Kapitel 26 – 🇺🇸 USA (Arizona)
In welchem US-Bundesstaat liegt der Grand Canyon? Ja, richtig, das sollte man auch wissen. Im Jahre 2017 besuchte ich dieses Phänomen zum ersten Mal und bis zum heutigen Tage habe ich noch immer keine passenden Worte gefunden, um dieses Wunder zu beschreiben. Deswegen überspringen wir diesen Teil und lernen den flauschigsten Ort der gesamten Vereinigten Staaten von Amerika kennen und lieben, kreuzen die Route 66 und besuchen das brutalste Gefängnis des US-Bundesstaates Arizona.
Oatman ist eine ehemalige Goldgräberstadt, welche nahe an der berühmten Route 66 liegt. (Keine Sorge, diesmal keine schaurigen Geister- und Spukgeschichten, ihr dürft eure Fingernägel behalten 😉.) Wahrscheinlich verdankt Oatman ihrer Verbindung zur Route 66 die Tatsache, dass es nicht zu einer völligen Geisterstadt zerfallen ist. Dieses traurige Schicksal mussten unzählige kleine Goldgräberstädte in den USA erleiden. Obwohl Oatman nur durch eine kurvige Gebirgsstraße relativ schwer zu erreichen ist, verirren sich doch sporadisch einige Touristen hierher. Es gibt, die für den Wilden Westen bekannten Saloons, ein paar Souvenirshops, ein kleines Museum, eine verlassene Mine und das bekannte Oatman Hotel: Also nichts, was dieses Dorf (aktuelle Einwohnerzahl: 120) von den anderen Goldgräberstädten unterscheidet …, … ja wären da nicht diese flauschigen Flauschhaufen 🥰 – die Burros.
Burros sind wilde Esel, die sich Oatman als ihr Zuhause ausgesucht haben. Möchte man den Ort mit dem Auto durchkreuzen, ist sehr viel Geduld gefragt. Die Burros lieben es, auf dem heißen Asphalt zu sitzen und sich zu sonnen. Wir wissen ja bekanntlich, dass ein Esel stur sein kann …- … aber ein wilder Esel 😅 …- … herrliche Bilder. Es ist ein absoluter Hochgenuss, diese Tiere zu beobachten, denn den Burros ist es scheißegal, wer ihr seid, wo ihr hin wollt oder was ihr euch denkt. An beiden Stadteinfahrten bildet sich bereits ein kleiner Stau, aber den Esel kümmert das nicht. Er denkt nicht einmal daran, einen Meter wegzugehen, um die Autos vorbeizulassen. Im Schritttempo muss man die Tiere, wie Slalomstangen umkurven, um noch vor Einbruch der Dunkelheit sein Ziel zu erreichen. Derzeit leben ungefähr 50 Burros in Oatman und genießen diese Aufmerksamkeit, die die Touristen ihnen schenken. Sie werden laufend von den wenigen, noch einheimischen Bewohnern versorgt, und als Besucher darf man sich gerne einmal ein paar Karotten schnappen 🥕, um Teil des Fütterungsprozesses zu werden. Die Tiere sind faktisch überall anzutreffen, sogar in den Geschäften oder Restaurants stehen sie planlos herum und warten auf eine Belohnung oder eine Streicheleinheit. Noch dazu sind sie äußerst neugierig, verspielt, streichelbedürftig und unheimlich flauschig … – … also so richtig flauschig …- … und wir lieben ja alle flauschige Dinge, oder? Sollte ihnen der Trubel doch einmal zu viel werden, verstecken sie sich an einem schattigen Plätzchen in den Bergen und genießen ihre Ruhe. Viel Zeit hatte ich dieses Mal für Arizona leider nicht und meine flauschigen Freunde warfen meinen Routenplan ohnehin komplett durcheinander.
Für Route 66 Nostalgiker ist der Ort Kingman ein Pflichtbesuch. Ich habe noch keine Stadt erlebt, die ihr Verhältnis zu der kultigsten Straße unseres Planeten so in Szene setzt. Natürlich blieb dies auch den Filmstudios nicht verwehrt und Blockbuster 🎥 wie „Universal Soldier“, „Mars Attacks“ oder „Fear and Loathing in Las Vegas“ wurden hier gedreht. Die Serien „Prison Break“ und „Sopranos“ spielten ebenfalls in Kingman und Pamela Anderson veranstaltete ihr erstes Playboy-Fotoshooting in den Straßen dieser Stadt. (Dieses Shooting brachte ihr übrigens eine Nacht im State Police Department ein …- … ein kreativer Geocache ist dieser Story gewidmet 🤣.)
Etwas südlicher liegen die Huava Lakes, ein Stausee, der sich aus dem Colorado River ableitet und weit und breit die einzige Möglichkeit ist, den trockenen und staubigen Duft von Arizona abzuwaschen.
Der südlichste und letzte Punkt unserer Reise ist die Stadt Yuma. Die 95 000-Einwohner-Stadt liegt unweit der mexikanischen Grenze 🇲🇽 und ist ein brennendes Pulverfass und ein politischer Krisenherd. Während meines bisherigen vier Wochen langen Roadtrips wurde ich nicht ein einziges Mal von der Polizei kontrolliert. In wenigen Stunden durfte ich ganze dreimal mit dem US-Police-Department Bekanntschaft machen.
Wie ihr bereits bemerkt habt, ticke ich etwas anders als die Allgemeinheit und bevorzuge alternative Sightseeing-Ziele. Neben ehemaligen Kriegsschauplätzen, Friedhöfen, verlassenen Städten und Minen kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Gefängnisse! Ich liebe stillgelegte Gefängnisse! Im Gebiet des Yuma Territorial Prison State Historic Park befinden sich die Ruinen einer ehemaligen Haftanstalt. Der Park ist nicht nur Drehort zahlreicher Filme gewesen (unter anderem dieser fantastische Neo-Western „3:10 To Yuma“ mit Christian Bale und Russell Crowe in den Hauptrollen), sondern berichtet auch über die brutalen Schicksale der Gefangenen auf eine ganz sonderliche Art: düster, dramatisch, detailgetreu … – … Realismusfaktor noch 10!
Allein schon die Geschichte des Gefängnisses an sich ist ein historischer Höhepunkt. Die Haftanstalt wurde von den Gefangenen selbst gebaut und kurz darauf durch eine Flut zerstört und wieder aufgebaut. Im selben Jahr brannte die Yuma High School nieder, die Häftlinge wurden umverteilt und die Schüler zogen in das Gefängnis ein. (Gelegentlich geht das Gerücht herum, dass sich Schule wie Knast anfühlen könnte, also in Yuma wurde es Realität 😅.) Darauffolgend wurde das Gebäude als Hospital genutzt …- … nach der Auflassung des Krankenhauses wurden Obdachlose einquartiert und Jahre später wurde eine Zugstrecke hindurchgebaut !!! Zwischenzeitlich wurde es wieder als Gefängnis genutzt, dann haben es die Kriegsveteranen übernommen und schlussendlich kaufte es die Stadt für einen US-Dollar und ließ es als Museum umdekorieren.
Da ihr diesen Absatz so fleißig und brav mitverfolgt habt, gibt es eine kleine Belohnung zum Klugscheißern: Gefängnis = Knast = Häfn = schwedische Gardinen. Wieso unbedingt schwedische 🇸🇪? Der Ausdruck wurde bereits 1906 lexikografisch belegt und geht zurück auf hochwertig in Schweden produziertes Eisen und produzierten Stahl, welche als Gefängnisstangen verwendet wurden. Danke, Wikipedia 😉!
Nun hieß es, meinen Japaner schön langsam zurück zum internationalen Flughafen nach San Diego zu bringen, denn das Flugzeug wartet. Auf dem Rückweg legte ich noch einen überraschenden Stopp beim Cloud Museum ein. Kurze abschließende Denkaufgabe für euch: Was stellt ihr euch unter einem Cloud-Museum vor? …- … 🤔 …- … 🤔 …- … 🤔.
Oldtimer! Und mit „old“ meine ich richtig, richtig alt. Das Cloud-Museum gehört Johnny Cloud (aha …), welcher im Laufe seines langen Lebens Hunderte Oldtimer aus den 20er und 30er gesammelt hat. Das Museum stand ganz oben auf meiner Liste. Johnny Clouds Homepage gibt uns folgende Information: “The museum is open 7 days a week from 9am to 4pm except in the hottest summer months”. Ende September, durchschnittlich 40° bis 42° Höchsttemperatur, fällt das in die Kategorie hottest summer month? …- … wie ist eure Meinung dazu?
…vor Ort musste ich bedauerlicherweise feststellen: JA, definitiv ja! Traurig saß ich in meinem Wagen vor verschlossenen Toren und merkte wieder einmal, dass ich mit Enttäuschungen einfach nicht umgehen kann. Als ich gerade aufbrechen wollte, kam ein älterer Mann auf mich zu …- …und? …- … „Here is Johnny“ …- … einfach nur Glück gehabt!
Mein Fazit: Nach diesen wilden Erlebnissen im US-Bundesstaat Kalifornien würden wohl alle weiteren Ziele deutlich abfallen. Ich tue mir einfach schwer, es hier einzuschätzen, da ich den Großteil von Nevada (Las Vegas, Hoover Dam) und Arizona (Grand Canyon, Sedona) bereits 2017 besucht habe. Für USA Neulinge: Ja, seht euch die berühmten und bekannten Hotspots an und lasst die Geisterstädte und die Eseldörfer lieber den vollkommen verrückten Menschen über.
Kosten: Buh, einmal fest durchatmen. Nach dem finanziellen Kollaps in Kalifornien sieht es in Nevada und Arizona wieder deutlich besser aus. Vor allem in the hottest summer month spielte sich alles deutlich unter unserem Preisniveau ab. Endlich wieder tanken, wie man es in den USA gewohnt ist 😅.
Sicherheit: wie überall in den USA. Die Hitze, die Orientierungslosigkeit und die gefährlichen Tiere sind eure größte Gefahr. Eines gebe ich euch noch mit: Las Vegas ist zwar vollkommen verrückt, abstrakt und gestört, aber super sicher.
… während bei euch die Tage kürzer werden und der Herbst anbricht, werde ich mir einmal Hawaii ansehen. Na, eifersüchtig? 😅
Hier geht’s zu Kapitel 27 Hawaii 🇺🇸


































