Schritt (1) BUDGETPLANUNG
Bevor du vollkommen in deine Traumlandschaft eintauchst, dir deine schönsten Ziele heraussuchst und jedem von deinem Abenteuer erzählst … Stopp! Stopp! Stopp!
Wie lange du weg bist, wann du startest, wohin es gehen soll? Bevor du dich mit den schönen und spannenden Themen der Vorbereitung beschäftigst, werfen wir erst einmal die Romantik über Bord – und reden über das trostlose und demotivierende Thema: die Budgetplanung.
Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es Stimmt!
(Oscar Wilde)
Man möchte Oscar Wilde in vieler Hinsicht widersprechen – aber was die Planung einer Weltreise angeht, trifft es der irische Schriftsteller auf den Punkt.
„Mit 50 Euro um die Welt: Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als wohlhabender Mensch zurückkam“ oder „Mit wenig Geld um die Welt: Weltreisen mit nur 30 Euro am Tag“ – solche Titel sind beliebte Kassenschlager und kurbeln die Reiselust an.
Leute – bleiben wir bitte realistisch. Allein für die verpflichtenden Reiseversicherungen und notwendigen Impfungen benötigt man mehr Kleingeld, als diese utopischen Erzählungen preisgeben. Wer nicht den Großteil seines Abenteuers mit Work & Travel oder ähnlichen Programmen verbringen möchte – und auch einen tieferen Einblick in die teureren Länder erleben möchte (Stichwort: Kanada 🇨🇦, Israel 🇮🇱, USA 🇺🇸 oder Australien 🇦🇺) –, der braucht eine solide finanzielle Grundausstattung.
Das Kapitel „Wie komme ich an ausreichend Kapital?“ überspringen wir – und starten direkt mit einer transparenten und realistischen Einschätzung der finanziellen Herausforderungen. Im Laufe dieses kleinen, aber feinen Leitfadens werdet ihr auf Spartipps stoßen, die euch garantiert zum Staunen bringen.
Wie sehr ich dieses Schubladensystem verabscheue – aber es ist wohl die einfachste und transparenteste Möglichkeit, euch zu zeigen, wie weit die globale Schere zwischen Wohlstand und Armut auseinandergeht.
Ihr werdet nun Zeugen meiner allerersten Tier-Liste.
Erläuterung: Verhältnis zu Österreich 🇦🇹 (Stand 2022)
Leben wie ein König (bis zu −50 %): Großteils unfassbar günstig.
Richtig gut gehen lassen (bis zu −25 %): Österreichische Verhältnisse vor dem Euro.
Fühl mich wie zu Haus (±0 %): Selbsterklärend.
Darf’s a bisserl mehr sein? Nein! (ca. +15–20 %): Prioritäten setzen! Vergleichen!
Norwegen! (bis zu +20–50 %): Wasser trinken, 16-Bett-Zimmer suchen …
Selbstverständlich gibt es regionale und saisonale Unterschiede – und außergewöhnliche Beispiele, die meine Einteilung wieder komplett über den Haufen werfen. Aber zumindest soll sie euch eine kleine Orientierungshilfe sein.
Apropos Beispiele, die mein Schubladen-System ad absurdum führen:
Beispiel 1: Für meine dreiwöchige Indien-🇮🇳-Reise hatte ich grob geschätzt denselben Budgetverbrauch wie für ein verlängertes Wochenende auf Hawaii 🇺🇸. Und das auch nur, weil ich in Indien wie König Ludwig XIV. lebte – sprichwörtlich natürlich 😉 – und mich in Hawaii bevorzugt von Brotkrümeln ernährte.
Beispiel 2: Für eine solide, siebentägige Unterkunft an der Küste Vietnams 🇻🇳 zahlt man maximal 40 Euro. Für denselben Preis bekommt ihr in Toronto 🇨🇦 allenfalls eine Nacht in einem geteilten 12-Bett-Zimmer.
Beispiel 3: Wenn ihr in der Ukraine 🇺🇦 oder in Georgien 🇬🇪 richtig gut essen gehen wollt, legt ihr höchstens einen 5-Euro-Schein hin. Für denselben Betrag ergattert ihr in Sydney 🇦🇺 eine kleine Zimtschnecke.
Beispiel 4: Die Mietwagenpreise im Oman 🇴🇲 bescheren euch schlaflose Nächte – dafür kostet der Sprit so gut wie nichts, die finanziellen Vorzüge eines Ölstaates. In Neuseeland 🇳🇿 hingegen verfällt man ob der günstigen Mietpreise in Euphorie – bis man die erste Tankstelle ansteuert …
… also, wie ihr erkennen könnt, spielen die Zielorte eurer Reise die entscheidende Rolle.
Unzählige Male wurde ich vorsichtig und schüchtern gefragt: Was hat dich der 16-monatige Trip durch 35 Länder schlussendlich gekostet? Um das halbwegs transparent zu gestalten, füge ich hier meine Tabelle ein:
Zur Ergänzung: Böse Zungen behaupten, ich sei ein knausriger Sparmeister – und dieser These würde ich nie widersprechen. Was meine Ausgaben für Unterkünfte und Transport betrifft: Diese lagen definitiv weit unter dem Durchschnitt. Fließendes Wasser machte mich bereits vollkommen glücklich – da waren Absteigen dabei, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Die Transportmittel wurden ausschließlich nach meinen verfügbaren budgetären Ressourcen gewählt – mit anderen Worten: Hauptsache irgendwie ankommen, keine Rücksicht auf Verluste.
Im Gegenzug habe ich versucht, mir so viele Veranstaltungen und Events wie nur möglich anzusehen.
