Nebengeräusche

Ein Unvollendeter Architekt 🇦🇺

Im Rahmen einer Besichtigung der zauberhaften Konzerthalle – die über nahezu 2.700 Sitzplätze verfügt – verschlug es mir für einen Augenblick die Luft. Die Schönheit der Fassade spiegelte sich auch im Inneren des Gebäudes wider. Alles schien perfekt zu sein – die Akustik war einzigartig, jeder Quadratmeter glänzte – jedes Objekt hatte seinen richtigen Platz. Abschließend betrat ich noch einen unscheinbaren kleinen Raum – der unserem Architekten gewidmet ist: Jørn Utzon.

Im Jahr 1959 ging Jørn Utzon als Gewinner des internationalen Wettbewerbs hervor – woraufhin er mit dem Bau des Opernhauses begann. Sein architektonischer Stil stellte in jeder Hinsicht eine Neuheit dar – wobei allein die Konzeption des markanten Daches 18 Monate in Anspruch nahm. Die Fertigstellung war für das Jahr 1963 angekündigt worden – jedoch verzögerte sich die Ausführung um mehr als ein Jahrzehnt. Die veranschlagten Baukosten stiegen von knapp 8 Millionen auf über 100 Millionen australische Dollar.

Aber der eigentliche Schatz – das wahrhaftige Kunstwerk – befindet sich im Gebäude selbst. Zum einen die zauberhafte Concert Hall mit ihren knapp 2.700 Sitzen – zum anderen die tragische Geschichte, die sich hinter dem Vorhang des Architekten verbirgt. Dieses Kapitel ist dem genialen Mastermind – dem tragischen Helden und Architekten – Jørn Utzon gewidmet.

Der Däne 🇩🇰 gewann die internationale Ausschreibung – und startete im Jahr 1957 mit dem Bau. Der Baustil war in jeder Hinsicht Neuland – und allein der Entwurf des berühmten Daches nahm 18 Monate in Anspruch. (Die weißen Bögen symbolisieren Wellenbewegungen.) Die Fertigstellung war für 1963 angekündigt – jedoch verzögerte sich der Bau um mehr als zehn Jahre (!!!) – und die veranschlagten Baukosten stiegen von knapp 8 Millionen auf über 100 (!!!) Millionen australische Dollar.

Nach zehnjähriger Wartezeit verlor Australien die Geduld – und entzog Jørn Utzon die finanzielle Unterstützung. Die Auseinandersetzung zwischen dem dänischen Architekten und der australischen Regierung eskalierte. Utzon beendete seine Tätigkeit – und erklärte deutlich, diesen Kontinent niemals wieder betreten zu wollen. Bis zu dieser Konfrontation fehlten lediglich noch die letzten Bausteine. Deshalb wurden nationale wie internationale Architekten mit der gemeinsamen Fertigstellung des Meisterwerks beauftragt.

Nach der Vollendung wurden die Streitigkeiten unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt – und Australien feierte sich. Der Staat bemühte sich zwanzig Jahre lang um eine Aussöhnung mit dem Dänen – doch dieser lehnte stets ab und weigerte sich, sein Meisterwerk zu besichtigen. Erst um die Jahrtausendwende willigte Utzon ein – und versöhnte sich mit der australischen Bevölkerung. Der gesamte Kontinent befand sich in Aufruhr – und bereitete am Hafen von Sydney einen triumphalen Empfang für seinen Helden vor. Jeder wollte diesen Augenblick erleben – in dem der Schöpfer sein Werk erstmals erblicken würde. Bedauerlicherweise sollte dieser Tag niemals Wirklichkeit werden. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und seines angeschlagenen Gesundheitszustands war es Jørn Utzon nicht mehr möglich, die weite Reise anzutreten. Der Architekt verstarb nur wenige Jahre nach der Aussöhnung

BLICK AUF UTZONS MEISTERWERK

In Vertretung seines Vaters stattete dessen Sohn Kim Utzon Sydney einen Besuch ab – um das australische Wahrzeichen zu besichtigen. Jørn Utzon hat weltweit mehr als dreißig bekannte Bauwerke erschaffen – von der Universität in Teheran 🇮🇷 über das Parlamentsgebäude in Kuwait 🇰🇼 bis zum berühmten Musikhaus in Ribe 🇩🇰 … all dies und noch viel mehr trägt seine Handschrift.

Sein persönliches Meisterwerk – der absolute Höhepunkt seines Lebens – das Gebäude, das ihn zur Legende machte und ihm ewige Berühmtheit schenkte – konnte er niemals mit eigenen Augen sehen. Der Stolz verhinderte, dass er sein Lebenswerk je zu Gesicht bekam. Aus diesem traurigen Beispiel darf man seine Lehren ziehen.

Damit ihr dieses kleine Kapitel doch noch mit einem Lächeln in Erinnerung behalten könnt – verrate ich euch ein paar interessante Details mit einem ungewöhnlichen rot-weiß-roten 🇦🇹 Bezug:

 Für seinen meisterlichen Entwurf wurde Utzon mit gerade einmal 5.000 britischen Pfund entlohnt. Die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes erfolgte erst im Jahr 2007. Das Gebäude besteht aus mehr als einer Million Dachziegeln – die aus Schweden 🇸🇪 importiert wurden. Die Kühlung des gesamten Gebäudes erfolgt durch Meerwasser – das direkt aus dem Hafen gewonnen wird. Die Oper wurde im Jahr 1973 von Ihrer Majestät Königin Elisabeth II. eröffnet. Die Wellen des Daches verfärben sich bei bestimmten Feierlichkeiten. Die Temperatur im Inneren bleibt konstant bei 22,5 °C – um sicherzustellen, dass die Instrumente perfekt gestimmt sind. Und das wichtigste Ereignis zum Schluss: 1980 gewann unser Arnold Schwarzenegger – aka Steirische Eiche – aka „I’ll be back“ – seinen letzten Bodybuilding-Titel als Mr. Olympia in den heiligen Innenräumen der Oper. Herzlichen Glückwunsch, lieber Arnold!

Know Before You Go:

Ein Ticket für die Tour sollte bereits mehrere Wochen im Voraus gebucht werden. Bedauerlicherweise ist das Fotografieren innerhalb der Räumlichkeiten nicht gestattet – am Ende wird jedoch ein sogenanntes Fotobuch zum Verkauf angeboten. (40 australische Dollar!) – ziemliche Abzocke. Visit Website!

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