Monster Building – Symmetrie des Wahnsinns 🇭🇰
Das sogenannte „Monster Building“ in Hong Kong entstand als Reaktion auf die enorme Zuwanderung, um die angespannte Wohnraumsituation zu entschärfen. Auf unglaublich engem Raum leben dort über 10.000 Menschen in über 2.200 Wohneinheiten – ein gewaltiger Stahlkomplex, dessen Erscheinungsbild den gegenwärtigen Zustand perfekt widerspiegelt.
Hong Kong in den 1960er-Jahren: Politische Veränderungen in der Volksrepublik China führten zu einer massiven Migrationswelle in die ostasiatische Metropole. Um die rapide wachsende Bevölkerung unterzubringen, entstanden innerhalb weniger Jahre riesige Wohnanlagen. Als besonders eindrücklich erweist sich der Apartmentkomplex Parker Estate im Stadtteil Quarry Bay, der heutzutage unter der Bezeichnung „Monster Building“ Kultstatus genießt.
Der Komplex besteht aus fünf Gebäuden mit bis zu 18 Stockwerken. Enge, schattige Gassen umschließen zentrale Innenhöfe, farbenfrohe Balkone stapeln sich in die Höhe – auf rund 11.000 Quadratmetern, vermutlich einem der am dichtesten besiedelten Schauplätze der Welt.
Dass heute praktisch jeder Hong-Kong-Besucher diesen Schauplatz auf seiner Liste hat, verdankt sich einem einzigen Mann: dem französischen Fotografen Romain Jacquet-Lagrèze, der den Komplex 2013 zufällig entdeckte. Seine Fotos gingen um die Welt – und der Rest ist Tourismusgeschichte.
Auch Hollywood wurde aufmerksam. Das Monster Building diente als Kulisse für die Filme „Transformers: Ära des Untergangs“ und „Ghost in the Shell“. Und spätestens als der japanische Produzent und Kult-DJ Mondo Grosso dort das Musikvideo zu seinem Hit „Labyrinth“ drehte, gab es endgültig kein Halten mehr. Ob dieser enorme Hype den Anwohnern guttut oder nicht, lässt sich durchaus diskutieren – immerhin befindet man sich auf einem privaten Grundstück.
Der Stadtteil Quarry Bay ist wirklich etwas Besonderes: eine endlose Verschmelzung riesiger Wohnkomplexe. Unter den bereisten Metropolen ist so etwas kaum ein zweites Mal begegnet. Verwinkelte, dunkle Gänge führen vorbei an kleinen Geschäften und Restaurants, bis sich schließlich der Zugang zum Innenhof findet.
Beim Betreten des Hofes stellt sich ein Gefühl völliger Hilflosigkeit ein. Für einen Moment gerät dabei in den Hintergrund, dass dies in erster Linie der Lebensraum der Menschen ist und kein modernes Touristenziel. Umgeben von diesen gewaltigen, senkrecht aufragenden Wänden fühlt man sich winzig. Einerseits bedrückend, fast einschüchternd, andererseits unglaublich beeindruckend und faszinierend. Mit etwas Abstand wird deutlich, wie normal das Leben dort ist. Keine Touristen, nur Alltag. Ein gewöhnlicher Innenhof in einer gewöhnlichen asiatischen Großstadt: kleine Geschäfte, zahlreiche Imbisse, eine Wäscherei, ein Friseursalon. Überall Bewohner, die aßen, durch Magazine blätterten oder einfach nur auf ihre Handys starrten.
Eine kleine Stärkung in Form frittierter Tintenfische rundet die Beobachtung des bunten Treibens ab – die einfachen, traditionellen Essensstände in Hong Kong stehen für eine schlichte, aber besondere asiatische Küche.
Der Besuch verlief insgesamt deutlich entspannter als erwartet – vielleicht dank guten Timings, vielleicht weil sich der Hype um den Schauplatz bereits etwas gelegt hat.
Architektur als Antwort auf Verzweiflung
Know Before You Go:
Am besten nimmt man den Ausgang A der U-Bahn-Station Quarry Bay und läuft die Kings Road Richtung Tai Koo entlang. Mit etwas Glück lässt sich der Zugang nach ca. 15 Minuten finden. Da es sich um ein Wohngebiet handelt, sollte man den Schauplatz mit Respekt behandeln.
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