🇱🇻 Lettland ’21
Nach sechzehn Monaten Abstinenz starte ich sehnsüchtig in mein nächstes Abenteuer. Im Jahre 2019 habe ich Litauen 🇱🇹 genauer kennen und lieben gelernt und mich diesbezüglich entschlossen Estland und Lettland zu erkunden. Wir werden gemeinsam zu einer historischen Brücke reisen, die wir nicht betreten dürfen, erkunden faszinierende, verlassene Gebiete und kuriose Museen. Reden über eine einzigartige Landschaft, skurrile Friedhöfe und über eine unglaubliche Begegnung der Dritten Art. Erkunden Burgen, Schlösser und Ruinen, lernen zwei völlig verrückte Gefängnisse kennen und ich erzähle euch, wie es sich in den ehemaligen sowjetischen Wohnblöcken lebt. Ich verrate euch mein absolutes Lieblingsdorf (dies toppt sogar mein heiß geliebtes Nynäshamn 🇸🇪), zeige euch Videos vom spektakulärsten Strand der Welt und erkläre euch wie sich ein Elchtest in der Realität 😱 anfühlt. Erhöht euren Gemütlichkeitsfaktor, denn dies könnte eine längere Reise werden.
Willkommen in Lettland 🇱🇻 meine Lieben. Für alle Neuankömmlinge: da ich euch weder geografisch noch chronologisch verwirren möchte, würde ich vorschlagen, ihr startet an der Nordostküste Estlands und wir treffen uns hier in einigen Minuten wieder. Für alle anderen: Macht es euch bequem, organisiert Getränke und ungesunde Süßigkeiten, denn es könnte wiederum ein wenig länger dauern.
Hier geht’s weiter: Reisebericht Estland 21 🇪🇪
Bevor wir uns über den mittleren baltischen Staat kümmern, unternehmen wir einen kleinen Abstecher in die Kategorie: Unnützes Wissen Lettland.
✔ Lettland leitet sich von dem Name Liva ab. Die Livas sind eine nahezu ausgestorbenes Volk und werden als Küstenbewohner bezeichnet. Die Hauptstadt Riga verdankt ihren Namen dem Begriff Rīdzene, welcher aller Voraussicht nach einem Fluss zugeordnet wird.
✔ Lettland ist das grünste Land Europas, kein anderer Staat verfügt über solch eine Dichte von Wäldern und Wiesen.
✔ Wie fälschlicherweise oft vermutet wurde die Jeans nicht von Levi Strauss erfunden, sondern von dem Letten Jākobs Jufess. Um 1850 herum emigrierte der lettische Schneider nach San Francisco 🇺🇸, änderte seinen Namen in Jacob Davis und erfand die Jeans. Um sein Patent einzureichen, verfügte er nicht über die notwendigen 68 US-Dollar und lernte darauf Levi Strauss kennen, welcher netterweise und ohne eigenen Hintergedanken 😉 aushalf. Danke lieber Geocache für diese tolle Geschichte sonst würden wir diesen Irrglauben wohl lebenslang verfallen sein. Also merkt euch: Die Jeans hat ein Lette erfunden.
✔ Das Karosta Gefängnis ist das einzige ehemalige Militärgefängnis weltweit, in dem ihr gemütlich übernachten könnt. Aber darüber unterhalten wir uns ein wenig später.
✔ Der Staat ist stolzer Eigentümer des breitesten Wasserfalles Europas. Der Ventas Rumba erlangt, mit einer Breite von 250 Metern, dankenswerte Aufmerksamkeit. Klingt allerdings spektakulärer als es ist, aber auch diesbezüglich reden wir anschließend weiter.
✔ Am Fuße des Schwarzhäupterhauses in Riga wurde der Weihnachtsbaum erfunden. Seit dem Jahre 1510 dekorieren die Letten ihre Tannen und diese Tradition verbreitete sich erst viele Jahre später in der restlichen Welt.
Na? Das mit dem Weihnachtsbaum und mit dem Schneider wusste bestimmt niemand von euch, oder? Wieder was gelernt 😉. Bevor wir unseren Roadtrip fortsetzen ein kurzes und knackiges Routen Update:
Während wir durch den südöstlichen Teil des Landes fahren werden wir laufend mit zwei Begriffen konfrontiert: Pils und Manor. Diese zwei Bezeichnungen stehen für die zahlreichen Herrenhäuser und Schlösser, die im 19. Jahrhundert von den russischen Zaren gebaut wurden. Unsere Jagd nach den besonderen Bauwerken könnte nicht abwechslungsreicher sein. Die Palette reicht von traumhaft, wunderschönen Märchenschlösser bis hin zu heruntergekommenen, verfallenen Ruinen. Das weiße Schloss Stomersee, das pinke Vides Labirints, das pompöse Cesvaine Castle oder die mächtigen, verfallenen Ruinen der Ordensburg Schwanenburg sind nur einige unserer besuchten Ziele. So schön diese Schlösser auch sein mögen, unser erstes authentisches Abenteuer erlebten wir inmitten der lettischen Wälder.
Durch eine intensive Recherche entdeckte ich vorab einen Ort, wo ich mehrmals mit dem Gedanken gespielt habe, ihn wahrhaftig zu besuchen. Informationen oder hilfreiche Dokumentationen gibt es so gut wie keine. Laut Google Maps nennt er sich Zeltinu PSRS bāze und Momument to Lenin. In völliger Abgelegenheit sollten die Ruinen einer ehemaligen sowjetischen Stadt „Secret Sowjet City“ liegen. Um euch diesen Zugang bildhaft nähere zu bringen: Die letzten paar Kilometer zum Ziel führen über eine holprige Straße tief in den Wald hinein. Ich fahre maximal mit 20 km/h, da ich die Überbleibsel der Straße kaum noch erkennen kann und die herumliegenden Äste und Blätter eine gewisse Herausforderung darstellen. Dazu kommt noch dieses mulmige Gefühl, da ich keine Ahnung habe, ob ich überhaupt hier sein darf und nicht wusste, was mich erwartet.
Die dunklen Wolken, diese tödliche Stille, der raue Wind und der sanfte Nieselregen sorgen auch nicht gerade für ein besseres Wohlbefinden. Als ich den Wagen gewissermaßen nur mehr ausrollen lasse, entdecke ich die ersten Anzeichen einer verlassenen Siedlung. Mein Adrenalinspiegel steigt ins Endlose. Schnittfeste Handschuhe anziehen, den Rucksack zusammenpacken, einen Screenshot des aktuellen Standortes am Handy machen (sonst finde ich nie mehr zurück), die Kamera positionieren und los geht meine Erkundungstour. Ich liebe, liebe und liebe solche gottverlassen Städte. Die Neugier besiegt das leicht ängstliche Gefühl und ich kämpfe mich durch jedes einzelne, verfallene Wohngebäude. Die geheime Siedlung erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer. Anfangs waren es nur unbewohnte Wohnhäuser, aber mit der Zeit landete ich in unterirdischen Bunkeranlagen und gigantischen Raketensilos. Der rätselhafte Höhepunkt war die Entdeckung einer gigantische Lenin Statue, die vollkommen isoliert inmitten einer Lichtung steht. Das leidenschaftliche Hobby, verfallene Orte und Städte zu erforschen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit, und vielleicht kann ich euch mit einem exklusiven Spaziergang durch eine geheime, sowjetische Stadt anstecken. Euer Vorteil: Ihr müsst keine Angst haben, könnt euch weniger an den Scherben und scharfen Kanten aufschlitzen und verfügt über die Gewissheit, dass ich euch heil wieder da raus bekomme😉.
Unser dreitägiger Aufenthalt im Nationalpark Rāzna fiel den miesen Wetterbedingungen zum Opfer, deswegen fahren wir in die zweitgrößte Stadt Lettlands weiter. Auch in Daugavpils war Indoor Programm notwendig, aber zum Glück konnte ich einer meiner kontroversen Leidenschaften nachgehen, die höchstwahrscheinlich nicht überall gut ankommt.
Kleine Fragestunde: Ich buchte eine Tour durch das markanteste Gebäude von Daugavpils und entdeckte einen sonderbaren Gruß aus der Heimat. Die Besonderheit meines Ortes liegt darin, dass es das älteste seine Art ist und die noch einzig funktionierende Version in ganz Europa. Weltweit gab es nur ausgesprochen wenige und eines der bekanntesten thront über dem Wörthersee. Unzählige Male habe ich dieses Bauwerk, welches am Nordufer des Sees liegt, gesehen, aber betreten darf man es ärgerlicherweise nicht mehr. Ständig stellte ich mir dieselbe Frage: Wie funktioniert dieses hässliche Teil und warum steht es unter Denkmalschutz? Bis nach Lettland musste ich reisen, um die Antworten meiner Fragen zu bekommen. Ihr wisst wahrscheinlich überhaupt nicht, wovon ich rede, oder? Wir sprechen vom Schrottenturm in Klagenfurt.
Die Schrottfabrik in Daugavpils ist der einzige Turm, in dem noch immer Munition hergestellt wird und im Zuge einer Führung bekommt man eine detaillierte Demonstration. Ich versuche es einmal mit meinen eigenen Worten zu erklären: An der Spitze des Turmes befindet sich ein Schacht, durch den heiße Flüssigkeit hinab geschüttet wird. Während dieser wenigen Sekunden des freien Falles verfestigt sich das flüssige Metall und formt sich zu Munitionskugeln. Diese werden anschließend sortiert und landen in den Kammern diverser Schusswaffen. Klingt wohl äußerst armselig erklärt und weniger spannend, aber diesen Prozess vor Ort zu verfolgen hat schon eine gewisse Faszination. Beim näheren Interesse: Die Fabrik hat ein Video erstellt, um den Gießerei-Vorgang zu präsentieren: Lead Shot Production – Daugavpils Shot Factory.
Ein äußerst gefragtes Hobby in Osteuropa ist der Besuch einer Shooting-Range. Vor einigen Jahren habe ich diesen Sport in Polen 🇵🇱 und Estland 🇪🇪 ausgeübt und selbstverständlich musste auch Lettland für eine Runde herhalten. Man kann dazustehen, wie man möchte, aber ich liebe diesen Adrenalinkick und die unkomplizierte Ausübung. Vorab bucht man online sein Lieblingsprogramm, vereinbart einen Termin, bekommt eine kurze Sicherheitseinschulung und ballert mit den legendärsten und modernsten Waffen wie verrückt auf Zielscheiben. Kleine Schnellfeuerpistolen, die berühmte österreichische Glock, eine russischer AK 47, ein amerikanisches Scharfschützengewehr oder eine Pumpgun … – … alles, was das Shooter Herz begehrt steht, zur Verfügung. Eine kleine Anekdote: Am Valentinstag 💝 sind die Shooting-Rangen Ewigkeiten im Vorhinein ausgebucht, da das Pärchen Schießen zu den heiß begehrtesten Unternehmungen am Tag der Liebe zählt. Irgendwie gefällt mir diese Form von Romantik 😅.
Schön langsam führt uns dieser Trip zur lang ersehnten Westküste des Landes. Zuvor lernen wir allerdings noch das meistbesuchte und berühmteste Gebäude des kompletten Baltikums kennen und erleben gleichzeitig eine faustdicke Überraschung. Das Schloss Rundāle wird auch als das Versailles des Baltikums bezeichnet und da ich das französische Pendant 🇫🇷 bereits gesehen habe, kann ich diesen Beinamen zu hundert Prozent unterschreiben. Als ich den endlos weiten Parkplatz erreichte, traute ich meinen Augen nicht. Weit und breit war kein anderes Vehikel zu sehen und ich war mir felsenfest sicher, dass dieses Schloss nicht zugängig ist. Es herrschte eine düstere Endzeitstimmung wie in meinen, bereits öfters erwähnten, Zombie Horror Filmen. Zu Beginn überkam mich wieder die Enttäuschung, bis ich mich motivierte, mir meine Kamera samt Stativ schnappte und mich aufmachte, das gigantische Areal des Schlosses zu erkunden. Wieder einer dieser „Jäger des Augenblick“ Momente, wie ich sie so gerne beschreibe.
Die forcierten Vorteile der Pandemie, die trostlose Nebensaison und das beschissene Wetter waren ausschlaggebend. An durchschnittlichen Tagen stauen sich die Reisebusse mitsamt ihrer Touristenmassen vor den Toren des königlichen Gebäudes. An diesen verregneten Nachmittag gehörte die gesamte Anlage mir ganz allein. Ich liebte es, kurz vor Dämmerung mit der Kamera bewaffnet durch die Gegend zu streifen. Da ich beiläufig auch das Innere des Schlosses sehen wollte, entschied ich mich für eine spontane Nächtigung im angrenzenden Gästehaus und konnte in den frühen Morgenstunden meine Expedition vorsetzten. Obwohl es beinahe Minusgrade hatte, der Wind die Regentropfen waagrecht durch die Luft peitschte, waren dies unfassbar geniale und atmosphärische Stunden. In der direkten Umgebung von Rundāle gibt es zwei weitere Schlösser, die ihr auf jeden Fall mitnehmen müsst: die Deutschordensburg Bauska oder das Schloss Mesothen.
Von Schlössern und Burgen springen wir zu einem Kapitel aus der Kategorie: Kuriositätenkabinett Lettland: Aus zeitlichen und platztechnischen Gründen habe ich diese Liste auf sieben Örtlichkeiten begrenzt, welche sich alle an der westlichen Küste des Landes befinden.
Saules Sun Houses, Kolka: In einer abgeschiedenen Gegend haben wir die einmalige Chance in einem Weinfass zu übernachten. Yeah 😅! Wer bitteschön hatte diesen Wunsch noch nie? Die Hütten liegen direkt am Sandstrand der Ostsee und sorgen für eine wildromantische Atmosphäre. Für knappe 40 Euro ist man bereits an Bord.
Hoteldetails: Die gemütlichen, fassförmigen Holzhütten bieten Platz für zwei Personen und haben Meerblick durch verspiegelte Einwegfenster. Alle verfügen über einen Essbereich. Bettwäsche wird gestellt. Strom und Heizung sind nicht verfügbar. Es gibt ein Gemeinschaftsbad für die Gäste. Na, sagt schon, wer ist dabei?
Puppengarten, Sabile: Der kleine Ort Sabile ist im Allgemeinen für die Weinlese bekannt. Meine Aufmerksamkeit fiel allerdings auf den Vorgarten eines Einfamilienhauses. Im Garten der Dame sammelten sich über zweihundert verschiedene Strohpuppen zusammen, die sich mit den verschiedenen Alltagssituationen beschäftigen.
Findet ihr die Bilder der Strohpuppen eher gruselig oder auf eine gewisse Art und Weise amüsant? Ich konnte mich nicht festlegen. Welchen tieferen Sinn und Zweck, die ganze Puppensammlung hat, kann ich euch bedauerlicherweise auch nicht erklären, aber wenn interessierst es. Ein weiterer, herrlich kurioser und skurriler Ort auf unserer gemeinsamen Reise.
Schiffsfriedhof, Mazribe: Inmitten des dichten Waldes finden wir den noch einzig existierenden Bootsfriedhof des Landes. Die Boote liegen seit den 60er-Jahren hier und sind durch den dichten Bewuchs kaum noch richtig zu erkennen.
Mitte des 20. Jahrhunderts wurden alte Holzboote reihenweise in den Wäldern Lettlands entsorgt. In Mazribe finden wir die letzten Überbleibsel eines einzigartigen und besonderen Friedhofes.
Bridge to Nowhere, Irlavas: Umgeben von lettischer Leere, treffen wir auf ein ungewöhnliches Bauwerk. Eine guterhaltene Eisenbahnbrücke, die an beiden Enden ins absolute nichts führt und von saftigen grünen Wiesen umgeben ist. Welchen tieferen Hintergrund hat dieses kuriose Teil?
Bedauerlicherweise einen ziemlich deprimierenden: Die Eisenbahn spielt in Lettland eine wichtige Rolle und der Staat wollte eine moderne Route durch den weniger besiedelten, nordwestlichen Teil des Landes bauen. Diese Brücke war der Spatenstich für ein großes Projekt voller Vorfreude und Ambitionen. Allerdings kehrte nach der Fertigstellung der Eisenbahnbrücke der Zweite Weltkrieg ein und die Nazis besetzen Lettland in Windeseile. Durch die großen Zerstörungen des Krieges konnte die erwünschte Eisenbahnstrecke nicht mehr finanziert werden und die Ruine dient heutzutage als eine Art Kriegsdenkmal.
Cinevilla, Slampe: Grundsätzlich sollte Cinevilla eine Art Filmstudio sein/werden. Anfang der 2000er-Jahre wurden hier etliche lettische Blockbuster gedreht. („The King’s Ring – Die Letzte Schlacht“ / „Dream Team 1935“ / „Dangerous Summer“ / „Die Letzte Front – Defenders Of Riga“). Der Erfolg dürfte sich vermutlich in Grenzen gehalten haben, den mein Besuch dieser Filmstudios was äußerst absonderlich.
Das Gelände liegt im absoluten Nichts und kann möglicherweise mit einer Tour erkundet werden. Vor Ort herrschte gänzliche Totenstille und bis zum jetzigen Zeitpunkt, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob ich die Erlaubnis hatte, das ganze Areal zu erkunden. Es grenzt irgendwo zwischen einer Geisterstadt, einer permanenten Müllhalde und einer absurden Sammlung von Filmrequisiten und weitere, nicht näher definierbare, Utensilien.
Venta Wasserfall, Kuldīga: Wir alle kennen die Fotos und Videos der mächtigsten Wasserfälle der Welt. Der höchste seine Art in Europa befindet sich weniger überraschend in den Fjorden Norwegens 🇳🇴, aber wusstet ihr, dass der breiteste Wasserfall in der nordlettischen Provinz liegt? Wenn man irgendwelche Rekordzahlen zusammen mit dem Begriff Wasserfall liest, erwartet man spektakuläre Bilder. Im verträumten Ort Kuldīga sieht die ganze Thematik etwas gemütlicher aus. Der Venta Wasserfall verfügt zwar über eine beeindruckende Breite von 250 Meter allerdings sorgt die geringe Höhe von maximal zwei Meter für relativ wenig Action.
Dennoch lohnt sich ein Besuch. Die Umgebung ist traumhaft schön, in den Sommermonaten kann man am Fuße des Wasserfalls baden und im Frühling die fliegenden Lachse beobachten, die verzweifelt versuchen, das zwei Meter hohe Gefälle zu überwinden. Wem dies noch immer nicht ausreicht, der sollte seinen Besuch während der Mitsommernächte planen. In Kuldīga findet zu dieser Jahreszeit der einzige Mitternachts-Nackt-Marathon der Welt statt. Ob dieser Live im TV übertragen wird? 🤔
Karosta Prison, Liepāja: Kennt ihr das? Ihr stolpert über ein paar sinnfreie YouTube Videos und mit der Zeit habt ihr auf einmal unzählige Fenster offen und wisst gar nicht mehr, wie ihr dort gelandet seid. Ich bevorzuge liebend gerne Top 10 Ranking Videos. Wenn ihr euch mit dem Thema: Die verrücktesten Hotels der Welt beschäftigt, werdet ihr geradewegs beim Karosta Prison Hotel landen. Bereits 2017 buchte ich eine Nacht in dieser speziellen Unterkunft, aber dieses Jahr getraue ich mich darüber zu berichten.
Bevor wir über dieses einmalige Erlebnis sprechen, seht euch bitte den kurzen Videoclip an, den das Gefängnis zur Selbstvermarktung nutzt 😧. (Für die Ungeduldigen: Der Spaß startet bei 2:00 Minuten Laufzeit 😉)
Das einstige Militärgefängnis ist das einzige weltweit, welches mit einer Führung besucht werden kann und den wunderbaren Bonus anbietet: „Übernachtung Hinter Gittern“. Für 30 Euro pro Nacht genießt man den Luxus einer Holzpritsche inklusive Gefängnisverpflegung und „Unterwerfungs Spielchen“. Während dieser hochromantischen Nacht ist man der Hauptdarsteller einer ganz sensiblen Theater-Aufführung. Auf die speziellen Nachtvorstellungen verzichtete ich, denn die Dokumente, welche zum Unterschreiben waren, bereiteten mir einige Sorgen und nachvollziehbares Bedenken.
Was ich allerdings ausnahmslos empfehle, sind die lustigen Outdoor Spiele. Mein bevorzugtes Lieblingsspiel war „Flucht von der UdSSR“. Man schlüpft in eine geschmeidige, sowjetische Militäruniform hinein und repräsentiert die Rolle eines Gefangenen, der sich vor den Aufsehern verstecken muss. Das ganze Spektakel findet in den verlassenen Relikten des Ersten und Zweiten Weltkrieges statt, die sich rund um das Gefängnis verteilen. Mit anderen Worten: die sowjetische Real-Version eines „Capture The Flag“ Spieles.
Zugegeben, all diese Tatsachen sprechen weniger für einen Besuch (und sogar mir war das eine oder andere zu heftig, und das bedeutet einiges), aber mindestens eine Führung durch die ehemalige Haftanstalt müsst ihr mitnehmen. Eure Guides sind ehemalige sowjetische Kriegshelden, welche euch in ihrer nostalgischen Militäruniform durch die tiefen Katakomben der Haftanstalt führen. Der größte Anteil der Insassen waren lettische Deserteure und keine fremden Soldaten. Die Führung ist das authentische, was ich je erlebt und gesehen habe. Die erzählten Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten und treiben euch eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Ein schmaler Grat zwischen Show und bedrückender Angst. Die uniformierten Ex-Soldaten ziehen ihr Programm so realitätsgetreu durch, dass ich teilweise richtige Angst hatte und laufend angeschrieben wurde, wenn ich nicht stramm und ruhig dagestanden bin: schlechter Soldat! Schlechter Soldat.
Die brutale Vergangenheit Lettlands lässt sich mit kaum einem anderen europäischen Land vergleichen. Wir überspringen jetzt die geschichtliche Lehrstunde hinsichtlich des Ersten und Zweiten Weltkrieges, deren entscheidende Rolle im Kalten Krieg und die brutalen Zeiten der 80er-Jahre unter der sowjetischen Herrschaft und reden über einen Ort, genauer gesagt über eine Erfahrung, welche sich nur schwer in Worte erfassen lässt.
Zuvor zeige ich euch allerdings noch ein paar Fotos aus der Kategorie: Airbnb Apartments in den sowjetischen Wohnsiedlungen oder wie wir sie gerne nennen: Ostblockbauten. Herrlich, oder? Einladende Gebäude, mit einem modernen Unterhaltung-Programm (VHS 🤣), kyrillische Wissensmagazine und einer deftigen, osteuropäischen Soljanka mit einem eisgekühlten, lettischen Dunkelbier. Ja, so stell ich mir mein 4-Sterne-Hotel Luxus Leben vor 🤣.
Meine Geschichte aus dem Ventspils International Radio Astronomy Center. An der nördlichen Küste des Landes führte mich einer meiner geliebten Geocaches zu einer weiteren verlassenen Geisterstadt mit dem Namen: „Secret Cities of Irbene“. Die Erkundung der zerfallenen Stadt sorgte natürlich wiederholt für reichlich Adrenalin und Vergnügen, bis ich durch die Maschen eines Stacheldrahtzaunes folgendes entdeckt habe: ⬇ 😲 ⬇
Mein restlicher Tag wurde nur mehr von einem einzigen Gedanken dominiert: Wie komme ich dorthin? Wen muss ich bestechen, um mir einen Zugang zu erkaufen? Wie legal oder illegal wird dieses gewagte Vorhaben enden?
Abends, in meiner kleinen Holzhütte angekommen, startete ich unverzüglich mit meiner Recherche und stellte fest, dass dieses gigantische Radioteleskop noch in Betrieb ist und die Universität Riga es für Forschungszwecke verwendet. Am darauffolgenden Tag versuchte ich verzweifelt jemanden von der lettischen Akademie der Wissenschaft zu erreichen, um näherer Details zu bekommen. Und siehe da: Nach Voranmeldung werden Gruppentouren für mindestens zehn Personen angeboten. Ich verspürte eine gewisse Erleichterung, da die Chance besteht dieses bombastische Bauwerk legal zu besichtigen, allerdings hatte ich zwei Herausforderungen: Erstens: Ich hatte kaum noch verfügbare Zeit und zweitens: Mir fehlten genau noch neun andere Leute, um auf die gewünschte Mindestanzahl zu kommen. Ich setzte all meine Leidenschaft, meinen Charme und meine unnachgiebige Hartnäckigkeit kompromisslos ein und siehe da … – … zwei Tage später stehe ich vor einem der größten Teleskope unserer Welt, aber zuerst einmal der Reihe nach.
Die Akademie schickte mir einen motivierten Studenten und schenkte mir gleichzeitig eine exklusive Führung durch das Reich des Kalten Krieges. Drei gigantische Radioteleskope verstecken sich im geschützten Waldgebiet und dienten der Sowjetunion als moderne militärische Abhörstation. Ähnlich wie beim gigantischen Woodpecker in Tschernobyl, Ukraine 🇺🇦 wurden diese geheimen Anlagen vor der Außenwelt jahrelang erfolgreich versteckt gehalten. Zusätzlich, zu den drei Teleskopen befinden sich noch zahlreiche Gebäude aus der vergangenen Ära in diesem Waldstück. Seitdem die lettische Akademie im Jahre 1994 die Einrichtungen übernommen hatte, wurde fleißig investiert und erneuert, um ihre Funktion am Leben zu erhalten. Mein Guide erzählte mir, dass die Wissenschaftler Jahre benötigen, um das sowjetische Bedienungssystem zu dechiffrieren.
Auf dem obigen Foto seht ihr das RT-32 Radioteleskop und dessen kleine Schwester, das RT-16, durfte ich erklimmen. Ein unvorstellbares Gefühl durch diese alten, rostigen Leitern empor zu klettern, um sich auf den gelben Metallschirm dieses Teleskops hinzulegen. Das Gebiet ist umzogen von dichten Wäldern und erst durch diese Aussicht wurde mir bewusst, warum diese Anlange über viele Jahrzehnte unentdeckt blieb. Nach dem Motto: „Was einmal oben ist, muss auch zwangsweise irgendwie wieder hinunter“, musste ich jegliche Komfortzone verlassen und diese klapprigen Leitern wieder herabklettern. Meine Knie zittern sofort wieder, wenn ich an diese Momente zurückdenke. Mein Guide musste eine Menge Geduld aufbringen und mir detailgetreu, die geheime Technik des sicheren Abgangs, erklären. Buh, einmal ganz tief durchschnaufen 😱.
Während ich unglaublich froh war, wieder heil den Boden unter meinen Füßen zu spüren und bereits den Gedanken startete, wo sich dieser Tag in den Top 10 meines „Best Days of my Life“ Ranking einreihen wird, fragte er mich, ob wir uns noch den großen RT-32 aus der Nähe ansehen möchten.
Was für eine Frage, bitte? Natürlich. Die beiden RT Geschwister sind durch einen unterirdischen 600 Meter langen Tunnel verbunden, welchen wir gemeinsam noch vor uns hatten. Dies war ein reiner Kabeltunnel, was bedeutet, er ist ziemlich eng und stickig und nur die Lichter der Taschenlampe gaben uns den Weg vor. Als wir den bunkerartigen Ausgang des Tunnels erreicht haben, stand ich vor dieser gigantischen Radioanlage. Dieses Strahlen in meinen Augen kann man sich nur ganz schwer vorstellen. Mein Guide blickte mich stolz und zufrieden an, schnappte sich ein Mobiltelefon, tippte darauf herum und sagte: „That’s just for you!“. Der Rest ist Geschichte, aber seht selbst:
Um einmal etwas Abwechslung in dieser Hommage an die lettische Geschichte zu bekommen, unterhalten wir uns über ein Thema, welches euch definitiv mehr interessiert: Strände!
Einen langfristigen Nutzen euch diverse Namen der besuchten Strände aufzulisten, sehe ich weniger. Um ehrlich sein, ich habe den Überblick verloren, welcher sich wo genau auffinden lässt. Diesbezüglich verallgemeinern wir das Thema: die hunderten Kilometer Küste, entlang der Ostsee und des Rigaischen Meerbusen gehört zu den schönsten Strandabschnitten, die die Welt zu bieten hat. Und meine Meinung hat durchaus eine höhere Bedeutung, denn ich getraue mich zu behaupten, dass ich schon einiges gesehen habe 😉. (Scheiß Angeber 😅).
Was lässt diese Strände so besonders erscheinen? Ihre wahrhaftige Natürlichkeit kombiniert mit einer unvergleichlichen Vielschichtigkeit. Wie bereits im Estland Bericht erwähnt, liebe ich diese Küsten, die frei von Hotels, Sonnenschirmen und Resorts sind. Der enge Strandabschnitt ist oft nur einige Meter breit und dahinter tummelt sich ein Meer aus dichte Nadelbäumen. Der Meereszugang ist zum Großteil nur durch einen kurzen Fußmarsch erreichbar. Ich vergöttere diese Momente: Du parkst den Mietwagen am Straßenrand und hast nur noch einige hundert Meter Fußmarsch vor dir. Steilküsten, ebene Sandstrände oder steinige Abschnitte … – … du weißt nicht, was dich nun erwartet. Du wanderst durch diese wunderschönen Wälder, atmest die frische Luft ein und schreitest langsam voran, bis du im Glauben bist, die Brandung zu erkennen. Nur noch wenige Augenblicke und du erblickst das kristallblaue Meer, läufst die letzten Meter zur Küste, breitest die Arme uns, blickst in den Himmel und drehst dich einige Male um die eigene Achse. Ich liebe dieses Gefühl und ich sehne mich jetzt schon wieder danach.
Bei all den Küstenabschnitten möchte ich euch einen speziellen vorstellen, der bei keiner Lettland Reise fehlen darf: Kap Kola. Dieses Kap befindet sich am nördlichsten Punkt der lettischen Halbinsel und beeindruckt mit einem einzigartigen Phänomen. Am Kap trifft die offene Ostsee auf den Rigaischen Meerbusen. Diese Besonderheit kannte ich bis jetzt nur aus Skagen, Dänemark 🇩🇰. Ich gebe dieser Landschaft den selbst erfunden und hollywoodreifen Titel: Between two oceans.
Oft hat man die Qual der Wahl, welcher Küstenabschnitt spannender ist: Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang? Die exponierte Lage des Kap Kola sorgt dafür, dass man am selben Ort sowohl den Sonnenaufgang als auf den Sonnenuntergang im Meer beobachten kann. Das ist schon ein vorteilhaftes Detail, oder was denkt ihr?
Bevor wir gemeinsam in die Landeshauptstadt fahren muss ich euch noch von meinem absoluten Lieblingsort berichten. Mir ist bewusst, dass ich euch damit schon äußerst fordere, deswegen verspreche ich hoch und heilig mich so kurz wie nur möglich zu halten.
Die zwanzig Kilometer Küste nördlich der drittgrößten Stadt Lettlands, Liepāja gehören zu den aufregendsten und märchenhaftesten Orten, die unsere Welt zu bieten hat. Ich kenne kein anderes Gebiet, an dem die kompromisslose und brutale Geschichte eines Staates auf so eine sagenhaft schöne Naturlandschaft trifft. Den südlichen Anfang ergibt das Liepāja Northern Breakwater. Die längste Mole des Landes wurde im 19. Jahrhundert erbaut und bietet höchstwahrscheinlich den atemberaubendsten Ausblick auf die Ostsee inklusive Sonnenuntergang. Liepāja liegt unweit der litauischen Grenze und diente seinerzeit als reiner Militärstandort, was ihre Attraktivität in Grenzen hält. Die Bewohner sind zu 80 Prozent russischer Abstammung und geizen mit Lebensenergie und Motivation. Ich würde die Einwohner aber keinesfalls als unfreundlich bezeichnen, sondern einfach nur als vorsichtig und nostalgisch. Aber wen verwundert es, bei dieser grauenhaften, jüngsten Vergangenheit und den unzähligen Relikten aus den Kriegen, die das Stadtbild dominieren. Die 1.800 Meter lange Mole stammt ebenfalls aus der dunklen Vergangenheit, aber sie fungiert als beliebtester Ort der Bevölkerung. Vor allem am Abend tummeln sich in dieser trostlosen Gegend zahlreiche Menschen, um gemeinsam die Mole entlangzuspazieren, um die Fischer bei ihrer Tätigkeit zu beobachten und den Sonnenuntergang zu genießen. Es ist bedauerlicherweise schwer für mich den positiven Effekt dieses steinigen Piers zu erklären. Aber für das gekennzeichnete Liepāja der einzig wahre Ort, wo die Bevölkerung Lebensfreude verbreitet.
Entlang der Küste erstreckt sich eine Unzahl perfekt erhaltener Überbleibsel der Weltkriege. Ich weiß, ich weiß … – … diese Meinung habe ich exklusiv, aber ich liebe und vergöttere diese Strandabschnitte, wo sich ein Bunker neben den anderen reiht. Ich schenk euch jetzt den historischen Hintergrund und versuche nicht zwanghaft, meine unersättliche Begeisterung und aufopfernde Leidenschaft für diese Orte, euch aufzuzwingen. Ich unterlasse den erbärmlichen Versuch euch zu erklären, welche Glücksgefühle es in mir auslöst, wenn ich auf diesen Relikten herumklettern kann. Ich hatte das große Glück und bin sagenhaft dankbar dafür Sonnenuntergänge auf Hawaii 🇺🇸, auf Bali 🇮🇩 oder auf der Nordinsel Neuseelands 🇳🇿 genießen zu können, aber den schönsten erlebte ich wieder zwischen den Betonbunkern der North Forts an der Ostsee, Lettlands. Ich war nicht zum ersten Mal hier und werde definitiv irgendwann wieder kommen, um einen weiteren Sonnenuntergang zu erleben.
Im nächsten Kapitel wollte ich eigentlich über die unfassbare hohe Anzahl von Leuchttürmen reden, die ihr an der Westküste Lettlands erkunden und auch erklettern könnt. (Vorausgesetzt ihr seid schwindelfrei und verfügt über eine sensationelle „Leiter Kletter Technik“ 🙈 … – … hinauf ist das eine, aber herunter ist eine ganz andere Problematik 😱). Nur ein paar Stichwörter, damit ich in meinem Abschnitt etwas fett hervorheben kann: Akmenraga Leuchtturm, Slītere Leuchtturm, Užava Leuchtturm.
Eigentlich wollte ich über diese märchenhaften Wanderwege (u. a. Pēterezera dabas taka) sprechen, die euch die Perlen der lettischen Natur näher bringen. Eigentlich wollte ich von weiteren Schlössern und Burgen schwären, die sich im nordwestlichen Teil verstecken. (Deutschordensburg Dondangen, Schloss Edwahlen) … – … und eigentlich und eigentlich. Ihr seht, sehr viele Wortwiederholungen in diesem Abschnitt, aber wir müssen schlussendlich weiter in die lettische Hauptstadt.
Obwohl die drei baltischen Länder mit samt ihren Hauptstätten gerne in einem Atemzug genannt werden (und wohl auch andauernd verwechselt werden 😅) könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Treue Leser wissen bereits, dass Vilnius 🇱🇹 eine ruhige, etwas leblose, aber sehr liebevolle Stadt ist. Um kurz etwas vorwegzunehmen: Tallinn 🇪🇪 steht für Mittelalter, Wehrtürme, enge Altstadtgassen und eine Reise zurück in die Vergangenheit. Und Riga 🇱🇻? Riga ist wiederum vollkommen anders und vielfältig. Ein pulsierendes Großstadtleben mit einer ganz besonderen Architektur des Jugendstiles.
Das Kapitel Riga möchte ich in wenigen Sätzen zusammenfassen und euch anschließend zwei besondere Orte mit auf die Reise geben. Die 650.000 Einwohner Stadt ist mit einer modernen, mitteleuropäischen Großstadt vergleichbar. Das sehenswerte Herzstück ist gewiss die Altstadt mit ihren zahllosen, einzigartigen Bauwerken. Bereits zum zweiten Mal suchte ich Riga auf und daraus könnt ihr wohl schon erahnen, dass ich mich hier sehr wohlfühle. Der Massentourismus hält sich (noch) in Grenzen, denn die Distanz zum Meer schützt die Stadt vor dem wahnwitzigen Kreuzfahrtourismus. Wie alle osteuropäischen Großstädte ist der Kern Rigas außerordentlich sauber und preiswert. Allerdings benötigt ihr nicht mehr als maximal zwei volle Tage, um die ausgewählten und vorgeschlagenen Ziele zu erkunden.
Das erste Erlebnis, was ich euch mitgeben muss, ist der Besuch des Zentralmarktes. Die Anziehungskraft von Märkten in fremden Ländern hat schon was Einzigartiges. Es gibt wohl keinen anderen Ort, an dem man so dermaßen schnell und authentisch in das alltägliche Leben eintauchen kann. Auch der Zentralmarkt Riga ist diesbezüglich keine Ausnahme, allerdings mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Der Markt ist so unfassbar gigantisch groß, nicht umsonst gilt er als größter und modernste Markt Europas. Ich musste einmal recherchieren, um zu vergleichen. Laut Wikipedia beträgt die Gesamtfläche 72.300 m². Zum Vergleich: ein herkömmlicher Fußballplatz hat ungefähr 7.000 m². Was lesen wir aus diesen Zahlen? Richtig! Bedrohlich groß. Kleiner Tipp am Rande: Solltet ihr eine etwas weiche Schale besitzen und ein Thema mit intensiven Gerüchen haben, meidet die Fischhalle 🤢.
Ein ernüchternder Ort, etwas außerhalb der Stadt gelegen, aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu erreichen ist das Salaspils Memorial. Die Gedenkstätte befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen KZ Lagers. Zwischen den Jahren 1941 und 1944 wurden von Naziregime unzählige Tötungen vorgenommen. Die emotional beeindruckenden Statuten, die ihr unten in der Bildergalerie sehen könnt, sorgen für einen grausamen Gänsehautfaktor. Wenn ihr über das große Areal streift, begleitet euch laufend ein intensives Trommeln. Überall wurden Lautsprecher installiert, die einen Herzschlag symbolisieren, welcher die beklemmenden Eindrücke noch intensiver werden lässt … – … tick, tack – tick, tack …
Bevor wir die estnische Landesgrenze wieder überschreiten, besuchen wir zum Abschluss den vielschichtigen Nationalpark Gauja. Der Gauja National Park ist gewissermaßen das Kitzbühel Lettlands.
Im Herzen des Parks liegt die 12.000 Einwohner Stadt Sigulda, welche als perfekter Ausgangspunkt dient, um die facettenreiche Umgebung zu erkunden. Sigulda ist das dominante Wintersportgebiet des Baltikums und richtet jährlich zahlreiche internationale Wettbewerbe aus. Da der höchste Punkt Lettlands gerade einmal 311,5 Meter hoch ist, wird es mit unserem beliebten Ski Alpin Sport etwas kompliziert. In Lettland heißt es: Helm auf, rein in das Gefährt und ab geht’s in den Eiskanal 🛷. Sämtliche Olympische Wintersportmedaillen wurden im Eiskanal errungen. Obwohl ich ein leidenschaftlicher Sportfanatiker bin und mir keine Olympischen Spiele entgehen lasse, habe ich zu Bob, Rodeln und Skeleton noch nie einen Bezug aufbauen können. (Ich gehöre zu dieser Gruppe von Menschen, die um 02:00 Uhr nachts ihrer Wecker stellt, um keine einzige live Entscheidung zu versäumen. Solltet ihr ähnliche Persönlichkeiten in eurem Umfeld haben: Die Olympischen Spiele dauern meistens eh nur zwei Wochen, also habt Nachsicht und sprecht uns einfach nicht an 😉).
Zurück zum Bob: Die Bob Bahn des Landes gehört zu den modernsten in Europa, deswegen wollte ich sie mir einmal aus der Nähe ansehen. Allerdings hatte ich ein kleines Thema mit meiner Navigation 🙈.
Okay, ich gebe es zu: Diese Perle, einer heruntergekommenen Sportarena, habe ich wissentlich anvisiert. Aber trotz einigermaßen genauer Koordinaten und eine plus/minus, geografischen Vorstellung, war dieses Juwel nicht einfach zu finden. Für den unerwarteten Fall, dass es wirklich Interessenten unter euch gibt: Ich habe das Teil auf meiner Routen Karte eingezeichnet: Vecā Kamaniņu Trase. (Die offizielle oder inoffizielle Bezeichnung, wer weiß das schon).
Die etwas zivilisierteren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung Siguldas sind durch einen „Ein Tages Fußmarsch“ zu erkunden. Und diese Methode würde ich auch ausnahmslos empfehlen. Wie bereits zuvor erwähnt, sprechen wir über das Kitzbühel Lettlands. Mein erster baltischer Moment, wo an jeder Ecke Parkgebühren eingehoben werden und wo sich auch während der Pandemie unzählige Menschen tummelten. Auch diese Besonderheit ist nur schwer zu erklären, aber wir hatten jetzt einen zweiwöchigen Roadtrip voller Einsamkeit und Isolation hinter uns, und dann kommt Sigulda. Parkplatz suchen, für Tickets anstellen und von Menschenmassen erdrückt werden. Wahnsinn, damit hätten wir im sprichwörtlichen Sinn nicht gerechnet.
Also meine Lieben: Startet nach einem ausgiebigen, lettischen Frühstück voller Energie und folgt mir: Schwertbrüderordensburg Segewold ➡ Sigulda Schloss ➡ Gutmannshöhle ➡ Burgruine Krumen ➡ Schluss Krimuldas und abschließend zur schönsten Burg des gesamten Baltikums: Burg Treyden. Für die Route werdet ihr mit dankbar sein, denn so habt ihr noch genug Zeit den restlichen Nationalpark zu erkunden. Diese Zeit hatte ich zwar auch noch, aber jetzt fehlt sie mir, um euch darüber zu berichten, denn Estland wartet:
…hier geht’s wieder zurück zum Reisebericht Estland 🇪🇪 …
Mein Fazit: Estland und Lettland gehören zu den „most underrated countries“ unserer Erde. Eine berauschende und vielfältige Landschaft mit einer einzigartigen Vergangenheit … – … Reiseherz, was willst du mehr? Überspringt einmal den wiederholten Italien 🇮🇹 oder Kroatien 🇭🇷 Urlaub und schnappt euch einen Mietwagen, um dieses europäische Juwel zu erkunden.
Kosten: Seit dem Beitritt zur EU sind die Preise laufend gestiegen. Tallinn und Riga sind bereits kurz davor sich dem österreichischen Preisniveau anzugleichen, die peripheren Gebiete sind noch markant günstiger.
Sicherheit: Das Thema können wir getrost überspringen. Achtet bitte nur auf die Elche!
… Ja, von wo aus lesen wir uns wieder? Ich habe keine Ahnung, lassen wir uns einfach alle überraschen …




























































































































