Nebengeräusche

Fritten Museum – die Lizenz zum Salzen 🇧🇪

Inmitten der gotischen Architektur Brügges, zwischen gemütlichen Straßencafés und dem unwiderstehlichen Duft frisch gebackener Waffeln, befindet sich mutmaßlich das weltweit einzige Museum, das sich vollständig – und mit erschreckender Hingabe – den Pommes Frites widmet. Willkommen zu einer kulinarischen Reise der Extraklasse.

Natürlich kann das Frietmuseum nicht ganz mit dem Louvre in Paris, der Eremitage in Sankt Petersburg oder dem Museum of Modern Art in New York mithalten – wobei … eigentlich hätte es längst einen Platz in dieser Liga verdient. Das Frietmuseum ist ein Paradies für Liebhaber des Erdapfels und so seltsam, bizarr, kurios, verrückt, völlig bekloppt und herrlich sinnbefreit, dass es wirkt, als wäre es exklusiv für Fans des guten Geschmacks erschaffen worden.

Dieselben brennenden Fragen drängen sich früher oder später auf: Wie wurde aus einem Erdapfel eine Pommes? Warum frittiert man sie überhaupt? Welche Rolle spielen die Franzosen dabei? Welche Soße ist die einzig wahre? Und wer zum Teufel ist dieser Fritz? Antworten auf all diese Fragen gibt es hier – bis ins kleinste Detail.

Rund um die Entstehung dieser gastronomischen Köstlichkeit existieren zahlreiche Legenden. Die Ausstellung selbst hält sich an eine bestimmte Theorie: Eine Frau namens Fritz gab ihren Senf dazu.

Frau Fritz, eine belgische Geschäftsfrau, die 1899 von Gent nach Lüttich übersiedelte, um dort ihr erstes Geschäft für Pommes Frites zu gründen, wurde zur Namensgeberin. Die Bezeichnung „Pommes frites“ hat nichts mit den Franzosen zu tun. Während des Ersten Weltkriegs boten belgische Soldaten den amerikanisch-britischen Streitkräften frittierte Kartoffeln an. Da Französisch eine der Amtssprachen Belgiens ist und die US-Amerikaner damals nicht so genau zwischen Franzosen und Belgiern unterschieden, etablierten sich schlicht die „French Fries“.

Weltweit sind sich studierte Erdäpfelhistoriker nicht vollkommen einig, aber das Frittieren wurde höchstwahrscheinlich in einem spanischen Kloster im 17. Jahrhundert erfunden. Aufgrund der begrenzten Nahrungsmittelauswahl und des immer kälteren Winters wuchs die Sehnsucht nach einer warmen Mahlzeit. Die Spanier kamen auf die hervorragende Idee, Erdäpfel in heißes Fett zu legen – die Geburtsstunde des Frittierens. Made in Spain!

Welche Soße man bevorzugt, variiert von Land zu Land erheblich und hat vermutlich schon die eine oder andere Ehe in eine Krise gestürzt. Auch hier gilt das kulinarische Fachwissen des Herkunftslands als Maßstab: Senf. Ja, Senf – die Belgier lieben ihn! Sakrileg, Pommes mit Senf!

Welche Soße bevorzugt ihr?
  • Ketchup
  • Mayonnaise
  • Senf
  • Ohne

Doch nun zur entscheidenden Frage: Wie entstand die charakteristische schmale und längliche Form, die den Pommes Frites ihre Unverwechselbarkeit verleiht? Alles nahm in den 1750er-Jahren am Ufer der belgischen Maas seinen Anfang. Die Menschen brieten ihre Fische in heißem Fett, um den kalten Winter besser zu überstehen.

Eine beispiellose Kälteperiode ließ jedoch alle Gewässer zufrieren – das Angeln war unmöglich. Kein Fisch weit und breit – aber die Sehnsucht danach umso größer. Also nahm man Erdäpfel, schnitt sie in schmale, fischförmige Streifen, warf sie ins Fett – und servierte sie kurzerhand als Fischersatz. Die Kraft der Psychologie darf dabei nicht unterschätzt werden.

Im Frietmuseum gibt es zudem einige bemerkenswerte Kuriositäten zu bestaunen. In einer Vitrine glänzt ein goldener Pokal, der eine Spende des amtierenden Weltmeisters im Dauerfrittieren war. Der aktuelle Rekord liegt bei über 120 Stunden. Umfangreiches Bildmaterial zu internationalen Meisterschaften im Kartoffelweitwurf ist zu sehen. Und die ersten Pommes, die im Jahr 1751 über einen Tresen gingen, liegen in einem streng abgesicherten Raum, den man nur unter Auflagen betreten darf.

Glaubst du – diese drei Museumsgeschichten sind wahr? Oder habe ich sie frei erfunden? Wurde hier die Wahrheit ein klein wenig verdreht? Die Antwort auf diese Frage findest du nur im Museum!

„Greetings from Jonathan Frakes.“

Das Museum ist täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt saftige 10 Euro (Stand: 2026). In den Katakomben des Museums befindet sich eine Pommes-Frites-Bar, an der man ohne schlechtes Gewissen zuschlagen sollte. (https://www.frietmuseum.be)

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