Nebengeräusche

Flug 571 – das Wunder der Anden 🇺🇾

Ein erstaunlicher Überlebenskampf einer uruguayischen Sportmannschaft, dessen Geschehnisse zu einer der legendärsten Geschichten der modernen Zeit wurden: „Das Wunder der Anden“ – ein 72 Tage währender Höllentrip in 4.000 Metern Höhe. Ein barbarischer Kampf gegen Kälte, Hunger und Einsamkeit. Dies ist die außergewöhnliche Geschichte des Fluges 571.

Die Rugby-Mannschaft „Old Christians Club“ aus Montevideo folgte einer Einladung zu einem Freundschaftsspiel in Chile. 45 Personen – Spieler, Angehörige, Betreuer sowie die fünfköpfige Besatzung – mieteten eine Fairchild FH-227D, um nach Santiago de Chile zu reisen. Schlechtes Wetter zwang den Piloten zunächst zu einer Zwischenlandung in Mendoza (Argentinien). Als die Maschine am nächsten Morgen wieder startete, geschah ein folgenschwerer Navigationsfehler:

Der Pilot ging irrtümlich davon aus, die bis zu 6.000 Meter hohen Gipfel der Anden bereits hinter sich gelassen zu haben – und leitete einen Sinkflug ein. Eine Verkettung aus Gegenwind und Fehleinschätzung, die sich Minuten später als verhängnisvoll erweisen sollte.

Mit rund 200 km/h krachte das Flugzeug gegen einen Gebirgsgrat, schleuderte hunderte Meter über den Schnee und kam am Ende auf 4.000 Metern Höhe zum Liegen. Einige Passagiere wurden aus dem Rumpf geschleudert, der Pilot im Cockpit eingeklemmt und getötet. Doch wie durch ein Wunder überlebten 33 der 45 Insassen den Aufprall – gefangen in den Anden, umgeben von Schnee, Fels und Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius. Die erste Nacht war nur der Beginn eines erbarmungslosen Kampfes ums Überleben.

Stunden wurden zu Tagen, Tage zu Wochen, Wochen zu Monaten. Viele starben an Unterkühlung, Hunger oder ihren Verletzungen. Andere wurden von Lawinen erfasst. Zwar hatten die Überlebenden Trinkwasser, doch die Vorräte an Nahrung reichten nur wenige Wochen. Um nicht dem unvermeidlichen Hungertod zu erliegen, trafen sie eine Entscheidung, die bis heute kontrovers diskutiert wird: Auf den Gipfeln der Anden wurde ein menschliches Tabu gebrochen – sie aßen das Fleisch der Verstorbenen, um selbst überleben zu können.

Das "Old Christian" Rugby Team

Nach 60 Tagen erfrorener Hoffnung beschlossen drei Männer – Parrado, Canessa und Vizintin – die Berge zu Fuß zu überqueren, um Hilfe zu finden. Ohne Orientierung, ohne angemessene Ausrüstung, ohne Kraftreserven. Zehn Tage kämpften sie sich durch eines der schwierigsten Gebirge der Welt. Halb erfroren, völlig erschöpft, aber lebend, wurden sie schlussendlich von einem Hirten entdeckt.

Am 12. Oktober 1972 hob Flug 571 in Montevideo ab, legte einen Zwischenstopp in Mendoza ein – und stürzte am 13. Oktober auf dem Weiterflug in den Anden ab. Am 22. Dezember 1972, 72 Tage nach dem Absturz, begannen Helikopter, die Überlebenden zu bergen. 16 Menschen überstanden das Unvorstellbare.

geborgene Blackbox

defektes Funkradio

improvisierte Decke

Teil des Wracks

Die Hintergründe dieses Überlebenskampfes lassen sich am eindringlichsten im Museo Andes 1972 in Montevideo nachvollziehen. Das Museum ist den Opfern und Überlebenden des Fluges gewidmet und zeigt die Ereignisse ungeschönt, eindringlich und mit einer emotionalen Wucht, die sich nur schwer beschreiben lässt. Informationstafeln, Vitrinen und Originalobjekte füllen mehrere Stunden. Private Fotos, persönliche Gegenstände und unveröffentlichte audiovisuelle Dokumente zeichnen ein dichtes Bild.

Irgendwann im Laufe des Besuchs passiert es – dieser Moment, in dem eine Geschichte aufhört, Geschichte zu sein. Es sind die Fotos. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, aber auch Farbbilder aus späteren Jahren: dieselben Männer, Jahrzehnte älter, beim Besuch in diesem Museum – mit ihren Frauen, ihren Kindern, ihren Enkeln. Erst in diesem Augenblick wird greifbar, dass das alles tatsächlich passiert ist. Nicht in einem Film. Nicht in einem Buch. Sondern tatsächlich, in dieser Welt, in diesem Jahrhundert. Menschen aus Fleisch und Blut – die überlebt hatten. Die nach Hause zurückgekehrt waren. Die Familien gegründet hatten. Und die nun hier standen, an exakt diesem Schauplatz, und sich erinnerten.

Know Before You Go:

Das Museum befindet sich in der Altstadt von Montevideo. Es gibt feste Öffnungszeiten, die auf der Website einsehbar sind; dennoch bittet der Betreiber um eine vorherige telefonische oder schriftliche Ankündigung. Alle Ausstellungsstücke werden auf Spanisch und Englisch erläutert. (https://www.mandes.uy)

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