … hat euch das euer Reisebüro erzählt?

Danke fürs Zuhören – und fürs geduldige Ertragen meines Frustberichts. All diese unweigerlich negativen Einflüsse lassen sich aber ganz einfach übergehen. An dieser Stelle zitiere ich meine schwedische Lieblingsband ABBA: Money, Money, Money 🎶.

Der Bundesstaat Hawaii besteht aus sechs größeren Inseln. Die angeblichen Naturparadiese Maui oder Big Island sind mit einem durchschnittlichen Budget kaum erkundbar. Vor einigen Jahren gab es noch eine Fährverbindung zwischen den Inseln – diese wurde jedoch eingestellt. Offiziell wegen geringer Nachfrage, inoffiziell weil man mit Kurzflügen deutlich mehr verdient. Meine Reise beschränkte sich auf die Hauptinsel Oʻahu – denn ich wollte einzig und allein Pearl Harbor sehen. Mir ist bewusst, dass nicht alles, was glänzt, Gold ist – aber die mediale und bildliche Darstellung lässt jeden erblinden. Viele Reisende, die ich im Zuge meiner Weltreise kennengelernt habe, teilen meine negativen Erfahrungen – zumindest was eine Low-Budget-Reise betrifft. Nur als Beispiel: Eine Nacht in einem günstigen – nicht vollständig heruntergekommenen – Hostel in einem gemischten 16-Bett-Zimmer kostet durchschnittlich 50 US-Dollar. Aber gut – lassen wir Hawaii nun Hawaii sein und besichtigen den einzig wahren Grund unseres Aufenthalts.

Was Anfang Dezember 1941 auf Hawaii passierte, muss ich euch hoffentlich nicht erklären – aber wie es die Gedenkstätte von Pearl Harbor schafft, diese tragischen Ereignisse in Heldengeschichten umzuwandeln, könnte euch interessieren. Bevor man den Pearl Harbor Historic Sites betritt – die Ticketpreise starten bei 79 US-Dollar; wer ein Objekt von innen sehen möchte, zahlt 149 US-Dollar –, wird man gezwungen, eine 20-minütige Dokumentation anzusehen. Dieser Film soll mit Fakten erklären, warum die Japaner Pearl Harbor angriffen … Betonung auf „soll“. Ich würde es eher als Science-Fiction-Abenteuerfilm im Stil von Michael Bay einstufen. Tatsachen werden ignoriert, Fakten werden aufgehübscht – und jeder, der diesen Kinosaal verlässt, nimmt nur eine Botschaft mit: Diese bösen Japaner haben es verdient, dass wir ihnen zwei Atombomben um die Ohren geschmissen haben … die Vereinigten Staaten sind das großartigste Land der Welt … ich könnte einfach nur verzweifeln! Ignorieren wir diesen patriotischen Heldenwahn und beschränken uns auf das, was vor Ort zu sehen ist.

In der Bucht von Pearl Harbor liegen noch immer tonnenweise Schiffswracks auf dem Meeresgrund. Die rostigen Überreste erkennt man über dem Wasserspiegel – und sie zeigen einem zum ersten Mal, wie verheerend dieser Angriff gewesen sein muss. Am 7. Dezember 1941 versenkten die japanischen Streitkräfte Dutzende amerikanische Schiffe und rissen über 2.400 Soldaten in den Tod. Viele dieser Leichen konnten nie geborgen werden und liegen noch immer in den versunkenen Wracks. Genau das macht den Pearl Harbor Historic Sites offiziell zu einem Friedhof – und nicht zu einer bloßen Gedenkstätte, wie ich zunächst angenommen hatte.

Inmitten der Bucht liegt das Wrack der USS Arizona. Ein kleines Boot bringt mich zum USS Arizona Memorial – einer schwimmenden Plattform, die direkt über den Schiffstrümmern liegt. Zum ersten Mal wird es wirklich emotional: Durch den teils durchsichtigen Boden bekommt man einen eindrücklichen Blick auf das gesunkene Schiff. Obwohl der Untergang bereits über 80 Jahre zurückliegt, tropft noch immer Öl aus der USS Arizona. „Black tears of Arizona“ werden diese Tropfen poetisch genannt – und niemand weiß, ob sie jemals aufhören wird zu weinen.

Das gesamte Gelände ist schier unendlich groß – plant mindestens einen vollen Tag ein. Es stehen weitere Kriegsschiffe, U-Boote, Gedenkstätten und diverse Museen zur Auswahl. Im Aviation Museum lassen sich zerschossene und zerbombte Flugzeuge besichtigen. Beim Erkunden des Geländes kamen mir unweigerlich Erinnerungen an den Spielfilm Pearl Harbor – dieser Flugplatz samt Tower sieht dem im Film zum Verwechseln ähnlich. Obwohl sich hier einer der dunkelsten Momente der amerikanischen Geschichte abgespielt hat, springt der emotionale Funke einfach nicht über. An den osteuropäischen Kriegsschauplätzen hatte ich Gänsehaut und teils Tränen in den Augen – in Pearl Harbor empfand ich wenig. Der Grund: die übertriebenen Heldengeschichten und der krankhafte Patriotismus.

Ein Beispiel – der Besuch der USS Missouri. Jetzt die Ohren auf und aufmerksam zuhören! Niemand weiß, wie die Welt heute aussehen würde, hätte es jenen 2. September 1945 nicht gegeben. Nachdem Hiroshima und Nagasaki 🇯🇵 zerstört worden waren, unterzeichnete das japanische Kaiserreich die Kapitulation – gleichbedeutend mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die USS Missouri wirkt aus der Ferne imposant und mächtig – doch je näher man kommt, desto deutlicher sieht man den Zahn der Zeit. Laufend wird sie restauriert und erneuert, um sie mehr oder weniger am Leben zu erhalten. Auf dem Weg zum Schiff passiert man zunächst eine Allee aus amerikanischen Nationalflaggen. Dutzende Banner symbolisieren die Stärke dieses Landes – und sobald man um die erste Ecke biegt, geht der offensichtliche Patriotismus weiter. An Bord findet man auf dem Deck einen Schaukasten mit den Originaldokumenten der Kapitulation – bewacht von einem US-Soldaten, der mir noch einmal mit aller Deutlichkeit erklärte, wie bedeutend diese Unterlagen sind. Mittlerweile hatten sich einige Besucher um den Schaukasten versammelt – der Soldat fragte nach ihrer Herkunft. Alles US-Bürger – und ich erklärte ihm, dass ich aus Europa stamme. Mit der Zeit habe ich aufgehört zu erzählen, dass ich Österreicher bin – entweder kennt man es nicht, oder ich werde Australien zugeordnet … aber egal.

Europa? Wie froh und dankbar ihr sein müsst, dass wir euch geholfen haben …“ – das waren seine Worte. Die anderen Besucher sahen mich an und nickten ruhig. Er ergänzte: „Schließlich haben wir euch befreit und den Krieg für die ganze Welt gewonnen.“ Die anderen nickten weiter, sahen mich mit einem abfälligen Blick an – und ich wusste zwar, dass es keine gute Idee war, konnte mich aber nicht mehr beherrschen. Ich erwiderte: „Ob er wirklich stolz darauf sei, einen Krieg so gewonnen zu haben, in dem sein Land zwei Atombomben auf zivile Städte geworfen und damit Hunderttausende unschuldige Menschen getötet hat?“ Es folgte ein starrer Blick – er flüsterte in sein Headset – und wenige Augenblicke später hatte ich eine persönliche Eskorte, die mich zum Ausgang begleitete.

Im Pearl Harbor Historic Sites gibt es unzählige Gedenktafeln und Informationen. Strenge Verhaltensregeln – Respekt zeigen, Stille bewahren, keine Selfies – sind durchaus nachvollziehbar: Es ist schließlich ein Friedhof. Aber es gibt keine einzige Zeile, die die Atombombenabwürfe erklärt oder einordnet. Optisch zweifellos ein beeindruckendes Gelände – aber geprägt von reinem Schwarz-Weiß-Denken: der heldenhafte Patriotismus des amerikanischen Volkes auf der einen, das feige japanische Kaiserreich auf der anderen Seite

Bis zu einem gewissen Grad bin ich froh, dass es diese hochglanzpolierten hawaiianischen Strand- und Vulkanfotos gibt – denn ich kann euch keine liefern. Zumindest nicht von der Hauptinsel Oʻahu. Die Realität sieht etwas anders aus.

Das Wahrzeichen der Insel ist der Diamond Head Crater – und wenn man den Reisebüros und Google-Bildern Glauben schenkt, das achte Naturwunder der Welt. Eine eineinhalb Stunden lange Wanderung ab Waikiki Beach führt in den Krater. Damit auch die 5-Sterne-Touristen nicht ins Schwitzen kommen, hatte man die Idee, einen künstlichen Tunnel zu graben – um die Reisebusse direkt inmitten des Diamond Head Craters abstellen zu können. Ab hier beginnt ein moderater, aber steiler Anstieg zur Spitze des Vulkans.

Da ich vorgewarnt worden war, suchte ich mir extra einen verregneten Wochentag aus und startete in aller Früh – um den Massen zu entfliehen. Ich behaupte: An einem Samstagabend beim Villacher Kirchtag hat man mehr Beinfreiheit als auf dem Diamond Head Trail. Moderate Wanderwege bedeuten: halbwegs vernünftiges Schuhwerk, ausreichend Trinkwasser, eine durchschnittliche körperliche Verfassung – und 500 Höhenmeter, die in eineinhalb bis zwei Stunden zu bewältigen sind. Gewisse Teilstücke sind tatsächlich steil und nur über in den Fels geschlagene Leitern und Stufen passierbar. Normalerweise benötigt man für den Aufstieg rund 45 Minuten – obwohl ich in der Form meines Lebens war, schaffte ich es in unter zwei Stunden nicht. Der Grund: unzählige asiatische Reisegruppen mit Selfie-Sticks, Badeschlappen und Kinderwagen – ja, Kinderwagen! 🙈 Der Pfad war zeitweise beängstigend eng, es staute sich an jeder Ecke – Überholen war schlicht unmöglich. Und der fließende Gegenverkehr war eine weitere unzumutbare Herausforderung. Oben angekommen: nette Aussicht über Honolulu, ein paar verlassene Bunkeranlagen – und das war’s. Vollkommen überbewertet!

Der zweite markante Vulkan ist der Koko Head Crater. Im Gegensatz zum Diamond Head war ich hier fast allein unterwegs – und das hatte seinen Grund: der Stairway to Heaven. Nein, nichts Religiöses – und es hat auch nichts mit Led Zeppelin zu tun. Der Stairway to Heaven ist ein wahnwitziger Trail. Um den Aussichtspunkt zu erreichen, muss man 1.048 Eisenbahnschwellen erklimmen. 1.048! Die meisten liegen kreuz und quer, sind verrostet, haben scharfe Kanten und können jederzeit abrutschen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Wanderung abbrechen musste. Nicht weil der Aufstieg zu gefährlich war oder weil es eigentlich illegal ist, diesen Trail zu betreten – sondern weil ich schlicht und ergreifend körperlich am Ende war. Endlich einer jener Momente, in denen der Verstand über das Herz siegte. Nach zwei Dritteln des Weges kehrte ich um: Das Herz raste, Hände und Füße zitterten – und die Hitze forderte ihren Tribut.

Die Hanauma Bay auf Oʻahu ziert das Titelbild jedes zweiten hawaiianischen Bildbands. Laut Bloggern und Reiseführern ein karibisches Paradies, in dem man mit Schildkröten schwimmen und durch Korallenriffe tauchen kann. Die Realität: Zuerst wird kräftig abkassiert – typisch für Hawaii –, dann bekommt man einen Film vorgesetzt, der den nachhaltigen Umgang mit Flora und Fauna erklärt. Im Großen und Ganzen eine durchaus vielversprechende Idee – aber glaubt ihr wirklich, dass es die Touristenmassen auch nur im Geringsten interessiert?

Im Sekundentakt werden Korallenriffe zertrampelt, Selfie-Sticks schwingen in alle Richtungen – und das Geschrei vertreibt jedes noch verbliebene Tier für immer. Dieser Lärm wird nur von den schrillen Trillerpfeifen der Aufpasser unterbrochen, die versuchen, die Besuchermassen zur Vernunft zu bringen. Ja – da kommt wirklich karibisches Feeling auf.

Waikiki Beach … schließt bitte einmal die Augen, lehnt euch zurück und stellt euch diesen weltberühmten Strandabschnitt vor … traumhaft, oder? Wer diese Bilder behalten möchte, springt bitte bis zum nächsten Kapitel.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt: Dieser kultige Strandabschnitt ist nur wenige Meter breit und selbst an verregneten Tagen – sogar in der Nebensaison – völlig überlaufen. Zwischen dem Sandstrand und der dicht befahrenen Kalakaua Avenue befinden sich ein paar kleine Grünflächen, die reihenweise von Obdachlosen und Drogenabhängigen bevölkert werden. Am Strand liegen die gebräunten Luxuskörper – und dahinter hausen Obdachlose in selbst gebauten Zelten oder liegen regungslos auf Kartons im Schatten. Sie schleppen ihre verdreckten Einkaufswagen mit sich, in denen ihr gesamtes Hab und Gut steckt.

Direkt dahinter liegt die stark befahrene Straße, deren ständiges Hupkonzert den Klang der Wellen übertönt. Der nächste Abschnitt besteht aus Souvenirshops, riesigen Hotelresorts und bekannten Fast-Food-Ketten – deren Fettgeruch jeden Hauch von Meeresluft übertrumpft. Sorry, my friends – aber das ist Waikiki Beach. Und jeder, der auch nur annähernd den Mut hat, es zuzugeben, wird euch das genauso bestätigen.

Unweit des berühmten Strandes liegt die Millionenstadt Honolulu – schauen wir sie uns kurz aus der Nähe an. Vorweg: Überraschenderweise hat Honolulu durchaus einen gewissen Charme und ein paar interessante Orte – aber auch zwei große Probleme.

Zuerst noch eine kurze Randgeschichte, um etwas Humor in diesen tristen Reisebericht zu bringen. In meinem 16-Bett-Hostel lernte ich eine Reisende aus Dänemark 🇩🇰 kennen. Tags zuvor hatte sie in Honolulu ein Konzertplakat entdeckt, die Adresse herausgesucht – ein ziemlich heruntergekommener Hinterhof, aber egal – und wollte mich mitnehmen: Eine skandinavische Alternative-Rock-Band würde dort auftreten. Warum nicht – bei Live-Events bin ich immer dabei. Laut ihr trägt die Band den klangvollen Namen: The Hansons! Seht selbst 🤣🤣.

Zurück nach Honolulu – mit einer kurzen Sightseeing-Tour der klassischen Art:

Der Ala Moana Regional Park ist der Stadtstrand der Einheimischen. Einer der wenigen Orte, an dem ich mich gemütlich in den Sand legen und die Ruhe und Gelassenheit genießen konnte – ohne durchgehend von irgendetwas oder irgendjemandem gestört zu werden.

Der Aloha Tower war seinerzeit das höchste Gebäude Honolulus. Er hat Charme, bietet eine schöne Aussicht – und ist so ziemlich das Einzige auf Hawaii, was man kostenlos besichtigen kann.

Wer je eine Folge von Hawaii Five-O 🎥 oder Magnum gesehen hat, kennt den Iolani Palace und die Statue von Kamehameha I. Zentral gelegen, leicht zugänglich – und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Mein persönliches Highlight: der National Memorial Cemetery of the Pacific. Diese Ruhestätte befindet sich auf dem Punchbowl – einem kleinen Stadthügel – und bietet die absolut beste Aussicht auf Honolulu, den Waikiki Beach und den Diamond Head. Ein weitläufiges Gelände, übersät mit Tausenden Grabsteinen und Flaggen – und einer unheimlichen Atmosphäre. Am Triumphbogen wird die gesamte amerikanische Kriegsgeschichte auf überdimensionalen Wandmalereien dargestellt. Ein seltener Ruhepunkt in dieser hektischen Umgebung – absolut empfehlenswert und eindringlich … Gänsehautgarantie.

Oʻahus Hauptproblem ist die enorm steigende Zahl obdachloser Menschen. Natürlich tragen hohe Arbeitslosigkeit und die exorbitanten Kosten für Unterkunft und Lebensmittel dazu bei. Das eigentliche Dilemma ist aber die Umverteilung dieser Menschen, die von der US-Regierung in Auftrag gegeben wurde. Klingt herzlos, brutal und verantwortungslos, oder? Menschen, die niemand haben will, anderswo hinschicken … 🤔 Sollte uns bekannt vorkommen? Las Vegas, Los Angeles, Philadelphia, San Francisco, New York, Miami … Ich habe schon einige US-Metropolen besucht – und das auch abseits der Touristenpfade –, aber die Bilder aus Hawaii sprengen alles.

Wie krank unsere Welt ist, lässt sich am Fallbeispiel Paradise Cove Luau ausgezeichnet demonstrieren. Für rund 200 US-Dollar gönnt ihr euch hier einen ausgiebigen Abend: Buffet am Strand, traditionelle Musik inklusive Hula-Tänzerinnen und -Tänzern, Cocktails mit Schirmchen und so weiter … Exakt jenes Bild, das man aus Hollywoodfilmen wie 50 erste Dates, Nie wieder Sex mit der Ex oder Meine erfundene Frau kennt. Der hauseigene Strand ist für die Öffentlichkeit zugänglich und spiegelt unsere Vorstellung von Hawaii perfekt wider: feiner Sand, eine Strandbar, ein paar Palmen. Entfernt man sich jedoch nur ein paar hundert Meter vom Resort, trifft man auf das größte Obdachlosencamp der Insel. Schätzungsweise 500 bis 1.000 Obdachlose haben sich an den Stränden Hawaiis ihre eigene kleine Zeltstadt errichtet. Über den Müll und den Geruch – vor allem bei der täglichen Hitze – müssen wir jetzt nicht sprechen. Natürlich könnte ich euch mit Videos und Fotos schockieren – aber das ist nicht meine Art. Solche Bilder findet man im Netz zur Genüge. Was ich damit sagen möchte: Ich kenne keine Schere, die an ihrer Spitze so weit auseinandergeht wie die auf dieser Insel. Entweder man lebt im Luxus – oder man wühlt im Dreck und kämpft um das tägliche Überleben.

Das zweite Problem – keine Sorge, diesmal fasse ich mich kurz: Oʻahu hat weltweit das geringste Verhältnis zwischen zugelassenen Fahrzeugen und befahrbaren Kilometern. Mit anderen Worten: Es staut sich zu allen Tageszeiten an jeder Ecke der Insel. Und wenn einen die Dieselabgase noch nicht genug fordern, bringt das ständige Geräusch unzähliger Autoalarmanlagen einen zur Verzweiflung 🙈.

So, meine Lieben – danke fürs Mitleiden und Mitfühlen. Ab jetzt kommen nur noch positive Geschichten – denn auch das hat Hawaii zu bieten. Aber zuerst noch ein kurzer Fun-Fact, auf den ich gerne etwas näher eingehen möchte. Ihr kennt das: Beim Buchen eines Fluges kann man unzählige Upgrades dazubestellen – Sitzplatz, Priority Boarding, Super Special XXL Meal und den ganzen Kram … Aber wenn man nach Hawaii fliegt, gibt es ein ganz besonderes Angebot: das „Welcome Package“!

Klickt man auf Ja und investiert die zusätzlichen US-Dollar, erwartet einen am Flughafen eine einheimische Dame mit einer Blumenkette … ist das nicht schön? 🤔 Wer dieses unglaubliche Angebot verpasst, weiß bereits Bescheid: Zwischen den Getränke- und Snackautomaten kann man sich tiefgekühlte Blumenketten ziehen. Oh, liebes Hawaii – deine Romantik ist wirklich unvergleichlich 🤣.

Betreten wir die Pforten der Kualoa Ranch. Nein, das hat nichts mit Koalas zu tun – falscher Kontinent. Zahlreiche Touranbieter bringen euch in den nördlichen Teil der Insel – ein Paradies für alle Filmfans. Ich bin zwar nach wie vor kein großer Freund von Tagesausflügen – und die Ticketpreise waren typisch hawaiianisch … –, aber: „That was pretty cool!“ Einmal angekommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Tal zu erkunden. Zu Pferd – kein Talent –, per Quad – viel zu gefährlich 😱 – oder per Geländewagen – da bin ich dabei! Die Guides bringen euch zu den unterschiedlichsten Film-Locations.

Diese geführte Tour macht einfach riesigen Spaß – denn mit kuriosen Insidergeschichten wird nicht gegeizt, und auf herrlich selbstironische Art wird über Schauspieler und Drehtage berichtet. Wie Hollywood seine Filme manipuliert, welche Stars welche Vorlieben haben – und welche Geheimhaltungsregeln die Guides während der Dreharbeiten unterzeichnen müssen … Ich habe schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht 😄.

Die Postkarten-Traumstrände gibt es selbstverständlich auch auf Oʻahu – aber dafür muss man etwas tun. Die wirklich karibischen Strände liegen allesamt an der North Shore, der Nordküste der Insel. Sowohl mit dem Mietwagen als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln halbwegs gut erreichbar – allerdings braucht es Geduld und ein frühes Aufstehen, um die Zeit optimal auszunützen. Obwohl die Nordküste gerade einmal 40 Kilometer von Honolulu entfernt ist, benötigt der Bus knapp zweieinhalb Stunden. 150 Minuten für gut 40 Kilometer 🙈 – den Rest könnt ihr euch denken.

Aber es lohnt sich 🥰! Jetzt – genau jetzt und hier – sind wir dort, wo wir immer hinwollten. Die Postkarten-Strände werden zur Realität! Menschenleere, karibische Sandstrände, gesäumt von Palmen und Kokospalmen – wie ich sie noch nie gesehen habe. Absolute Abgeschiedenheit, Entspannung und Stille … genau so, wie ich es liebe! Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Lieblingsphrase ausgerechnet in Hawaii noch verwenden würde – aber: Worte können diese Schönheit nicht beschreiben.

An der Turtle Bay läuft man über schwarze Lavafelder und beobachtet Meeresschildkröten. Der Sunset Beach Park: Was soll ich sagen – einfach nur WAHNSINN! Was für eine traumhafte Schönheit. Die Wellen rauschen, die Palmen spenden Schatten, der Sand fühlt sich so weich an, als würde man über Wolken laufen – die Kokosnüsse liegen bereit, und weit und breit ist man der einzige Mensch auf dieser Erde 🥰. Weiter geht es zum Waimea Bay Beach Park … wie kann die Natur nur etwas so Außergewöhnliches erschaffen? Und die Laniakea Beach: das Zuhause der Meeresschildkröten, die gemächlich über die Küste schleichen … ein unwirkliches Naturschauspiel.

Aktion am Waimea Bay Beach: Die wenigen Besucher rannten aufgeregt am Strand hin und her und starrten in den Ozean. US-Ranger auf Booten, Jet-Skis und Wassermotorrädern suchten das Meer ab. Hai-Alarm! Schon oft davon gelesen und gehört – aber zum ersten Mal so etwas live erlebt. Nein, einen Hai habe ich nicht gesehen – aber man hat doch ein etwas anderes Gefühl, wenn man ein paar Kilometer weiter wieder in die Fluten des Pazifiks springt.

Nach dem allseits beliebten Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ – last but not least: Mein absoluter Lieblings-, Lieblings-, Lieblingsort 🥰: Puʻu O Hulu!

Puʻu O Hulu klingt wie ein Wutausbruch, wie eine wüste Beschimpfung: Du Puʻu O Hulu, du 🤣. Ich weiß nicht, was es bedeutet – aber es ist grandios, einzigartig und natürlich völlig skurril. Ein kurzer, aber äußerst steiler Pfad bringt mich auf eine Art „Aussichtsplattform“. Diese Plattform könnte man als Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg bezeichnen. Einige perfekt erhaltene Bunker hängen in dieser steilen Felswand – und warten darauf, erforscht zu werden. Ein herrliches Gefühl, auf dem heißen Betondach dieser Anlagen zu liegen, die Augen zu schließen, den kühlen Wind zu spüren und den Moment zu genießen. Ja, ich weiß – das ist meine ganz persönliche Definition von Schönheit. Aber ich liebe diese Momente. Wieder ein Jäger-des-Augenblicks-Moment, den ich ewig in Erinnerung behalten werde … du Puʻu O Hulu, du 🤣.

Der Backpacking-Tourismus ist auf Hawaii kaum noch möglich. Das Leben spielt sich in den 4- und 5-Sterne-Resorts ab. Die Hotelanlagen verfügen über eigene Reisebüros, Busse und Guides – und haben die regionalen Anbieter, die ihre Touren mit Herz und Leidenschaft und einheimischen Guides angeboten haben, längst verdrängt. Egal, wofür ihr euch entscheidet: Treffpunkt ist stets die Tiefgarage eines Resorts. Die Hotelgäste werden morgens in Reisebusse verfrachtet, zu den Hotspots gebracht – und abends wieder in der Tiefgarage abgeliefert. Mit einem vielfältigen Aktivitätenprogramm versucht man wohl zu verhindern, dass die Touristen die Gegend auf eigene Faust erkunden – und ihr Geld bei regionalen Anbietern lassen.

Mein Fazit: Für eine Backpacking-Weltreise ist Hawaii vermutlich der ungünstigste Ort, den ich mir hätte aussuchen können … aber ich wollte Pearl Harbor erleben – abgehakt. Wer das nötige Kleingeld hat und sich in den Resorts einrichtet, wird von all dem Leid und den Problemen nicht viel mitbekommen.

Kosten: Die USA 🇺🇸 sind grundsätzlich mit unserem Preisniveau vergleichbar. Für einen Hawaii-Aufenthalt würde ich gleich einmal 80 bis 100 Prozent dazurechnen. Der Grund für dieses hohe Preisniveau liegt nicht in der abgelegenen Lage. Hawaii ist ständig in Alarmbereitschaft – die Lager sind daher überdurchschnittlich gefüllt, was hohe Lager- und Energiekosten verursacht. Dazu hat der Bundesstaat auf so gut wie alles den höchsten Steuersatz des Landes – und die bebaubaren Flächen sind naturgemäß begrenzt. Zusammengefasst: Die vielen US-Dollar, die man hier benötigt, sind anderswo besser investiert.

Sicherheit: Ich hätte vieles erwartet – aber sicher nicht, dass Hawaii jener Teil der USA sein würde, in dem ich mich am unwohls­ten und unsichersten gefühlt habe. Sobald man die Touristenstraße verlässt, begegnet man sehr seltsamen Menschen, deren Aufdringlichkeit weit über die akzeptable Toleranzgrenze hinausgeht. Über die Drogenproblematik möchte ich mich gar nicht erst äußern.

Last Stop in 🇺🇸: Seattle, Washington, is calling … wir lesen uns bald wieder.

 

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