Kapitel 24 – 🇺🇸 USA (Kalifornien 3)

Der mächtigste Baum der Welt? Irgendwie ein trauriger Anblick … der größte freistehende Wasserfall? Nicht allzu spektakulär … der heißeste Ort des Planeten? WTF 😱 – wie überlebt man das? … ein See, der einer Mondlandschaft gleicht? Mysteriös schön … meine Faszination an Ghost-Towns? Oh ja – das könnte länger dauern 😉 … Willkommen im letzten Teil der Kalifornien-Trilogie!

Östlich der California State Route 1 liegen der Sequoia National Park und der Kings Canyon National Park. Warum sind wir hier? Ein Begriff, der alles andere wortwörtlich in den Schatten stellt: Riesenmammutbäume! Man muss sie gesehen haben, um zu verstehen, wie mächtig ihre Dimensionen sind. Im Sequoia National Park thront der mächtigste seiner Art – der General Sherman Tree – und das ist seine traurige Geschichte.

Höher, besser, weiter … ihr kennt das – im heutigen Leben geht es rein um Superlative – und ein Leidtragender ist der General Sherman Tree. Mr. Sherman misst eine Gesamthöhe von 85 Metern – und der Umfang seines Stammes beträgt 32 Meter, was ihn zum mächtigsten Baum unseres Planeten kürt (gemessen am Volumen). Dieser Riesenmammutbaum ist 2.500 Jahre alt – und leidet seit Jahren unter seinen Superlativen. Der US-Bundesstaat Kalifornien wollte jedem die Möglichkeit geben, diesen Riesen zu bewundern. Sobald ihr die Eingangstore zum Sequoia National Park passiert, findet ihr eine hohe Anzahl an Bussen, die sich um Mr. Sherman stapeln. Tourismus im 21. Jahrhundert. Obwohl dieser Baum der mächtigste seiner Art ist, muss er von der Menschheit beschützt werden. Ein Zaun versucht verzweifelt, seine Lebensdauer zu verlängern – aber die Touristen bedanken sich auf ihre ganz eigene Art. Sie klettern reihenweise über die Absperrung, berühren Mr. Sherman und starten ihre Selfie-Sessions. Um das beste Bild zu bekommen, werden gerne einmal die Ellbogen ausgefahren – und Mr. Sherman wird von allen Seiten bedrängt und genötigt. Noch während des Rückweges zu den Reisebussen wird fleißig auf den Mobiltelefonen herumgeklickt – um unverzüglich die Errungenschaft mit der ganzen Welt zu teilen. Ein äußerst trauriges und nachdenkliches Bild – und ein weiterer Beweis, dass die Menschheit mit der Natur nicht umgehen kann.

Der Sequoia National Park liegt etwas abgelegen auf 2.000 Metern Seehöhe und ist relativ schwierig zu erreichen. Der General wartet am Parkeingang – und ist für viele Besucher die erste und einzige Attraktion. Reisebusse und Campingwagen müssen anschließend umdrehen, da die nächsten Meilen nicht zu bewältigen sind. Die Straßen sind äußerst steil und sehr kurvig – und man hofft, nicht allzu viel Gegenverkehr zu treffen. Des einen Fluch, des anderen Segen – denn ab jetzt wandern wir völlig einsam durch diese magische Landschaft. Die ersten Pfade starten und bringen uns in ein zauberhaftes Labyrinth – in die Heimat dieser Riesen. Ich garantiere euch: Ihr braucht nur einen kleinen Augenblick – und seid dieser Welt makellos verfallen. Die Blicke in den Himmel gerichtet, die Augen weit geöffnet, starrt ihr diese Bäume an. Wachsen diese Riesen vielleicht bis zum Himmel? Scheinbar ja! Nach den ersten paar Meilen spürte ich bereits ein leichtes Ziehen im Nacken – aber ich konnte meine Augen nicht davon abbringen, diese hinreißenden Giganten zu bewundern.

Ein Pfad führt euch zum Moro Rock – einem domförmigen Granitfels auf über 2.300 Metern Höhe. Ein kurzer, aber anstrengender Anstieg über schwindelerregende, in den Fels geschlagene Treppen schenkt euch die schönste Aussicht über das Tal. Definitiv nichts für Menschen mit Höhenangst – und absolute Trittsicherheit ist gefordert. Die Faszination Reisen: Wenn ich zu Hause Wanderungen unternommen habe, bei denen es kleine Teilpassagen gab, wo man sich an Seilen festhalten musste, schlug mein Herz schon wie verrückt – die Hände und Füße zitterten – und teils musste ich sogar umkehren. Meine lieben Freunde wissen, was ich meine. Während meiner Reisen scheine ich ein anderer Mensch zu sein. Ohne Scheu, Angst und ohne jegliche Bedenken kletterte ich diesen Pfad hinauf. Ich hoffe, ich kann einen Teil davon wieder mit nach Hause nehmen.

Unweit der Riesenmammutbäume erwartet mich der Kings Canyon National Park mit seinen 4.400 Meter hohen Gipfeln. Dieser Canyon ist mit den berühmten Wüsten-Canyons nicht zu vergleichen. Statt Trockenheit, Hitze, Staub und rauer Felsen haben wir dichte Wälder, grüne Wiesen und etliche Wasserfälle. Der Kings Canyon Scenic Byway (Highway 180) ist die aufregendste Straße, die ich jemals gefahren bin. Die zweispurige Strecke schlängelt sich hunderte Höhenmeter bergauf und bergab den Canyon entlang. Diese Dead-End-Street startet bei 2.500 Höhenmetern und verläuft tief in die Schlucht hinein – vorbei an steilen Abhängen, reißenden Flüssen und malerischen Wasserfällen (z. B. den Grizzly Falls).

Mein angestrebtes Ziel war der Mist Trail – ein 15 Kilometer langer Wanderweg, der durch die tiefen Schluchten des Tales führt und bei den Mist Falls endet. Der Gemütlichkeits-Status ist jetzt vorbei – raus aus dem Sofa, jetzt nehme ich euch mit.

Es ist bereits kurz nach Mittag – deswegen starten wir umgehend unsere Tour zu den Mist Falls, denn wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir stellen unser Fahrzeug am Ende der Dead-End-Road ab, registrieren uns bei der Ranger Station – und wandern los. (Viele Wanderungen erfordern eine offizielle Registrierung bei den US-Rangern – das hat mehrere Gründe. Unter anderem wird so der Zugang reguliert, die Ausrüstung überprüft und die Übernachtungsmöglichkeiten kontrolliert. Es wird auch darauf hingewiesen, dass sämtliche Nahrungsmittel in sogenannten „Bear Boxes“ verwahrt werden müssen, die zur freien Verfügung stehen. Denn angeblich wimmelt es in den kalifornischen Nationalparks von Bären … angeblich 🤔.)

Die ersten paar Meilen verlaufen gemütlich – immer leicht bergauf, einen kleinen Bach entlang. Wir genießen die angenehmen Temperaturen und die wenigen Sonnenstrahlen, die sich durch den Wald kämpfen. Rechts und links bewundern wir diese endlos steil wirkenden Granitwände, die scheinbar bis zum Himmel emporwachsen. Einige Wanderer kommen uns entgegen – mit einer täuschenden Ähnlichkeit zu Imkern 🤔 – aber darüber machen wir uns (noch) keine Gedanken. Wir erreichen das Flussufer – und innerhalb von wenigen Metern nimmt das Landschaftsbild eine vollkommen andere Form an. Die Vegetation wird immer dichter, das Klima und der Boden werden feuchter – und die Farne haben die Nadelbäume verdrängt. In diesen Momenten verstehen wir den Imker-Look – denn jetzt startet eine Großoffensive der Moskitos. Wahnsinn! Unzählige kleine Insekten schwirren herum und übertönen sogar den Klang des rauschenden Flusses.

(Ich kenne solche Situationen aus den Moor- und Feuchtgebieten in Finnland 🇫🇮 oder Schweden 🇸🇪 – aber das übertrifft sogar meine bisherigen Vorstellungen.) Notiz an mich: Das nächste Mal ein Moskito-Kopfnetz für Hals und Gesicht mitnehmen.

Anfangs versuchen wir durch unkontrolliertes Herumfuchteln, die Viecher zu vertreiben – aber wir wissen bereits während der Ausführung, dass das sinnlos ist. Es juckt, zwickt und beißt überall – und da unser GPS bzw. unsere Navigation nicht funktioniert, wissen wir nicht, wie weit unser Ziel noch entfernt ist … also laufen wir schleunigst weiter.

Zu unserem Glück veränderte sich das Landschaftsbild erneut – und der strapaziöse Anstieg begann. Wir klettern über Geröll, Felsen und herumliegende Bäume den Pfad entlang und folgen dem rauschenden Fluss. Der Abnutzungskampf ist ausgerufen – unser Schnaufen übertönt alle anderen Geräusche – aber wir kämpfen uns mutig weiter. Der Körper schwitzt, die Sonne reflektiert auf den kahlen Granitfelsen und lässt unsere Haut brennen … wie weit ist es noch? … wir sind bereits seit gut zwei Stunden unterwegs. Seid mal bitte still – hört ihr dieses Geräusch? Das muss der Wasserfall sein.

Die letzten Meter noch – und wir erreichen völlig ausgepowert unser Ziel. Wir staunen, starren und atmen ganz tief durch … YES!!! … geschafft! Wir klettern die Felsen zum Wasserfall hinab und genießen diesen wohlverdienten Triumph. Unglaublich schön – wie zufrieden, glücklich und frei wir uns in diesem Augenblick fühlen. Nach einer erholsamen Dusche im Wasserfall bauen wir unser Kamerastativ auf, um ein paar Erinnerungsfotos zu machen. Winkel und Zoom perfekt eingestellt – also starten wir … 😱😱😱 … unser Herz explodiert! Die Atmung setzt aus – und der Schreck fährt tief in unsere Glieder. Nur wenige Meter hinter uns, direkt in den Fluten des Wasserfalls, sehen wir ihn … und er sieht uns 🙈. Oh ja – er hat uns definitiv registriert und starrt uns sehr entschlossen an … das Herz klopft, die Nase tropft, die Knie zittern … Fuck … Ich kann mich noch genau erinnern – was für ein unbezahlbarer Moment das war: eine Mischung aus Aufregung, Adrenalin und Angst.

Ein junger Schwarzbär streifte herum – um sich wohl etwas Leckeres aus dem Fluss zu fischen. Nachdem er freundlicherweise beschlossen hatte, dass wir nicht auf seiner Speisekarte stehen, wandte er seinen Blick ab und setzte seine Suche fort. Langsam und vorsichtig packten wir unsere Sachen zusammen und kletterten den Hang wieder hinauf zum Pfad. Jeden Meter drehten wir uns um – in der Hoffnung, nicht verfolgt zu werden. Als wir den Weg erreicht hatten, konnten wir den jungen Bären aus sicherer Entfernung beobachten. Diese Neugier – diese verfluchte Neugier – wird uns irgendwann einmal zum Verhängnis werden. Die Anziehungskraft dieses unerwarteten Treffens hatte unseren Verstand vernichtet – und wir kletterten wieder hinunter, um den Bären aus nächster Nähe zu beobachten. Nicht klug – gar nicht klug – aber aus irgendeinem unerklärlichen Grund fühlten wir uns sicher und hielten diese Begegnung in einem kleinen Video fest.

Der Schwarzbär verfolgte uns noch einige hundert Meter flussabwärts – bis er irgendwo in der dichten Vegetation verschwand. Wir waren zwar überrascht – aber zum Glück auch vorbereitet. Schwarzbären sind neugierig, aber nicht angriffslustig – und Übergriffe auf Menschen halten sich in Grenzen. Dasselbe gilt für Braunbären – die allerdings deutlich größer und furchterregender aussehen. Wäre uns hier ein Grizzlybär begegnet … na dann Grüß Gott Frau Holle und gute Nacht.

Bärenspray oder Lärmmacher sollten stets mitgeführt werden – offene Lebensmittel sollten auf keinen Fall mitgenommen werden – und alles, was im Auto bleiben soll, muss in einer sogenannten Bären-Foodbox verstaut werden. Wer sich nicht an diese Regeln hält, riskiert entweder Verwarnungen und Strafen, ein aufgebrochenes oder zerkratztes Auto – oder im schlimmsten Fall endet er als Bärenfutter.

Sowohl der Sequoia National Park als auch der Kings Canyon National Park gehören zu den ruhigen und harmonischen Vertretern. Der Grund dafür liegt 200 Meilen weiter nördlich. Willkommen im Yosemite National Park – oder wie ich es formuliere: der Himmel auf Erden!

Ich weiß, ich wiederhole mich – aber dieses Mal habe ich nicht die geringste Eingebung, wie ich jemandem die Schönheit dieses Nationalparks erklären soll. Der Yosemite hat eine ähnliche Fläche wie die Steiermark – und bietet einfach alles, was man sich erträumen kann. Spektakuläre Wasserfälle, endlose Steilwände, blühende Felder und Wiesen, reißende Flüsse, kristallblaue Seen, tiefe Höhlen, enge Schluchten, breite Täler … ich weiß weder, wo ich anfangen – noch wo ich aufhören soll.

In drei intensiven Wandertagen habe ich vielleicht drei Prozent dieses Weltwunders gesehen. Ich erspare euch jetzt eine Aufzählung der „Things to see & Things to do“ – die findet ihr überall im Netz. Ich habe beschlossen, dass ihr mich durch meinen ersten Wandertag begleitet. (Ja, ich weiß – schon wieder wandern – aber diesmal ohne Bären, versprochen … oder vielleicht doch nicht 😅.)

Die Unterkünfte im Nationalpark sind für einen Low-Budget-Reisenden kaum finanzierbar – deswegen organisiert euch am besten ein freies Stockbett in einem Hostel in den nahe gelegenen Bergen. Trotz der unmittelbaren Nähe zum Park sind es trotzdem noch 90 Minuten Fahrzeit – deswegen heißt es für uns heute sehr früh aufzustehen. (Campen im Nationalpark wäre bestimmt auch eine vernünftige Alternative – die ich das nächste Mal bevorzugen würde.)

Der wohl bekannteste Spot im Yosemite National Park ist der Glacier Point – eine Aussichtsplattform auf 2.200 Höhenmetern, die auf zwei verschiedene Arten erreichbar ist. Version 1: mit dem Pkw. Davon würde ich absolut abraten – die Straße ist vollkommen überlaufen, die Anzahl der Parkplätze ist minimal – und ihr werdet stundenlang im Stau stehen. Version 2: mit purer Körperkraft. Der Four Mile Trail oder der Panorama Trail sind die passenden Optionen. Um euch die nötige Motivation zu schenken, könnt ihr hier schon einmal einen Blick auf unsere Route werfen.

Obwohl ich bereits mit Sonnenaufgang im Valley angekommen war, die Hauptsaison beendet ist und wir uns einen Wochentag ausgesucht hatten, stauten sich die vollbesetzten Reisebusse bereits hunderte Meter. Ich parkte mein Fahrzeug am Fuße des kaum frequentierten Trails und startete meine Mission – Four Mile Trail: Dieser Pfad erstreckt sich über knapp 8 Kilometer und führt über 1.000 Höhenmeter hinauf zum Glacier Point. Gut drei Stunden benötigte ich, um diese tausend Höhenmeter zu überwinden 🥵. Kehre für Kehre geht es über den Granitfelsen hinauf – der enge Pfad verläuft immer am Abgrund entlang – aber es wird niemals gefährlich oder unüberwindbar.

Mit jedem einzelnen Höhenmeter wird die Aussicht immer unglaublicher … dieser Blick in das grüne Tal … das Schönste, was meine Augen jemals gesehen haben. (Ihr könntet euch nicht vorstellen, was ich hier zusammengeschwitzt und zusammengeflucht habe 😅.) Keine Menschenseele begegnete mir auf dieser Route – und ich konnte all diese unvergesslichen Momente einsam genießen. Immer wieder blieb ich stehen und erfreute mich an diesem sagenhaften Ausblick. Ich weiß – auch auf die Gefahr hin, mich ständig zu wiederholen: Diese unfassbare Ästhetik kann man nicht in Worte fassen. Bevor ich mich weiter Richtung Glacier Point kämpfe, zeige ich euch mein absolutes Lieblingsfoto … den Blick auf das Tal gerichtet – den wir bei der Aussichtsplattform nicht ergattern werden.

Nach all den Anstrengungen endlich am Ziel angekommen – die Isolation genossen, das Gefühl der Schwerelosigkeit inhaliert und mit Geist und Seele in dieser traumhaften Landschaft versunken … ja – bis ich den Glacier Point erreicht hatte.

Stellt euch bitte vor: Ihr schlaft tief und fest und habt den allerschönsten Traum, der sich sehr real anfühlt. Ihr möchtet nie wieder aufwachen und ständig weiterträumen – bis … ja bis … Montagmorgen – der Wecker reißt euch unsanft aus den Träumen …

Völlig außer Atem und vollkommen durchnässt und verschwitzt erklimme ich die letzten paar Meter zum Glacier Point – und dann wurde ich geweckt. Tausende Touristen tummeln sich auf ein paar Quadratmetern, schlagen sich mit ihren Selfiesticks gegenseitig k.o. – und taumeln wie angeschossene Wildgänse mit ihren Flip-Flops über den felsigen Untergrund. Bewaffnet mit Handtaschen, Mobiltelefonen und überdimensionalen Kameras stehen sie Reihe an Reihe und kämpfen um jeden Zentimeter. Die laufenden Motoren der Reisebusse übertönen die Gesänge der Vögel – und das panische Geschrei der Touristenmassen stellt den sanften Klang des Windes in den Schatten. Was hier an Chaos und Lärm los war, könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Um jeden freien Zentimeter wurde gekämpft – und die Huperei am Parkplatz nahm kein Ende.

Ich bin definitiv kein gehässiger Mensch – aber hier musste ich mich rächen. Ich quetschte mich bewusst durch die Massen und suchte so viel Körperkontakt wie nur möglich – um diese Horden mit meinen stinkenden Schweißperlen zu beglücken. Ich habe mich auf so vielen Selfies wie nur möglich verewigt – denn dieser krankhafte Wahnsinn hatte mich aus meiner Traumwelt zurückgeholt. Bitte nicht falsch verstehen – es geht nicht um die Anzahl der Massen (obwohl dieses Naturjuwel reguliert gehört) – sondern um deren Verhalten. Die laufenden Motoren verpesten die Luft, das irrsinnige Geschrei vertreibt die letzten Tiere – und wie viel Müll sich zwischen den Felsspalten angesammelt hat, wollt ihr gar nicht wissen. Aber am meisten hasse ich diese verfluchten Drohnen – die mit ihrem nervtötenden Lärmpegel jede einzelne Emotion zerstören. Da stehen sie – Seite an Seite – diese arroganten XXX – und steuern ihre Geräte, als wären sie heldenhafte Kampfpiloten. Am liebsten würde ich jedes einzelne dieser verdammten Drecksteile vom Himmel schießen … so, jetzt geht’s mir besser – und ihr kennt meine Einstellung zum Drohnen-Tourismus 🤮.

Die Aussicht vom Glacier Point ist natürlich sagenhaft schön – aber das Geschrei und Gezerre tötet jede einzelne Emotion. Ich verließ diesen Aussichtspunkt sofort und beschloss, den Rückweg über den Panorama Trail zu nehmen … noch einmal 15 Kilometer … und noch einmal 1.000 Höhenmeter.

Fehlalarm! Heute ist Samstag – ihr zertrümmert den Wecker, kuschelt euch gemütlich unter die Decke und träumt weiter … und genauso fühlte ich mich, als ich meine Wanderung fortsetzte.

Dieser Panorama Trail schenkt dir alles, was unsere Welt an Anmut zu bieten hat. Sagenhafte Ausblicke auf die größten und schönsten Wasserfälle unserer Erde – atemberaubende Einblicke auf die kahlen Felsformationen und ins tiefe Tal. Mitunter die beste Aussicht auf den sagenumwobenen Half Dome und den El Capitan. (Über den wir uns später noch unterhalten.) Nach äußerst anstrengenden Meilen zweige ich unter anderem zu den Nevada Falls und den Vernal Falls ab. Die Nevada Falls sind ein 180 Meter hoher Wasserfall – und man kann direkt die Hand hineinhalten, um diese intensiven Kräfte zu spüren. Die Vernal Falls schenkten mir wieder einen dieser „Jäger-des-Augenblicks“-Momente, die ich nie vergessen werde. Bevor die Wassermassen 100 Meter senkrecht in die Tiefe stürzen, bilden sie einen natürlichen Pool, der zum Baden einlädt. Acht Stunden herumgelaufen, geschwitzt, gelitten und geflucht – die durchnässte Kleidung klebte auf meiner Haut, der Schweiß tropfte im Sekundentakt von meiner Stirn … und dann dieses Bad im eiskalten Wasser. Ob ihr euch nur annähernd vorstellen könnt, wie verdammt genial dieser Augenblick war? (Rhetorische Frage – das kann nämlich niemand 😉.) Kleiner Fun-Fact: Nacktbaden ist in den USA streng untersagt – aber hier bestätigt die Ausnahme die Regel. Es gibt keinen einzigen Wanderer, der die Chance nicht nutzt, so wie Gott ihn schuf in diesen Pool zu springen … ein wunderbarer, kurioser und äußerst seltener Anblick im prüden Amerika.

Nehmt euch die Zeit und seht euch die Dokumentation „Free Solo“ 🎥 an. Der Film erzählt die Geschichte des amerikanischen Free-Climbers Alex Honnold, der den El Capitan bezwungen hat. Dieser Dokumentarfilm wird euch in den Sessel fesseln – und ihr werdet keine Sekunde wegschauen können. Der El Capitan ist eine fast 1.000 Meter hohe Steilwand im Yosemite Valley – und galt jahrelang als unbezwingbar. Wenn man am Fuße dieser Wand steht, hält man es schlicht für unmöglich, dass Menschen diese emporklettern können. Als ich vor Ehrfurcht erstarrte, entdeckte ich eine kleine Besuchergruppe, die es sich mitten auf der Wiese gemütlich gemacht hatte. In Liegestühlen beobachteten sie einige Kletterer, die gerade versuchten, das Unmögliche möglich zu machen. Sie liehen mir freundlicherweise ihr Fernglas – und ich wurde Zeuge, wie ein Quartett versuchte, den El Capitan zu bezwingen. Die Leute erklärten mir, dass sie täglich vorbeikommen, um die Fortschritte dieses Teams zu beobachten. Eine Besteigung kann mehrere Tage dauern – und die Kletterer campieren gewissermaßen senkrecht hängend an den Granitfelsen. Mit der Kamera war es möglich, ein paar Bilder aufzunehmen – aber nehmt euch einen Abend Zeit und seht euch die Dokumentation an. Nochmals zur Wiederholung: „Free Solo“.

Ein weiterer Brennpunkt ist der Yosemite Fall – der 740 Meter senkrecht die Klippen hinunterschießt. Leider ist er mit dem Reisebus einfach zu erreichen – deswegen halten wir lieber einen sicheren Abstand. Der Yosemite Fall gehört zu den größten Wasserfällen unserer Erde – allerdings führt er im Spätsommer nur wenig oder gar kein Wasser. Daher war der Besuch nicht allzu spektakulär.

Falls jemand von euch schon das Privileg hatte, den Yosemite National Park zu besuchen – würde ich mich freuen, wenn ihr euch meldet, damit wir unsere Erfahrungen austauschen können … Jeder andere hier: Wenn ihr die Möglichkeit habt – nutzt sie! Vielleicht der schönste Ort unseres Planeten … und vergesst die Dokumentation nicht 😉.

Seltsame Seen mit ihren traurigen Geschichten, Teil 2: Wer schon als kleines Kind den Wunsch hatte, zum Mond zu fliegen – und mit den Jahren festgestellt hat, dass das wohl eher schwierig wird – für den habe ich eine alternative Lösung gefunden: den Mono Lake. Theoretische Frage an die Runde: Denkt ihr, dass man einen See leertrinken kann? Ja – die Amerikaner haben es fast geschafft. Seinerzeit war der Mono Lake ein naturverbundenes Paradies für Flora und Fauna – bis jemand wieder so eine Idee hatte. Mein viel gehasstes Los Angeles benötigte dringend mehr Trinkwasser – also zapften wir einfach einen See an. Man baute Kanäle und unterirdische Leitungen – und schickte das Wasser hunderte Meilen auf die Reise. Dumm nur, dass der Mono Lake keine natürlichen Zu- und Abflüsse besitzt. Durch den geringeren Wasserstand änderte sich das Klima, der Wasserspiegel sank weiter ab, der Salzgehalt stieg an – und Teile des Sees trockneten aus. Die Leidtragenden waren wieder einmal die Tiere und die Pflanzen – denn sie verschwanden endgültig aus dieser Region. Dafür bildeten sich seltsame Kalktuffe, die einer Mondlandschaft gleichen. Pink Floyd nutzten dieses Phänomen für ein berühmtes Plattencover 🎶 – und auch Hollywood bekam Wind von der skurrilen Landschaft und verewigte sich. Optisch gesehen natürlich etwas ganz Besonderes und Einzigartiges – aber die Geschichte zeigt uns wieder, wie intelligent die Menschheit agieren kann.

Ich habe nicht die Absicht, euch damit allzu sehr zu quälen – denn die Zielgruppe hält sich vermutlich in Grenzen. Aber lasst uns kurz über meine Lieblingskategorie sprechen: Ghost Towns! In den USA wimmelt es von sogenannten Geisterstädten – aber es gibt zwei vollkommen unterschiedliche Kategorien. Verlassene Dörfer und Städte, die verwahrlosen und von der Natur zurückgeholt werden … und Bodie. Bodie wird uns alle überleben – denn die Stadt ist als Bodie State Historic Park deklariert. Das ansässige County versucht durch ständige Konservierungsmaßnahmen die Geisterstadt so gut wie möglich am Leben zu erhalten. Ich hatte das Glück, schon einige Geisterstädte besuchen zu dürfen – aber das war das erste Mal, dass ich mich nach Öffnungszeiten orientieren musste 🤔. Skepsis kam auf: Eine künstlich erhaltene Geisterstadt – kann so etwas funktionieren? Yes, it can!

Für die Zufahrtsstraße benötigt man zwar ausgezeichnete Nerven und eine gute Sitzpolsterung – aber das Erlebnis Bodie war jeden US-Dollar wert. Zur Hochzeit lebten 10.000 Menschen in dieser ehemaligen Goldgräberstadt – und ihre Fußabdrücke sind überall sichtbar. Schulen, Restaurants, Salons, Wohnhäuser … ein ehemaliges Feuerwehrhaus, das Rathaus, eine stillgelegte Mine … Lost-Place-Herz, was willst du mehr? Über 80 mehr oder weniger gut erhaltene Gebäude stehen zur Erkundung bereit. Der US-Ranger versorgt euch mit einer Infomappe und einer Karte – damit wirklich niemand verloren geht … und schon starten wir unsere Erforschung der am besten erhaltenen Geisterstadt der USA.

Atmosphäre? Null! Gruselstimmung und Schockmomente? Nein! Gänsehaut? Fehlanzeige. Dafür ist sie wunderschön anzusehen, sehr informativ – und man bekommt einen Einblick in das tägliche Leben der Minenarbeiter. Ich bin bestimmt kein großer Fan von künstlich erhaltenen Geisterstädten – aber es ist notwendig, sonst fällt hier bald alles zusammen.

Yee-haw! Lust und Laune auf einen kurzen Ausflug in den Wilden Westen? An der Ostseite der Sierra Nevada liegt das 2.000-Seelen-Dorf Lone Pine. Was – das kennt ihr nicht? Noch nie gehört? Aber bestimmt schon dutzende Male gesehen. So ziemlich jeder zweite Western wurde in der Gegend um Lone Pine gedreht. Die Gebirgsformen der angrenzenden Alabama Hills sind so bizarr, dass sie als perfekte Filmkulisse dienen. Die hundert Schwarz-Weiß-Western aus der Steinzeit sagen mir auch nichts – aber spätestens bei Bonanza klingelt es, oder? Für die Jungen und Junggebliebenen ein paar Beispiele 🎥: „Wyatt Earp“ mit Kevin Costner, Disneys Millionengrab „The Lone Ranger“, Ridley Scotts Meisterwerk „Gladiator“ (mit dem unglaublich genialen Joaquin Phoenix – die beste schauspielerische Leistung, die ich je gesehen habe) oder Tarantinos Millionenwestern „Django Unchained“ wurden in den Alabama Hills gedreht.

Lone Pine verfügt über das kultigste Filmmuseum des ganzen Bundesstaates Kalifornien. Das Film History Museum enthält eine exzellente Auswahl an Ausstellungsstücken der Western Movies. Mein ganz persönlicher Favorit: die mobile Zahnpraxis von Dr. King Schultz a.k.a. Christoph Waltz – „Gentlemen, erst galt ihnen meine Neugierde, jetzt meine Aufmerksamkeit.“ Im Museum könnt ihr euch eine Karte der Umgebung abholen und die Drehorte besichtigen. Die wichtigsten Orte und ihre Handlungen sind grafisch dargestellt – allerdings empfiehlt sich für die Erkundung ein 4×4-Geländewagen, sonst werdet ihr Probleme mit eurer Mobilität bekommen 🙈.

Die Umgebung von Lone Pine schenkt euch den besten Blick auf den Mount Whitney. Mit 4.421 Metern ist er der höchste Berg der kontinentalen USA. Die karminroten Felsen der Alabama Hills bieten einen perfekten Ort für ein einzigartiges Fotoshooting. Das Manzanar War Relocation Center darf ich euch allerdings nicht verschweigen. Manzanar war ein Internierungslager – und ist vergleichbar mit den brutalen Gefangenenlagern in Südostasien. Während des Zweiten Weltkrieges wurden rund 10.000 Menschen – vorwiegend japanischstämmige Amerikaner 🇯🇵 – unter unwürdigen Bedingungen festgehalten. Ein weiteres dunkles Kapitel der jüngeren amerikanischen Geschichte – und eine Wunde, die äußerst gerne verschwiegen wird. Dieses lagerähnliche Gelände liegt gut versteckt am Fuße der Sierra Nevada. Bis zu dieser zufälligen Begegnung wusste ich offen gestanden nicht, dass die USA über solche Einrichtungen verfügten.

Vorbei an den Trona Pinnacles führte mich die Reise in die heißeste Gegend unseres Planeten. Notiz für mich: Diese mehr oder weniger ausgeschilderte, vier Kilometer lange Dirt Road waren die härtesten Minuten meines Roadtrips. Auf Biegen und Brechen wollte ich diese Felsformationen sehen – aber die Straße (oder was auch immer das darstellen sollte) war definitiv nicht für ein normales Auto geplant. Hier muss ich noch dreimal fest auf mein Autodach klopfen und Danke sagen, dass dieses Abenteuer gut gegangen ist.

Willkommen im Death Valley Nationalpark, auch Tal des Todes genannt. Das Tal des Todes erstreckt sich über 13.500 km² (zum Vergleich: Kärnten 9.200 km²) und trägt diesen Beinamen vollkommen zu Recht. In den Sommermonaten sind Tageshöchsttemperaturen von 53° aufwärts die Regel, also hatte ich mit meinen knapp 50° noch Glück. Leute, bevor wir über diesen Nationalpark sprechen …- … 50°!!! 🥵 …-  Ihr habt keinen blassen Schimmer, was ich zusammen geschwitzt habe.

Wer denkt, das Death Valley ist nichts anderes als eine leblose, trostlose Wüste, der liegt völlig daneben. „Mountain meets Desert“ würde der Geologe sagen. Die Mojave Wüste trifft auf die Sierra Nevada. Wenn ihr dieses Tal erkundet, erstreckt sich eure Spanne von minus 100 Höhenmetern bis knapp über 3000 Meter. Unvorstellbar, aber sowohl die Flora als auch die Fauna sind vielfältig und abwechslungsreich. Meine ständigen Begegnungen mit Füchsen, Kojoten und diversen Schlagen bestätigen diese These.

Badwater Basin ist der tiefste Punkt der USA und einstiger Rekordhalter in der Hitzeweltmeisterschaft. (Update 2020: Ein neuer Rekord mit 57,7°wurde gemessen). Der Name Badwater hat einen interessanten Hintergrund. Durch den hohen Salzgehalt sammelt sich Wasser an, welches man aber auf gar keinen Fall trinken darf: Bad Water = schlechtes Wasser. Ein kurzer Spaziergang der Salzpfanne entlang reicht und euer Körper trocknet förmlich aus. Auch wenn es verlockend ist, dürft ihr auf keinen Fall die Klimaanlage in euren Mietwagen aktivieren. Dieser Temperatursturz würde euch schlicht und einfach nur kollabieren lassen.

Einen Regenbogen der besonderen Art könnt ihr im Tal des Todes genießen. Die Natur formte sich ihren eigenen Regenbogen und malte ihn, in die kahlen Felsen der Wüstenlandschaft. Das klingt super kitschig, übertrieben romantisch und sagenhaft schön …- …und genau das ist es. Artist Palette (der Name passt, wie die berühmte Faust) präsentiert euch alle Farben, die unsere Erde zu bieten hat. Der Artist Drive ist einer dieser Science Straßen, die euch …- …ach, wisst ihr was …- …ich rede zu viel …- …einsteigen, anschnallen, zurücklehnen und genießen.

Die Mojave-Wüste ist vielfältiger und facettenreicher, als ich es jemals erwartet hätte. Sie bietet grandiose Aussichtspunkte wie den Zabriskie Point, grüne, lebendige Oasen wie Furnace Creek, stillgelegte Vulkane (Ubehebe Crater) oder zauberhafte Sanddünen wie die Mesquite Flat Sand Dunes. Allerdings blieben mir einige interessante Orte verborgen – weil mir sowohl die Zeit als auch der passende Geländewagen fehlten. Richtig leid tut es mir vor allem um die Barker Ranch – das letzte Versteck von Charles Manson 🙈.

Was habe ich gelernt? Auch in der tiefsten Wüstenlandschaft haben Verkehrsschilder einen Hintergrund. Wenn ein Schild vorschlägt, diese Straße nur mit einem 4×4-Geländewagen zu befahren – dann würde ich darauf hören. Die Keane Wonder Mine stand ganz weit oben auf meiner Liste. Ja, ich weiß – wieder einmal eine Mine – aber diese ist verlassen, verwildert, vollkommen abgelegen und frei erkundbar. Eine sechs Kilometer lange Abzweigung führte zur Mine – allerdings wird mein japanischer Mietwagen diese sechs Kilometer niemals vergessen. Eine einspurige, bergige Piste, die kaum noch zu erkennen ist. (Die Straße hatte Schlaglöcher, als würde man nach Erdöl bohren 😱.) Mit jedem weiteren Meter wurden die Schlaglöcher so groß, dass sie mich mitsamt meinem Mietwagen hätten verschlingen können. (Nein, diesmal übertreibe ich nicht.) Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich vollkommen durchnässt aufrecht im Wagen saß – und mein rechter Fuß wie verrückt zitterte. Mein Hirn sagte: Hey, bleib sofort stehen – versuch irgendwie zu wenden – das kann nie im Leben gutgehen. (Prognose Kleine Zeitung: Die Leiche eines österreichischen Touristen wurde nach vier Tagen vollkommen zerfetzt im Death Valley gefunden.)

Dieser Gedanke war gar nicht so weit hergeholt. Im Nachhinein recherchierte ich, dass jährlich mehr als dreißig Menschen vermisst gemeldet werden – und dass diese Abzweigungen praktisch nie befahren werden. Dass ein GPS-Gerät selten funktioniert, habt ihr euch bestimmt schon ausgerechnet. Zurück ins Auto. Das Herz sagt: Komm, fahr einfach weiter – du lebst schließlich nur einmal. Wenn sich Hirn und Herz streiten – wer würde bei euch wohl als Sieger hervorgehen? Bei mir entstand eine leidenschaftliche Diskussion, ein wildes Gerangel – das schließlich mit einem Unentschieden endete. Ich parkte meinen Japaner halbwegs vernünftig in der Wüste und lief die letzten drei Kilometer zu Fuß zur Mine. Bei knapp 50° drei Kilometer einen Berg im Death Valley hochzulaufen … eine äußerst kluge Idee 🙈. Der Moment, in dem ich mir wünschte, mein Hirn würde endlich einmal gewinnen – aber schließlich habe ich es geschafft. Für viele Menschen wohl einer der langweiligsten Orte im ganzen Tal – aber für mich ein wahrhaftiger Traum. Düster, verwahrlost, gespenstisch, ruhig und einsam. Und war es einfach nur Glück – oder wurde ich für meinen waghalsigen Ritt belohnt? Eine Gruppe deutscher Touristen tauchte mit einem Geländewagen auf und brachte mich wieder zu meinem Fahrzeug zurück. Danke, Jungs!

Das Death Valley schreibt noch so viele Geschichten – aber als krönenden Abschluss der Kalifornien-Trilogie möchte ich euch noch zu meinem absoluten Lieblingsort mitnehmen.

Die Kelso Dunes sind ein Orchester, das nach meinem Takt spielte. Habt ihr schon einmal davon gehört, dass Sanddünen singen können? Dieses unglaubliche Naturphänomen durfte ich erleben. Ein vier Kilometer langer Pfad führt auf den höchsten Punkt der Sanddünen – gemessen auf 200 Höhenmeter. 200 Höhenmeter auf 4 Kilometer verteilt klingen jetzt nicht nach einer Herausforderung – aber lauft einmal diese Distanz bei 47° aufwärts … es verlangt euch alles ab. Die Bilder können diesen magischen Ort leider nicht annähernd beschreiben – aber vielleicht hilft das Video ein wenig, das ich oben eingestellt habe. Ach ja – das Orchester! Im Laufschritt geht es querfeldein, die Dünen hinab, zum Fahrzeug zurück. Mit jedem einzelnen Schritt löse ich einen neuen Klang aus – und die Wüste beginnt zu musizieren. Wie ist das möglich? Dieses Geheimnis wurde erst vor wenigen Jahren gelüftet, als Wissenschaftler den Sand dieser Dünen im Labor untersuchten. Einfach erklärt: Durch die Berührung entstehen Wellen, die die Sandkörner ineinanderstoßen lassen – und so unterschiedliche Frequenzen auslösen. Mit jedem Schritt passen sich die Sandkörner der neuen Frequenz an – und so gleichen sich die Töne mit der Zeit aus. Irgendwer verstanden? Ich auch nicht. Also googelt einfach selbst: Singing Sand Dunes Explained!

Mein Fazit: Kalifornien – dieses Kalifornien. Vor zwei Jahren besuchte ich San Francisco (tolle Stadt) und Los Angeles (einmal und nie wieder – völlig überbewertet) … aber San Diego toppt alles. Diese abwechslungsreiche Landschaft gibt es nur einmal auf diesem Planeten. Die wunderschönsten Strände, die schönsten Berge, die grünsten Täler, die mächtigsten Wasserfälle, die höchsten Bäume, die heißesten Wüsten, die skurrilsten Felsformationen, die gespenstischsten Geisterstädte usw. – ein Superlativ jagt das nächste. Die Tierwelt – ein Wahnsinn! Der Yosemite – vielleicht der schönste Ort auf unserer Erde. Kalifornien – wir sehen uns bald wieder.

Kosten: Schönheit kann teuer sein – und das trifft nicht nur im täglichen Leben auf uns zu, sondern auch beim Reisen. Kalifornien zählt zu den teuersten US-Bundesstaaten – und vor allem die Küstenregionen gehören zu den kostspieligsten Orten der Welt. Santa Barbara, Santa Monica, Monterey: kaum zu finanzieren. Unterkunft und Lebensmittel rangieren weit über dem europäischen Durchschnitt. Wenn sogar der Benzinpreis sich dem europäischen Markt anpasst, dann bedeutet das einiges. Mit ein paar Tricks kann man bestimmt etwas einsparen – aber ein günstiges Vergnügen wird es nicht werden.

Sicherheit: Die Naturgewalten darf man nicht nur nicht unterschätzen – man muss sehr aufpassen. Vor allem die Hitze kann unheimlich gefährlich werden – gute 50 °C sind keine Seltenheit. Immer ausreichend Treibstoff im Wagen haben (am besten einen Ersatzkanister mitführen) – und einen klassischen Kompass oder eine Karte mitnehmen. Die Netzabdeckung hält sich in Grenzen.

… meinen japanischen Freund habe ich noch immer nicht zurückgebracht – deswegen wagen wir noch einen kurzen Schlenker durch den US-Bundesstaat Nevada

 

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