Kapitel 32 – 🇦🇪 V.A.E.

Dubai und Abu Dhabi … Geld, Business und Öl – oder bietet sich doch die Möglichkeit, einen echten Einblick in die arabische Welt zu bekommen? 828 Meter 😱 – das höchste Gebäude der Welt – aber ist ein Besuch wirklich Pflicht? Obwohl ich vom Shoppen keine Ahnung habe, werden wir einige Zeit in den Einkaufszentren des Landes verbringen … Wie „funktioniert“ eine Moschee, wie feilscht man auf dem Markt, und gibt es eigentlich etwas, das man sich nicht mit Ölmillionen kaufen kann? Fragen über Fragen …

Direkt von Kanada 🇨🇦 in die Arabischen Emirate – ein klitzekleiner Kulturschock.

Nützliche Informationen über das alltägliche Leben in den VAE:

☑ Statistisch gesehen sind die Vereinigten Arabischen Emirate das sicherste Land der Welt. Der Begriff „Kriminalität“ musste scheinbar noch nicht ins Arabische übersetzt werden. Zwei nachvollziehbare Gründe: (1) Harte Strafen – Stehlen bedeutet: Hand ab! Alkohol- und Drogenmissbrauch: langer Gefängnisaufenthalt; bei schlimmeren Delikten – um mit den Worten der Herzkönigin zu sprechen: „Kopf ab!“ (2) Die zumindest offizielle Nichtverfügbarkeit von Alkohol, Drogen und Schusswaffen: No Party in Dubai 🤷.

☑ Über 80 Prozent der Einwohner sind Zuwanderer oder Gastarbeiter. Ein geringfügiges Vergehen reicht, um aus den Emiraten für immer verbannt zu werden.

☑ Die öffentlichen Verkehrsmittel in Dubai sind eure besten Freunde. Die Infrastruktur ist exzellent, die Preise sind unschlagbar günstig – und sogar die Bushaltehäuschen haben eine Klimaanlage. Zu meiner völligen Überraschung ist das Busfahren in Abu Dhabi hingegen der reinste Wahnsinn. Es gibt keinen nachvollziehbaren Fahrplan, keine funktionierende App – und Google Maps existiert schlicht nicht. In Abu Dhabi hilft nur eine Kombination aus Glück, Gespür und Fragen, Fragen, Fragen.

☑ Bei den Miet- und Benzinpreisen – rund 40 Cent pro Liter – klingt ein Mietwagen verlockend. Ich würde dennoch davon abraten: Parkplätze sind Mangelware, der Verkehr ist chaotisch – und die Fahrqualitäten mancher Verkehrsteilnehmer lassen zu wünschen übrig.

☑ Die einzig vernünftigen Reisezeiten sind Oktober/November und März/April. Im Sommer klettern die Temperaturen auf 45 Grad – viele Attraktionen haben dann geschlossen. Von Dezember bis Februar herrscht Hochsaison, und die Millionen von Touristen treiben die Preise in die Höhe.

☑ Obwohl die VAE zu den offeneren arabischen Ländern zählen, solltet ihr euch unbedingt mit den religiösen und kulturellen Regeln vertraut machen – und diese respektieren.

Jetzt geht es hoch hinaus. Das derzeit höchste Gebäude der Welt steht im Emirat Dubai und misst unfassbare 828 Meter. Ich musste meine Kamera äußerst raffiniert positionieren und jeden Winkel im Hochformat ausnutzen, um den Burj Khalifa auf ein einziges Bild zu bekommen. Aktuell stehen in Dubai 553 Wolkenkratzer – zum Vergleich: Wien hat drei –, aber alle wirken wie Playmobilfiguren neben dem Burj Khalifa. Übrigens: Bis zur Fertigstellung hieß der Gigant Burj Dubai – arabisch برج دبي, „Dubai-Turm“ –, aber der Präsident des Emirats, Chalifa bin Zayid Al Nahyan, fand das wenig schmeichelhaft und benannte ihn kurzerhand nach sich selbst um. Staatsoberhaupt müsste man sein … obwohl: den Donauturm in „Kurztower“ umzutaufen 🤔 … ich spüre jetzt schon die Hitze, also lassen wir dieses Gedankenspiel. Während ihr diesen Absatz gelesen habt, ist die Zahl der Wolkenkratzer auf 556 gestiegen 😅 – gefühlt zumindest. Die Anzahl der Kräne und Baustellen ist schlicht unvorstellbar.

Im höchsten Gebäude der Welt befinden sich luxuriöse Hotelzimmer, Suiten, Büroräume, Geschäfte – und die für uns relevante Aussichtsplattform mit dem kreativen Titel: At the Top. Wer das Ticketpreissystem durchschaut hat, dem gilt mein höchster Respekt. Abhängig von Uhrzeit, Wochentag, inkludierten Leistungen, gewählter Plattform und Buchungszeitraum – mit rund 35 Euro seid ihr dabei. Egal, was ihr wählt: Bucht mindestens eine Woche im Voraus!

Die Frage, die mich länger beschäftigte: Burj Khalifa bei Tag oder bei Nacht? Ähnliche Wolkenkratzer bieten die Möglichkeit eines Wiedereintritts oder längeren Verbleibs – beim Burj ist diese Flexibilität nicht vorhanden. Aus Budgetgründen entschied ich mich für die 14-Uhr-Version – mit Einbruch der Dunkelheit vervielfachen sich die Preise. Mehr als eine halbe Stunde hielt ich es auf der Aussichtsplattform nicht aus – man erstickt regelrecht in den Menschenmassen. Im Grunde geht es darum, ein paar Fotos zu schießen und daheim angeben zu können: Ich war „at the top of the world“. Die Atmosphäre gemütlich genießen, ein Getränk konsumieren oder einen Videoanruf starten? Fehlanzeige! Kein Vergleich zum entspannten Verweilen in der Space Needle (Seattle 🇺🇸) oder im CN Tower (Toronto 🇨🇦). Der Ausblick über die Wüstenstadt ist natürlich beeindruckend – aber einen zweiten Besuch würde ich nicht mehr einplanen. Wer das höchste Gebäude der Welt besuchen möchte: meinen Segen habt ihr – aber beeilt euch. In den kommenden Jahren wird der Dubai Creek Tower fertiggestellt, der die 1.000-Meter-Marke überschreiten soll. Kleiner Insidertipp: Vielleicht nicht direkt nach dem Essen auf die Plattform fahren – im Tower befindet sich einer der schnellsten Lifte der Welt 🤢.

Deutlich gemütlicher geht es am Fuße des Towers zu. Die Wasserspiele von Dubai haben etwas angenehm Kitschiges und Romantisches. Las Vegas lässt grüßen – alle 30 Minuten tanzen farbenfrohe Fontänen im Takt der Musik. Musikalische Vielfalt ist dabei garantiert: Die Töne pendeln zwischen klassischer Musik, arabischen Klängen, Céline Dion und Bollywood-Musik. Wer Lust bekommen hat, sich dieses feuchte Spektakel anzusehen – hier klicken ⬇.

Wenn ihr denkt, einen 1.000 Meter hohen Tower zu errichten sei wahnsinnig – dann besucht einfach einmal eine Shoppingmall. Seitdem ich denken und reisen kann, stehe ich felsenfest hinter meinen Prinzipien: Es gibt drei Orte, an denen ihr mich niemals findet – Kreuzfahrtschiffe (würg), irgendetwas mit Thermen (ja, ich weiß, aber das bin nun mal ich 😉) und Shoppingmalls. Die Klagenfurter City Arkaden oder die Shopping City Seiersberg verbinde ich mit Schaufensterbummeln, ein bisschen Einkaufen und vielleicht einem italienischen Kaffee mit Freunden. In den Emiraten sieht der primäre Nutzen der Malls etwas anders aus.

Stellt euch vor: Ihr seid seit Monaten – nein, seit Jahren – allein unterwegs, und euer rot-weiß-rotes Herz fängt langsam an zu bluten. Heimweh und Sehnsucht dominieren eure Gedanken. Ihr seid mitten in der arabischen Wüste und vermisst die heimische Landschaft 😞. Hört auf zu jammern, wischt euch die Tränen aus dem Gesicht – und betretet die Mall of the Emirates. Einfach den Schildern ⤴ Ski Dubai folgen und sich ein paar Skier ausleihen … ja, Skier! Ihr befindet euch in der weltweit einzigen Indoor-Skihalle eines Einkaufszentrums ⛷! Fünf verschiedene Pisten – inklusive zweier Sessellifte – laden zum Herunterwedeln ein. Immer zu den coolen Kids gehört? Kein Problem – einfach die Snowboardausrüstung 🏂 ausleihen, Halfpipe inklusive. Beim Wintersport genauso unfähig und talentfrei wie ich? Auf den Skischullandwochen wählte ich aus Sicherheitsgründen freiwillig die Langlaufroute 🙈. Auch kein Problem: Es gibt eine eigene Rodelbahn, einen Bereich fürs Schneemannbauen ☃ – kein Scherz – und einen eigenen Abschnitt für Schneeballschlachten.

Das ist heute aber ziemlich mühsam mit euch. Dank meiner hervorragenden Kanada-Berichte seid ihr zum idealen Eishockeyfan aufgestiegen? Dann ab in die Metro – Endstation Dubai Mall. In diesem Einkaufszentrum befindet sich eine Kunsteislaufbahn, die jedem zur freien Verfügung steht. Durch Zufall wurde ich Zeuge eines Testspiels der VAE-Eishockey-Nationalmannschaft – die sich von einem russischen U11/U13-Team aus der Halle schießen ließ.

Als stolzer Österreicher sind diese Bilder schon etwas skurril. Und bei allem Respekt für die islamische Kultur und den Glauben – wirklich verrückt wird es, wenn der Imam über die Lautsprecher zum Gebet aufruft. Die einheimischen Menschen schnallen ihre Skier ab, legen die Eishockeystöcke zur Seite – und beten Richtung Mekka. Meine Prognose: Da es im Emirat gerüchteweise nicht an Kleingeld mangelt, wird 2024 die erste Indoor-Skisprunghalle eröffnet – und spätestens 2032 erkauft, äh, bewirbt man sich für die Olympischen Winterspiele.

Was findet man sonst noch in der Mall? Ein Aquarium mit dem größten Schaubecken der Welt, einen 30 Meter hohen Wasserfall – und die flächenmäßig größte Kinoleinwand unseres Planeten. Dort habe ich mir Die Eiskönigin 2 gegeben – in der englischen Originalversion mit arabischen Untertiteln, bitte fragt mich nicht warum –, und Olaf ⛄ wurde zensiert 🤦. Auch dazu beantworte ich keine Fragen. Böse Zungen behaupten, die VAE hätten ein wenig zu viel Budget – aber nein, wir denken nicht so, oder?

Apropos ABBA – 🎶 Money, Money, Money: Das Burj Al Arab ist ein signifikantes Sieben-Sterne-Hotel. Laut dem allgemein anerkannten Hotelsterne-Vergabe-System können maximal fünf Sterne vergeben werden – aber hey, wir sind in Dubai. Habt ihr noch ein paar Euro in der Urlaubskasse? Dann verkauft noch euer Auto und euer Haus – und schon habt ihr die Möglichkeit, eine Nacht im Burj Al Arab einzuchecken. Die kleinste Suite hat eine Wohnfläche von 200 m². Dazu werdet ihr mit einem privaten Hubschrauber abgeholt – wenn nicht gerade Roger Federer 🎾 seine Trainingseinheiten auf dem Hoteldach abhält –, und ihr bekommt einen eigenen Butler zur Seite gestellt. Mein Lieblingsbutler war schon immer der Johann aus DuckTales – obwohl Alfred aus Gotham City auch recht cool ist. Habt ihr einen Lieblingsbutler? Sorry – die Hitze 🤷.

Wir könnten noch ewig über Dubais künstliche Superlative philosophieren – die Emirates Towers oder die Marina, um nur einige zu nennen –, aber springen wir zum kulturellen Teil.

Wer Interesse daran hat, die arabische Welt kennenzulernen, ist in den VAE definitiv an der falschen Adresse. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung stammen aus Indien 🇮🇳, der Rest setzt sich aus den Philippinen 🇵🇭 und anderen südostasiatischen Nationen zusammen. Gerade einmal 20 Prozent sind geborene Araber – was das Vertrautmachen mit der Weltreligion Islam nicht gerade erleichtert.

Obwohl Dubai über 500 Moscheen verfügt, war die Jumeirah-Moschee die einzige, die ich als Nichtmuslim relativ unkompliziert betreten durfte.

Wie läuft ein Moscheenbesuch eigentlich ab, welche Herausforderungen entstehen – und wie bereitet man sich vor? Vielleicht werdet ihr genauso überrascht sein wie ich. Bitte vergleicht den Besuch der Jumeirah-Moschee nicht mit einem der berühmten Gotteshäuser, vor denen sich Reisebusse stapeln und Reiseführer mit Regenschirmen und Fahnen herumlaufen – das sind zwei völlig verschiedene Welten. Überprüft vorab die Öffnungszeiten, die gewünschte Kleiderordnung – und meldet euch an.

Leicht nervös und ein wenig aufgeregt fuhr ich zur Moschee, ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet. Zuerst folgte die Registrierung in einem Nebengebäude – dann startete der Empfang. Tee, Kaffee, traditionelle Süßigkeiten und genug Zeit, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Glücklicherweise wollten auch ein paar internationale Gäste die Moschee kennenlernen. Eine wunderschöne Dame im Abaya führte uns zunächst zum Brunnen, der als Reinigungsstelle dient. Es gehört zu den Pflichten, Füße, Hände und Gesicht zu waschen. Die Männer benutzen den öffentlichen Brunnen – für die Frauen gibt es einen separaten.

Im Gegensatz zu christlichen Kirchen und Kathedralen sind Moscheen schlicht ausgestattet. Die Schuhe werden vor dem Eingang ausgezogen – danach nutzte ich die ruhigen Minuten, um mich vorsichtig umzusehen. Keine Stühle, keine Bänke, keine Statuen oder Gemälde … schön verzierte Fenster, ein markanter Teppich – der in Richtung Mekka zeigt – und ein Mihrab, eine Gebetsnische. Viel mehr gibt es nicht zu sehen. Der Koran lag bereits bereit. An der Wand hing eine elektronische Anzeigetafel mit roten und grünen Zahlen – die mich zunächst vor ein Rätsel stellte 🤔.

Wir versammelten uns auf dem Teppich – und die Gastgeberin erhob ihre Stimme. Sie erzählte, berichtete, reflektierte. Kein schulischer Vortrag, keine Belehrung – sondern eine transparente, ehrliche Selbstreflexion über den Islam und seine politische Wahrnehmung. Folgende Worte sind mir in Erinnerung geblieben:

„Auch wenn es niemand von Ihnen glauben wird – der Islam ist eine friedvolle Religion.“ „Über zwei Milliarden Muslime gibt es auf der Welt – und einige wenige missbrauchen diese Religion.“ „In vielen islamischen Ländern sind Frauen gleichberechtigt und frei – aber nicht überall, das wissen wir.“ „Terror, Hass und Gewalt gegen Frauen sind kein Problem des Islams – sondern ein Problem unserer Gesellschaft.“

Ich möchte weder predigen noch eine religiöse Debatte auslösen – aber ich war fasziniert und gleichzeitig begeistert, wie offen und selbstkritisch unser Dialog war. Eine hochinteressante Diskussion über die Weltreligion, über Hoffnungen und Ängste, über die politische Lage und die negative Außendarstellung. Dieser Austausch in der Jumeirah-Moschee gehört zu den spannendsten Gesprächen, die ich je geführt habe.

Kleiner Fun-Fact: Die meistgeladenen Apps in arabischen Ländern sind sogenannte Prayer-Times-Apps. Mittels GPS und Kompass zeigen sie Richtung Mekka, übertragen die Gebete des Imams – und verfügen über einen Wecker, damit man nicht ständig auf die Uhr sehen muss. Die geheimnisvolle Anzeigetafel enthielt ähnliche Informationen.

Randnotiz: Aus Budgetgründen teilte ich mir ein 6-Bett-Zimmer mit fünf jordanischen 🇯🇴 Taxifahrern – genauso romantisch, wie es klingt 😅. Da ich zum Glück bereits einiges über Jordanien wusste, gab es tolle Gesprächsthemen. Eine Sache war allerdings anstrengend: Die Jungs richteten sich nach den Gebetszeiten ihres Heimatlandes – was bedeutete, dass mich ihre Prayer-Times-App mehrmals aus dem Schlaf riss 🙈.

Ein gewisses Selbstvertrauen und eine gewisse Routine erleichtern das tägliche Überleben auf einem Souk. Ein Souk – oder Souq – ist ein traditioneller arabischer Markt, den man aus den Aladdin-Filmen kennt. Der Dubai Creek gehört zu den wenigen Plätzen des Emirates, die nicht von Wolkenkratzern zugepflastert wurden. Fernab der schnelllebigen Baukunst liegen der Spice Souk und der Gold Souk. Die Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht lassen grüßen. Fliegende Teppiche gibt es zwar noch nicht – aber die verführerischen Aromen der Gewürze sorgen für ein orientalisches Wohlgefühl.

Ein bekanntes Szenario: Hunderte Händler, Hunderte Boutiquen … wildes, lautes Treiben … mit allen Tricks versuchen die Verkäufer, einen in ihre Läden zu locken. Verführerische Düfte, kleine Köstlichkeiten – und eine riesige Ansammlung sinnloser Souvenirs nach dem Motto: „Irgendwas muss ich ja mitbringen.“ Aber nirgendwo ein Preisschild. In solchen Momenten vermisst man das strukturierte, langweilige 9,90-Euro-Leben. Was soll ich tun – die werden mich alle über den Tisch ziehen! Keine Vergleichsmöglichkeiten, kein Anhaltspunkt – nur diese innere Stimme, die ständig warnt. Oh, wie sehr lieben wir Europäer unsere Verlässlichkeit.

Am Souk entstehen drei Typen von Menschen:

✔ Typ 1: Man bekommt Angst, flüchtet – und ärgert sich anschließend, dass einem der Mut gefehlt hat.

✔ Typ 2: Man bezahlt den vorgeschlagenen Preis, auch wenn man weiß, dass man gerade über den Tisch gezogen wird. Der Weg des geringsten Widerstandes.

✔ Typ 3: Handeln! Feilschen! Fair bleiben – aber handeln! Feilschen! Auch bei dieser Methode wird man als Tourist über den Tisch gezogen – aber es fühlt sich trotzdem tausendmal besser an 😅.

Bevor ich mich den zahlreichen kostenlosen Walking Tours anschloss, war ich irgendwo zwischen Typ 1 und Typ 2 angesiedelt. Inzwischen beherrsche ich die Kunst des fairen Handelns. Die Free Walking Tours sind der Rettungsanker für steife Europäer – und ein gebührenfreies Geschenk. Die Rundgänge starten allesamt beim Dubai Museum – einem sehr informativen Museum über die Entstehung des Emirates für 50 Cent Eintritt. Da sich die Besucherzahlen während der Mittagshitze in Grenzen hielten, hatte ich eine exklusive „Arabian Nights“-Tour. Mein Guide erklärte mir zuerst die theoretischen Grundlagen des Handelns – und schickte mich dann auf die Jagd. Ein wenig Desinteresse, eine Prise Skepsis, etwas Vorsicht und Respekt, ein bisschen Fachsimpeln und eine kleine Portion Empathie – schon sieht die Sache ganz anders aus. Ich hatte zwar noch immer das Gefühl, mehr herausholen zu können – aber es hat mir große Freude bereitet, und mein Rucksack war voll mit Dingen, die ich eigentlich nicht brauche. Bis auf das Lavendelöl 😉. Ich spürte ein klein wenig Stolz, weil ich meine Komfortzone verlassen hatte. Vermutlich war das alles ein abgekartetes Spiel – und mein Guide steckte mit den Verkäufern unter einer Decke. Aber wen interessiert’s? Ich hatte meinen Spaß.

Wer Gefallen am historischen Teil des Emirates gefunden hat, sollte dem Dubai Heritage Village unbedingt einen Besuch abstatten. Auch in der Altstadt werden kostenlose Walking Tours angeboten. Der Guide erklärte mir, wie Prinz Charles die Altstadt vor den Wolkenkratzern gerettet hat, warum hier nur bestimmte Kamele zugelassen sind – und mit welcher Technik man die abenteuerliche, wackelige Fahrt mit der Abra, einem kleinen Holzboot, am besten überlebt.

Dubai ist berühmt für seine künstlichen Inseln – aber die könnt ihr euch getrost schenken. Meine Route führte mich an die Spitze der Palm Island, um das Luxushotel Atlantis und das Lost Chambers Aquarium zu besuchen. Spart euch die Zeit für sinnvollere Aktivitäten. Was mich etwas beunruhigt: Aktuell wird an einer neuen künstlichen Insel gebaut, die um ein Vielfaches größer und imposanter werden soll. Der Inselwahnsinn findet wohl kein Ende.

Um die irrsinnigen Dimensionen des Bauwahnsinns zu erfassen, reicht ein kurzer Ausflug zur Dubai Marina. Dieser Stadtteil wurde vor nicht einmal 20 Jahren entworfen und beherbergt bereits 250 Wolkenkratzer. Rechnet mal nach: 250 ausgewachsene Giganten in 20 Jahren … beeindruckend oder verstörend – entscheidet selbst. Während ich mit dem Boot durch die Bucht chauffiert wurde, entdeckte ich das neu errichtete Riesenrad. Dieses Teil ist dermaßen groß, dass unser Wiener Riesenrad dagegen wie eine Überraschungsei-Figur wirkt. Nimmt der Irrsinn denn niemals ein Ende?

Jetzt würde ich gerne mit traumhaften Strandfotos prahlen und euch mit Palmen- und Cocktailgeschichten eifersüchtig machen … aber dieses Kapitel können wir überspringen. Um dem hoffnungslosen Kampf gegen die Hitze etwas entgegenzusetzen, warf ich mich sowohl am Jumeirah Beach als auch am La Mer Beach und am JBR Beach in die Fluten. Eine kurze Abkühlung war zwar vorhanden – für einen Sommer-Sonne-Strand-Urlaub kann man Dubai aber vergessen. Verschmutzte Badestellen, kein Zentimeter Schatten – und Baustellen, soweit das Auge reicht. Der nervtötende Lärm der Bohrmaschinen und der trockene Staub des Bauschutts sorgten für das restliche Dilemma.

Das Wort Wüste ist bereits mehrmals gefallen – ihr könnt euch also ausmalen, was jetzt kommt. Korrekt: ein Trip durch die Dünenlandschaft. Desert Sunset Safari – Touristenfaktor hoch zehn. Unzählige Anbieter ködern mit Tagestouren, die jeden erdenklichen touristischen Schnickschnack enthalten: Bauchtanzshow 🙈, traditionelles Barbecue im Beduinen-Camp … Beduinen-Camp? Ich lach‘ mich tot: Hunderte Touristen sitzen im Kreis, verzehren vorgekochtes Kreuzfahrtschiff-Essen und glauben, sie würden Shisha rauchen und auf Kamelen 🐫 reiten. Never ever – wir reiten niemals auf Tieren. Einfach den ganzen touristischen Unsinn über sich ergehen lassen – denn das einzig wahre Abenteuer ist die Fahrt mit dem 4×4-Geländewagen durch die Einöde. Mit an Bord: ein ortsansässiger Fahrer – der den Klassiker brachte, er habe keinen Führerschein und sei noch nie durch die Dünen gefahren – und eine vollkommen verrückte Mädelsrunde aus den Philippinen 🇵🇭. Aber seht selbst ⬇.

Erwähnenswert ist die Dubai Opera, die erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Ein beeindruckendes, modernes Bauwerk – Schauplatz für internationale Events und Konzerte. Da mein Interesse an Kultur, Kunst und Musik noch nicht wirklich vorhanden ist, überfiel mich das Glück – und ich ergatterte ein günstiges Ticket für das Musical Das Phantom der Oper. Am Ticketschalter fragte ich ein wenig unverschämt, ob ich einen Blick in den Opernsaal werfen dürfe. Klar, kein Problem. Die Dame an der Kasse organisierte mir einen Mitarbeiter – und dieser führte mich eine ganze Stunde durch das neue Gebäude. So etwas nenne ich Service. Das abendliche Musical war natürlich fesselnd – aber um meinen Lieblingsvergleich anzubringen: Wenn man einmal im glasklaren Wasser des Wörthersees geschwommen ist, wird man mit chlorhaltigen Stadtbädern keine Freunde mehr. Mein Broadway war New York.

Wenn ein Emirat zu viel Kleingeld hat, kommen kreative und glorreiche Ideen. Für wenige Monate im Jahr werden 150 Millionen Blumen 🌻 in verschiedene Skulpturen verwandelt. Der Dubai Miracle Garden ist von November bis Mai geöffnet und zählt zu den sinnlosesten – und gleichzeitig schönsten – Anlagen, die mit Ölmillionen erschaffen werden können. Tatsächlich wurde eine Passagiermaschine aus fünf Millionen Blumen gebaut. Fünf Millionen! Ich habe zwar nicht nachgezählt – aber vertrauen wir den Emiraten einmal. Überdimensionale Elefanten, die größte Micky-Maus der Welt sowie Tick, Trick und Track sind ebenfalls mit von der Partie.

🎶 „Turbulent wie’n Hurrikane, hier ist Dagobert Duck. Wer verhilft zum Happy End? Es sind Tick, Trick und Track. Sie sind geheimnisvoll, doch sie sind supertoll, die … DuckTales (woohoo). Neue Storys Tag für Tag. DuckTales (woohoo) …“

Haha – jetzt habe ich euch einen Ohrwurm mitgegeben.

Zwischen den Emiraten Dubai und Abu Dhabi liegen gerade einmal 150 Kilometer – eine Distanz, die mit dem Fernbus leicht zu bewältigen ist. Wer wie ich dem Irrglauben verfallen war, diese zwei Emirate würden Hand in Hand gehen, den klären wir nun auf. Während Dubai einer deutschen Großfirma ähnelt – perfekte Organisation, geordnete Abläufe, nichts dem Zufall überlassen –, herrscht in Abu Dhabi sprichwörtlich das reinste Chaos. Selten hatte ich so damit zu kämpfen, von A nach B zu kommen. Obwohl Abu Dhabi bereits 1,5 Millionen Einwohner hat, gibt es keine U-Bahn – und das vorhandene Bussystem erinnert mich eher an die Autoscooter am Villacher Kirchtag. Eine englischsprachige App existiert nicht, die Hälfte der ausgewiesenen Buslinien trägt eine andere Bezeichnung – und sollte man durch Zufall den richtigen erwischt haben, besteht immer noch eine 50/50-Chance, in die falsche Richtung zu fahren. Aufgepasst: Der vordere Teil ist ausnahmslos für Frauen und Kinder reserviert – und im hinteren Teil kommt „Mann“ sich näher. Die zivilisierten, klimatisierten Metrofahrten sind Geschichte – jetzt heißt es Schulter an Schulter, Ellbogen ausfahren und Schweißtropfen austauschen. Warum nimmt er nicht einfach ein Taxi? Weil das (a) Geld kostet – und (b) wo bleibt dann der Spaß?

Warum sind wir alle in Abu Dhabi? Drei magische Worte: Scheich-Zayid-Moschee! In wenigen Wochen werde ich vor den Mauern des Taj Mahal 🇮🇳 stehen – aber ich frage mich gerade, ob das noch notwendig ist. Befinde ich mich nicht bereits vor dem schönsten Bauwerk unseres Planeten? Wie kann ich euch diese Faszination mit Worten erklären? … Lassen wir es einfach.

Auch auf die Gefahr hin, dass es schrecklich kitschig klingt: Wenn man durch die weißen Säulen der Moschee schreitet, den Blick auf die Kuppel und die Minarette richtet – und die glasklaren, blauen Wasserfontänen beobachtet –, fühlt es sich an, als würde man über Wolken laufen.

Selbstverständlich fällt das tiefere Verständnis für den Islam weg, da sich vor Ort die Reisebusse stapeln – aber wir sind wegen ihrer Schönheit hier. Meine Gesichtszüge spiegeln sich im weißen Marmor – und die Besuchermassen sind so gespenstisch still, wie ich es nur von Gedenkstätten kenne. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Zugang zur Moschee: Er verläuft durch ein unterirdisches Einkaufszentrum, in dem sich noble Boutiquen, Fast-Food-Restaurants und Souvenirläden abwechseln. Ein Rat von mir: Nehmt euch mehr Zeit und umrundet die gesamte Moschee. Vertraut mir – ihr werdet mir ewig dankbar sein. Absolute Abgeschiedenheit, traumhafte Blickwinkel auf das Gebäude und einzigartige Aufnahmen für eure Fotosammlung.

Aber jetzt aufgepasst: Nie und nimmer hätte ich es für möglich gehalten, dass die Ästhetik der Scheich-Zayid-Moschee übertroffen werden kann. Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Presidential Palace – der erst seit wenigen Monaten für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Wie man ihn auf legalem Weg besuchen kann, kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen. Angeblich benötigt man eine Voranmeldung und einen zugelassenen Guide. Auf gut Glück ging ich zu den Toren des Palastes – wurde von den Wachen von A nach B nach C und D geschickt – bis ich in einen kleinen Bus verfrachtet wurde, was ein wenig nach Entführungsszenario aussah –, der mich schließlich vor dem Palast absetzte. Na toll … wieder einer dieser Jäger-des-Augenblicks-Momente … mir läuft gerade eine Gänsehaut über den ganzen Körper, wenn ich daran zurückdenke. Keine Menschenseele weit und breit – und ich wartete eigentlich nur darauf, dass mich jemand aufsammelte, denn ich wusste nicht einmal, ob ich dort sein durfte. Der weiße Marmor, dieser unfassbare Glanz … aber seht selbst.

Was lässt sich noch alles mit Ölmillionen kaufen? Vielleicht den Louvre? An der Küste des Arabischen Golfs liegt ein architektonisches Meisterstück – zugleich eine Hommage an das berühmte französische Kunstmuseum. Der arabische Louvre lässt sich gut mit den sogenannten „Scheich-Fußballvereinen“ vergleichen: In Windeseile kauft man sich die berühmtesten Gemälde der renommiertesten Künstler zusammen. Optisch natürlich beeindruckend – aber auch eine nicht zu unterschätzende Bedrohung. Während die prestigeträchtigsten Kunstmuseen der Welt Organisationen oder Staaten gehören, befindet sich der arabische Louvre im Privatbesitz eines mächtigen Scheichs. Mit anderen Worten: Der Ölbaron kann mit den Kunstschätzen der Welt tun und lassen, was er möchte. Der Besuch ist lohnenswert – aber ähnlich wie bei der Oper in Dubai merkt man, dass Kunst und Kultur in den VAE noch nicht wirklich angekommen sind.

Im Gegensatz zu Dubai verfügt Abu Dhabi über saubere und attraktive Strände. Der Abu Dhabi Beach und der Corniche Beach bieten zwei Möglichkeiten, sich im Arabischen Golf abzukühlen. Vom Zentrum aus sind sie gut erreichbar – allerdings habe ich das interne Strandsystem nicht wirklich durchschaut. Einige Küstenabschnitte sind kostenpflichtig, andere gratis – manche nur für Familien zugänglich, andere nur für Einheimische – und irgendwo wurde mir dann doch noch der Einlass gewährt. Es brauchte ein wenig Beharrlichkeit und ein besseres Verständnis für das System, bis ich endlich meinen luxuriösen Vorzeigekörper unter der arabischen Sonne rösten konnte.

Vor einigen Jahren haben sich die VAE die Lizenz für ein Formel-1-Rennen erkauft. Die traditionsreiche – Achtung, Sarkasmus 😉 – Rennstrecke befindet sich auf der Yas Island. Der Yas Circuit liegt rund 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist nur mit viel Improvisation, Fragerei und Glück mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. An den meisten Wochentagen ist der Circuit frei zugänglich und lässt sich mit dem Fahrrad oder Inlineskates umrunden. Da ich ein leidenschaftlicher Formel-1-Fan bin, musste ich die Gelegenheit nutzen, tiefer in die Rennsport-Materie einzutauchen. Eine geführte Tour durch die Katakomben der Rennstrecke ist die optimale Wahl. Das Glücksprinzip schlug wieder einmal zu – denn allzu viele Urlauber hatten nicht das Verlangen, sich bei über 45 Grad den künstlichen Kurs anzusehen. Einmal durch die Boxengassen, ein paar Selfies bei Start und Ziel 🏁, ein Spaziergang durch die Kommandozentrale … das klingt genauso spannend, wie es war 🥱. Wäre da nicht die Drift-Challenge gewesen. Rein in den feuerfesten Rennanzug, Schutzhelm aufgesetzt – und los geht die wilde Fahrt. Als Beifahrer eines professionellen Piloten, der seinen Sportwagen über die Strecke jagt, kommt man dem Tod sehr nahe 😱. Vor Jahren war ich Passagier eines Fluges 🇫🇴, der durch Turbulenzen so durchgeschüttelt wurde, dass ich mir vor lauter Festkrallen offene Wunden an den Händen zuzog. Warum erzähle ich das? Weil ich seit Ewigkeiten nicht mehr daran gedacht hatte – bis zu diesen Momenten im Sportwagen 😱😱😱. Video

Das heimliche Motto der Emirate: das größte Irgendwas, das längste So-und-so, das höchste Dies-und-das. In die Rubrik „das Schnellste Irgendwas“ gehört der Freizeitpark Ferrari World. Stolz präsentiert man dort die schnellste Achterbahn der Welt. Ihr würdet jetzt gerne wissen, wie es sich angefühlt hat, mit der Formula Rossa mitzufahren. Keine Ahnung! Der Tag, an dem ich mich jemals in solch ein Teil begebe, wird nie kommen. Ich kann nicht im Geringsten nachvollziehen, was daran Spaß machen soll – aber offenbar gibt es genug verrückte Menschen unter uns. Die zahlreichen Themenparks der VAE sind ein eigenes Kapitel. Die Parks sind in klimatisierten Hallen untergebracht – und menschenleer.

Ich organisierte mir ein 2-Parks/1-Day-Ticket zu einem sagenhaft günstigen Preis. Allein das Parken im Walt Disney World in Orlando war doppelt so teuer. Neben dem Ferrari World stattete ich noch den Warner Bros. World-Filmstudios einen Besuch ab – meinem allerersten Themenpark, in dem mich die Mitarbeiter aktiv anwarben, die Attraktionen auszuprobieren. Das Prozedere hatte eine gewisse Souk-Atmosphäre 😅. Erinnert ihr euch: Sommerferien, Montagvormittag, es regnet – und man geht trotzdem ins Freibad in der Hoffnung, dass es geöffnet ist. Nicht wegen des Wetters oder des Schwimmens – sondern natürlich wegen der Rutsche! Kein Mensch weit und breit. Rutsche rauf, Rutsche runter, hunderte – nein, tausende Male – ohne eine Sekunde anzustehen. Willkommen in den Themenparks der VAE. Ich spreche nur für den Monat November – aber es war so wenig los, dass ich erst beim Betreten sicher war, dass Warner Bros. World überhaupt geöffnet war. Nach meinem dreistündigen Aufenthalt kannte ich alle Angestellten beim Vornamen – und Bugs Bunny, Fred Feuerstein und Co. fragten mich nach einem gemeinsamen Foto.

Mein Fazit: Eigentlich hatte ich keinen Bock auf die V.A.Es. Zu viel Größenwahn, zu viel künstliche Unterhaltung und Touristenattraktionen, aber ich täuschte mich. Sobald man einmal die Top 5 von TripAdvisor abgearbeitet hat, wird es interessant und aufregend.

Sicherheit: Kriminalität existiert in den Emiraten nicht. Ihr könnt maximal in den Sanddünen verschwinden, oder von einem Kamel abgeschleckt werden. (Würde ich beides weniger empfehlen.)

Kosten: Die Preisspanne Dubais reicht von Moldawien bis Norwegen. Es gibt zehn unterschiedliche Dubai Pässe und unzählige Vergleichsmöglichkeiten. Abu Dhabi ist deutlich günstiger als Dubai. Es liegt an euch, wie viel Budget ihr investieren möchtet.

Jetzt wartet ein absoluter Höhepunkt meiner Weltreise. Mit dem Mietwagen einmal quer durch den Oman 🇴🇲. Zugegeben, ich bin schon ziemlich aufgeregt und nervös, weil ich keine Ahnung habe, wie gut diese Idee ist.

 

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