Kapitel 17 – 🇺🇸 USA (Florida)
Ihr kennt bestimmt die Redewendung „Von einem anderen Planeten“ – der Flug von Moskau 🇷🇺 nach Miami 🇺🇸 trifft es auf den Punkt. Wer diese Flugroute wählt, darf mit einem veritablen Kulturschock rechnen. Nach einem 12,5-stündigen Flug und drei Stunden Wartezeit bei der US Border Protection war es endlich so weit. Ab in den Bus, im Beach Hostel eingecheckt und die 400 Meter zum Strand im Usain-Bolt-Stil 🇯🇲 gesprintet … was für ein herrliches Gefühl 🥰. Vom stickigen, verregneten Moskau an die traumhaften Palmenküsten des Atlantiks.
Warum ihr Miami ignorieren könnt, aber Miami Beach lieben werdet … wie schnell ein Herz schlagen kann, wenn einem ein drei Meter langer Alligator über die Füße läuft … wer meine Lieblingsprinzessin ist – und was man sonst noch über den Sunshine State wissen sollte … Welcome to Florida!
Zuerst müsst ihr wissen: Miami und Miami Beach haben relativ wenig gemein. Zwei unterschiedliche Städte, durch ein paar Brücken verbunden. Die klischeehaften Vorstellungen vom Palmenstrand, den Wolkenkratzern, 24/7 und 365 Tage Sonnenschein und Party haben mit Miami wenig zu tun. Da ihr aller Voraussicht nach aber auch schon einen Meeresentzug habt, starten wir zuerst in Miami Beach durch.
Miami Beach gehört zu den sichersten und saubersten Orten der USA. Juli und August sind die absolute Nebensaison – den Grund dafür durfte ich täglich erleben. Zum Glück blieben mir die jährlichen Hurrikane erspart, aber die Regenzeit ist ein Irrsinn. Sollte sich im Sommer wieder einmal ein Wärmegewitter über Kärnten zusammenbrauen, wird mir das nur noch ein müdes Lächeln entlocken. Stellt euch das ungefähr so vor: 35 Grad 🥵, Sonnenschein, tropische Luftfeuchtigkeit und ein wolkenloser Himmel. Ein paar Minuten später – absolute Endzeitstimmung! Der Himmel färbt sich schwarz, die Wolkenkratzer wackeln, Fahrzeuge werden durch die Straßen gespült, die Bewohner flüchten in ihre Häuser – und ein Feuerwerk aus Blitzen, Donner und Starkregen bricht los. Weitere zehn Minuten später ist alles vorbei: 35 Grad 🥵, Sonnenschein, tropische Luftfeuchtigkeit und ein wolkenloser Himmel. Dieses gefährliche Spielchen wiederholte sich mehrmals täglich.
Warum erzähle ich euch das? In der Regenzeit sollte man die Küstenregion Floridas so gut wie möglich meiden – dafür gehören einem die Strände fast allein, und die sonst unverschämt hohen Preise sinken in den Keller. Da wären wir wieder bei der Medaille und ihren zwei Seiten.
In Miami Beach leben die Schönen und die Reichen – und jene, die es einmal werden wollen oder glauben, es bereits zu sein. Die Lincoln Road ist die berühmte Flaniermeile, auf der man wirklich nur das Allernötigste trägt. Je mehr nackte Haut, desto besser – je mehr die Körper glitzern und glänzen, desto weniger fällt man auf. Ein Schaulaufen der Klischees, die ich bisher nur aus flüchtigen Einblicken in CSI: Miami kannte.
Und was treibt man den ganzen Tag in Miami Beach eigentlich? Ich bezeichne es als den Tel-Aviv-Effekt 🇮🇱: Strand liegen, Feiern, Leute beobachten – und beobachtet werden. Obwohl ich mir dieses vermeintlich eintönige Programm ein paar Tage gegönnt habe, wurde es nie langweilig. Jeder kennt bestimmt den einen Freund oder die eine Freundin, der oder die sich im Restaurant oder in der Bar hinsetzt, um die anderen Leute zu beobachten. In Miami Beach hätten selbst diese Freunde keine Zeit dafür – sie wären zu sehr beschäftigt. Das ach so prüde Amerika! Bullshit! Verliebte Lesben in Zwei-Millimeter-Bikinis, glückliche Männer in rosaroten Golden-Girls-T-Shirts, Transsexuelle in Polizeiuniform, relaxte Bob-Marley-Kopien, kahlrasierte Schwarzenegger-Imitatoren, die kaum noch normal gehen können 🙈 – und so weiter. Ein wunderbares und harmonisches Beispiel für das Miteinander aller Menschen mit ihren persönlichen Vorlieben und Wünschen. Hier darf jeder sein, wie er will.
90 Prozent dieser Fotogalerie bestehen aus Stränden und Palmen – aus naheliegendem Grund: Es gibt hier kaum etwas anderes zu entdecken. Die bereits erwähnten Strände sind allerdings traumhaft schön, makellos sauber und rund um die Uhr geöffnet – und ein kostenloser Trolleybus fährt über die gesamte Halbinsel. Untypisch für die USA: Es gibt viele Fußgängerzonen, Fahrradwege und so gut wie keinen Verkehr. Was zugegebenermaßen überhaupt nicht ins Bild von Sternehotels, noblen Geschäften und exklusiven Restaurants passt, ist das Holocaust Memorial. Inmitten der Partyzone sticht diese stille, traurige und zugleich beeindruckende Gedenkstätte heraus.
Zwischen Miami und Miami Beach befinden sich einige Inseln mit klangvollen Namen wie Venetian Islands, Star Island oder Palm Island. Die Neugier siegte über meinen Verstand – und ich buchte einen Platz auf einer touristischen Partyboot-Tour, um die Inseln der Schönen und Reichen zu besuchen. Typisch amerikanische Unterhaltung: Man kauft sich ein nicht gerade günstiges Ticket, bekommt dafür Cocktails und andere Drinks serviert und cruist mit einer Jacht durch die Inselwelt, um Promis zu stalken. Begleitet wird diese Tour von nervtötender Reggaeton-Musik und einem übermotivierten Guide, der einem jedes Geheimnis der Stars verrät. Wusstet ihr, dass mein alter Kumpel Sylvester „Sly“ Stallone und Rihanna Nachbarn sind? Sollte Matt Damon die Grillsauce ausgehen, kann er entweder bei den Beckhams oder bei Shakira anklopfen. Alicia Keys‘ Jacht ist größer als so manches Einfamilienhaus – und im Garten von Dwayne „The Rock“ Johnson sammeln sich die Fitnessgeräte. Ich hoffe, ihr wusstet das nicht – und ich hoffe, es interessiert auch niemanden. Sonst sollte man sich Sorgen machen 😅. Aber ich muss zugeben: Es war ein kurzweiliger und humorvoller Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen.
Ein kurzer Spaziergang durch Downtown Miami genügt, um die krassen Unterschiede zu Miami Beach zu erkennen. Die Straßen sind übersät mit Obdachlosen und Bettlern, verstümmelten Veteranen und verwahrlosten Drogenabhängigen. So perfekt, scheinheilig und glänzend die Welt von Miami Beach ist – so erdrückend und schockierend ist die Metropole auf dem Festland. Übrigens: Mit meinen Englischkenntnissen bin ich in Moskau 🇷🇺 weiter gekommen als hier. Der lebendigste Stadtteil heißt Little Havana 🇨🇺 – die Restaurants und Bars kommen aus Jamaika 🇯🇲 oder der Dominikanischen Republik 🇩🇴, die Getränke und Streetfood-Läden aus Mexiko 🇲🇽 und die Drogen aus Kolumbien 🇨🇴.
New York hat die Freiheitsstatue, San Francisco die Golden Gate Bridge, Los Angeles das Hollywood Sign, Washington D.C. das Weiße Haus – aber was hat Miami zu bieten? Überlegt kurz … ein Drehort unzähliger berühmter Filme und Serien? Welches Wahrzeichen kennt ihr? … keines? Genau – denn es gibt schlicht nichts Sehenswertes in der Drogenhauptstadt der USA. Nach langer Recherche habe ich dennoch zwei Orte entdeckt, die einen Besuch rechtfertigen.
Das Vizcaya Museum & Garden ist eine fabelhafte historische Anlage im Stil der norditalienischen Renaissance. Als würde man durch die engen Gassen Venedigs spazieren und sich von den prachtvollen Gärten verzaubern lassen.
Der coolste Ort der ganzen Stadt befindet sich in Wynwood. Dieses Viertel im Herzen Miamis besticht durch einzigartige Street-Art und Graffiti-Kunst. Die Wynwood Walls sind ein Meisterwerk der modernen Kunst. Unbedingt genug Zeit einplanen – allerdings rate ich von Nachtbesuchen ab, da dieses Gebiet nicht gerade zu den sichersten Teilen der Stadt gehört.
Grundsätzlich liebe ich jede Art von Live-Sport. Vor zwei Jahren hatte ich das Glück, ein NHL- und ein NBA-Spiel in New York zu verfolgen. Die NFL wartet bereits in Washington auf mich – deswegen stand Miami ganz im Zeichen der MLB. Ihr kennt das bestimmt aus Live-Übertragungen oder US-Spielfilmen. Die USA 🇺🇸 und Sport – eine garantierte Show der Superlative. Feuerwerke, Cheerleader, enthusiastische Fans, die die Hymne mitsingen, schwenkende Flaggen 🇺🇸 und grenzenlose Action. Zumindest waren das meine Erwartungen – bis ich Baseball kennenlernen musste 🥱. Vielleicht die drei längsten Stunden meines Lebens. Okay, ich erinnerte mich gerade an eine deutsche Gastdozentin aus meiner Studienzeit, die einen zweitägigen Vortrag über Feminismus in der Geografie hielt. Zu viele St. Michaels und St. Martins und zu wenige St. Michaelas und St. Martinas. Außerdem forderte sie, den höchsten Berg Österreichs in „Großglocknerin“ umzubenennen – und beklagte, dass in der Natur ausgerechnet die Umweltkatastrophen einen weiblichen Artikel hätten: die Mure, die Lawine, die Flutwelle … 🤔🤔🤔 Ich schweife ab – aber ungefähr solche Gedankengänge entstehen, wenn man sich Baseball ansieht.
Laufen, Fangen, Werfen … Laufen, Fangen, Werfen … ohne jegliche Pause. Die Miami Marlins haben vor einigen Jahren die Meisterschaft gewonnen und gehören zu den bekanntesten Teams der Liga. Allerdings finden in einer Saison über 160 Spiele statt – was zu einer gewissen Marktsättigung führt. Die Folge: halbleere Stadien und eine Stimmung wie am Nowodewitschi-Friedhof 🇷🇺. Zum Glück gibt es die gute alte Kiss-Cam – unterstützt von der modernen Simba-Cam (ja, Simba aus Der König der Löwen: Man trägt sozusagen seinen Partner oder sein Bier vor sich her 🙈) –, die ein wenig für Stimmung sorgte. Kurz zusammengefasst: Unglaublich, wie langweilig dieser Sport ist!
Um euch ein wenig wachzurütteln – ein kurzer Auszug aus dem Bayfront Park Amphitheater. Live on Stage: Bastille, Fitz and the Tantrums & Young the Giant. Schon ein tolles Ambiente, oder? Direkt am Wasser gelegen, in einem Amphitheater mit der Skyline im Hintergrund.
Gute zweieinhalb Stunden benötigt man für die Strecke von Downtown Miami zu den berühmten Florida Keys. Ich entschied mich für die unkomplizierte Bus-Variante – nicht weil das Autofahren in Florida gefährlich wäre (dazu später mehr), sondern weil ich vermutlich drei volle Tage gebraucht hätte, um an der Südspitze anzukommen. Der Begriff „Keys“ hat weniger mit „Schlüssel“ zu tun, sondern leitet sich vom spanischen Wort „Cayo“ ab – was „kleine Insel“ bedeutet. Und von diesen Cayos gibt es 1.700 Stück, die sich entlang der gesamten Küste erstrecken. Der Overseas Highway führt über 47 Brücken zum südlichsten Festlandpunkt der USA – von dem aus man nur einen Steinwurf von Kuba entfernt ist. Vor einigen Jahren war es noch möglich, mit dem Zug nach Key West zu fahren – doch die Bahngleise wurden durch einen Hurrikan vollständig zerstört.
Landschaftlich atemberaubend! Kristallblaues Wasser, weiße Sandstrände und eines der größten und schönsten Korallenriffe unseres Planeten. Die Keys sind genauso farbenfroh und traumhaft schön, wie man sie sich vorstellt – allerdings mit einem kleinen, aber nicht unwesentlichen Haken. Key West ist einer der teuersten Orte der USA – und wer irgendetwas anderes vorhat, als durch die Gassen zu schlendern oder am Strand zu liegen, wird sein Budget sprengen. Schnorcheln mit Delfinen, das Erkunden von Schiffswracks oder Korallentauchen … Optionen gibt es genug, aber die Preise sind unverschämt hoch. Nur zum Vergleich: Unter 400 bis 500 US-Dollar 😱 findet man kein Hotelzimmer – weshalb ich mit dem Nachtbus wieder zurückfuhr.
Aber auch mit normalem Budget lohnt sich ein Tag in Key West. Der Besuch des Hemingway-Hauses, das Flanieren am Mallory Square, die Erkundung der historischen Wehranlage Fort Zachary Taylor oder das Verweilen am Southernmost Point of the USA sorgen für einen abwechslungsreichen Tag. Eine kleine Randnotiz: Obwohl ich auf jeglichen Luxus verzichtet habe, kostete mich dieser Tagesausflug mehr als die gesamte Woche in Moldawien 🇲🇩 – und dort lebte ich wie ein König 😅.
Die Definition von Freiheit bedeutet für mich, mit einem Mietwagen durch die endlosen Weiten der USA 🇺🇸 zu fahren. Es gibt nichts Vergleichbares. Fenster herunterkurbeln, die Interstate oder den Highway entlangbrettern, den perfekten Radiosender einstellen – in Florida hat man dabei nur die Wahl zwischen lateinamerikanischem Reggaeton und Countrymusik 😅 – und die scheinbar endlose Landschaft genießen.
Im Laufe der nächsten drei Monate werde ich ungefähr 15 Bundesstaaten abfahren – deswegen ein kurzer Auszug, warum ein Roadtrip durch die USA so etwas Einmaliges ist:
✔ DIE GALLONEN: Getankt wird in Gallonen! Die Preise sind zwischen einem Halb und drei Viertel günstiger als in den meisten europäischen Ländern.
✔ STRASSENNAMEN: Ocean Drive, Liberty Circle, South Beach Avenue, Paradise Road … da geht das Herz auf 🥰.
✔ BEI ROT ABBIEGEN: Bei roter Ampel ist Rechtsabbiegen erlaubt! Warum geht das bei uns nicht?
✔ AUTOMATIK: Ja, ich weiß – aber es ist trotzdem noch richtiges Autofahren!
✔ EINHEITEN: Miles, Yards, Foot und Inch … Gallon, Pint und Fahrenheit.
✔ TRUCKS & CARS: Wer kennt sie nicht – Dodge, SUVs, Hummer und diese Monstertrucks.
✔ RADIO: Die beste Playlist, die man sich vorstellen kann: Country, Rock, Indie, Adult Contemporary – für jeden etwas dabei.
✔ DINERS: Kurzer Zwischenstopp im Diner: Pancakes mit Ahornsirup zum Frühstück – und Kaffee, so viel man will 😅 – oder abends ein ordentliches Steak.
✔ MOTEL: Fette Queensize- und Kingsize-Betten, Pool und Eiswürfelautomat inklusive. Nostalgie pur – solange man keinen Serienmörder antrifft 😅.
Der wichtigste Passierschein ist der America the Beautiful Pass. Klingt schön – und das ist er auch. Dieser Pass ist das Ticket zu allen Nationalparks und Naturschutzgebieten der USA. Für 80 US-Dollar könnt ihr alle bekannten Nationalparks so oft ihr wollt im Laufe eines Jahres besuchen. Zum Vergleich: Der einmalige Eintritt in den Everglades-Nationalpark kostet bereits 35 US-Dollar – spätestens ab dem dritten Besuch habt ihr den Betrag wieder eingespielt. Bei einem längeren Aufenthalt ist der Pass euer heiligstes Dokument. Außerdem spart ihr euch lange Wartezeiten und könnt direkt durchfahren. Weitere Informationen: America the Beautiful Pass.
Eine gute Autostunde von Miami entfernt liegt der berühmte Everglades-Nationalpark. Bevor wir mit unserer Erkundung beginnen, ein paar Fakten zur Allgemeinbildung:
✔ Der einzige Ort der Welt, an dem Alligatoren und Krokodile zusammenleben.
✔ Die Everglades sind kein Sumpfgebiet, sondern ein sehr langsam fließender Fluss.
✔ Obwohl sie direkt an den Ozean grenzen, ist das Wasser nicht salzhaltig – was die einzigartige Artenvielfalt erklärt.
✔ Die maximale Tiefe beträgt nicht einmal drei Meter – was die Airboats zum idealen Erkundungsmittel macht.
✔ Der Nationalpark versorgt täglich acht Millionen Menschen mit Trinkwasser.
✔ Jährlich sterben schätzungsweise mehrere Besucher durch Alligatoren- und Krokodilattacken oder Schlangenbisse 😱.
✔ Mücken! Mücken! Mücken!
✔ Es gibt nur zwei Jahreszeiten: die Trocken- und die Regenzeit.
Und zur wichtigsten Frage: Sieht man Alligatoren und Krokodile in den Everglades? Mit einem Wort: Ja! Ich bin drei Tage kreuz und quer durch diese einzigartige Landschaft gewandert und gefahren – und so manche Begegnung sorgt noch heute für einen kalten Schauer.
Es gibt zwei Möglichkeiten, den Nationalpark zu erkunden. Wir alle kennen diese Luftkissenboote – in jeder zweiten CSI-Folge zu sehen –, die einen durch die Flusslandschaft chauffieren. Obwohl dies ausgerechnet jene Momente waren, in denen ich keine Wildtiere gesehen habe, muss ich zugeben: Es hat riesigen Spaß gemacht. Mit hoher Geschwindigkeit fetzt man über das flache, trübe Wasser, legt sich in die Kurven und genießt den Fahrtwind. Für alle, die es etwas touristischer angehen möchten – ihr habt meinen Segen.
Wer die Wildtiere jedoch hautnah erleben möchte, macht sich zu Fuß auf die Jagd. Im südlichen Teil des Nationalparks gibt es einige kürzere Wanderungen, die bedenkenlos mit der ganzen Familie unternommen werden können. Der Anhinga Trail, der Gumbo Limbo Trail oder der Long Pine Key Trail führen über asphaltierte Wege und Holzstege und sorgen für den ersten echten Kontakt mit der Tierwelt. Auf diesen Pfaden lässt sich die Vielfalt der Vogel- und Reptilienwelt in aller Ruhe erkunden.
Richtig interessant wird es erst, wenn man sich durch die markierten Wild Trails kämpft – quer durch die Sümpfe, gegen die Strömung, bis zu den Knien im Schlamm, vorbei an den Mangroven. Diese Pfade sind ebenfalls markiert, aber mit deutlich erhöhtem Schwierigkeitsgrad und Nervenkitzel-Garantie.
Um diese ganz besondere Begegnung der romantischen Art zu teilen, begleitet ihr mich jetzt über den Christian Point Trail und den Rowdy Bend Trail.
Meilenweit keine Autos, keine Menschen – triste, pure Einsamkeit und Isolation. Wir befinden uns zwar in der Regenzeit, aber diese absolute Stille verwundert uns dennoch ein wenig. „You have reached your destination“ tönt es aus dem Navi. Wir parken unseren Mietwagen am Straßenrand und folgen einem kleinen Holzschild mit der Aufschrift „Christian Point Trail“. Ist das der richtige Zugang? Alles wirkt verwachsen und verwildert – aber wir kämpfen uns durch die ersten Sträucher und folgen einem schmalen Pfad, der tief in das Sumpfgebiet führt. Der Himmel verdunkelt sich, aus der Ferne hören wir die ersten Donnerschläge und erkennen Blitze am Horizont. Das beunruhigt uns kaum – es gehört zum täglichen Schauspiel der Regenzeit. Und dann geht dieser aussichtslose Kampf wieder richtig los: Millionen von Mücken schwirren herum, unsere Hände schlagen im Sekundentakt aus – obwohl wir wissen, dass es absolut sinnlos ist. Innerhalb weniger Minuten beginnt jede freie Hautfläche zu jucken, und das nervige Surren treibt uns in den Wahnsinn. Aber gut – wir sind mitten in einer sumpfigen Flusslandschaft. Was haben wir erwartet?
Zum Glück wird der dicht verwachsene Weg etwas breiter, und wir erkennen einige Fußspuren am Boden. Ein paar Holzbretter dienen als Brücke, damit wir nicht vollständig in der sumpfigen Masse versinken. Der ganze Körper juckt und brennt – und wir fragen uns, ob es sinnlos sei weiterzulaufen. Diese verfluchte Neugier, kombiniert mit der Abenteuerlust, besiegt wieder einmal Vernunft und Verstand – also schreiten wir langsam weiter. Eine Machete wäre gerade sehr willkommen. Endlich wieder eine Wegmarkierung – sie schenkt uns etwas Beruhigung. Achtung! Aufpassen, wo ihr hintretet: Eine kleine Schildkröte sitzt direkt unter unseren Füßen. Sie streckt ihren langen, dunklen Hals heraus und sieht uns unverschämt an – als ob sie uns etwas sagen möchte. Normalerweise verschwinden diese Tiere im Dickicht, aber dieser kleine Freund ist anders. Die Schildkröte wirkt neugierig und interessiert … wir bücken uns langsam und vorsichtig hinunter, um sie aus nächster Nähe zu bewundern. Ein wunderbarer Moment, der diese Strapazen definitiv rechtfertigt. Wir setzen einen großen Ausfallschritt, umkurven akrobatisch die ersten Mangroven und achten auf die Geräusche, die aus allen möglichen Richtungen stammen – aber nicht zuzuordnen sind.
Unter unseren Füßen startet ein faszinierendes Schauspiel. Tausende Winkerkrabben kreuzen unseren Weg. Einmalig! Was für ein Spektakel! Sie haben nur eine Schere und posieren förmlich für uns – die perfekte Gelegenheit für eine kleine Pause und die ersten Schnappschüsse. Allzu lange stehenbleiben geht nicht – die Mücken fressen uns praktisch auf –, also wandern wir weiter, immer den engen Pfad entlang Richtung Küste. Stopp! Stehenbleiben! Achtung! Unsere Herzen klopfen um die Wette, die Körpertemperatur steigt – und wie versteinert blicken wir in die dunklen Tiefen des Sumpfes. Zwei Schritte von uns entfernt sehen wir zwei schwarze Augen, die reglos aus dem trüben Wasser starren. Kein Zwinkern, nicht die kleinste Bewegung. Durchatmen, Ruhe bewahren … durch die Wasserpflanzen hindurch erkennen wir unseren ersten Alligator.
Unfassbares Gefühl! Das Adrenalin steigt … aus Angst wird Aufregung, aus Furcht wird Faszination. Die Wellenbewegungen lassen nach – und durch die Wasserpflanzen können wir nun seinen gesamten Körper erkennen. Seine leblosen Augen starren uns emotionslos an. Langsam beruhigt sich unsere Atmung, wir greifen zur Kamera und versuchen, ihn durch den Zoom einzufangen. Ein überwältigendes Gefühl, dieses Geschöpf in freier Natur zu sehen. Immer wieder drehen wir uns mit einem Lächeln um – nur um sicherzugehen, dass wir nicht verfolgt werden. Diese aufregenden Begegnungen wiederholten sich mehrmals, bis wir schließlich völlig durchnässt und zerstochen wieder bei unserem Auto ankamen.
Vielleicht könnt ihr ein wenig mitempfinden, wie fesselnd diese Wanderungen durch die Everglades sind. Man verliert jedes Zeitgefühl und versucht, jeden Moment festzuhalten. Nach drei Tagen quer durch den Nationalpark werden diese Begegnungen zur Routine. Der hohe Wasserstand der Straßen zwingt einen sogar dazu, laufend zu bremsen – um die querenden Alligatoren und Krokodile nicht zu gefährden.
Ihr fragt euch nun bestimmt, wie gefährlich diese Begegnungen eigentlich sind 🤔. In den Everglades bietet sich die Möglichkeit, das Miccosukee Indian Village zu besuchen – ein kurzer Abstecher für nützliche Hintergrundinformationen ist durchaus empfehlenswert. Allerdings geht dabei vieles stark in Richtung Tiertourismus – und davon distanzieren wir uns ausnahmslos. Die Ureinwohner Floridas stecken gerne ihre Gliedmaßen und Köpfe in die Mäuler der Alligatoren – das qualifiziert sie hoffentlich, mir zu erklären, wie man sich in dieser Natur zu benehmen hat.
Die Attacken auf Besucher nehmen von Jahr zu Jahr zu. Durch den häufigen Kontakt mit Menschen verlieren die Wildtiere ihre Scheu und werden zunehmend aggressiver. In den USA gibt es leider einen besorgniserregenden Trend: Es ist erlaubt, Alligatoren und Krokodile als Haustiere zu halten. Viele Besitzer kommen mit der artgerechten Haltung nicht zurecht und setzen die Tiere anschließend in den Sümpfen aus. Jährlich werden weltweit zehn bis fünfzehn Menschen Opfer von Haifischattacken – durch Krokodile und Alligatoren sterben hingegen jedes Jahr mehr als 1.000 Menschen. Um die Schlangen muss man sich in den Everglades zumindest weniger sorgen: Giftschlangen sind selten, und Würgeschlangen bekommt man kaum zu Gesicht.
Das alles klingt wohl bedrohlicher, als es in der Realität ist. Der Everglades-Nationalpark bietet mehrere Besucherzentren, in denen man sich vorab informieren kann. Es gibt gesicherte Wanderwege, auf denen man die Faszination der Natur in Ruhe genießen und die gesamte Tierwelt aus sicherer Entfernung beobachten kann. Wieder so ein Übergang 🙈 – von tödlichen Reptilien zu bildhübschen Disney-Prinzessinnen … mir würden dazu nur schlechte Witze einfallen, also lassen wir das lieber 😅.
Im Bundesstaat Florida gibt es mehr Themenparks als Badeseen in Kärnten. Es bedarf schon einer gewissen Einarbeitung, um herauszufinden, welcher Park wo liegt, worauf er spezialisiert ist – und wie man sich die verdammt teuren Tickets leisten soll. Meine Erfahrungen mit Themenparks hielten sich bisher in Grenzen – abgesehen von diesem großartigen Legoland in Dänemark 🇩🇰 (nicht dieser billige Abklatsch in Deutschland 🇩🇪) konnte ich mich erfolgreich gegen Themenparks wehren. Millionen Menschen und Kinder – ja, vorwiegend diese aufgedrehten, übermotivierten Kinder … Angst 😱 –, überall Hektik und Lärm, astronomische Preise und diese zwanghafte Verbreitung guter Stimmung … Genau so stelle ich mir Themenparks vor.
Angeblich soll das Walt Disney World in Orlando der glücklichste Ort der Welt sein. Der provokante Slogan lautet „Where dreams come true“ – kombiniert mit dem Klassiker „The happiest place on earth“ … angeblich? Wie sieht die Realität nun aus? Ich fasse mich kurz: Oh ja! Das Walt Disney World in Orlando, Florida, ist der glücklichste Ort unseres Planeten.
Zwischen dem Early Access um 09:00 Uhr und der Verabschiedung unter Tränen gegen 21:00 Uhr – mit diesem pompösen Feuerwerk – liegen zwölf Stunden voller Glückseligkeit. Dieser Tag schenkt jedem ein unbeschreibliches Glücksgefühl – allerdings war ich körperlich am absoluten Limit. Ich weiß nur nicht, wie es Eltern gelingt, diesen Tag mit mehreren Kindern zu überleben 😅.
Da muss ich hin – und da auch noch … und damit möchte ich sofort fahren – und dann will ich diese Show sehen! Dort drüben steht Micky Maus, aber ich wollte doch zu Goofy … hier wartet die Eiskönigin und dort läuft gerade Winnie Pooh vorbei … und dann noch der Umzug und das Feuerwerk … Ein wenig verwirrend, diesen Satz ohne Satzzeichen durchzulesen, oder? 😅 Aber genau so könnt ihr euch das Spektakel vorstellen – von der ersten bis zur letzten Minute, ohne einen Moment der Ruhe. It’s Magic!
Obwohl es ein Samstag mitten in der Ferienzeit war, hielt sich der Ansturm in Grenzen. Die Wartezeiten waren angenehm kurz, und die Massen verteilten sich gut über die gesamte Anlage. Allerdings muss man sich bewusst sein: Dieser Park ist eine Gelddruckmaschine. 125 US-Dollar für ein Tagesticket, 25 US-Dollar fürs Parken – bitte notiert euch eure Parkplatznummer, ihr findet ihn sonst nie wieder 🙈 – und über die Getränkepreise will ich gar nicht erst sprechen. Die Parkangestellten bieten für „Kleingeld“ ein hauseigenes Fotoshooting an – anschließend bekommt man einen digitalen Pass und kann sich die Bilder von der Homepage herunterladen. Acht Bilder für 169 US-Dollar! Gut, dass ich die „Ich bin ganz allein und brauche jeden Penny“-Karte ausgespielt habe. Also, meine lieben Freunde – überlegt gut: Entweder einen Tag im Walt Disney World verbringen oder die letzte Rate für einen Kleinwagen abbezahlen 😅.
Aus einem unbekannten Grund hatte ich das Verlangen, alle Disney-Prinzessinnen durchzutesten. Das klingt jetzt etwas zweideutig, oder 😅? Eine wunderbare Konversation möchte ich euch nicht vorenthalten. Aus Schutz ihrer Privatsphäre wahre ich die Anonymität dieser Person – aber ich sage nur so viel: Ihre besten Freunde heißen Sebastian und Flounder.
Ein Meet & Greet mit den größten Stars der Filmszene: Ich stelle mich in eine Warteschlange – und natürlich steigt die Nervosität mit jeder Minute ins Unermessliche. Vor mir sehe ich Familien mit kleinen Kindern, und etwas weiter vorne stehen weitere Familien mit kleinen Kindern – und am Ende der Schlange, zu meiner großen Überraschung, noch mehr Familien mit kleinen Kindern. Könnt ihr euch vorstellen, wie deplatziert ich mir vorgekommen bin 🤣? Aber wie ein weiser Mann einst sagte: „Für Disney-Prinzessinnen ist man nie zu alt“ … ein wirklich kluger Mann, dieser Mario 😅.
Die Paparazzi positionieren sich, die Scheinwerfer werden aufgestellt – und nun starten zwei Minuten voller Ruhm und Aufmerksamkeit mit den schönsten Geschöpfen unseres Planeten. Nach dem Fotoshooting bemühen sich die Prinzessinnen um etwas Small Talk – der unter anderem so aussehen kann:
Prinzessin XY: Where are you from?
Mario: I come from a kingdom far, far away – it’s called Austria! (Ich wollte lustig sein.)
Prinzessin XY: Ah, I know – you have these kangaroos?
Mario: Nope, Austria is in Europe. We have cows and sheep!
Prinzessin XY: Yes, I know – they are living in trees!
Mario: Nope, they are living in the fields and eating green grass.
Prinzessin XY: Yes, I know – and you also have these sweet koalas.
Dieses Klischee trifft fast überall zu. Rund 80 Prozent der Amerikaner haben keinen Reisepass und kaum eine Vorstellung davon, was sich außerhalb ihres Kontinents abspielt. Dank Arnie kennt man Österreich zumindest an der Westküste – in den östlichen Bundesstaaten sieht es düster aus. Um die Höflichkeit zu wahren und niemanden zu enttäuschen, habe ich mir angewöhnt, jeden glauben zu lassen, ich sei Australier 🇦🇺. Erstens muss man sich nicht näher erklären – und zweitens löst es echte Begeisterung aus, wenn die Menschen glauben, einen Australier kennenzulernen. Einmal lief mir ein Amerikaner über den Weg, dessen Familie nach Australien ausgewandert ist. Er wollte ganz genau wissen, woher ich stamme und was man dort unternehmen kann … 🙈.
Fun-Fact: Den wenigen Amerikanern, die Österreich kannten, stellte ich immer dieselbe Frage: Welche Berühmtheiten kennt ihr aus Österreich? Weder Mozart, Freud noch Schwarzenegger – die häufigsten Antworten waren Josef Fritzl und Franz Fuchs 🙈.
Die Universal Studios Orlando waren Themenpark Nummer zwei – kurze Zusammenfassung: sehr enttäuschend und kein Vergleich zu den deutlich beeindruckenderen Universal Studios Hollywood oder den Paramount Pictures Studios in Los Angeles. Unspektakuläre Shows, kaum Flair, wenig Action. Im Prinzip hätte ich mir diesen Ausflug sparen können.
Auf meiner Reise durch den Sunshine State bin ich zufällig in der schönsten Stadt des Bundesstaates gelandet. Ihr klangvoller Name: Saint Augustine – die älteste Stadt der USA, direkt am Atlantischen Ozean gelegen. Diese Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern 🇪🇸 gegründet und hat sich seitdem kaum verändert. Eine absolut untypische amerikanische Stadt, die vom spanischen Flair dominiert wird. Das Castillo de San Marcos steht stellvertretend für die europäische Architektur – eine wunderbare Festung direkt am Meer, wo zu jeder vollen Stunde zwei Kanonenkugeln abgefeuert werden. Außerdem befindet sich die älteste Bildungseinrichtung der USA in Saint Augustine: das Flagler College.
Die Altstadt ist gesäumt von südeuropäischen Restaurants und traditionellen Märkten. Ein traumhaft weißer Sandstrand sorgt für Entspannung – und ein Spaziergang durch die Love Trees of Saint Augustine für besondere, romantische Erinnerungsmomente. Diese miteinander verwachsenen Bäume sind Botanikern aus aller Welt noch immer ein Rätsel. Durch das besondere Klima und die starken Winde wachsen die Äste ineinander – und ein Kuss unter diesen Liebesbäumen soll für ein ewig romantisches Leben sorgen. Vielleicht dringend notwendig nach einem Familienbesuch im Walt Disney World 🤣.
Während eines zweiwöchigen Roadtrips durch Florida kreuzt man selbstverständlich viele attraktive, sehenswerte und skurrile Orte ab. Auch diesmal muss ich leider einen Großteil weglassen, um eure Kapazitäten nicht zu überstrapazieren – aber ein paar möchte ich euch noch kurz vorstellen.
Kennt ihr das? Juhu, die Saison geht endlich wieder los! Ein paar Wochen im Jahr gibt es die Möglichkeit, sich den Magen im Erdbeerland vollzuschlagen. Oh, wie sehr lieben wir diese Zeit, oder? Jetzt stellt euch Folgendes vor: Aus ein paar Wochen wird das ganze Jahr … aus den Erdbeeren werden Ananas, Bananen, Sternfrüchte, Avocados, Mangos und was auch immer da noch herumliegt und herumhängt … und aus dem Strohkörbchen machen wir einen Golfwagen.
Im Bundesstaat Florida wimmelt es von sogenannten Spice and Fruit Parks – oder wie ich sie beschreiben würde: das Buffet der Götter! Man zahlt ein paar Dollar Eintritt, bekommt einen kleinen Golfwagen, einen Greifarm und eine Karte – das wichtigste Utensil –, und wird Zeuge eines lebendigen Früchtecocktails. Die Flächen dieser Parks sind riesig und zu Fuß kaum zu bewältigen – erst recht nicht bei dieser Hitze. Auf der Karte sind über 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten eingezeichnet – und von mehr als der Hälfte hatte ich zuvor noch nie gehört. Kurz zusammengefasst: Man springt in einen kleinen Golfwagen, fährt mit der Karte quer durch den Park und stellt den leckersten Obstkorb seines Lebens zusammen. Eine geniale Idee, oder?
Natürlich weiß man, dass frische Lebensmittel besser schmecken als die Supermarkt-Variante – aber dieser Unterschied überraschte sogar mich. Wenn man frische Bananen und Mangos direkt von Stauden und Bäumen pflückt, schält und genüsslich verputzt, löst das eine Geschmacksexplosion aus, die ich bis dahin nicht kannte. Eigentlich war nur ein kurzer Stopp geplant – aber am Ende habe ich einen halben Tag im Schatten der Mango- und Zitronenbäume gelegen und diese Früchte in vollen Zügen genossen. Kleiner Tipp: Die E-Card eignet sich perfekt zum Schälen und Schneiden 🤣.
Mit unserem America the Beautiful Pass können wir auch unzählige State Parks besuchen. Allein der Bundesstaat Florida hat 160 State Parks – die sich von den großen Nationalparks allerdings deutlich unterscheiden. State Parks sind wesentlich kleiner und umfassen Natur- und Denkmalschutzgebiete. Ein State Park kann einem die historische Seite des Landes näherbringen – ehemalige Schlachtfelder, Ruinenstätten –, einen in die einzigartige Welt von Flora und Fauna entführen – Vogelschutzgebiete, Sumpflandschaften – oder schlicht traumhafte Naturjuwelen zeigen. Diese Parks stehen unter strengem Schutz und werden vom Tourismus kaum wahrgenommen. Einfach erklärt: wundervolle, unberührte Naturlandschaften fernab von Tourismus, Konsum und Schnelllebigkeit. Drei dieser State Parks möchte ich kurz hervorheben.
An den Rändern der Everglades befindet sich der Corkscrew Swamp Sanctuary. Ein markierter Rundwanderweg führt durch verschiedene Habitate dieser Sumpflandschaft. Innerhalb einer Stunde konnte ich zahlreiche Schildkröten, Schlangen sowie Waschbären und Stachelschweine beobachten. An der Atlantikküste liegt der Washington Oaks Gardens State Park – tausende Jahre alte Eichen stehen auf einem unberührten weißen Sandstrand, eingerahmt von einer einzigartigen Felsformation. Der Canaveral National Seashore ist ein atemberaubendes Naturjuwel: ein feinkörniger weißer Sandstrand, der sich über 25 Kilometer Küste erstreckt, eine sagenhafte Dünenlandschaft in vollkommener Ruhe und Einsamkeit – und ein Paradies für Meeresschildkröten.
Weitere erwähnenswerte Stopps waren das White Sands Buddhist Center – mitten im Nichts stehen riesige Buddha-Statuen 🤔 – sowie die Bok Tower Gardens: womöglich die schönste Gartenanlage, die ich je gesehen habe, mit einem singenden und schwingenden Glockenturm. Am Daytona Beach, dem Ursprungsort der berühmten NASCAR-Rennserie, geht richtig die Party ab. Mit dem Auto kann man am Strand entlangcruisen – allerdings empfiehlt sich ein 4×4-Geländewagen, sonst müsst ihr die Schaufeln auspacken. Die Bongoland Ruins – ein stillgelegter, verlassener Dinosaurierpark – sind ein Traum für Lost-Place-Liebhaber.
… und es gäbe noch so viele Geschichten und Eindrücke aus Florida, die ich gerne teilen würde – aber jetzt düsen wir weiter nach Norden: Atlanta, Georgia, wartet!
Mein Fazit: Florida – The Sunshine State! Im Sommer sicher nicht ideal – aber dafür traumhaft ruhig, entspannt und abwechslungsreich. Party in Miami Beach, Luxus in den Keys, Themenparks in Orlando – und dazwischen wunderbare Natur mit einer Flora und Fauna, die wir in Europa so nicht kennen. Für einen Roadtrip ist Florida eine perfekte Destination – auch wenn es der einzige Bundesstaat ist, der über Mautzonen verfügt, deren System ich bis heute nicht verstanden habe.
Sicherheit: Ausschließlich in Miami gibt es einige Gegenden, die man vielleicht nicht allein erkunden sollte. Zweimal musste ich Miami mitten in der Nacht mit den Öffis durchqueren – ich fühlte mich nie wirklich unsicher, aber es war durchaus interessant, welche Art von Menschen man dabei antrifft. Obwohl die Straßen in makellosem Zustand sind, sollte man ununterbrochen auf der Hut sein: Innerhalb weniger Minuten können die Straßen vollständig unter Wasser stehen – dann heißt es, sich in Sicherheit zu bringen. Auf keinen Fall weiterfahren oder aussteigen, wenn man in ein solches Unwetter gerät. Aber so schnell sie kommen, so schnell sind sie meistens auch wieder verschwunden. Und die wilde Tierwelt? Hausverstand, kluges Verhalten – dann sollten alle Gliedmaßen dort bleiben, wo sie hingehören.
Kosten: In der Nebensaison war Florida günstiger als erwartet. Benzin, Mietwagen, Airbnb – alles halb so schlimm. Lebensmittel und Kleidung kauft man am besten in den Megastores – sonst wird es ein teures Vergnügen.
Aus der Kategorie im Nachhinein schlauer: Das Risiko, Florida zur Regenzeit zu besuchen, wurde belohnt – hätte aber auch komplett schiefgehen können. Ausgangssperren und Katastrophenalarme wegen Regenmassen und Hurrikanen blieben mir zum Glück erspart. Zwei Wochen reichen natürlich bei Weitem nicht aus, um Florida zu erkunden – also schreibt euch eure Wunschdestinationen heraus und plant die Route vorher durch.
Der ursprüngliche Plan war, zehn Tage durch Georgia zu fahren – aber jetzt bin ich in South und North Carolina gelandet … so viel zum Thema Planung 😅. Mal sehen, wie es weitergeht.
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