Casa do Penedo – Yabba Dabba Doo in Portugal 🇵🇹
Die Casa do Penedo gehört zweifellos zu den ungewöhnlichsten Häusern der Welt – und zeigt zugleich, welche Licht- und Schattenseiten entstehen, wenn eine idyllische, bescheidene Oase der Beschaulichkeit plötzlich internationale Bekanntheit erlangt.
Das sogenannte „Fred-Feuerstein-Haus“ liegt abgeschieden im Norden Portugals. Grüne Wiesen, weite Felder, Schafherden – und Windkraftanlagen. Eine Idylle, die hin und wieder durch das monotone Surren der Windräder getrübt wird.
Die Anfahrt über die letzten Kilometer ist keine leichte: Die Zufahrtsstraße ist in schlechtem Zustand, kurvenreich und stellenweise kaum befestigt. Wer das Haus besuchen möchte, sollte daher etwas Zeit einplanen und sich auf eine holprige letzte Etappe einstellen. Am Ziel angekommen, empfängt Besucher zunächst ein zwei Meter hoher Zaun – eine notwendige Schutzmaßnahme, auf die später noch näher eingegangen wird.
Besichtigungen sind nur nach vorheriger Anmeldung möglich, geführt von Vítor, dem heutigen Eigentümer und Sohn desjenigen, der das Haus einst erbaute. Er empfängt Besucher persönlich vor Ort und erzählt die Geschichte seiner Familie mit einer Mischung aus Stolz, Humor und einer gewissen Wehmut, die spürbar wird, sobald das Gespräch auf die vergangenen, ruhigeren Jahre kommt.
Die Familie entdeckte diesen Schauplatz durch reinen Zufall. Während einer Wanderung im Jahr 1973 stießen sie auf vier gewaltige Felsbrocken, die das heutige Fundament des Hauses bilden. Sie verliebten sich in die Aussicht über das Tal, in die Ruhe und Abgeschiedenheit. Vítors Vater kaufte das Grundstück und errichtete gemeinsam mit Freunden und Arbeitskollegen das Haus – Stein für Stein, ohne professionelle Hilfe.
Nach knapp einem Jahr war die Casa do Penedo fertiggestellt – und bis heute hat sich am ursprünglichen Erscheinungsbild nichts Wesentliches verändert. Die größte Motivation der Familie war, einen Rückzugsort ohne jede Form moderner Technologie zu schaffen. Es gibt bis heute keinen Strom, kein fließendes Wasser, keinen Telefonanschluss und keinen Fernseher. Und das soll auch so bleiben – ein Grundsatz, an dem Vítor bis heute festhält, wie er bei der Führung deutlich macht.
Im Inneren des Hauses zeigt sich Schlichtes, aber Wunderschönes: ein Kochfeld, persönliche Gegenstände, Familienfotos. Das Innere lässt sich am ehesten mit einem kleinen, gemütlichen Einfamilienhaus vergleichen, nur dass die Möbel, der Boden und das Geländer aus massivem Stein gefertigt sind. Kein Raum gleicht dem anderen in seiner Form – die vier gewaltigen Felsbrocken, zwischen denen das Haus einst errichtet wurde, geben bis heute den unregelmäßigen Grundriss vor, sodass keine Wand wirklich gerade verläuft. Nichts wirkt improvisiert, eher wie ein bewusster Verzicht auf alles Überflüssige. Selbst die Betten wurden eigens angefertigt, angepasst an die schiefen Winkel der Felsen, als hätte man dem Stein seine ganz persönliche Handschrift gelassen.
Wo Fred und Wilma Urlaub machen würden
Über Jahrzehnte hinweg war das Haus eine Oase der Erholung und Stille – bis zu jenem Tag, an dem eine japanische Fernsehsendung es entdeckte. In kürzester Zeit wurde es zu einem globalen Wahrzeichen. Plötzlich strömten große Menschenmengen in die einst friedliche Gegend. Neu errichtete Zäune wurden überklettert, Fenster eingeschlagen, Türen beschädigt. Das führte so weit, dass die Fenster heute kugelsicher sind und die Eingangstür mit Stahl verstärkt ist.
Die Privatsphäre der Familie war verloren, und sie musste sich der neuen Realität anpassen: Das Haus wurde offiziell für Touren geöffnet. Vítor spricht offen darüber, dass er die stillen Tage von früher vermisst – gleichzeitig aber auch dankbar dafür ist, aus der neuen Situation einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen zu können. Ein Swimmingpool wurde in der Nachbarschaft errichtet, ein Hirtenprogramm wird angeboten, und schon bald werden Übernachtungen möglich sein.
Wer sich nach dem Rundgang noch etwas Zeit auf dem Grundstück nimmt, bekommt oft die Gelegenheit, allein zwischen den Felsen zu verweilen – ein Moment, in dem sich erahnen lässt, wie still und abgeschieden dieser Flecken Erde einst gewesen sein muss, bevor die Welt ihn entdeckte.
Know Before You Go:
Die Casa do Penedo liegt etwa 20 Kilometer von der Stadt Fafe entfernt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar. Wer das Haus erleben möchte, sollte vorab Kontakt zu Vítor aufnehmen und einen Termin vereinbaren. Eine Besichtigung kostet derzeit 7 Euro (Stand: 2026). (https://www.casadopenedo.com)
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