Kapitel 28 – 🇺🇸 USA (Washington)

Was für ein herrliches Gefühl 🥰! Nach acht Jahren intensiver Suche und 9.000 erfolgreichen Funden konnte ich endlich meinen heiligen Ort besuchen … Amazon, Starbucks, Boeing – alle sind sie in Seattle zu Hause. Transparente Darstellung oder Brainwashing? … SEA! HAWKS! SEA! HAWKS! SEA! HAWKS! … Wie es sich anfühlt, wenn 75.000 verrückte Fans ihr Team zu Höchstleistungen treiben – Willkommen in Seattle, Bundesstaat Washington.

Was für Archäologen die Akropolis 🇬🇷 ist, für Bergsteiger der Mount Everest 🇳🇵 und für Fußballfans das Wembley-Stadion 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 – ist für mich … ja, was eigentlich? Starten wir mit einer kleinen Geschichte aus meiner Vergangenheit.

Es war einmal ein kleiner Junge, der vor neun Jahren die Begriffe „Klagenfurt“ und „Sverige“ in die Google-Suche eingab. Warum auch immer 🤔. Diese kreative Wortkombination führte mich zu einem kleinen Teich in der Nähe unseres wunderbaren Wörthersees. Damals wusste ich noch nicht, welche Lawine ich damit ausgelöst hatte 🙈. Am Ufer dieses Teiches – zwischen Büschen versteckt – konnte ich eine kleine Plastikdose ausfindig machen. Und das Unheil nahm seinen Lauf. Zuerst waren es nur ein paar einfache Funde: einer am Baum, einer unter einem Stein, der nächste in einer Hecke – und wieder einer unspektakulär auf einem Verkehrsschild.

Kurze Zeit später wurde nur noch geklettert, geschwommen, gerobbt und gekrochen … gerätselt und gerechnet – und mein Weg führte mich durch Höhlen, verlassene Gebäude und tiefe Sümpfe. Ohne Kompass, wasserfestes Schreibzeug, Verbandskasten, Gummistiefel, Magneten und Leiter verließ ich die Wohnung generell nicht mehr. All diese Utensilien – und noch viele mehr – wurden zu meinen wichtigsten Verbündeten und täglichen Begleitern. Aus zehn wurden hundert, aus hundert wurden tausend – und mit den Jahren wurde die Neuntausendergrenze überschritten … kein Ende in Sicht. Meine Freunde mussten leiden, neue wurden gefunden – und das Schicksal nahm seinen Lauf. Im Oktober 2019 war es endlich so weit. Nördlich von Seattle, im dritten Stock eines modernen Hochhauses, liegt das Geocaching-Hauptquartier 🥰🥰🥰.

Als ich diese heiligen Räume betrat, saß eine nette Dame hinter ihrem Schreibtisch und begrüßte mich freundlich. Wie es das Schicksal so wollte, hatte sie ein Jahr in Graz studiert. Wir wurden sofort beste Freunde – und meine Aufregung war mittlerweile halbwegs kontrollierbar. Sie führte mich exklusiv durch das gesamte Geocaching-Hauptquartier. Diese ausführliche Besichtigung dauerte ganze zwei bis drei Minuten – denn zu sehen gab es eigentlich nichts. Nichts für normale Menschen jedenfalls – für mich als Cacher-Freak waren es die schönsten zwei Büroräume mit den vier freundlichsten Mitarbeitern, die ich je gesehen habe … meine Akropolis, mein Mount Everest, mein Wembley-Stadion … endlich durfte ich dich kennenlernen.

Warnung: Dieser Absatz enthält ausschließlich nerdige Begriffe!

Hunderte Travelbugs mit einzigartigen Geschichten und ihren Tracking-Nummern lagen zum Discovern bereit. Zwei von ihnen wurden sogar in den Weltraum geschickt 😱. Die ersten Geocoins sind ausgestellt und in einer Schatztruhe mit weiteren SWAGs präsentiert. Ich durfte das kreativste Logbuch aller Zeiten loggen – ein DNF ist an dieser Location schlicht nicht möglich. Auf einer großen Leinwand werden die aktuellen Funde live angezeigt. Die Letterbox mit den meisten Fav. Points wurde gehoben – hier kann sie schließlich nicht gemuggelt werden. Obwohl die Chance auf den FTF meilenweit entfernt war, bin ich grenzenlos glücklich. Im benachbarten Park liegen reihenweise Mystery- und Multi-Caches diverser DT-Wertungen, die meine Matrix weiter aufpolieren.

Ihr habt absolut keine Ahnung, wovon ich hier rede, oder 😅? Wahrscheinlich auch besser so – denn sobald ihr einmal in den Armen des Geocachings gefangen seid, werdet ihr euch nicht mehr befreien können. Ihr werdet euren Job verlieren, eure Beziehung wird zu Bruch gehen, eure Familie seht ihr nur noch per Videoanruf – ihr werdet euch verschulden und ständig verletzen … 🤣 Nein, ganz so schlimm ist es nicht! Aber es kann sich einiges verändern, wenn man in dieser Welt voller Abenteuer, Herausforderungen und Schätze gefangen ist.

Geocaching ist eine aktive Schnitzeljagd. Anhand von vorgegebenen oder errechneten Koordinaten sucht man einen bestimmten Ort auf – und findet dort einen Schatz. Wohin es einen führt, weiß man meistens erst, wenn man angekommen ist. Was man dort sucht und findet? Das lässt sich kaum sagen – es gibt unzählige Möglichkeiten. Wer einmal Lust auf eine Schnitzeljagd hat: Ich stehe jederzeit zur Verfügung! Und mit jederzeit meine ich wirklich jederzeit – Tag und Nacht, bei Regen, Schnee und Hitze 🤣. Und NEIN – Geocaching ist nicht wie Pokémon Go!!!

Seattle ist eine nostalgische Hafenstadt im Bundesstaat Washington – direkt am Pazifischen Ozean, unweit der kanadischen Grenze 🇨🇦 gelegen. Seattle ist kein Tourismusmagnet und glänzt nicht gerade mit Schönheit und Modernität. Aber die Stadt hat deutlich mehr zu bieten als die berühmte Space Needle oder das Wohnhaus von Meredith Grey.

Obwohl ich noch nie eine Folge von Grey’s Anatomy gesehen habe – und das wird sich wohl kaum ändern –, wird man an jeder Ecke daran erinnert. Diesen engen Bezug zwischen einer Serie und einer Stadt kannte ich bisher nur aus Albuquerque und Breaking Bad. Allerdings gehe ich davon aus, dass bei Grey’s Anatomy weniger Crystal Meth gekocht wird, oder? Geführte Touren, unzählige Souvenirshops und bekannte Drehorte erinnern überall an die Serie. Für alle Fans: Ja, Merediths Wohnhaus steht in der Nähe des Zentrums auf einem kleinen Hügel, wird von einer normalen Familie bewohnt – und darf still und heimlich besichtigt werden. Ja, der beste Platz für ein Meredith-Feeling ist der Kerry Park. Und nein – Joes Bar gibt es nicht in echt … Führung beendet.

Reden wir über die traurige Schattenseite, mit der diese tolle Stadt täglich zu kämpfen hat. Seattle beherbergt die Hauptsitze weltbekannter Unternehmen: Boeing, Amazon, Starbucks – um nur einige zu nennen. Das macht die 800.000-Einwohner-Stadt wirtschaftlich sehr attraktiv – fordert aber auch einen unbezahlbaren Preis. Diese großen Konzerne kauften und kaufen weiterhin zahlreiche Wohnungen in Seattle auf, erhöhen anschließend die Mietpreise – und vertreiben damit die angestammten Bewohner. Sie holen sich günstige Arbeitskräfte aus Indien 🇮🇳 und China 🇨🇳 und stellen diesen Wohnraum als Teil des Gehaltspakets zur Verfügung. Die verdrängten Mieter landen auf der Straße – und das bringt Seattle in die Top 3 der amerikanischen Städte mit der höchsten Obdachlosenrate, hinter Honolulu und New York.

Die Stadt versuchte, diesem Prozess entgegenzuwirken – und führte die sogenannte Amazon-Steuer ein. Diese Steuer verpflichtete große Unternehmen zur Zahlung eines jährlichen Betrags an die Stadt, abhängig von der Anzahl der beschäftigten Arbeitskräfte. Seattle wollte dieses Geld nutzen, um in neue Wohn- und Bauprojekte zu investieren – und damit obdachlose Menschen von der Straße zu holen.

Jetzt dürft ihr kurz darüber nachdenken, wie Amazon, Starbucks oder Boeing reagiert haben 🤔. Ich fasse es in einem Satz zusammen: F**k You, Seattle! Zieht ihr das ernsthaft in Betracht, suchen wir uns einfach einen neuen Standort. Die Steuer wurde umgehend wieder gekippt – und die aktuelle Situation eskalierte weiter, ohne Aussicht auf eine Lösung. Zusammengefasst: Ein großes Unternehmen kauft eure Wohnung und erhöht die Mietpreise. Ihr könnt die Kosten nicht mehr tragen und landet auf der Straße – während Stadt, Land und Regierung zusehen. Eine unvorstellbare Hypothese für Österreich? Ich fürchte: nicht mehr.

Grund genug für mich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die Besucherzentren zu besichtigen. Das erste Starbucks wurde Anfang der 1970er-Jahre am Hafen von Seattle eröffnet – und zieht noch heute Massen an. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Starbucks Roastery – das offizielle Besucherzentrum des Kaffee-Giganten. Ein aufpoliertes, wunderschönes und elegantes Gebäude erwartet euch. Auch wenn man diesem Unternehmen mit viel Skepsis begegnet – innerhalb weniger Minuten verfällt man seiner Faszination. Das Marketingkonzept dieser Firma ist schlicht genial – und zugleich erschreckend.

Ich betrete die Starbucks Roastery – und dieser himmlische Duft verzaubert sofort meinen Verstand. Ihr kennt diesen Geruch, oder? Zumindest die Light-Version, wenn man eine Kaffeepackung öffnet und sich dieses sagenhafte Aroma ausbreitet. Das Ganze bitte mal tausend nehmen … Ich bin zwar nicht im Bilde, wie der Himmel duften sollte – aber dieses Aroma wäre eine durchaus vertretbare Möglichkeit. Mein Besuch liegt zwar schon ein paar Wochen zurück – aber dieser Duft … dieser Duft 🥰.

Dazu ertönt harmonische Musik im Hintergrund, die gesamte Halle glänzt in warmem Gold. Die Angestellten strahlen einen an, als wären ihre Mundwinkel festgetackert – und verwöhnen euch mit kostenlosen Proben … und dieser Duft dazu … sagenhaft. Wir lieben ja alle den frischen Geruch von Kaffeebohnen – aber hier werden neue Dimensionen erreicht. Stellt es euch vor: Ein typischer Regentag in Seattle – mit rund 160 Regentagen jährlich eine der feuchtesten Städte Nordamerikas –, der kalte Wind lässt einen frieren, der tägliche Nebel nimmt einem die Lebensfreude … und dann betritt man dieses Gebäude. Der Duft, das goldene Ambiente, die Musik und die Köstlichkeiten, die einem vor die Nase gehalten werden. So stark kann niemand sein, der sich hier nicht verzaubern lässt.

Als ich zwischenzeitlich kurz wieder Kontakt zu meinem Verstand aufnahm, nutzte ich den seltenen Moment und widmete mich der Firmenphilosophie. Anhand von Kurzfilmen, Fotos und Gesprächen mit den Angestellten erfuhr ich, dass Starbucks für absolute Nachhaltigkeit steht – klar, daher die Einwegbecher – und für fairen Handel und faire Preise. Mein Lieblingsteil: Starbucks unterstützt weltweit Tausende Kaffeefarmen und Kleinbetriebe 😅. Ja, glauben wir das wirklich? Die Amerikaner tun es jedenfalls.

Mein Starbucks-Kapitel lässt sich eins zu eins kopieren und durch Amazon ersetzen – haargenau dasselbe Schema, nur in Grün. Und grün meine ich hier wortwörtlich. Das Besucherzentrum nennt sich Amazon Spheres – eine mehrstöckige, durchsichtige Glaskonstruktion, in der sich – Achtung! – ein Regenwald befindet. Ein Mix aus Hunderten tropischer Pflanzen und Bäume symbolisiert die angeblich nachhaltige und umweltbewusste Philosophie dieses Giganten. Die strahlenden Mitarbeiter mit ihrem sprichwörtlichen Zahnpastalächen klären mich über ihr Unternehmen auf: Amazon sei ein vorbildlicher Arbeitgeber, was den respektvollen und fairen Umgang mit seinen Mitarbeitern betrifft. kotz, würg, hust Ja, wollt ihr mich ernsthaft alle veräppeln?

Eigentlich wollte ich noch das Boeing-Werk in Everett besuchen – aber die hätten mir wohl erzählt, dass Kerosin gut für die Umwelt sei. Durch ausgelaufenes Kerosin würden Tiere heimlich stimuliert und bekämen mehr Lust auf Fortpflanzung. Dadurch stiege die Population, es würden mehr Eier gelegt – und Boeing wäre der Vorreiter im Kampf gegen die Hungerkrise in den Entwicklungsländern. Reine Annahme – aber wer weiß, was man dem amerikanischen Volk alles verkaufen kann.

Reden wir über die Space Needle. Im Zuge der Weltausstellung 1962 erbaut, war dieser Aussichtsturm seinerzeit das höchste Gebäude weit und breit. Aber ist dieses Wahrzeichen wirklich nur eine überteuerte Touristenattraktion – oder doch etwas Besonderes? Mit einem Wort: Die Space Needle ist großartig! Die Aussicht ist atemberaubend, das Ambiente beeindruckend. Die Weltraumnadel dreht sich langsam um die eigene Achse – und der teils durchsichtige Boden 😱 sorgt für wirklich coole Schreckmomente. Es fühlt sich ein wenig wie ein kleiner Weltraumspaziergang an – in 184 Metern Höhe.

Unweit der Nadel liegt das Museum of Pop Culture. Ein absolutes Paradies für Film- und Musikbegeisterte. Ein halber Tag reicht nicht aus, um sich durch diese Ausstellung durchzukämpfen. Die oberen Stockwerke sind der Musikgeschichte gewidmet – und ich könnte ewig brauchen, nur einen Bruchteil der faszinierenden Exponate aufzuzählen. Springen wir lieber ins Kellergeschoss: Zutritt nur ab 18 Jahren – und psychisch labile Personen sollten sich bitte fernhalten. Welcome to the Hall of Fame of Horror and Science Fiction! Wer bereits durch die Meereshexe Ursula aus Arielle schlaflose Nächte hatte, springt lieber ein Kapitel weiter.

Diese Hall of Fame ist eine Hommage an die größten Horror- und Science-Fiction-Filme unserer Zeit. Ghostface, Freddy Krueger, Creeper, Hannibal … alle Helden meiner Horrorgeschichten sind vertreten. Herrlich übrigens ein internes Ranking nach den „Most kills“: 🥇 Jason Voorhees, 🥈 Michael Myers, 🥉 Hannibal Lecter 😅. Der Stuhl aus Hostel lädt gemütlich zum Verweilen ein, die VHS-Kassette aus The Ring wartet auf euren Besuch – oder man taucht zu den schwimmenden Zombieköpfen aus The Walking Dead ab. Und eintauchen meine ich hier wortwörtlich – was ein klein wenig gruselig war 😅.

Der absolute Höhepunkt: Scream Boxes! Ihr werdet einzeln in kleine, finstere Räume verfrachtet – ohne auch nur zu ahnen, was sich darin abspielt. Achtung, Spoilergefahr: Ihr werdet schreien und in Panik verfallen. Wahnsinniger Nervenkitzel und Angstzustände sind garantiert. Klingt nach megamäßigem Spaß, oder? Wer begleitet mich das nächste Mal?

Die Attraktionen in Seattle sind recht kostspielig – ich empfehle daher einen City Pass. Man spart Geld und Zeit – und landet bei Attraktionen, die man vielleicht nicht auf dem Schirm hatte. Der Chihuly Garden and Glass wäre so ein Beispiel. Dieser Garten bietet eine aufregende, einzigartige Ausstellung von – ja, was eigentlich? Ich weiß nicht genau, was es sein soll – aber es sieht einfach nur toll aus. Und die klassische touristische Bootstour darf natürlich nicht fehlen. An der Seattle Waterfront stapeln sich die Fähren – löst auf jeden Fall ein Ticket, denn der Blick auf den Hafen, die Skyline und das Great Wheel ist jeden US-Dollar wert.

Was zur Hölle könnte eine Brick Con sein? Irgendwelche Ideen? Die Comic Con war mir bereits ein Begriff – und die Brick Con ist dasselbe, nur mit Legosteinen. Einmal jährlich treffen sich Lego-Fans aus aller Welt, um ihre neu erschaffenen Werke vorzustellen. Am Ende des Tages werden die Gewinner gekürt – und höchstwahrscheinlich landen ihre Ideen dann unter den Weihnachtsbäumen dieser Welt. Berühmte Gebäude werden nachgebaut, kreative Eigenideen vorgestellt – und natürlich dürfen die Lego-Roboter-Schaukämpfe nicht fehlen. Wie sehr liebe ich diese Steine, die in einem kleinen dänischen Dorf 🇩🇰 erfunden wurden und die Welt im Sturm erobert haben.

Bevor wir uns den sportlichen Aktivitäten der Stadt widmen, starten wir noch einen kurzen Sightseeing-Rundgang. Im Gegensatz zu den meisten amerikanischen Großstädten verfügt Seattle über etwas Besonderes: Geschichte! An der Waterfront befindet sich der Pike Place Market – der älteste Markt der USA. Was hier tagtäglich abgeht, muss man gesehen haben. Es wird leidenschaftlich gekauft, verkauft, gefeilscht und verhandelt.

Um tiefer in die Geschichte Seattles einzutauchen, ist eine Underground Tour Pflicht. In kleinen Gruppen verlässt man für wenige Stunden die Gegenwart und erkundet alte Stollen, verlassene Hotels und stillgelegte Tunnel. Die unglaublichen und skurrilen Entstehungsgeschichten dieser Stadt werden für einen Moment lebendig. In Zeiten der Prohibition war Seattle die wichtigste Anlaufstelle für den Schmuggel von Alkohol und Tabak. In den unterirdischen Gängen wurden diese Waren produziert, gelagert und über den Hafen ins ganze Land vertrieben. Es gab geheime Labore und exklusive Gentlemen’s Clubs – die wir auf dieser Tour kennenlernen durften.

Persönlicher Favorit: das Pinball Museum in Chinatown! Für ein paar US-Dollar Eintritt kann man sich den ganzen Tag an Dutzenden Flipperautomaten austoben und versuchen, die Highscores zu brechen. Apropos Zocken: Das Living Computers: Museum + Labs hat einen äußerst hohen Unterhaltungswert. Unabhängige Spieleentwickler – oder wie ich sie nenne: Informatik-Freaks – stellen ihre Computerspiele vor. Fleißiges Testzocken ist erwünscht und wird erbeten – irgendjemand muss die Games ja anspielen, bevor sie auf den Markt kommen. Wer sich nach einem nostalgischen Moment sehnt, tobt sich auf alten Ataris oder anderen Spielkonsolen aus. Warum erzähle ich euch das alles? Ganz einfach: Der berühmte Song von Albert Hammond 🎶 – It Never Rains in Southern California – müsste für den Bundesstaat Washington umgeschrieben werden. Rund 160 Regentage pro Jahr bedeuten, dass Seattle und die Sonne noch einen langen Weg vor sich haben, um Freunde zu werden.

Über die Aussicht von der Space Needle habe ich euch ja bereits erzählt. Die Aussicht vom Columbia Center – mit 285 Metern das höchste Gebäude der Stadt – toppt das noch einmal. Entweder löst ihr ein teures Ticket ein und fahrt auf die Aussichtsplattform im 73. Stockwerk – oder ihr stoppt im 40. Stock und gönnt euch einen Kaffee im höchstgelegenen Starbucks der Welt. Was haben wir gelernt? Marketing ist alles!

Bevor wir über die Seahawks und die Sounders sprechen – zünden wir erst einmal ein Feuerwerk!

Das erste NFL-Spiel meines Lebens – und es war eine absolut großartige Erfahrung. 69.000 frenetische Fans erhoben sich und brüllten abwechselnd: SEA! – HAWKS! SEA! – HAWKS! Was für ein wahnsinniges Gefühl. Die Seattle Seahawks sind das ansässige Football-Team und der größte Stolz der Stadt. Fragt man die Menschen in Seattle, was sie an ihrer Stadt am meisten lieben, bekommt man nur eine Antwort: die Seahawks! Die Inszenierung eines gewöhnlichen NFL-Spiels lässt sich wohl nur mit einem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft vergleichen. Am Stadioneingang spielen Bands auf, die Vorstellung der Akteure grenzt an einen Michael-Bay-Film – und das Feuerwerk rundet das Ganze ab. Unterhaltung und Spektakel in jeder einzelnen Sekunde dieses dreistündigen Sport-Events.

Seattle Seahawks vs. L.A. Rams: Dieses Spiel ging in die Geschichte ein. Nach mehr als dreieinhalb Stunden verschossen die Rams in der allerletzten Sekunde der Overtime ein sicheres Field Goal. Die Seahawks schafften den Turnaround und gewannen schließlich mit 30:29. Ihr könnt euch nicht im Ansatz vorstellen, was im Lumen Field los war.

Ähnliches durfte ich ein paar Tage später miterleben. Die Seattle Sounders siegten vor 50.000 Zuschauern mit 1:0 gegen den Minnesota United FC. Dieselbe Show: Bands, Feuerwerk, in jeder Sekunde pure Unterhaltung und Ekstase. Man kann viel über den übertriebenen Patriotismus sagen – aber Shows und Sportevents können die Amerikaner in Szene setzen wie kein anderes Land der Welt. Und noch einmal: Fußball – oder Soccer, wie er hier heißt – ist eine Randsportart. Lockt aber trotzdem 50.000 Menschen ins Stadion. Wahnsinn. Die USA sind ein unglaublich sportbegeistertes Volk. Wenn ihr also die Möglichkeit habt: Schaut euch ein Football-, Soccer-, Eishockey-, Basketball- oder Baseballspiel an – ihr werdet es garantiert genießen.

Mein Fazit: 90 Tage quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika klingen aus und sie fanden einen krönenden Abschluss. Für viele US-Reisende spielt die regnerische Stadt im hohen Norden kaum eine Rolle. Aber ihr versäumt einiges. Nostalgie, Romantik und Action: Auf meinem internen US-Städte-Ranking kapituliert Seattle auf Platz 3 (hinter San Diego und San Francisco).

Kosten: Dank der Global Player sind nicht nur die Mietkosten überdurchschnittlich hoch, auch alles andere ist weit über dem österreichischen und amerikanischen Durchschnitt. Wenn man allerdings aus Hawaii anreist, denkt man nur: „Wow, hier kann ich mir wieder was zum Essen leisten“!

Sicherheit: Viele Obdachlose bedeuten nicht gleichzeitig eine hohe Kriminalitätsrate. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Großstädten spielen Drogen und Alkohol eine geringe  Rolle. Seattle gehört statistisch gesehen zu den sichersten Städten der USA, und dies kann ich nur bestätigen.

… bin äußerst gespannt, ob Kanada 🇨🇦 seinem guten Ruf gerecht wird …- … mit dem Bus geht’s zuerst einmal nach Vancouver.

 

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