Kapitel 25 – 🇺🇸 USA (Nevada)
Habt ihr nach dem Kalifornien Triple noch Lust auf einen kurzen Boxenstopp im US-Bundesstaat Nevada? 2017 bin ich zum ersten Mal durch Nevada gefahren und habe u.a. den Vegas Wahnsinn erlebt und den Hoover-Damm besucht …- …dieses Mal beschränkte ich mich auf ein paar Geisterstädte. Anschnallen, Licht aus und gemütlich machen: Jetzt wird es gruselig 👻.
Willkommen bei meinen Geschichten aus der Gruft und unser erster Hauptdarsteller heißt Goldfield. Ihr werdet es kaum für möglich halten, aber Goldfield ist/war eine ehemalige Goldgräberstadt. Als der Goldrausch so richtig aufblühte, wurde diese Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet. Zur Blütezeit lebten über 30 000 Menschen hier, Anno 2019: Einwohnerzahl 400! Was erschließt sich daraus? Richtig! Es ist verwahrlost und wunderschön verfallen und es spukt an jeder Ecke.
Über die Plattform Airbnb habe ich mir einen Wohnwagen gemietet, in dem vor gefühlt hunderten Jahren die Minenarbeiter hausten. Ein märchenhaftes Zuhause: halb zerfallen, mit rostigen Nägeln und brüchigen Latten. (Wohl wieder ein Beweis, dass es vernünftiger ist, wenn ich allein reise 😅.) Ich hatte das große Glück, dass mein Gastgeber auch gleichzeitig der Bürgermeister von Goldfield ist. Wir waren wohl beide sehr über unser Kennenlernen überrascht. Ich, als ich den Wohnwagen inspizierte, und er, als er bemerkte, dass ich den Wohnwagen liebte, und als er erfuhr, dass ich freiwillig in Goldfield gelandet war und nicht nur auf der Durchreise war.
Der Major fragte mich, ob ich Lust hätte auf eine kleine abendliche Erkundungstour 🥰. Diese Frage muss man mir nicht ein zweites Mal stellen. Mit Stirnlampen ausgestattet erkundeten wir ein stillgelegtes Gebäude nach dem anderen. Eine ehemalige Schule, das verfallene Sheriff Departement und ein halb zerfallenes Einkaufszentrum, welches als Lagerstätte für die Requisiten des Burning-Man Festivals 🔥 dient, standen auf der Liste. Diese Gebäude sind eingezäunt und verschlossen, um sie vor Vandalismus zu schützen, aber zum Glück hatte ich ja Connections zum Bürgermeister.
Abschließend landeten wir im Goldfield Hotel. Am Tage seiner Eröffnung war es das größte und modernste Hotel im ganzen US-Bundesstaat Nevada, und der 26. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Theodore Roosevelt Jr., war höchstpersönlich an der Eröffnungszeremonie beteiligt. Nachdem unser Major die Schlösser geöffnet hat, schreiten wir langsam durch den Flur. Die alten Bretter krachen unter unseren Füßen und immer wieder wische ich mir Spinnweben aus dem Gesicht und erschrecke beim Klirren der Glasscherben auf. Wir gehen über die alte Treppe hinauf in den zweiten Stock und ein mulmiges Gefühl begleitet mich. Einerseits schoss das Adrenalin durch meine Adern, aber andererseits hatte ich die Sorge, meinen Bürgermeister aus den Augen zu verlieren, da ich mich in diesem Labyrinth absolut verlaufen hätte. Wir stoppten vor einer bestimmten Zimmertür und er startete mit seiner Schauergeschichte über das Goldfield Hotel.
Der Geist einer Prostituierten namens Elizabeth spukt im Hotel. Der ehemalige Eigentümer des Hotels, George Wingfield hat die Dame geschwängert und wollte diesen Skandal vertuschen. Elizabeth wurde gemeinsam mit ihrem Säugling im Hotelzimmer mit der Nummer 109 eingesperrt. Die Leiche des Babys wurde im Kinderbett entdeckt und anschließend in den Mienen entsorgt. Elizabeth wurde niemals wiedergesehen und seit diesen tragischen Ereignissen spukt der Geist von ihr im Goldfield Hotel herum, um sich an Wingfield zu rächen.
Als ich mit meiner Taschenlampe die Zimmertüre genauer ausleuchtete, dürft ihr raten, was ich oberhalb der Türe erkennen konnte: 1 – 0 – 9. Ich schwöre es euch, ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut. Als wir wieder zurückgehen wollten, blieb der Bürgermeister ruckartig auf der Treppe stehen. Er hob seinen Zeigefinger und war totenstill …- …ich getraute mich gar nicht mehr zu atmen, so angespannt war ich …- …er flüsterte: „Can you hear it?“ …- … „Hörst du, das auch?“. Ich hielt den Atem an und versuchte, mich ganz stark zu konzentrieren, aber ich blickte zu ihm auf und schüttelte den Kopf. Er wiederholte: „Can you hear it?“ …- … „Hörst du, dass nicht?“ …- … das leise Wimmern eines Babys 😱.
Während dieser Satz über seine Lippen kam, verzog er keine Miene. Die weiteren Gedanken überlass’ ich eurer Fantasie. Ich habe keine Ahnung, ob man sich Geräusche einbilden kann, aber ich würde behaupten, ich hätte etwas gehört.
Neben den verlassenen Gebäuden, den Geisterstunden und einer düsteren Atmosphäre hat Goldfield noch eine, weltweit, einzigartige Skurrilität zu bieten.
In diesen Tagen wurde die Idee eines Schweizer Künstlers umgesetzt. Der gute Mann hat das Klagenfurter Wörthersee-Stadion mit Bäumen auffüllen lassen: For Forest wurde geboren. Vielleicht hatte dieser Schöpfer, die etwas absurde Idee, aus Goldfield zu kopieren. Die ehemalige Goldgräberstadt liegt gänzlich isoliert von der Außenwelt abgeschnitten. Der nächstliegende Ort, an dem man Lebensmittel oder Benzin besorgen kann, befindet sich in über 50 Meilen Entfernung. Voraussichtlich war den wenigen zurückgelassenen Einwohnern langweilig, oder sie sehnten sich nach ihrem eigenen Wald: Der International Car Forest wurde geboren. Jemand sammelte ausrangierte Fahrzeuge zusammen und erschuf einen, etwas eigentümlichen, Wald. Das Ganze klingt bestimmt vollkommen verwirrend und verstört …- … und genau das ist es auch, aber seht in der Galerie selbst nach.
Wer von Goldfield bisher nicht genug hat (ja, genau! Werdet ihr euch jetzt denken 😅), der fährt einfach 60 Meilen weiter und besucht die noch etwas düstere und noch etwas mehr verlassene Stadt Goldpoint. Die Namensgebung all dieser anliegenden Städte war eine kreative Meisterleistung, und ihr werdet es kaum für möglich halten, aber auch Goldpoint war eine ehemalige Goldminenstadt. Goldpoint hat es geschafft, seine Einwohnerzahl von 8000 auf 20 herunterzusetzen. Während ihr diesen Bericht lest, sind es wahrscheinlich nur mehr 17, wer weiß?
Goldpoint ist übersehen von zerfallenen Häusern und rostigen Vehikeln. Es ist einfach nur ein unbeschreiblicher Traum, solche Orte in aller Ruhe zu erkunden. (Also für mich zumindest 😅.) Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir vor Schreck manchmal fast in die Hosen gesch**en hätte. Es herrscht eine absolute Totenstille und man weiß nie, was einen hinter dem nächsten Schuppen oder hinter dem nächsten Kaktus erwartet. Man hört ständig ein tierisches Geheule und muss höllisch auf die Schlangen und Skorpione Acht geben.
Ballarat, Einwohnerzahl 1 (ein sehr merkwürdiger Kerl 🤔) oder Rhyolite (O) sind zwei weitere Geisterstädte, welche man in Nevada erkunden kann. Den restlichen Teil von Nevada werde ich im Zuge meines nächsten US-Roadtrips abfahren, der hoffentlich bald stattfinden wird.
Die berühmten Tipps, das spaßige Quiz und das Fazit fasse ich im Arizona Reisebericht zusammen.
Der Japaner ist mir noch immer treu geblieben und begleitet mich nun Richtung Arizona, um den flauschigsten Ort unseres Planeten zu besuchen.
Hier geht’s zu Kapitel 26 Arizona 🇺🇸




























