Kapitel 22 – 🇺🇸 USA (Kalifornien 1)
Was für 🇦🇹 die Steiermark ist, ist für die 🇺🇸 Kalifornien 🥰. Der mit großem Abstand aufregendste, attraktivste, abwechslungsreichste und schönste Teil des jeweiligen Landes. Sorry, meine lieben Kärntner Freunde – aber das ist nun einmal die nackte Wahrheit.
Für den glamourösen Titel „Schönste Stadt der Welt“ schicke ich San Diego ins Rennen … wieso? Warum? Weshalb? Wartet es ab. Über den schönsten See der Welt lässt sich vermutlich streiten – aber den hässlichsten habe ich gefunden. Ich werde euch den verrücktesten Ort der Welt vorstellen, euch zu meinem Treffen mit East Jesus mitnehmen und erklären, wie man Seeelefanten aus hunderten Metern Entfernung aufspürt. Zum Abschluss fahren wir gemeinsam meilenweit durch die einsame Wüste – um eine verfallene Kirche zu besuchen, die jeder von euch schon gesehen hat …
Der Anflug auf San Diego ist nichts für schwache Nerven – der internationale Flughafen liegt direkt im Herzen der kalifornischen Metropole. Auf meinem Inlandsflug von Dallas nach San Diego gönnte ich mir den Luxus eines aufgegebenen Gepäckstücks. Da die ehemalige mexikanische Stadt zu den teuersten des Landes zählt, hatte ich in Dallas noch einmal ausgiebig eingekauft, um mich für den weiteren Roadtrip auszurüsten. Bedauerlicherweise hatte ich die Rechnung ohne Virgin America gemacht – die schickte mein Gepäck nach San José, Costa Rica 🇨🇷.
72 Stunden benötigte die Airline, um mir meine Tasche nachzuschicken. Notiz an mich: Niemals ein nachgesendetes Gepäckstück inmitten eines Acht-Bett-Zimmers öffnen, das wahrscheinlich drei volle Tage unter der mittelamerikanischen Sonne geröstet wurde 🤢. Und so lernte ich meine Mitbewohner auf besonders intensive Weise kennen. Nicht vergessen: Schadensersatz reklamieren und auf Kosten der Airline shoppen gehen 😉.
Ab jetzt starten eine Hommage und gleichzeitig eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die großartigste Stadt des Universums. We ❤️ San Diego!
✔ … der erste Atemzug dieser sauberen, vom Pazifik gereinigten Luft – und der texanische Wüstenstaub verließ meine Lungen …
✔ … der erste Blick in den blauen Himmel … die Sonne kitzelt mein Gesicht … das muss wahre Liebe sein …
✔ … die erste Aussicht Richtung Ozean … der himmlische Klang der Wellen … der Salzgeschmack in der Luft … ich bin rettungslos verfallen …
✔ … die erste Begegnung mit den Bewohnern … ihr lebendiges Strahlen, die leidenschaftliche Gestik und Mimik … ihre Lebensfreude hat mich sofort eingenommen …
✔ … der erste Duft dieser intensiven Aromen … das mexikanische Essen, die Avocado-Cocktails … umgehend in die Kulinarik verliebt …
✔ … der erste Ton der rhythmischen Musik, die in den kleinen Gassen erklingt … die tanzenden Menschen auf den Plätzen … diesen Rhythmus hatte ich sofort im Blut …
… was ich mit dieser schwärmerischen Aufzählung ausdrücken möchte: San Diego – Liebe auf den ersten Blick 💖!
Bevor ich euch jetzt emotional überwältige und mit ein paar Anekdoten dazu verleite, sofort aufzustehen und zu eurem Liebsten zu rennen: „Schatz, da müssen wir unbedingt hin!“ – noch ein paar nüchterne Fakten. 95 Prozent der rund einer Million Einwohner haben lateinamerikanische Wurzeln. Die sogenannten Hispanics prägen das tägliche Leben der kalifornischen Metropole. Das milde Klima beschert San Diego 320 Sonnentage pro Jahr – bei einer Durchschnittstemperatur von rund 25 Grad. Keine finsteren, kalten Winter, keine schweißtreibenden Sommertage – es gibt schlicht keine Jahreszeiten. Die mexikanische Grenze 🇲🇽 ist mit der Straßenbahn erreichbar. Aufgepasst: Ein Drehkreuz mit der Aufschrift „Mexico“ bringt euch nach Tijuana – aber ohne die richtigen Dokumente kommt ihr nie wieder zurück … also: Watch out! Die Stadt ist absolut sauber und sicher, Touristen trifft man kaum – die spezialisieren sich auf Los Angeles und San Francisco. Die Infrastruktur ist hervorragend ausgebaut, die Preise moderat und fair. Und – essenziell: San Diego wird auch Avocado City genannt.
Beginnen wir mit meiner Liebeserklärung – und sprechen wir gleich über den Ozean. Ja, ein Meer ist natürlich schön – aber ein Ozean spielt in einer anderen Liga. Diese endlos lange Pazifikküste, die vom Stadtzentrum aus bequem zu Fuß erreichbar ist, grenzt an das achte Weltwunder. In den USA ist der Meereszugang ein öffentliches Heiligtum – ihr könnt jeden einzelnen Meter der Pazifikküste entlangspazieren. Ihr kennt das vielleicht aus Two and a Half Men, Baywatch oder Beverly Hills, 90210 🎥: Die Villen der Reichen im Hintergrund – und der Strand ist für jedermann zugänglich. Die Sunset Cliffs – allein der Name lässt mich dahinschmelzen 🥰 – liegen vor den Toren San Diegos und bieten einen atemberaubenden Küstenspaziergang entlang der Klippen. 50 bis 70 Meter hohe Steilfelsen wechseln sich mit kleinen Buchten ab, die über mehr oder weniger vertrauenswürdige Treppen erreichbar sind. Entweder man blickt auf den Ozean und hält Ausschau nach Walen – oder man dreht sich um und bewundert die Anwesen der Reichen und Schönen. Obwohl der Pazifik den Beinamen „Stiller Ozean“ trägt, krachen die Wellen mit unheimlicher Wucht gegen die Klippen. Über 18 bis 20 Grad Wassertemperatur wird er euch nicht bieten – aber den Sprung ins Wasser werdet ihr trotzdem genießen.
Der Pacific Beach ist so etwas wie das Strandbad am Wörthersee – hier tummeln sich die Einheimischen und präsentieren ihre gebräunten Körper. Da es keine Hauptsaison gibt und die Strände schier endlos lang sind, verteilen sich die Menschen über die gesamte Fläche – was mir oft das Gefühl gab, der Pazifik und ich wären allein.
Wesentlich dichter besiedelt ist die La Jolla Cove – mit einer 20-minütigen Busfahrt erreichbar. Hier herrscht dichtes Gedränge an den Stränden – aber nein, wir sprechen nicht von Touristen oder Besuchern, sondern von ganz besonderen Geschöpfen. „Immer der Nase nach“ lautet der Slogan an der La-Jolla-Bucht. Zwei Dutzend liegen gemütlich im Sand und träumen von ihrer nächsten Fischplatte, ein paar andere springen aufgeregt auf den Felsen hin und her. Weitere tauchen den Wellen entgegen – und ein paar besonders Mutige robben unaufhaltsam auf mich zu, wohl in der Hoffnung, dass es etwas zu erben gibt. Und wohl weniger, weil ich so süß bin 😅. Zäune, Absperrungen – Fehlanzeige! Diese Bucht teilen sich unzählige Seelöwen mit den Menschen. Ein ziemlich geniales Gefühl: Man breitet sein Handtuch aus, setzt sich an den Strand und beobachtet diese quirligen Tiere in ihrem Alltag. Der eine oder andere Ängstliche unter euch wird sich jetzt fragen: Ist das nicht gefährlich? Zu nahe ran würde ich mich eher nicht schmiegen – aber dass ein österreichischer Reisender von einer Seelöwenherde verspeist wird, wäre mir neu. Das Einzige, was leidet, ist euer Geruchssinn – denn, na ja … ihr könnt es euch denken.
Nach Küsten, Stränden und deren Bewohnern springen wir jetzt zum Kapitel „Schiffe“. NEIN – dranbleiben und lesen! Auch wenn euch Schiffe nicht interessieren – das wird sich jetzt ändern.
Die Marina Bay ist der größte Luxushafen der kalifornischen Küste. Was hier an Jachten herumsteht, kann man sich kaum vorstellen. Als kleiner Junge – ja, das klingt seltsam 🤔, aber egal – bin ich in Italien 🇮🇹 die Jachthäfen abgelaufen, um endlich ein Boot namens „Mario“ zu finden. Leider blieb mir diese Entdeckung bis heute verwehrt – aber solltet ihr mehr Glück haben, denkt bitte an mich. Meine erste Jacht wollte ich übrigens Astrid nennen, meine zweite Marie – und meine dritte … egal, ich schaffe es ja nicht einmal zur Ersten. Wie würdet ihr eure nennen?
Ich schweife ab … die Jachten interessieren uns eigentlich weniger – wir wollen ins Maritime Museum und die USS Midway besuchen. Der größte Flugzeugträger der Welt liegt im Hafen von San Diego – und ihr solltet mindestens einen halben Tag einplanen, um dieses Monstrum zu besichtigen. Auf dem Deck stapeln sich Hunderte Flugzeuge und Hubschrauber, das Museum bietet Kinosäle, unzählige interaktive Erlebnisse und eine geführte Tour durch das Kapitänsdeck und den Torpedoraum. Überall finden Workshops statt – Marinesoldaten stehen an jeder Ecke und erzählen Geschichten über das größte Kriegsschiff der Welt. Zweimal täglich tritt der Soldatenchor auf – und in der Kombüse kann man sich mit einem typischen Seemannsessen verköstigen.
Das alles sind wunderbare Attraktionen – aber was dieses Schiff wirklich einzigartig macht, ist seine Besatzung. Ihr kennt bestimmt die Zeichentrickserie Es war einmal das Leben. Die pensionierten US-Marinesoldaten sitzen über das Deck verteilt – und um sie herum scharen sich die Besucher, um ihren Geschichten zu lauschen. Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, Koreakrieg, Golfkrieg … es gibt nichts, was dieses Schiff nicht erlebt hat. Es sind nicht nur typische amerikanische Heldengeschichten – es geht um das tägliche Leben und Überleben auf hoher See, um Einsamkeit und Meuterei, um Niederlagen und Enttäuschungen.
Wenn ihr jetzt den Abenteuern auf hoher See verfallen seid – und glaubt mir, das werdet ihr –, geht der Spaß erst richtig los. Die Star of India – das älteste noch seetüchtige Schiff der Welt – wartet auf euren Besuch. What a beautiful ship. Eine absolute Einzigartigkeit ist die Erkundung des B-39 – eines ehemaligen sowjetischen U-Boots. Mit der HMS Surprise segelte Russell Crowe in Master & Commander 🎥 durch die Meere – und Johnny Depp … na ja, ihr könnt es euch denken 😉. Um meine männlichen Leser mache ich mir weniger Sorgen – aber sollte eure Herzdame noch immer keine Lust auf die Schiffskultur in San Diego haben, helfen wohl nur noch zwei Wörter: Top Gun! Oder zwei noch kleinere: Tom Cruise. War das der erste wirklich schlechte Wortwitz, oder? 🤔
San Diego ist die Geburtsstätte Kaliforniens – also eine amerikanische Großstadt mit historischem Hintergrund – eine wahre Rarität. Um ins 18. Jahrhundert zurückzureisen, besucht ihr den Historic District – Old Town. Dieser Stadtteil zeigt euch die Entstehung Kaliforniens auf zauberhafte, nostalgische und zugleich spektakuläre Weise. Generell bin ich kein großer Fan dieser gekünstelten Freilichtmuseen – aber Old Town San Diego bietet ALLES! Stil, Flair, Kultur, Kulinarik und den richtigen Rhythmus … bei dem jeder mitmuss. Ich habe noch nie eine Stadt besucht, in der an jeder Ecke Künstler und Musiker stehen, die die Besucher dazu verleiten, einfach mitzutanzen und zu singen. In der alten Schmiede wird noch immer Stahl gefertigt, in der Tabakfabrik werden Pfeifen geschnitzt – und in den Saloons und Bars wird natürlich kräftig gefeiert. Die Atmosphäre – unglaublich, das Flair – einzigartig. Ich verspreche euch: Wenn ihr durch diesen historischen Distrikt spaziert, werdet ihr spätestens nach einer Stunde in der rechten Hand ein Gläschen Whiskey halten, in der linken ein feuriges mexikanisches Gericht – und euer Körper wird zu den Gitarrenklängen im Kreis herumtanzen. Und seid bitte auch stolz auf mich: Die 🇺🇸 ist Land Nummer 16 auf dieser Tour – und bis jetzt konnte ich den Versuchungen widerstehen. Nur San Diego hat mich besiegt. Ich habe mein allererstes Souvenir gekauft 🙈. Diese wunderbaren Day of the Dead-Figuren. Ich ❤️ diese Dinge so sehr.
Oh, San Diego ❤️. Als ich mich vor zwei Jahren Hals über Kopf in Georgien 🇬🇪 verliebt habe, bat ich meine Freunde, ihre künftigen Kinder Georg zu taufen. Das ist leider kein Scherz – es gibt genug Leidtragende. Dieselben Freunde erhielten eine ähnliche Nachricht aus Sankt Petersburg 🇷🇺 … aber meine Lieben, vergesst das bitte alles: Diego soll er heißen – danke!
Das lebendigste Viertel heißt Little Italy 🇮🇹. Es erstreckt sich über mehrere Blocks – und ihr werdet es kaum glauben, aber es ist eine Hommage an Italien. Italienische Flaggen zieren das Stadtbild, dazu italienische Restaurants und Geschäfte … abends spielen die Bands auf – und das ganze Viertel tanzt. Nicht passiv danebenstehend, mit klatschenden Händen und wippenden Beinen – sondern wirklich tanzend. Egal, wie verloren und hoffnungslos ihr ausseht: Sobald ihr einen Moment stehenbleibt, nutzt jemand diese Chance, streckt euch eine Hand entgegen – und ihr dürft euer Talent präsentieren. Keine Angst, es gibt keine Haltungsnoten! Diese Energie und Lebensfreude, die euer Körper aufsaugt, lässt Kevin Bacon in Footloose wie einen Grundschüler im Anfängerkurs aussehen. Der Vergleich ist vielleicht ein wenig überspitzt – aber ihr wisst, was ich meine.
YES! Die American-Football-Saison ist eröffnet – und wir sind natürlich dabei. Meine lieben Football-Freunde – und jene, die es spätestens nach einem San-Diego-Besuch geworden sind –: Was da VOR dem Stadion abgeht, ist für uns Europäer kaum vorstellbar. Ich besuchte ein Spiel der San Diego State University – gegen wen genau, habe ich leider vergessen, aber das ist völlig egal 🤔 – im 55.000 Zuschauer fassenden Snapdragon Stadium. Wir sprechen hier von College Football – vergleichbar mit einer Fußball-Schülerliga. Man stelle sich vor, die Universität Klagenfurt gründet einen Fußballverein und spielt gegen die Uni Graz – abgesehen davon, dass die Steirer in der aktuellen Situation keine Chance hätten: 55.000 Leute? College Football! Und das nur, weil das Stadion nicht mehr Platz hat … gigantisch.
Der asphaltierte Parkplatz rund um das Stadion ist wohl größer als der Wörthersee – und das hat seinen Grund. Jedes durchschnittliche amerikanische Fahrzeug – diese riesigen Pickups, die Platz für eine ganze Waltons-Familie bieten – beansprucht vier bis fünf Parkreihen. Warum? Weil bei, an, in, auf und unter – ja, auch auf und unter – jedem Wagen eine Pre-Game-Party stattfindet. Grills werden angeworfen, Tische und Stühle aufgebaut, TV-Bildschirme angeschlossen und die Anlage aufgedreht. Tischtennistische wurden aufgestellt, um Beer Pong zu spielen – ihr wisst schon, dieses Saufspiel mit den roten Bechern aus den American Pie-Filmen … Stiflers Mom 🤣. Eine Schar Cheerleaderinnen zieht durch die Parkplätze und führt Tänze und Anfeuerungsrufe auf. Man verfällt diesem Spektakel sofort und lernt innerhalb kürzester Zeit viele nette Menschen kennen. Mein persönliches Highlight ist jedoch eine 40-köpfige Blaskapelle, die für Stimmung sorgt. Die Atmosphäre war schlicht unglaublich!
Gespielt wurde dann natürlich auch. Als ich eine gute halbe Stunde vor Spielbeginn ins Stadion schlenderte, traute ich meinen Augen nicht: Die Arena war ebenso leer wie die Leobner Innenstadt an einem Sonntagnachmittag. Erst mit den Klängen der amerikanischen Nationalhymne füllte sich das Stadion. Dieser Abend erinnerte mich stark an die Anfänge meiner Studienzeit: Zuerst gemütlich zu Hause vorglühen – um dann irgendwann in die Stadt weiterzuziehen. Aber zu Hause ist es so gemütlich, die Musik passt und die Getränke sind gekühlt … müssen wir wirklich? Ach, noch einer – dann gehen wir! Ja, bis jener eine Freund, den jeder von uns kennt, die Verantwortung übernimmt und alle zwingt, aufzubrechen.
… Life in San Diego goes on …
Wer noch Zeit hat, kann sich im Balboa Park sonnen – dort befindet sich übrigens einer der schönsten Zoos der Welt: 60 US-Dollar Eintritt – nein danke. Oder man fährt zum Cabrillo National Monument hinauf – die beste Aussicht auf die City – oder besucht den Fort Rosecrans National Cemetery mit über 100.000 Gräbern – Gänsehaut. Aber bitte, bitte, bitte bleibt mir von SeaWorld fern. Dafür verrate ich euch spätestens im nächsten Bericht, wo ihr Wale in freier Natur erleben könnt – aber nur, wenn ihr einen großen Bogen um diese Themenparks macht. [Link zur Petition gegen SeaWorld.]
Halbzeit bei meinen San-Diego-Eindrücken – aber irgendwann muss ich weiter. Nun zur alles entscheidenden Frage: Landet San Diego auf eurer Bucket List? Traumstrände, magische Küsten, Wildlife, Geschichte und Tradition, großartige Küche, offene und lebensfrohe Menschen, kaum überfüllt, Sonne, Sonne und nochmals Sonne … Museen und Kultur, Sport und Freizeit, Schwimmen, Surfen, Wandern … wollt ihr noch mehr? Immer gerne – aber am besten persönlich vor Ort. California Dreamin‘.
Was ist für euch der schönste See, den ihr jemals besucht habt? Ich könnte mich nicht entscheiden – wahrscheinlich der Mälaren in Schweden 🇸🇪. Aber der hässlichste? Dazu habe ich eine klare Meinung – und seine Entstehungsgeschichte ist so unglaublich verrückt, dass ihr sie mir einfach glauben müsst. Ab ins Mietauto, um die kalifornischen Träume wahr werden zu lassen. Die klassische Roadtrip-Route führt entlang der California State Route 1 über Los Angeles bis San Francisco und zurück über die Nationalparks, das Death Valley bis nach Las Vegas und zum Grand Canyon. Das ersparen wir uns – wir fahren lieber zum hässlichsten See der Welt und zum verrücktesten Dorf des ganzen Planeten.
Der Reihe nach: Wir starten Richtung Osten, immer entlang der mexikanischen Grenzmauer – mit unserem ersten großen Ziel: dem Salton Sea. Unterwegs kreuzen wir meine gefühlt zehnte Goldmine, die Eagle Mine. Im Prinzip ist es immer dasselbe: Dunkelheit, Platzangst, steile endlose Treppen … Taschenlampe, Sicherheitsschuhe und Helm … dieselben Geschichten, dieselben Fotos. Aber was soll ich tun – ich stehe einfach darauf.
Der erste ungeplante Boxenstopp warf meinen Routenplan gehörig über den Haufen. Im südlichen Teil Kaliforniens liegt eine 1.500-Seelen-Gemeinde, die für ihre Apfelkuchen bekannt ist. Julian liegt abgeschieden in den Bergen und ist ein historisches Wahrzeichen mit seinen gepflegten Apfelhainen. Die hausgemachten Apfelkuchen bereiteten mir weniger Sorgen – aber die Tatsache, dass Julian eine eigene Cider-Fabrik hat, die zum Verkosten einlädt, war gleichzeitig die Unterschrift auf meinem Todesurteil. Cider ist ein Apfelschaumwein, der vor allem in Großbritannien und Irland produziert und konsumiert wird. Seitdem ich denken – genauer gesagt Cider trinken – darf, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass nur die Schweden einen wirklich genialen Cider produzieren können … bis ich Julian kennenlernte.
Die Brauerei bot ein 12er-Paket an – mit traumhaft klingenden Namen wie Apple Pie Cider, Knock-Out Cider oder Good-Night Cider. Da ich der einzige Fahrer in meiner Runde war und diese traditionelle Produktionsstätte auch gerne finanziell unterstützen wollte, konnte ich dieses Angebot nicht ablehnen … ihr versteht das, oder? Dem Cider sei Dank – und zum Glück vermieteten sie auch ein Zimmer.
Als der nächste Morgen anbrach, machte ich mich motiviert und fit – dem Aspirin sei Dank 😉 – auf den Weg, den Anza-Borrego Desert State Park zu erkunden. Das Wort „Desert“ hatte seine Berechtigung: Die Temperatur kletterte auf über 46 Grad. Er ist der größte State Park Kaliforniens und einer der größten der USA – mit über 800 Kilometern Wanderwegen. Kombiniert mit der abgeschiedenen Lage, der absoluten Hochsaison und den gewaltigen Ausmaßen kann man sich die Isolation gut vorstellen. Der einzige auffindbare US-Ranger warnte mich vor der Hitze und erzählte mir, dass ich mit etwas Glück vielleicht die wilden Bighorn-Schafe sehen könnte. Wenige Kilometer später teilte ich mir die erste schattige Raststelle mit einem Dutzend dieser Wildtiere. Ich ließ seine Worte Revue passieren … 🤔 … und nun saß ich hier – gefangen inmitten einer Herde Wildschafe. Im Gegensatz zu den Seelöwen hatte ich ein mulmiges Gefühl und vermied ein zu intensives Kennenlernen – aber ein paar coole Fotos sind trotzdem entstanden.
Kurze Notiz an mich: Im August die kalifornische Wüste zu besuchen – die gleichzeitig zu den heißesten Orten unseres Planeten gehört – würde ich nicht jedem empfehlen. Die Abgeschiedenheit und Einsamkeit sind faszinierend – aber mein Körper musste jeden Tag über seine Grenzen gehen.
Die einschüchternden Figuren, die ihr in der Galerie sehen könnt, gehören zu den Galleta Meadows. „Meadows“ bedeutet eigentlich Wiese – aber gut 🤔. Irgendjemand hatte die Idee, überdimensionale Skulpturen in der Einöde aufzustellen. Warum, bleibt wohl sein Geheimnis – aber sie sehen ziemlich cool aus und beherbergen jede Menge Geocaches. Zugegeben: Ohne Geocaching hätte ich diese Teile nie entdeckt.
Die folgende Geschichte stammt nicht aus einer Folge Akte X – sie wurde detailgenau recherchiert und war der Hauptgrund, warum ich hier gelandet bin. Lehrstunde mit 500days.at – ich hoffe, ihr könnt mir folgen.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte jemand die Idee, einen künstlichen See anzulegen. Der Colorado River wurde kurzzeitig umgeleitet und füllte ein leeres Tal mit Wasser. Es dauerte einige Jahre, bis sich das Wasser so verteilte, dass man von einem See sprechen konnte. In dieser Phase wurden versehentlich ein paar Ortschaften weggespült – man hatte beiläufig vergessen, die Bewohner zu evakuieren … kann schon mal passieren. So begann die unglaubliche Geschichte des Salton Sea – des größten Sees Kaliforniens. Zum Vergleich: Der Salton Sea hat – beziehungsweise hatte – eine Fläche von rund 980 km² … unser geliebter Wörthersee hat 19 km² … was erkennen wir? Genau – er ist gigantisch.
Die Wasserqualität war hervorragend, die Anwohner glücklich – zumindest jene, die nicht weggespült wurden –, und die erhoffte Bauoffensive konnte starten. Wie in Dubai 🇦🇪 schossen innerhalb kürzester Zeit unzählige Gebäude empor: Ferienhäuser, Hotels, Freizeitanlagen und Restaurants – alles im Dienst des amerikanischen Traums. Sogar Zugvögel entdeckten dieses Paradies – und um sie dauerhaft zu binden, startete man mit der Fischzucht. Bis in die späten 1950er-Jahre war der Salton Sea eine Ferienhochburg – der Wörthersee Kaliforniens, sozusagen. Leider hatte man nicht einkalkuliert, dass dieser See weder natürlichen Zufluss noch Abfluss besitzt. Durch seltene, aber heftige Regenschauer schwappte der See immer wieder über und spülte einiges weg – aber egal, alles wurde neu aufgebaut und der Tourismus startete erneut. Nur eine kleine, aber entscheidende Sache hatte sich verändert: Durch die Anwesenheit des Sees hatte sich das Klima in der Region verändert, der Regen blieb völlig aus – und ihr wisst, was mit stehendem Wasser im Laufe der Jahre passiert. Der natürliche Wasserkreislauf wurde unterbrochen, der Wasserspiegel sank, der Salzgehalt stieg, die Vögel verschwanden – und die Fische starben.
Der Salton Sea ist ein perfektes Sinnbild für die Kurzsichtigkeit der Menschheit. Als ich dieses Gewässer besuchte – und glaubt mir, ich war weit und breit der Einzige –, konnte ich kaum fassen, was ich sah. Es wundert mich nicht, dass Hollywood hier seine Endzeitfilme dreht – die Gegend ist schaurig düster. Unzählige Ruinen, verlassene Ferienhäuser, rostige Boote … die Atmosphäre und die Totenstille sind nur mit Tschernobyl vergleichbar. Ihr habt bestimmt schon einen Apokalypsenfilm gesehen – einen, in dem die letzten Menschen herumirren, weil ein böser Virus die Bevölkerung ausradiert hat. Oder einen Zombiefilm, in dem die letzten Überlebenden kämpfen … Welcome to the Salton Sea.
Aber es würde nicht zu mir passen, wenn ich nicht auch solch trostlosen Orten etwas Zauberhaftes abgewinnen könnte. Beim Spaziergang am See konnte ich die verwüstete Gegend erkunden und das Salz in der Luft buchstäblich schmecken. Sonnenschein, unglaubliche Hitze und eine Totenstille, die ihresgleichen sucht. Obwohl mich dieser Ort so faszinierte, verspürte ich ständig eine mir unbekannte Form von Angst. Angst wovor? Ich weiß es nicht. Über den Salton Sea wurde übrigens eine Dokumentation gedreht: Zukunft ohne Menschen.
Um den Irrsinn weiterzutreiben, fahren wir gemeinsam zum Salvation Mountain. Wer das Oscar-nominierte Meisterwerk von Sean Penn – Into the Wild 🎥 – noch nicht gesehen hat, sollte das unverzüglich nachholen. Emile Hirsch spielt den Abenteurer Christopher McCandless, der dem Salvation Mountain seine Berühmtheit verliehen hat.
Leonard Knight – nein, nicht der mit dem sprechenden Auto – lebte jahrzehntelang ohne fließendes Wasser und Strom in seinem Truck und baute dabei sein Salvation Mountain. Sein Berg besteht aus Tonnen von Lehm und Stroh – und seine einzige Botschaft lautet: „Gott liebt euch alle.“ Wie kurios, verrückt und skurril die Erkundung dieses Lebenswerks für mich war, lässt sich leider kaum in Worte fassen. Ich mache es mir einfach und verweise auf die Galerie – damit ihr die Eigenartigkeit dieses Areals ein wenig nachvollziehen könnt. Der Bundesstaat Kalifornien versucht seit Jahren, diesen Ort und die angrenzende Siedlung Slab City zu schließen. Zum Glück blieb der Erfolg bislang aus.
Apropos Slab City: Wenn ihr denkt, das waren genug verrückte Geschichten – wartet mal ab, was jetzt auf euch zukommt. Laut Wikipedia gibt es in Slab City keine Einkaufsmöglichkeiten, keinen Strom und keinen Wasseranschluss – also die perfekte Voraussetzung, um sich eine Airbnb-Unterkunft zu mieten. Slab City ist ein wilder Campingplatz und zugleich ein Aussteigerdorf. Die „Gebäude“ bestehen aus Holzbrettern, Kartons oder ähnlichem unorthodoxem Baumaterial – oder, um es ehrlich zu formulieren: Müll. Als alternative Wohnmöglichkeiten dienen ausrangierte und heruntergekommene Wohnwagen. Als Badestelle wird der Coachella-Kanal unrechtmäßig genutzt, Trinkwasser wird in Fässern aus naheliegenden Orten organisiert – und der Strom läuft über Generatoren oder Powerbanks.
In den Wintermonaten leben hier mehrere Tausend Menschen – die sogenannten „Winter Birds“ –, aber im Sommer gleicht die Gegend einer Geisterstadt. Über Airbnb buchte ich einen kleinen Anhänger und lernte Spike kennen – nur Gott weiß, wie er wirklich heißt. Spike lebt mit seinen neun Hunden, ein paar weiteren Tieren – einige davon konnte ich nicht wirklich zuordnen –, seinen Kindern und seiner Frau in einem dieser Wohnwagen. Geregelter Alltag, zeitliche Verpflichtungen, stressiger Job … so etwas existiert in Slab City nicht. Die Familie ist weitgehend Selbstversorger und kommt mit staatlicher Unterstützung über die Runden. Obwohl mich Spike jeden Abend zum Essen, Trinken und – ja … „Gebt das Hanf frei …“ – eingeladen hat, konnte ich nicht allzu viel über diese Familie herausfinden. Bitte versteht mich nicht falsch: Diese Menschen sind keine hoffnungslosen Kriminellen oder verwahrlosten Arbeitslosen – sondern schlicht Aussteiger.
Als ich meine Erkundungstour durch Slab City startete, entdeckte ich einige interessante Orte. Das Aussteigerdorf verfügt über eine eigene Bibliothek, ein „Internetcafé“, einen Tierfriedhof – und über The Range. The Range ist das Gemeinschaftszentrum der Bewohner, in dem jedes Wochenende Veranstaltungen stattfinden. Unter der Woche trainieren die Leute fleißig für ihre Auftritte – nach dem Vorbild amerikanischer Talentshows. Schaut euch bitte die Galerie an, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, was man in der kalifornischen Wüste unter Gemeinschaftszentrum versteht.
Der Bundesstaat Kalifornien versucht seit Jahrzehnten, dieses Dorf zu schließen – aber mit den Jahren hat man sich damit abgefunden, die Bewohner in Ruhe leben zu lassen. Unsicher fühlte ich mich nie – abgesehen von den Schlangen und Kojoten, die sich nachts rund um mein Quartier trieben. Die Kriminalitätsrate ist äußerst gering – allerdings erklärte mir Spike, dass ich einen großen Bogen um das Crystal-Meth-Labor machen sollte – kein Scherz – und beim Fotografieren aufpassen müsse.
Man muss schon ein wenig verrückt sein, um sich hier ein Airbnb zu mieten – aber diese Erfahrung werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Abends haben wir philosophiert, die Gitarre wurde gespielt – und na ja … ihr wisst schon. Die meisten Bewohner sind Nomaden – sie kommen und gehen. Spike ist seit einigen Jahren in Slab City sesshaft, hat ein paar alte Wohnwagen zu ordentlichen Unterkünften umgebaut, versorgt sich über einen Generator – und betreibt sein Airbnb-Geschäft. Übrigens: Die Dusche findet entweder im Kanal oder im Freien statt – klassischer Gartenschlauch –, und das Frühstück holt man sich aus dem Garten beziehungsweise aus dem Hühnerstall.
In dieser Phase spürte ich eine erste persönliche Veränderung. Vor einigen Monaten hätte ich diese Art des Lebens nicht genießen können: leicht seltsame, fremde Menschen, keine Türen, keine Schlösser, kein Netzempfang, keine Sicherheit, keine Technik, kein Konsum, keine Medien … Jetzt streifte ich durch Slab City, versuchte, so viel wie möglich über die Bewohner zu erfahren – und genoss jeden einzelnen Augenblick. Nachts schleppte ich meine Matratze samt Schlafsack ins Freie, legte ein paar Bretter darunter – damit ich nicht in Versuchung kam, mit Schlangen und Skorpionen zu kuscheln –, und schlief unter einem sagenhaften Sternenhimmel friedlich ein.
Der bekannteste Bewohner von Slab City heißt Brian und besitzt sogar einen Wikipedia-Eintrag 😅. Brian wird East Jesus gerufen und ist Inhaber eines Kultur- und Skulpturenparks. Künstler aus der Region haben Tonnen an Müll in unglaubliche Meisterwerke verwandelt. Brian freut sich über jeden einzelnen Besucher – allzu viele werden es wohl nicht sein – und bietet eine kostenlose Führung durch sein Lebenswerk an. Kunst kennt ja sprichwörtlich keine Grenzen – aber selbst diese werden im East Jesus Park deutlich überschritten. Ich habe euch hier eine kleine persönliche Führung zusammengestellt, damit ihr selbst über die Qualität urteilen könnt. Achtung: peinliche Kommentare des Regisseurs inklusive 🙈.
Schweren Herzens verlassen wir das eigenwillige Dorf und erkunden den unfassbaren, unwiderstehlichen, märchenhaften, magischen – bitte weitere Superlative einsetzen – Joshua Tree-Nationalpark. Dieser Nationalpark ist ein wahres Naturphänomen. Mitten in Kalifornien treffen zwei Wüsten aufeinander: die Colorado Desert trifft auf die Mojave Desert. Das markante Aussehen der Josua-Bäume ist euch bestimmt bekannt – aber … ich weiß gar nicht, wie ich es formulieren soll … diese Landschaft ist einfach nur traumhaft schön. Mormonen, die einst die Mojave-Wüste durchquerten, gaben dem Nationalpark seinen Namen. In den ausgestreckten Ästen der Bäume erkannten sie die Gestalt ihres Propheten Josua.
Abertausende Kakteen zieren das Landschaftsbild – unterbrochen von einzigartigen Felsformationen, goldenem Sandstein und diesen wunderbaren Bäumen. Durch die Hochsaison ist die Gegend wie ausgestorben – und ich fahre und wandere meilenweit in völliger Einsamkeit durch den Joshua Tree-Nationalpark. Aber auch hier heißt es aufzupassen: Wir befinden uns schließlich in einer der heißesten Regionen unseres Planeten – und Temperaturen unter 45 Grad sind eher eine willkommene Abwechslung.
Da ich ein erhebliches Problem mit Höhe und Geschwindigkeit habe, waren schon gewöhnliche Seilbahnen eine kaum überwindbare Hürde für mich. Reisen bildet bekanntlich, entwickelt weiter – und hilft, Ängste zu überwinden. Wenn schon Höhe und Geschwindigkeit, dann gleich richtig. Unweit des Joshua Tree-Nationalparks liegt der kalifornische Nobelort Palm Springs. Um der täglichen Tropenhitze einmal zu entfliehen, bietet sich der Mount San Jacinto an – das nächste kalifornische Naturphänomen. Die Palm Springs Aerial Tramway bringt einen auf über 2.500 Höhenmeter – ein herrliches Wandergebiet, wo man unter Kiefern Schutz vor der Sonne findet. Das Problem – beziehungsweise die Herausforderung: Die Palm Springs Aerial Tramway ist eine der längsten Seilbahnen der Welt, ausgestattet mit einem teils durchsichtigen Boden – und zu guter Letzt rotiert die Gondel auch noch 😱. Dieses Scheißding – entschuldigt bitte die Wortwahl – dreht sich ständig um die eigene Achse und schwingt dabei wie verrückt hin und her. Bis zum Betreten der Gondel habe ich definitiv souverän gewirkt – aber als dieses Ding dann loslegte, blieb mir das Herz stehen. Normalerweise klammere ich mich irgendwo fest und versuche, nicht hinunterzusehen – aber dieser verfluchte Boden war ja durchsichtig 😡!
Ihr erinnert euch bestimmt noch an Jimmy – jenen motivierten Guide aus Tennessee: „You want to see the waterfall?“ Auf typisch amerikanische Art war natürlich auch hier ein Jimmy mit an Bord, der bei jeder kleinen Schwingeinlage die Mitfahrenden zu Höchstleistungen animierte … oh mein Gott 😱, oh mein Gott 😱, oh mein Gott 😱 … Hass ist ein böses Wort – man sollte damit vorsichtig sein –, aber diese Sorte Mensch bringt mich an meine Grenzen. Nebenbei bemerkt: Die Wanderung entlang des Mount San Jacinto war jeden einzelnen meiner unzähligen Nervenzusammenbrüche wert. Die Aussicht über die Colorado-Wüste und Palm Springs ist schlicht unbeschreiblich.
Palm Springs klingt nach Palmen, Strand, Meer und Entspannung. In Wirklichkeit ist es einer der heißesten Orte der Welt – und die dazugehörigen heißen Quellen sorgen nicht gerade für eine willkommene Abkühlung. Obwohl ich es mittlerweile fast zwei Wochen bei unerträglicher Hitze ausgehalten habe, wird mein Körper nicht müde – er gewöhnt sich langsam an die hohen Temperaturen. Dessen ungeachtet habe ich bereits eine täuschende Ähnlichkeit mit Sebastian aus Arielle entwickelt – ihr wisst schon, wegen der roten Farbe 😅.
Die nähere Umgebung ist wieder einmal traumhaft schön – und in der Wüste lassen sich seltsame Dinge entdecken. Die alte Westernstadt Pioneertown, die als Drehort für diverse Serien und Musikvideos genutzt wird. 🎶 Yeah, I’m gonna take my horse to the old town road, I’m gonna ride ‚til I can’t no more. 🎶 Oder der Christ in the Desert-Park: eine skurrile Ansammlung überdimensionaler Jesus-Statuen mitten in der Wüste … warum auch immer.
Bevor wir unseren Weg zur Pazifikküste starten, muss ich noch von einer unheimlichen Begegnung erzählen. Auf dem Weg nach Santa Barbara hatte ich wieder einmal ein Erlebnis der besonderen Art. 50 Meilen von der nächsten kleinen Ortschaft entfernt suchte ich ein verfallenes Gebäude auf, das ich schon seit Jahren sehen wollte.
„Diese Frau verdient ihre Rache – und wir verdienen den Tod.“ 🎥 Zitat aus? Na, wer weiß es? Als ich bei dieser kleinen Kirche ankam, überfiel mich die Enttäuschung. Die weiße Kapelle war verwahrlost, eingezäunt – und ein Truck versperrte die Sicht. Ich streifte deprimiert um die Ruine herum, bis mir ein älterer, verschmutzter Mann zuwinkte. Vollkommen allein in der Einöde, isoliert von der Außenwelt, ohne jeglichen Netzempfang, umgeben von verfallenen Gebäuden und verrosteten Fahrzeugen … bestimmt die beste Gelegenheit, einen Fremden kennenzulernen, dem man nicht gerade auf den ersten Blick vertrauen würde. Der Verstand sagte: „Spring ins Auto und weg von hier!“ – die Neugier sagte: Na ja, ihr kennt mich bereits … Es folgte eine Begegnung der besonderen Art!
Dieser verwahrlost wirkende Mann war sowohl Pfarrer als auch Eigentümer der Kirche, die als Drehort für Quentin Tarantinos Kill Bill diente. Er war gerade fleißig am Arbeiten – was seinen leicht furchterregenden Look erklärte. In der folgenden Stunde erzählte er mir seine Geschichte – eine kurze Zusammenfassung:
Er stammt ursprünglich aus Guatemala 🇬🇹 und war viele Jahre kriminell und drogenabhängig. Er wusste: Wenn er sein Leben nicht bald in den Griff bekäme, blieben ihm nur drei Möglichkeiten. Immer wieder zählte er mit der rechten Hand auf: Gefängnis, Krankenhaus oder Tod. Sämtliche Therapien scheiterten – und er stand kurz davor, sich das Leben zu nehmen. Nach Jahren der Verzweiflung und des Schmerzes betrat er in seiner Heimat eine Kirche und erlebte einen Moment, der alles veränderte. Ein kurzer Augenblick – und er war frei und voller Hoffnung. Um ehrlich zu sein: Ich habe persönlich keinen Bezug zu Gott oder Religion – aber verdammt noch einmal, ich habe ihm jedes Wort geglaubt. „Wie wäre sonst eine solche Verwandlung möglich?“, fragte er mich.
Keine Sorge – ich möchte keine religiöse Debatte starten. Ich halte hier schlicht fest, was ich gesehen und gefühlt habe. Vereinzelt tauchen immer wieder Leute vor seiner Kirche auf, die den Filmschauplatz besichtigen möchten. Er hasst diese Art von Besuchern – deshalb parkt er bewusst seinen Truck vor der Kirche. Die meisten drehen sofort um, wenn er auf sie zukommt – und ganz unter uns: Er sieht schon ein wenig unheimlich aus und würde als Pfarrer wohl kaum durchgehen. Zum Abschluss unseres Gesprächs hatte er noch zwei tolle Überraschungen für mich: Er montierte die Gitterstäbe ab und fuhr seinen Truck zur Seite, damit ich als Fotomodell dienen konnte – und er schenkte mir eine Bibel mit der Widmung: „Never forget your moment at the Kill Bill church.“ Irgendwie genial, welche Überraschungen das Leben so bereithält.
Bitte kreuzigt mich nicht – aber ich habe bis heute den Unterschied zwischen Star Wars, Star Trek, Stargate und Starship Troopers nicht verstanden 🙈 … und es interessiert mich auch nicht wirklich. Den Pflicht-Drehortstopp bei den Vasquez Rocks habe ich dennoch eingelegt. Unverkennbare Felsformationen, an denen wohl alle diese Science-Fiction-Filme gedreht wurden. Mich führte die Planet der Affen-Trilogie hierher – das ist eher mein Filmgenre.
Apropos Drehorte: Die Paramount Ranch ist ein frei zugänglicher Park und Drehort vieler bekannter Serien – Westworld, Akte X – 🥰 Dana Scully, meine erste große Liebe; meine Wände waren voll mit ihren Postern – oder Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft. Letzteres war eher die Leidenschaft meiner Schwester – also nicht Dr. Quinn, sondern dieser langhaarige Sully. Leider hatte wenige Monate zuvor ein verheerender Waldbrand diese Westernstadt weitgehend ausradiert. Jedes einzelne der 80 Gebäude liegt in Schutt und Asche – ein trauriger Anblick.
Palm Springs klingt nach Palmen, Strand, Meer und Entspannung. In Wirklichkeit ist es einer der heißesten Orte der Welt – und die
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