Kapitel 13 – 🇬🇷 Griechenland
Ja! Ja! Ich gebe es offen zu und entschuldige mich bei der großen, weiten Welt 😅. Ich hatte immer die Vermutung, dass es Menschen, die ihren jährlichen Urlaub auf einer griechischen Insel verbringen, an Fantasie und Kreativität fehlt – aber ich muss zugeben: Es ist wirklich fein hier. Delphi oder Korinth? Mykene oder Epidauros? Wo man die Romantik bis in die Zehenspitzen spürt. Wieso es ratsam ist, durch Athen mit hochgestreckten Armen zu laufen, und wieso wir in der griechischen Metropole nie einen Wolkenkratzer sehen werden … all das und noch viel mehr erfahrt ihr jetzt.
Wie jede Medaille hat auch Athen zwei Seiten – und die könnten unterschiedlicher nicht sein. Wer kennt sie nicht, die vielen Bilder von der Akropolis, den Tempeln und den Ausgrabungsstätten? Tausendmal im Internet gesehen – aber direkt vor Ort ist das alles noch viel imposanter. Nehmt euch eine Stadtkarte von Athen, zieht einen gelben Kreis um das Zentrum und verlasst ihn nie – sonst sind eure romantischen Vorstellungen von Griechenland für immer verblasst.
Wer sich mit der Antike Griechenlands auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich, sich einer der vielen Free Walking Tours anzuschließen. Bei meinem ersten Stadtrundgang entdeckte ich unzählige herumliegende Marmorsteine. Sie wirken interessant, glitzern schön in der Sonne – und ahnungslose Touristen sammeln sich darum und fotografieren sie im Sekundentakt. Im Rahmen dieser geführten Tour wird die ganze Angelegenheit jedoch bildhaft und spannend. Man sammelt ununterbrochen Hintergrundinformationen über diese Epoche, garniert mit Begriffen wie Poseidon, Aphrodite oder Zeus. Diese fesselnden Geschichten über die Helden der griechischen Mythologie lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Das Allgemeinwissen steigt konstant – und man hat ein paar tolle Anekdoten auf Lager, mit denen man bei Freunden und Familie punkten kann.
Apropos gelernt – ein kleiner antiker Auszug, um meine neu erworbenen Geschichtsskills zu demonstrieren: Die berühmte Akropolis ist das meistbesuchte Bauwerk Griechenlands. Obwohl sie gerade restauriert wird, obwohl es 35 Grad im Schatten hat 🤒, obwohl man unzählige Stufen bezwingen muss und obwohl es nur so von Touristen wimmelt – ihr Anblick ist schlicht ein Traum. Egal, wie ihr euch hinaufkämpft: Ihr werdet es nicht bereuen. Nur lasst bitte den armen Esel in Ruhe! Ein dickes, fettes NEIN zu jeglicher Form des Tiertourismus.
Der Begriff „Akro“ bedeutet hoch bzw. am höchsten Punkt, „Polis“ bedeutet Stadt – also kurz gesagt: das Bauwerk, das am höchsten steht. Genau das ist der Grund, warum es in Athen nie einen Wolkenkratzer à la New York 🇺🇸, London 🇬🇧 oder Berlin 🇩🇪 geben wird. Man stelle sich vor, der Telekom-Sky-Emirate-Hofer-Tower – oder wie auch immer man diese Dinger nennen wird – würde ihren Platz einnehmen! Nein – bestimmt nicht in Griechenland.
Das zweite antike Bauwerk, das ich hervorheben möchte, ist das Olympiastadion Panathinaiko. Hier fanden vor über hundert Jahren die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Ein unfassbares Gefühl, dieses Stadion abzulaufen, auf der Tribüne zu sitzen und auf die Laufbahn zu blicken. Kurzzeitig ging die Fantasie ein wenig mit mir durch – ich stellte mir vor, wie Hunderttausende Fans in dieser Arena sitzen und die Sportler anfeuern. In den alten Katakomben des Stadions befindet sich ein interessantes Museum, das die Geschichte der Olympischen Spiele auf kreative und unterhaltsame Weise näherbringt.
Ein paar Fun Facts aus dem Museum musste ich euch mitgeben:
✔ Tauziehen, Kopfweitsprung, Tandemfahren oder Taubenschießen – also das Töten lebendiger Tiere – waren einst olympische Disziplinen.
✔ Hindernis-Schwimmen war olympisch: raus aus dem Becken, irgendwo herumrennen, wieder rein – weiter schwimmen – raus – usw. Herrliche Vorstellung, oder 😅?
✔ In den 1970er-Jahren gab es einen schwedischen 🇸🇪 Tontaubenschützen, der seine höchste Trefferquote nur mithilfe von Alkohol erreichte. Den anderen Teilnehmern erschien das wenig fair – und so entstand der erste Dopingskandal der Geschichte. Ob daher der Begriff „Zielwasser“ kommt? 🤣
✔ Bei den Olympischen Spielen in München 🇩🇪 1972 wurde das erste Maskottchen vorgestellt: ein Dackel namens „Waldi„. Apropos Maskottchen: Einige Jahre später hatten die Deutschen eine weitere glorreiche Idee – sie präsentierten eine Art Bienenbär als neues Maskottchen namens „Bumsi“ 🙈 … aber das ist eine andere Geschichte.
✔ Arthur Conan Doyle – Autor von Sherlock Holmes – war Stadionsprecher bei den Spielen in London 🇬🇧.
Eine praktische Lösung, um Athen zu besichtigen, ist der Kauf einer Kombikarte – 30 Euro für fünf Tage. Damit lassen sich die Sightseeing-Hotspots in Ruhe erkunden: vom zauberhaften Apollotempel über die mächtige Agora bis hin zum imposanten Olympieion.
Bei all diesen abwechslungsreichen Möglichkeiten möchte ich jedoch auf zwei Dinge hinweisen, die mit der Zeit unglaublich nervig werden.
1⃣ Diese kleinen, flinken Diebe! Nicht einmal oder zweimal – mehrmals täglich wurde ich von Kindern begrapscht, die es auf meine Wertsachen abgesehen hatten. Aber bestimmt nicht mit mir, ihr kleinen Biester! Also: Gebt ständig Acht!
Ich kannte diese Spielchen bereits aus Paris 🇫🇷 oder Rom 🇮🇹 – aber in Athen erreichte es eine neue Dimension. Unzählige Straßenhändler wollen mit euch Freundschaft schließen, schnappen sich eure Hände und binden euch unsanft Freundschaftsbänder um, um anschließend kräftig abzukassieren. Normale Gespräche mit den Betroffenen waren kaum möglich – der eingeübte Standardsatz „Black-White-Friendship, my friend?!“ fiel laufend. Kaum Ruhe zum Durchatmen, und auf Dauer ist dieses aggressive und aufdringliche Verhalten schlicht zermürbend. Die Optionen: Entweder ihr versteckt euch in einer Touristengruppe – oder ihr lauft mit erhobenen Händen durch die Altstadt von Athen.
Für den folgenden Abschnitt möchte ich mich vorab entschuldigen. Wer seine Vorstellung vom perfekten Griechenland – mit Inseln und Traumstränden – nicht verlieren möchte, der überspringe bitte dieses Kapitel. Die geschilderten Ereignisse spiegeln auch nicht meine politische Meinung wider; ich erzähle euch schlicht, was sich außerhalb des Touristenzentrums in Athen tagtäglich abspielt.
Kurzer Auszug aus meinem üblichen Ablauf nach der Landung in einem neuen Land: Völlig aufgeregt und euphorisch versuche ich, meine Unterkunft in Rekordzeit zu erreichen, um sofort loszulegen. Nach dem Check-in packe ich meinen kleinen Rucksack und erkunde direkt die nähere Umgebung – begleitet von einer einzigartigen Vorfreude und Neugier, bei der ich mich manchmal beim stillen Jubeln ertappe 🙈. Aus Budgetgründen liegt mein Apartment etwa 30 bis 35 Gehminuten vom Zentrum entfernt – und ab jetzt nehme ich euch einfach mit.
Gesagt, getan! Check-in erledigt, Kamera eingepackt, Navigation überprüft – und ab geht’s Richtung Innenstadt. Wir verlassen das Apartment und tauchen in enge Gassen und Straßen ein. Die Gebäude wirken verwahrlost und heruntergekommen, die Menge an herumliegendem Müll schockiert uns ein wenig. Zum Glück hatten wir ja Bukarest 🇷🇴 und Paris 🇫🇷 – der Anblick und der Geruch sind uns daher nicht völlig fremd. Wir navigieren per Handy, wechseln die Richtung und nähern uns langsam der Altstadt. Der Verkehr nimmt ab, die Straßen werden enger – und aus den Augenwinkeln häufen sich Bilder von obdachlosen Menschen, die in Kartons oder selbst gebastelten Zelten hausen. Der Geruch wird unerträglicher, wir legen einen Zahn zu – schließlich fehlen nur noch rund zwanzig Minuten bis zum Ziel.
Ein lauter Knall direkt neben uns. Und noch einer! Wir erschrecken, bleiben stehen, blicken uns um – und realisieren, wo wir gelandet sind. Auf beiden Seiten der heruntergekommenen Straße hausen Dutzende Menschen. Sie liegen verstreut am Boden, eingehüllt in Kartons und Müll, laute Musik dröhnt aus Ghettoblastern. Und nochmal – knapp daneben! Diese Flasche verfehlte uns nur knapp 😮. Unser Herz schlägt schneller, und wir spüren so etwas wie Angst und Panik – ein Gefühl, das uns nach so vielen Reisen durch so viele Länder bis dahin fremd war. Weitere Gegenstände fliegen in unsere Richtung, die Rufe werden lauter und aggressiver.
Ruhe bewahren – aber was tun? Umdrehen? Starr auf den Boden blicken und weitergehen? Oder doch kurz das Handy herausholen und versuchen, uns herauszunavigieren? Auf solche Momente waren wir nicht vorbereitet. Wir entscheiden uns, mittig auf der zweispurigen Straße weiterzugehen. Mit schneller Atmung und leichten Angstzuständen versuchen wir, irgendwie heil aus der Sache herauszukommen. Die Straße ist kaum befahren – gelegentlich kommt ein Wagen vorbei, hupt und fährt um uns herum. Stehenbleiben ist keine Option, den Gehsteig können wir nicht benutzen – also einfach schnell geradeaus und ruhig bleiben. Aus den Augenwinkeln nehmen wir immer mehr verwahrloste Gebäude und ausgebrannte Fahrzeuge wahr. Bilder, die man sonst nur aus Kriegsfilmen oder Nachrichtenberichten kennt. Die anfängliche Euphorie vermischt sich mit blanker Panik, die Musik und die Schreie werden lauter und bedrohlicher.
Doch lieber umdrehen? Wo zur Hölle sind wir hier gelandet? Wir gehen nach rechts, nach links, wieder nach rechts – und fühlen uns wie in einem Labyrinth. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich die Innenstadt und stehen noch völlig unter Schock. Nicht einmal zwei Quergassen trennen die parkenden Touristenbusse von den ausgebrannten und verwahrlosten Gebäuden.
Einige Tage später lernte ich Panos kennen – dazu später mehr. Er erzählte mir viel über die prekäre Lage in Athen. Im Zuge der Wirtschaftskrise verloren unzählige Griechen ihren Job und in der Folge auch ihre Wohnung. Quer durch die Stadt sieht man diese traurigen Bilder: Menschen, die friedlich auf der Straße sitzen und versuchen, ihren Lebensunterhalt zu erbetteln. Offiziell leben rund 50.000 obdachlose Griechen auf den Straßen Athens – und der Staat kümmert sich kaum um sie.
Wir waren allerdings in einer der gefürchteten No-go-Areas gelandet. Die griechischen Flüchtlingslager – wie sehr ich dieses Wort hasse, aber sie heißen nun mal so – sind maßlos überfüllt. Durch drohende Aufstände werden immer wieder die Tore geöffnet, und Asylsuchende erobern sich Randbezirke Athens. Panos erzählt mir, dass viele ärmere griechische Bewohner in diesen Vierteln kleine Restaurants, Geschäfte und Wohnungen hatten – und aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen vertrieben wurden. Er kennt selbst Betroffene und befürchtet, eines Tages in dieselbe Lage zu geraten – denn die unkontrollierte Zuwanderung nimmt kein Ende, und der Staat ist mit einer friedlichen Lösung schlicht überfordert.
Ich hatte das bisher immer für mediale Hetze oder übertriebene Darstellung gehalten – aber nach diesem Erlebnis muss ich widersprechen. Aktuell läuft auf unserer Welt verdammt viel schief. Anschließend las ich die Bewertungen meines Apartments: unsichere Gegend … würde allein nachts hier nicht entlanggehen … auf jeden Fall mit den Öffis fahren … und so weiter.
Genießt die Innenstadt, passt auf eure Wertsachen auf – und vermeidet Spaziergänge jeglicher Art außerhalb des touristischen Kreises.
… wieder so ein Übergang 🙈 – erkunden wir die Umgebung und starten in den Süden! Da war doch einmal etwas, oder? 🎧 „Willkommen, willkommen, willkommen Sonnenschein … La La La – Heyho, ab in den Süden, der Sonne hinterher …“ 😅 – ein bisschen fröhliche Musik hilft immer, um den gerade erlebten Schock etwas besser zu verdauen.
„Land der Strände, Land der Inseln“ – das könnte auch der Titel der griechischen Nationalhymne sein. Aber wisst ihr was? Die Inseln sind gar nicht notwendig, denn eine 30-minütige Metro- oder Busfahrt von Athen reicht aus, um den heißgeliebten Sandstrand zu erreichen. Der Varkiza Beach liegt südlich der Metropole und ist im Gegensatz zu den berühmten Inselstränden eine touristenfreie Zone – hier taucht ihr wortwörtlich ins griechische Alltagsleben ein.
Wer auf glamouröse Jachten und das lebendige Treiben auf Häfen und Fischermärkten steht, springt in die U-Bahn und steuert Piräus an. Piräus war einmal eine eigenständige Stadt, ist aber gewissermaßen mit Athen zusammengewachsen. Für einen tollen Ausblick auf die Küste und den Hafen spaziert ihr durch enge, äußerst steile Gassen – und erkundet dabei gleichzeitig die wildromantische Altstadt.
Etwas weiter Richtung Süden warten unter anderem die Costa del Sol oder der Glyfada Beach. Palmen, Sandstrand, klares blaues Wasser, kleine traditionelle Restaurants … – Griechenland, was will man mehr?
Um zum südlichsten Punkt dieser Halbinsel zu gelangen, buchte ich eine kleine Tour – und lernte dabei Panos kennen. Unser Ziel war das Kap Sounion mit dem berühmten, traumhaft schönen Poseidontempel.
Mit seinem kleinen Van bringt Panos täglich Touristengruppen ans Kap Sounion, um ihnen den atemberaubenden Sonnenuntergang zu zeigen. Panos ist kein gewöhnlicher Reiseführer – er ist ein wandelndes Fachlexikon über alles Wissenswerte rund um Griechenland. Da diese Tour ausnahmslos von verliebten Pärchen gebucht wird 😅, hatten wir beide reichlich Zeit, uns über die Sonnen- und Schattenseiten seines Heimatlandes zu unterhalten. Dieser offene und ehrliche Dialog blieb mir besser in Erinnerung als – okay, zugegeben – der megaromantische Sonnenuntergang am Tempel.
Panos hat seit gut zehn Jahren keinen einzigen freien Tag gehabt. Begriffe wie Urlaub oder Krankenstand sind ihm vollkommen fremd. Er ist bescheiden, liebt seinen Job und ist froh, ihn ausüben zu können – aber einen freien Tag kann er sich finanziell kaum leisten. Er sieht Griechenland auf einem guten wirtschaftlichen Weg, hadert aber immer wieder mit dem Glauben an Gleichberechtigung. Unsere Tour war ein treffendes Beispiel dafür: Mit an Bord war ein amerikanisches Pärchen – 19 und 20 Jahre alt –, das er eigens aus einem 5-Sterne-Hotel abholen musste. Eine komplett andere Welt. Als Panos versuchte, die beiden über die Geschichte Griechenlands aufzuklären, scheiterte er bereits an der Tatsache, dass Griechenland ein souveräner Staat ist. Das Pärchen ist noch immer felsenfest davon überzeugt, dass die Europäische Union ein Land auf dem Kontinent Europa/Asien ist – und Griechenland lediglich eine historische Stadt 🤔. Aber egal – Intelligenz und die USA 🇺🇸 sind ein eigenes Thema, über das wir noch früh genug sprechen werden.
Zurück zu Panos: Aktuell träumt er von seinem ersten eigenen Urlaub mit der Familie – irgendwo in den griechischen Bergen. Und warum ist Griechenland auf einem guten Weg? Weil die Menschen endlich anfangen, ihre Steuern zu zahlen! Aus Angst, ihr könntet vor Langeweile einschlafen, spare ich mir den Teil, in dem ich euch über das griechische Steuersystem belehre – nur so viel: Es ist unvorstellbar, ein derart skurriles System in einem EU-Land 🇪🇺 vorzufinden.
Doch zurück zum Poseidontempel. Romantik und Kitsch hin und her – diesen Sonnenuntergang zu erleben ist schlicht einmalig. Die Bucht bietet einen traumhaften Sandstrand, an dem man den Alltag hinter sich lassen kann. Mit dem Einbruch der Dämmerung wandert man hinauf zum Tempel und wird Zeuge eines sagenhaften Spektakels. Also, meine lieben männlichen Leser: Solltet ihr in letzter Zeit etwas wirklich Unverzeihliches angestellt haben – hier ist eure Chance! Wenn euch eure Herzensdame bei diesem Anblick und dieser Atmosphäre nicht verzeiht, befürchte ich, ist euer Zug für immer abgefahren. Ja, diese kleinen Momente, in denen man sich kurz wünscht, sie mit einem besonderen Menschen teilen zu können. Aber zum Glück hatte ich Panos – und zu unser beider noch größerem Glück hatte er ein paar eisgekühlte griechische Biere dabei, die wir unseren amerikanischen Mitreisenden – natürlich völlig unabsichtlich – vorenthalten haben 😅.
Delphi, Korinth, Epidauros, Marathon, Mykene, Sparta, Olympia … Es gibt viele antike Stätten, die Historiker in ihren Büchern nennen – oder die ich aus Hollywood-Blockbustern kenne 😅. Sie alle liegen in der unmittelbaren Umgebung von Athen und sind per Tagesausflug bequem zu erreichen.
Mein erster Trip führte mich nach Delphi – der berühmten antiken Stadt inmitten einer traumhaften Berglandschaft. Die Geschichte Delphis ist beeindruckend und hochspannend, allerdings gibt es vor Ort nicht wirklich viel zu sehen. Die Anreise durch die kurvigen und engen Gebirgsstraßen ist aufregend – doch bei meiner Ankunft wurden meine schlimmsten Befürchtungen zur Realität. Unzählige Reisebusse, Touristenmassen, die kreuz und quer durch die Gegend laufen, erwarten mich. Ich erwähne bewusst, dass es sich dabei vorwiegend um asiatische Reisegruppen handelt – denn egal, ob bei Regen oder Sonne, sie laufen stets mit aufgespannten Regenschirmen durch die Gegend und versammeln sich wie Bienenschwärme vor jedem Souvenirladen. Für die Erkundung Delphis gibt es zwei Optionen: Entweder ihr schließt euch still und heimlich einer Reisegruppe an – oder ihr organisiert euch einen Audioguide. Ohne fachliche Hintergrundinformationen seht ihr nur alte, herumliegende Steine und verpasst den großen Zusammenhang. Unzählige Tempel, Statuen und Denkmäler erwarten euch; zu den Höhepunkten zählen vor allem das antike Stadion und das gut erhaltene Amphitheater.
Lange Anreise, brütende Hitze, vollkommen überlaufen – lohnt sich der Besuch? Meine Meinung: Nur für leidenschaftliche Fans der Antike empfehlenswert.
Der zweite Trip gestaltet sich deutlich interessanter und führt mich auf die Halbinsel Peloponnes im Süden des Landes. Erster Pflichtstopp: der Korinthische Kanal! Eine durch und durch geniale Konstruktion – siebzig Meter geht es tief hinab in die Schlucht, und mit etwas Glück beobachtet man Schiffe, die sich durch diesen engen Kanal durchkämpfen. Ein historisches Meisterwerk der Baukunst mit hochinteressanter Entstehungsgeschichte – recherchiert selbst ein wenig, ihr werdet es nicht bereuen.
Brad Pitts Troja gesehen? Vermutlich nicht der Glanzpunkt seiner eindrucksvollen Hollywood-Karriere – aber der Drehort war durchaus imposant. Willkommen in der antiken Stadt Mykene. Das weltbekannte Löwentor, die gut erhaltenen Tempel, die Überreste eines grandiosen Palastes und das beeindruckende Grab des Agamemnon. Viel mehr Geschichte, viel mehr zu entdecken – und das ohne hektisches Getümmel oder überfüllte Schauplätze. In Mykene entstand die Legende der einst schönsten Frau der Welt: Helena – nein, nicht die Fischer 😅, sondern Helena von Troja bzw. Sparta. Zwei Männer duellierten sich um ihre Hand, Tausende Krieger ließen in dieser Schlacht ihr Leben. Zutiefst romantisch oder schlicht krank? Legende, Mythos oder reale Geschichte? Könnt ihr Wahrheit von Fiktion trennen?
Einige Kilometer entfernt liegt das nächste antike Juwel: Epidauros. Zugegeben – für einen Laien wie mich ähneln sich diese antiken Stätten ein wenig, aber Epidauros besitzt eine beispiellose Einzigartigkeit: das mächtige Amphitheater von Epidauros. Unfassbare Größe, enormes Fassungsvermögen und eine bahnbrechende Akustik. Trotz der gewaltigen Dimensionen kann man in der letzten Reihe sitzend die Akteure auf der Bühne flüstern hören. Magie? Zauberei? Leider nein – diese unnachahmliche Akustik verdankt man einer Kombination aus besonderer Baukunst, geografischer Lage und Höhe.
Nach dem bewährten Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ stelle ich euch meinen absoluten Lieblingsort in Griechenland 🇬🇷 vor. Ein kleines, romantisches Fischerdorf, 140 Kilometer südlich von Athen gelegen, mit dem klangvollen Namen Nafplio. Diese 30.000-Seelen-Gemeinde war die erste Hauptstadt des modernen Griechenlands – noch vor Athen. (Millionenshow-Wissen – mindestens 500.000 wert, oder was denkt ihr? 😅) Stündlich fährt ein Bus von Athen nach Nafplio – und ich bitte euch, oder nein … ich befehle euch: Setzt euch rein! Drei grandiose Burgen zieren das Stadtbild. Die schier endlos wirkende Palamidi-Festung ist nur über 999 Stufen erreichbar. Wer es gemütlicher mag, spaziert zur Akronauplia-Festung hinauf und genießt den fantastischen Ausblick. Alternativ bietet sich noch die Bourtzi-Festung an – sie liegt allerdings auf einer kleinen Insel direkt vor der Küste, ein Boot ist also ratsam. Dieser kleine Hafen mit seinen Fischerbooten, das kristallklare blaue Meer, die verträumte Altstadt mit ihren engen Gassen, farbenfrohen Gebäuden und traditionellen Geschäften und Restaurants … einfach ein griechischer Traum 🥰.
Dieses Juwel ist wohl noch ein Geheimtipp – Touristen verirren sich hier kaum her. Zum Glück liest diesen Bericht so gut wie niemand 😅 – es wird also hoffentlich noch lange so bleiben. Es sei denn, ihr könnt den Mund nicht halten und verbreitet dieses Geheimnis in alle Welt.
Mein Fazit: Ihr dürft weiterhin auf eure Korfus und Kretas – oder wie sie auch immer heißen – fliegen; vielleicht nimmt mich ja mal jemand mit 😅! Aber auch Athen ist definitiv einen Besuch wert. Vielfältig, historisch einzigartig, bunt, modern und ein perfekter Ausgangspunkt zu vielen weltberühmten Sehenswürdigkeiten.
Sicherheit: Stichwort gelber Kreis – und damit ist das Thema endgültig abgeschlossen.
Kosten: Über die Urlaubsinseln kann ich weniger urteilen, aber die Zeiten, in denen Athen eine günstige Metropole war, sind vorbei. Die Preise bewegen sich auf einem unseren Standards sehr ähnlichen Niveau.
Aus der Kategorie im Nachhinein schlauer: Die Akropolis keinesfalls am Wochenende besuchen – unter der Woche ist es deutlich entspannter. Außerdem wäre ein Mietwagen womöglich die bessere und günstigere Option gewesen, um die vielen Orte der Umgebung zu erkunden.
Weiter geht’s – Shalom aus Israel 🇮🇱!
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