Kapitel 16 – 🇷🇺 Russland
Mission Europa fürs Erste erfolgreich abgeschlossen – und das unabhängige Komitee hat einstimmig entschieden: Sankt Petersburg ist die schönste Stadt Europas! Wieso, weshalb, warum? Ihr werdet es erfahren. Ich erzähle euch von meiner Hassliebe zu Moskau – und welche Person dafür verantwortlich war, dass ich einmal quer durch Russland geflogen bin, um die Schlachtfelder des ehemaligen Stalingrads zu besuchen.
Für Russland benötigen österreichische Staatsbürger ein Visum. Es gibt genug Agenturen, die beim Ansuchen um die Einreiseerlaubnis helfen – das ist zwar deutlich unkomplizierter, aber auch teurer, als es auf eigene Faust zu versuchen. Das Visum kann frühestens drei Monate vor Reiseantritt beantragt werden – entweder durch persönliches Vorsprechen in der russischen Botschaft in Wien oder durch Einsenden der notwendigen Dokumente inklusive Originalreisepass. Meine Herausforderung: Ich war bereits vier Monate unterwegs und konnte weder nach Wien reisen noch meinen Reisepass quer durch Europa schicken. Die Lösung: In Österreich einen Zweitreisepass beantragen! Wie das funktioniert, könnt ihr in der Rubrik „11 Schritte zur Erfüllung eines Traumes“ nachlesen. (Stand 04.06.2020)
Erst im vierten Anlauf habe ich mein Visum für Russland bekommen.
✔ Versuch Nr. 1 abgelehnt: Zu früh eingereicht.
✔ Versuch Nr. 2 abgelehnt: Die Einreise über Belarus 🇧🇾 ist nicht erlaubt.
✔ Versuch Nr. 3 abgelehnt: Die Ausreise über die Ukraine 🇺🇦 ist nicht gestattet.
Wer die Russische Föderation im Zuge einer Weltreise besuchen möchte, muss diese Planung taktisch angehen – sonst wird es kompliziert. Ihr wisst: Bei Fragen einfach melden.
„Besuche die Eremitage“ – wurde mir befohlen. Wenn du nur einen Tag in Sankt Petersburg hast, verbringe ihn in diesem Kunstmuseum. Kunst und Mario funktionieren grundsätzlich nicht. Ich saß seinerzeit am Springbrunnen vor dem Louvre 🇫🇷 und fragte mich, welchen Sinn es hat, stundenlang anzustehen, um ein paar Bilder zu sehen. Ich spazierte durch das MoMA in New York 🇺🇸 und dachte mir nur: okay 🤔. Da mich Sankt Petersburg mit anhaltendem Starkregen empfing, lag ein Besuch der Eremitage nahe. Zehn Stunden und viele Eindrücke später: Die Eremitage ist der absolute Wahnsinn!
Oh mein Gott! Oder wie die Briten sagen würden: What the f**k? Drei Millionen Ausstellungsstücke auf über 500 Räume verteilt. Jeder einzelne Raum ist schöner, prächtiger und spannender als der vorherige. Meine Erwartungen lagen nicht gerade hoch – aber jetzt bin ich ein überzeugter Kunstfanatiker. Ja, Reisen bildet und entwickelt weiter – das beste Beispiel!
Zunächst irrte ich planlos umher, bis ich zufällig den ersten Da Vinci entdeckte. Normalerweise erwartet man eine riesige Menschentraube, die Schulter an Schulter vor dem Bild steht. Aber hier war nichts und niemand – nur ich und mein guter alter Freund Leonardo, für einige Minuten vereint. Dann hatte ich Blut geleckt, organisierte mir die 500 Seiten lange Gemäldeliste und lief von Meisterwerk zu Meisterwerk. In Raum Nr. 251 die ersten Rembrandt-Gemälde bewundert, dann zu Raum Nr. 363 geirrt, um Picassos Werke zu bestaunen – und über Umwege bei den Malereien von Gauguin gelandet. Dieses Prozedere stellt euch bitte mehrere Stunden lang vor. Kennt ihr die berühmte Passierschein-A38-Szene aus den Asterix-Filmen? Ungefähr so war mein Erlebnis im schönsten Kunstmuseum der Welt.
Da es nahezu unmöglich ist, einen fesselnden Reisebericht über ein Kunstmuseum zu verfassen, nehmt einfach ein paar interessante Fakten mit:
✔ Nicht wundern, wenn im Museum Katzen herumlaufen – sie werden bewusst gehalten, um die Schätze vor Mäusen und Ratten zu schützen 😅.
✔ Wer das komplette Museum ablaufen möchte, legt 24 Kilometer zurück.
✔ Um sich mit jedem einzelnen Kunstwerk vertraut zu machen, müsste man rund 15 Jahre einplanen.
✔ Der Begriff „Eremitage“ kommt aus dem Französischen und bedeutet Einsamkeit 🤔 – etwas fragwürdig für einen derartigen Besuchermagneten.
✔ Das Museum befindet sich im Winterpalast.
✔ Tickets mindestens zwei Wochen im Voraus online kaufen!
Allein das Gefühl, auf dem Palastplatz zu sitzen und den Blick auf den Winterpalast zu richten, löst ein Wohlbefinden aus, das Sankt Petersburg zur schönsten Stadt Europas kürt. Nach Stockholm natürlich – aber alles, was Schweden 🇸🇪 betrifft, läuft bekanntlich außer Konkurrenz 😉.
In der näheren Umgebung liegen Zarenschlösser, deren Pracht ihresgleichen sucht. Liebes Schloss Versailles 🇫🇷, liebes Schönbrunn 🇦🇹 – bei allem Respekt, aber neben dem Schloss Peterhof oder dem Katharinenpalast wirkt ihr wie Playmobilspielzeug.
Das Schloss Peterhof erreicht man am einfachsten per Schnellboot – und Speed bedeutet hier wirklich Speed. Das Teil schießt mit hoher Geschwindigkeit die Newa entlang, also wählt euer Frühstück sorgfältig. Wieder aus der Kategorie: Man muss den Palast gesehen und erlebt haben, um seine Schönheit wirklich zu begreifen. Über 200 Springbrunnen, 30 Museen sowie diverse kleine Schlösser und Kirchen verteilen sich über eine riesige Parkanlage. Obwohl es natürlich ein absoluter Touristenmagnet ist – willkommen zurück, meine asiatischen Reisebustouristenmassen 😡 – verteilt sich alles so gut über die weitläufige Anlage, dass man Ambiente und Stimmung wunderbar genießen kann. Kaum vorstellbar, dass die Deutschen diesen Palast im Zweiten Weltkrieg als Kommandozentrale nutzten – Panzergräben durch die Parkanlage zogen, Minen verlegten und Stacheldrahtzäune errichteten.
Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt der Katharinenpalast – eine atemberaubende Anlage im südlichen Sankt Petersburg. Den Besuch des Inneren musste ich leider auslassen: vier Stunden Wartezeit 😱. Um beide Zarenschlösser an einem Tag zu besichtigen, muss man wirklich früh aufstehen.
Was bedeutet für euch Mut? Sich wie dieser Dosenfreund aus der Stratosphäre zu stürzen? Sich wie dieser australische Abenteurer ein Leben mit Krokodilen zu teilen? Oder vielleicht alles hinzuschmeißen und eine sechzehnmonatige Weltreise zu unternehmen? Es gibt unendlich viele Definitionen von Mut – aber eine Aktion übertrifft wohl alles andere: eine Wodka-Tasting-Tour in Russland! 🤣
Ich hatte die glorreiche Idee, mich allein bei Einbruch der Nacht einer Wodka-Tasting-Tour durch das Nachtleben Sankt Petersburgs anzuschließen. Zu meiner Verteidigung: Der Informationsaustausch fand ausschließlich auf Russisch statt – und da das Ticket umgerechnet 8 Euro kostete und die Tour auf zwei Stunden angesetzt war, dachte ich mir: Wie schlimm kann es schon werden? 11, 12 oder was weiß ich wie viele Shots später – einer davon aus einer gläsernen AK-47 konsumiert 🙈 – hatte ich leichte Orientierungsprobleme. Der Klassiker! Ihr kennt ihn alle: Wo bin ich eigentlich gelandet? Wie komme ich nach Hause? Kombiniert mit den Leiden des nächsten Morgens: Ich schwöre, ich trinke nie wieder etwas 🤮. Ob ich euch diese Tour empfehlen kann, weiß ich nicht – meine Erinnerungen halten sich in Grenzen –, aber es war mit Sicherheit die „russischste“ Nacht meines Lebens 😅.
In einem kleinen Hinterhof Sankt Petersburgs befindet sich das weltweit erste und einzige Schattenmuseum – das Muzey Teney. Jetzt dürft ihr kreativ sein und kurz überlegen: Was erlebt man in einem Schattenmuseum? Man spaziert hinein, vereinbart einen Termin und bekommt eine persönliche Führung durch eines der skurrilsten Museen des Landes. Ein Guide führt von Raum zu Raum und zeigt die märchenhafte Magie der Schattenwelt. Na, habt ihr schon eine Vermutung? Ich versuche es zu erklären – auch wenn das nicht ganz einfach ist. In jedem Raum sind Kunstwerke ausgestellt, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Unter jedem befindet sich eine Lampe, die das faszinierende Spiel in Bewegung setzt. Durch Betätigen des Lichtschalters wirft dieses unspektakuläre Objekt einen großen Schatten an die Wand. Ein zusammengebastelter Haufen Klopapierrollen projiziert ein detailgetreues Kolosseum 🇮🇹 an die Wand. Willkürlich zusammengesetzte Dosen zeigen die Skyline von New York 🇺🇸. Man erlebt laufend diese genialen „Ahhh“- und „Ohhh“-Momente – oder wie ich sie nenne: Mindfucks. Dieses kleine, aber innovative Museum ist so einzigartig, dass es ein Pflichtbesuch für jeden Sankt Petersburg-Aufenthalt ist.
Ein weiteres kleines Geheimnis verbirgt sich in den Hinterhöfen Sankt Petersburgs – ein Paradies für Arcade-Fans und Freunde der UdSSR. Die Bar of Soviet Arcade Games bietet die Möglichkeit, sein Können an alten sowjetischen Spielautomaten unter Beweis zu stellen. Dutzende Konsolen und Automaten aus der kommunistischen Ära stehen bereit. Pro konsumiertem Drink gibt es ein paar Chips – ich habe lieber ein paar Chips für kleines Geld gekauft; ihr wisst vermutlich noch warum 🤢. Und dann geht der Spaß los. Allein, zu zweit oder in der Gruppe – eine geniale Erfahrung, die man in keinem Sankt Petersburg-Reiseführer finden wird.
Die nördlichste Millionenstadt der Erde ist eine offene, freundliche und wunderbare Stadt mit endlosen Grünflächen, gepflegten Parks und leidenschaftlichen Menschen. Man hat schlicht keine andere Möglichkeit, als sich hoffnungslos in sie zu verlieben – ich würde sie sogar in die Kategorie „nahe an der Perfektion“ einordnen. Die Touristenmassen halten sich in Grenzen – abgesehen von diesen verfluchten Kreuzfahrt-Tagestouristen 😡 –, die öffentlichen Verkehrsmittel sind hervorragend ausgebaut, die Stadt ist überdurchschnittlich sauber und erfreulich günstig. Englisch ist allgegenwärtig, und die Menschen leben für ihre Musik und ihre Kunst. Wunderbare Eindrücke entstehen beim Spaziergang entlang des Flusses, wo Künstler und Musiker ihrer Leidenschaft nachgehen. Ich könnte noch endlos von dieser Stadt erzählen – von der geführten Tour durch die Gazprom Arena, dem Sandburgen-Festival, dem Besuch des Militärhistorischen Museums – offiziell: Militärgeschichtliches Museum der Artillerie, des Ingenieurwesens und der Nachrichtentechnik 😅 – oder der Erkundung der Peter-und-Paul-Festung mit ihrer wunderbaren Kathedrale und ihrem beängstigenden Gefängnis.
Zwei besondere Momente möchte ich aber noch mit euch teilen, bevor wir nach Moskau reisen. Zwei Orte fernab von Tourismus und Sightseeing, an denen meine Emotionen verrücktgespielt haben.
Die Militärfestung Kronstadt liegt 30 Kilometer von Sankt Petersburg entfernt. Der Zugang zu dieser kleinen Stadt auf einer Insel war jahrelang gesperrt – sie ist der Hauptsitz der russischen Marine. Da mich die sowjetische Geschichte fasziniert, versuchte ich mein Glück in Kronstadt, um etwas Nostalgie und Geschichte aufzusaugen. Historische Rückblenden fand ich dort zwar nicht – aber ich erlebte einen Moment, der mir noch heute eine Gänsehaut bereitet.
Inmitten der Festung befindet sich die wunderschöne Marinekathedrale des Heiligen Nikolaus. Sie wurde Anfang der 1990er-Jahre in die UNESCO-Welterbelist aufgenommen und ist eine absolute Augenweide. Betreten wir gemeinsam ihr Inneres.
Vor der Kathedrale war es still – unsere Erwartungen hielten sich in Grenzen. Frühmorgens betraten wir das prachtvolle Gebäude, und unsere Augen wurden immer größer. Orthodoxe Kathedralen sind mit unseren nicht zu vergleichen – sie sind schlichter und ruhiger ausgestattet als katholische Kirchen. Die Marinekathedrale ist anders. Wir stellen uns unter die riesige Kuppel, blicken hinauf und bestaunen die faszinierende Ausstattung. Es ist still und leer – und leise gehen wir weiter zum Altar. Plötzlich öffnen sich die Türen, und eine große Gruppe von Menschen strömt herein. Matrosen! Rund hundert Matrosen versammeln sich um uns herum, vor dem Altar. Sie nehmen Aufstellung und beginnen zu singen. Der Klang ihrer tiefen Stimmen löst sofort eine Gänsehaut aus. Die märchenhafte Akustik trägt ihre Lieder durch die gesamte Kathedrale. Wie festgefroren stehen wir mitten im Chor und lauschen. Es sind keine schnellen, militärischen Lieder – sondern sanfte, ruhige Töne, die an russische Klassikmeisterwerke erinnern. Wir ziehen uns unauffällig in eine ruhige Ecke zurück, setzen uns auf den Boden und lassen diese Musik auf uns wirken.
Später erfahren wir, dass es sich um einen Gedenkgottesdienst für einen ihrer Kameraden handelte, der bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen war. Solche Momente in Worte zu fassen ist schwierig – aber wir werden sie nie vergessen und sind dankbar, sie erlebt zu haben.
Wenn es neben der Kunst – Reisen bildet 😉 – ein zweites Gebiet gibt, das mich überhaupt nicht interessiert, dann ist es Oper oder Ballett. Sankt Petersburg beherbergt das weltberühmte Mikhailovsky Theater – und ich hatte das Glück, ein Ticket zu bekommen. Allein das Betreten dieses Theaters versetzt einen in eine andere Welt. Auf dem Programm stand Schwanensee – das literarische Meisterwerk des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski, aufgeführt vom russischen Nationalballett.
Wäre meine Russland-Reise bereits beendet, würde ich euch von der Weltoffenheit des Landes schwärmen und davon, wie sehr sich die Menschen aus ihrer politischen Gefangenschaft befreien möchten. Wie laut ihr Ruf nach freier Meinungsäußerung und Gleichberechtigung ist – und wie sehr sie sich wünschen, die politische Diktatur ein für alle Mal abzuschaffen. Aber wie gesagt: „wäre“! Auf nach Moskau!
In Moskau habe ich mich bei einer einheimischen Familie einquartiert – und seit diesem Kennenlernen verstehe ich den Begriff „Sanktionen“. Der Honig kommt aus Kasachstan 🇰🇿, das Brot aus Usbekistan 🇺🇿 und die Erdbeeren aus Belarus 🇧🇾. Die Russische Föderation war es gewohnt, sich mit qualitativ hochwertigen Produkten aus der westlichen Welt beliefern zu lassen – der Drang zur Selbstversorgung fehlte schlicht. Durch die Sanktionen ist man nun gezwungen, Waren aus befreundeten Nachbarländern zu importieren, was die russische Bevölkerung nicht gerade begeistert. Die Qualität der Lebensmittel ließ dadurch deutlich zu wünschen übrig – und ich konnte meiner Gastfamilie ansehen, wie unangenehm es ihr war, mir nur Waren aus „zweiter Reihe“ anbieten zu können. Der Rubel hat aktuell einen historischen Tiefpunkt erreicht, was einem wirtschaftlichen Desaster gleichkommt. Allerdings werdet ihr Russland wohl nie wieder so günstig bereisen können.
Mit zwölf Millionen Einwohnern gehört Moskau zu den größten Städten der Erde. Auf dem Papier liest sich Moskau wie ein Schlaraffenland – Kreml, Basilius-Kathedrale, Lenin-Mausoleum und so weiter. Sechs Tage lang bin ich kreuz und quer durch die Stadt gefahren und gelaufen. Es brauchte seine Zeit, der Stadt etwas Positives abzugewinnen.
Ich war bereits auf absolutem Bunker-Entzug, als ich entdeckte, dass Moskau einen unterirdischen Atombunker zur Besichtigung anbietet. Dreimal Juhu! Achtzehn Stockwerke tief unter die Erde – und natürlich wieder zurück 🥵 –, um in den Bunker B-42 zu gelangen. Die Vorfreude war grenzenlos … endlich wieder Bunker-Time! Endlich wieder Sowjetgeschichten! … die Enttäuschung leider umso größer 😔. Die Tour – obwohl auf Englisch versprochen – fand ausschließlich auf Russisch statt, wodurch es unmöglich war, irgendwelchen spannenden Geschichten zu folgen. Dazu sieht man lediglich ein paar Räume, in denen billige Schaufensterpuppen kriegsentscheidende Szenen nachstellen. Kein Vergleich zu den großartigen Bunker-Erlebnissen in Frankreich 🇫🇷, der Ukraine 🇺🇦, Litauen 🇱🇹 oder Dänemark 🇩🇰. Eine enttäuschende Lachnummer. Enttäuschung Nr. 1
Große Vorfreude hatte ich auf das renommierte Gulag-Museum, um eine andere Perspektive auf die Geschichte der Gefangenenlager zu bekommen. Das Museum ist wunderbar konzipiert und besticht mit unzähligen Archivbildern, Filmen und persönlichen Berichten – nur das Problem: So gut wie alles ist auf Russisch. Keine Chance, einen Eindruck zu gewinnen oder einen Bezug aufzubauen. Enttäuschung Nr. 2
Regen! ☔ Regen! ☔ Regen! ☔ Moskau, wie man es kennt und liebt. Also ab ins Moskvarium – das größte Aquarium Europas. Aquarien haben für mich einen besonderen Reiz: Da ich noch nie richtig getaucht bin, ist das meine einzige Möglichkeit, in die faszinierende Unterwasserwelt einzutauchen. Es gibt die klassischen Becken mit Süßwasserfischen, Rochen, Schildkröten und Seepferdchen – bis einem das Herz im Halse steckt. Das Moskvarium beherbergt drei ausgewachsene Schwertwale, die in einem Becken von der Größe eines Goldfischglases zur Schau gestellt werden 😱. Umweltschützer laufen Sturm gegen diese Haltung – in Moskau rechtfertigt man sich mit wissenschaftlicher Forschung. Wir können gerne allgemein über Zoos, Vogelparks und Aquarien diskutieren – aber drei ausgewachsene Wale in einem Minibecken zu halten und täglich für Shows zu trainieren … 🤮. Hätte ich das gewusst, hätte ich einen großen Bogen darum gemacht und mir den Herzschmerz erspart. Enttäuschung Nr. 3
Das berühmte Bolschoi-Theater. Die Außenansicht ist bereits ein absoluter Traum – die Architektur und Innenausstattung sollen noch weit beeindruckender sein. Ärgerlichweise liefen zum Zeitpunkt meines Besuchs keine Vorstellungen, aber die Stadt bietet geführte Touren an. Soweit, so gut – Tickets sind online nicht vorbestellbar, also frühzeitig hingehen. Zweimal pro Woche wird eine Führung angeboten, die auf maximal zwanzig Besucher beschränkt ist. Die Startzeit war mit 11:30 Uhr angegeben – ich fand mich eine Stunde vorher ein. Brav und artig als Erster an der Kasse gewartet, bis sich die Türen öffneten. Nur wenige Augenblicke vor der Öffnung kamen sie wieder! 😡 Ja, treue Leser können es erahnen: die Horden asiatischer Reisebus-Touristengruppen. Szenen, bei denen man die Menschlichkeit hinterfragen muss. Als ginge es um Leben und Tod, kämpfte diese Masse – mitsamt ihren Reiseführern – um einen Platz in der Schlange. Irgendwann hatte ich so viele Schirme und Kamerastative im Gesicht, dass ich mir nur noch dachte: F**k off! Ein Moment zum Fremdschämen. Enttäuschung Nr. 4
Der Rote Platz: Ja, es hat durchaus etwas Besonderes, über diesen historischen Platz zu laufen – falls es die russische Regierung erlaubt. Erst mein dritter Versuch war erfolgreich, da der Platz zuvor wegen Militärparaden oder politischer Veranstaltungen gesperrt gewesen war. Wie fühlt es sich an, über den Roten Platz zu laufen? Kurze Randnotiz: „Roter Platz“ heißt auf Russisch „Krasnaja Ploschtschad“ – das Adjektiv „krasnaja“ bedeutet eigentlich „schön“. Die Russen nennen ihn schlicht „den schönen Platz“ – mit der Farbe Rot hat er also nichts zu tun. Entspannung ist jedenfalls etwas anderes: Fahrräder und E-Scooter düsen im Sekundentakt vorbei, Soldaten beobachten einen auf Schritt und Tritt – und minütlich begegnet man den asiatischen Touristengruppen, die sich aufführen, als wären sie gerade auf dem Mond gelandet 😡. Enttäuschung Nr. 5
Der Kreml: Gleich vorweg – mein Fehler! Kauft euch das Ticket online! Ich wollte flexibel bleiben und musste vier Stunden anstehen, um eine Karte zu bekommen. Es gibt genau einen Schalter, an dem Nicht-Russen Eintrittskarten erwerben können. Die Kunst liegt zunächst darin, diesen Schalter überhaupt zu finden – die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Moskauer lässt zu wünschen übrig –, und anschließend den Ticketkauf unbeschadet zu überstehen 😡. Siehe Enttäuschung Nr. 4. Wisst ihr eigentlich, was es bedeutet, den Kreml zu besuchen? Ich auch nicht – ich dachte eher an prächtige Präsidentenhallen oder beeindruckende Museen. Im Prinzip erhält man Zugang zum Komplex hinter der roten Stadtmauer: ein paar Kirchen, eine Kathedrale und ein nüchterner Garten. Zugang zu den interessanten Bereichen des Geländes als Nicht-Russe? Fehlanzeige. Enttäuschung Nr. 6
Die Enttäuschungen Nr. 7 bis 10 ersparen wir uns – und kommen zum Teil, der Moskau doch noch sehenswert macht. Diese Enttäuschungen haben sich in dieser Reihenfolge abgespielt – und ihr könnt euch vorstellen, dass meine Motivation zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich gelitten hatte … bis zu jenem unerwarteten Moment, der plötzlich alles veränderte … einer dieser Magic Moments.
Okay, Enttäuschung Nr. 7 muss noch sein – weil ich öfter danach gefragt wurde. Wollt ihr den Leichnam von Wladimir Iljitsch Lenin sehen? Kein Problem: Eine Stunde vor dem Lenin-Mausoleum anstehen, einen finsteren Gang entlanggehen, an dem Soldaten Spalier stehen, für einen kurzen Augenblick einen Glaskasten erblicken – in dem sich seine Leiche, eine Wachsfigur oder was auch immer befinden soll –, und fertig. Der gute Mann ist seit knapp 100 Jahren tot, keine Ahnung, was dort im Kasten liegt – und dieser Bruchteil einer Sekunde hilft einem nicht, diese Frage zu beantworten.
Der Turnaround-Moment in der Luzhniki-Arena. An diesem Tag erreichte der strömende Regen seinen Höhepunkt – aber ich wollte unbedingt diese 85.000 Menschen fassende Arena besuchen. Diesmal fand zu meinem Leidwesen kein Spiel statt – laut meiner Recherche bieten die Stadionbetreiber jedoch eine geführte Tour an: einmal täglich an spielfreien Tagen gegen 14:00 Uhr, allerdings nur mit einer russischen Kreditkarte vorab buchbar. Nach dem Motto „Jetzt ist es auch schon vollkommen egal“ nahm ich die weite Anreise auf mich und hoffte auf ein kleines Wunder. Der Treffpunkt war direkt vor dem Stadion bei der großen Lenin-Statue – wo auch sonst 🙈. Einsam und allein stand ich im strömenden Regen, nur unter der Beobachtung von Wladimir Iljitsch Lenin, und wartete. 14:15 Uhr – niemand vor Ort, und ich dachte mir nur … keine Kraftausdrücke, aber ihr könnt es euch denken.
Ich wollte gerade das Handtuch werfen, da tauchte aus dem Nichts ein junger Russe mit einem Fußball-WM-2018-T-Shirt auf. Er winkte aufgeregt, war außer Atem und sprach mich in perfektem Englisch an. Er sei froh, mich endlich gefunden zu haben – ich hätte zuvor nicht auf seine Anrufe reagiert 🤔🤔. Er sah meine Verwirrung und fragte noch einmal, ob ich wegen der Besichtigung hier sei, die wir letzte Woche telefonisch vereinbart hätten 🤔🤔. Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wovon er sprach – aber: Klar! Natürlich bin ich deswegen hier – warum sollte ich sonst im strömenden Regen vor einer Lenin-Statue stehen? Und so kam ich zu meiner ganz privaten Stadionführung 🤣.
Die Umkleidekabinen, der Medienraum, hinunter aufs Spielfeld, hinauf auf die Tribüne, bis auf das Dach – alles war möglich. Das absolute Highlight: der exklusive Besuch der Präsidentensuite! Mein Guide zeigte mir jenen Sitzplatz, der ausschließlich für Herrn Putin reserviert ist – er bietet den besten Blick über das gesamte Stadion. Ich betete, den folgenden Satz zu hören – und dann passierte es wirklich: „You can take a seat if you want!“ Und so durfte mein Hintern dort ruhen, wo sonst nur Herrn Putins Hintern genehmigt ist. Und wisst ihr was? Es dauerte nur einen Moment – und die ersten teuflischen Gedanken übernahmen die Kontrolle: Welches Land werde ich als Nächstes zurückerobern? 😅
Also, wer auch immer diese Tour für mich organisiert hat – tausend Dank! Normalerweise bin ich nicht so – aber nach all diesen Enttäuschungen musste ich diese Chance ergreifen. Ihr hättet bestimmt nicht anders reagiert, oder?
Es ist wieder so weit – Zeit für Geistergeschichten. Der Nowodewitschi-Friedhof – kommt schnell: dreimal hintereinander laut aussprechen – No-wo-de-wit-schi 😅 – ist der absolute Höhepunkt meiner persönlichen Friedhofsrundreise. Dieser Ort ist ein Museum und eine Hommage an die vielen berühmten und bedeutenden russischen Persönlichkeiten. Nur Ehrenbürger aus der Oberschicht durften hier bestattet werden. Aktuell befinden sich rund 27.000 Gräber auf dem Nowodewitschi-Friedhof – Dichter, Komponisten, Schauspieler, Musiker und Kriegshelden. Für mich der mit Abstand eindrucksvollste Ort in ganz Moskau – und auf meiner persönlichen Friedhofsliste die absolute Nummer 1. Muss ich mir Sorgen machen, weil ich eine solche Liste führe? 🤔
Ein paar kurze Eindrücke noch, bevor wir uns der entscheidenden Schlacht des Zweiten Weltkrieges widmen. „I follow the Moskva, down to Gorky Park, listening to the wind of change … take me to the magic of the moment“ – die wunderschöne grüne Oase Moskaus: der Gorky Park. In seiner Mitte befindet sich ein prächtiger Springbrunnen, der zu klassischen Klängen in bunten Farben tanzt – Las Vegas lässt grüßen. Der erste Moment, in dem ich die Moskauer Bevölkerung lebendig, fröhlich und leidenschaftlich erlebte. Picknick, grüne Wiesen, lachende Kinder, frei laufende Hunde … für uns nichts Besonderes – in Moskau aber ein bemerkenswerter Anblick. Kleiner Fun-Fact: Der Park hat mehrere künstliche Teiche von der Fläche und Tiefe eines Planschbeckens. Der Blick darauf erinnerte mich an den St. Veiter Wiesenmarkt – chaotische Autodrom-Exzesse mit verpflichtender oranger Schwimmweste. Herrlich skurrile Bilder und eine neue Qualität des Tretbootfahrens.
Wir streifen noch kurz einen weiteren besonderen Park – er trägt den einprägsamen Namen Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft, kurz WDNCh. Die Sinnhaftigkeit dieses Parks kann ich leider nicht erklären. Alles, was die ehemalige Sowjetunion jemals geschenkt bekommen hat, findet hier Platz: eine riesige Kopie eines indischen Tempels 🇮🇳, eine halbierte Nachbildung der Akropolis 🇬🇷, eine Reproduktion einer ägyptischen Sphinx 🇪🇬, überdimensionale Düsenjets, Raumschiffe, Raketen und vieles mehr. Im Grunde wie ein Minimundus – nur kostenlos und in Originalgröße. Ein herrlich verrückter Ort, jeden Besuch wert.
Habe ich euch schon vom GUM erzählt – dem größten Einkaufszentrum der Welt? Oder wie wunderschön es ist, die Basilius-Kathedrale mit ihren neun bunten Kuppeln zu besuchen? Oder die Metro mit ihren 14 Linien und 236 Stationen zu benutzen? Nein? Ich weiß – aber wir müssen leider weiter …
Die emotional härtesten Tage meiner bisherigen Reise liegen nun hinter mir. Sosehr mich die tragischen Geschichten des Zweiten Weltkrieges faszinieren – der Besuch der ehemaligen Schlachtfelder von Stalingrad forderte seinen Tribut. Wolgograd – das ehemalige Stalingrad – ist eine moderne russische Millionenstadt, deren brutale und tragische Vergangenheit in jeder Minute spürbar ist. Ich stelle euch ein Video rein, damit ihr die Atmosphäre, die hier herrscht, besser nachvollziehen könnt.
Was ihr nun gesehen habt, sind junge russische Soldaten, die rund um die Uhr an dieser Gedenkstätte patrouillieren. Diese Halle nennt sich The Eternal Flame und ist eine große Gedenkanlage, unweit der ehemaligen Schlachtfelder. 700.000 Menschen wurden im Zuge der Einkesselung von Stalingrad getötet – allein in dieser Gedenkstätte sind 7.000 Namen gefallener Soldaten in Stein gemeißelt. Die Musik, die ihr im Hintergrund gehört habt, stammt interessanterweise von einem deutschen Komponisten.
Im Laufe der letzten Monate und Jahre habe ich einige bedrückende Gedenkstätten besucht – „Sowjetunion über alles“ in Belarus 🇧🇾, „Ewiger Dank an die UdSSR“ in Georgien 🇬🇪 oder „Stolz auf die UdSSR“ in Lettland 🇱🇻. An all diesen Orten siegten Stärke, Stolz und Triumph über alles – aber in Wolgograd ist es anders. Die Atmosphäre ist bedrückend und beängstigend; eine derart niedergeschlagene Stimmung habe ich noch nie erlebt. Hier liegt nur Trauer, Leid und Zorn in der Luft … keine Touristen, keine Schaulustigen, keine Reisegruppen. Nur Verwandte und Betroffene, die ihre Liebsten in dieser Schlacht verloren haben, besuchen diese Stätte. Obwohl es bald achtzig Jahre her ist, hat niemand trockene Augen, während er mitgebrachte Rosen ablegt. Es fällt mir unglaublich schwer, an etwas Positives zu denken.
Ich stehe in dieser Halle – und mein Herzschlag passt sich den Schritten der Soldaten an. Es wird immer lauter … sie kommen näher und näher und übernehmen die Kontrolle. Meine Augen wandern über die Gesichter der Menschen – ich erkenne ihre Tränen, fühle ihre Trauer und ihre Wut. Alle erdenklichen negativen Gefühle treffen hier aufeinander; ich bin nur noch Passagier dieser tragischen Geschichte.
Die Ewige Flamme befindet sich etwas außerhalb der Stadt, auf dem Mamajew-Hügel. Am höchsten Punkt des Hügels steht die Mutter-Heimat-Statue. Sie ist eine der größten Statuen der Welt – doppelt so groß wie die weitaus bekanntere Freiheitsstatue. Wie ihr in der Galerie erkennen könnt, empfängt sie mich in Gerüste gehüllt – man versucht, ihren Verfall aufzuhalten. Offiziell wird sie zum ersten Mal seit ihrer Errichtung restauriert; inoffiziell versucht man, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Einige Teile sind bereits abgefallen, und die Statue droht endgültig in sich zusammenzubrechen. Durch saisonale Erosion gibt der Boden unter ihren Füßen nach, das Regenwasser läuft nicht mehr gleichmäßig ab – es bilden sich Hohlräume und Risse. Im Nachhinein bin ich dankbar, sie noch bewundern zu dürfen – auch wenn die Enttäuschung überwiegt, diese großartige Statue in so einem Zustand vorzufinden.
Es gibt unzählige weitere Monumente und Gedenkstätten, die an diese Schlacht erinnern. Darunter auch eine Gedenkwand, die Hunderttausende Namen enthält – eine schwarze Marmorwand, in der die Opfer verewigt sind, die genau hier, am Fuße dieses Hügels, gefallen sind. Das kann man sich kaum vorstellen.
Zum Abschluss erzähle ich euch noch die Geschichte eines russischen Helden, der mich seit den 1990er-Jahren fasziniert. In meiner Jugend hatte ich täglich drei Wege: Der erste führte zum Tanzkurs, der zweite zu irgendeinem Sportverein – und der dritte in die Videothek 🎥. Im Alter von 14 oder 15 Jahren hinterfragt man nicht alles – und so landete eines Tages eine VHS in meinem Videorekorder. Für alle Jahrgänge ab den 1990ern: Das sind rechteckige Kassetten, auf denen man Filme abspielen konnte 😉. Der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud 🇫🇷 verfilmte die mehr oder weniger wahre Heldengeschichte des russischen Scharfschützen Wassili Saizew.
Während der Schlacht um Stalingrad soll Saizew über 300 feindliche Soldaten erschossen haben. Der Film ist natürlich eine patriotische Heldengeschichte – mit jeder Menge Action, unrealistischen Hollywood-Szenen und einer durch und durch bescheuerten Liebesgeschichte. Aber seit meinem fünfzehnten Lebensjahr war ich von dieser Geschichte fasziniert und wollte ihren wahren Kern kennen. Natürlich fragt man sich, was einen an einem Soldaten faszinierte, der heimtückisch über 300 Menschen tötete – aber dieser Debatte entziehe ich mich hier.
Zuerst besuchte ich sein Grab – und anschließend konnte ich seinen gesamten Werdegang im Panorama-Museum nachvollziehen. Dieses mehrstöckige Museum ist der erbarmungslosen Schlacht gewidmet und begleitet diesen russischen Helden durch diese Epoche. Es war bewegend, seine Auszeichnungen und seine Geschichte zu erkunden und die originale Scharfschützenwaffe zu sehen. Leider war die gesamte Ausstellung nur auf Russisch verfügbar – es dauerte daher eine Ewigkeit, mich durch die Inhalte durchzukämpfen.
Wer die Wolga entlangspaziert, stößt auf das Pawlow-Haus – ein authentisches Relikt aus der umkämpften Schlacht. Die Einschusslöcher der Maschinengewehre und die Spuren der Granateneinschläge sind noch heute deutlich zu erkennen. Saizew nutzte dieses Gebäude als Unterschlupf. Ein schockierender Moment: Man spaziert am Fluss entlang – und zwischen neuen Gebäuden verstecken sich Häuser, deren Wunden man fast körperlich spüren kann. Realer geht es wohl kaum.
Ich weiß – keine leichten Geschichten, wenig Humor und leider kaum Kontakt zur russischen Bevölkerung möglich. Diese Reise ins weit entfernte Wolgograd lege ich wirklich nur jenen ans Herz, die die tragischen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges hautnah erleben möchten.
Mein Fazit: Das größte Land der Welt bietet drei Millionenstädte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Man braucht sehr viel Zeit, um die regionalen Kulturen und Gegebenheiten zu verstehen. Sankt Petersburg ist eine wunderbare Stadt, die Lebensfreude verbreitet und mehr als sieben Tage benötigt, um halbwegs erkundet zu werden. Moskau ist eine andere Welt: emotionslos, intolerant, kalt, überfüllt und schnelllebig – aber auch sie hatte ihre Momente. Und Wolgograd ist nun mal Schauplatz der dunkelsten Geschichten des 20. Jahrhunderts.
Kosten: Russland ist so günstig wie seit Langem nicht mehr. Die durchschnittlichen Eintrittspreise liegen bei 2 bis 4 Euro. Für ein ordentliches Abendessen sollte man nicht mehr als fünf Euro einplanen – und eine Tageskarte für die Metro gibt es bereits ab 1,50 Euro.
Sicherheit: In den Medien hört man immer wieder Schauergeschichten über die Sicherheitslage in Russland. Seit den Anschlägen – Metro Moskau 2010 und Konzerthaussaal Sankt Petersburg 2017 – haben sich die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Es war kaum möglich, ein Gebäude zu betreten, ohne einen ausgiebigen Sicherheitscheck zu durchlaufen. Ist man erst einmal in Russland angekommen, kann man sich unkompliziert und frei bewegen – ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, irgendwie in Gefahr zu sein.
Aus der Kategorie im Nachhinein schlauer: Es war eine kluge Entscheidung, direkt nach den Großveranstaltungen – Olympia 2014 und Fußball-WM 2018 – nach Russland zu reisen, da sich die englische Sprache zumindest teilweise etabliert hat. Allerdings versteckten sich die schönsten und bekanntesten Bauwerke hinter Gerüsten: die Auferstehungskirche in Sankt Petersburg, die Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd, die Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau – um nur einige zu nennen. Juni und Juli bedeuten zwar Sommerzeit – aber eben auch Regenzeit. Das hätte ich besser einkalkulieren sollen.
Während ihr diese Zeilen lest, bin ich bereits auf dem Weg nach Florida 🇺🇸. Der Plan: In 90 Tagen von Miami nach Seattle. Mal sehen 🤔.
Hier geht’s zu Kapitel 17 Florida 🇺🇸




















































































































